Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Auswirkungen von sexuellem Kindesmissbrauch zu erarbeiten. Dies geschieht unter Einbezug der Bindungstheorie, indem zunächst ein Einblick in diese geboten wird. Die verschiedenen Bindungsmuster, die Kinder in den ersten zwei Jahren zu ihren Bezugspersonen entwickeln, werden in Betracht genommen, woraufhin das Augenmerk auf die weitere Entwicklung, je nach Bindungsmuster, gelegt wird. Daraufhin wird der Bezug zu sexuell missbrauchten Kindern und deren jeweiliger Bindung dargestellt, woraufhin nach einer Einführung in das Thema "sexueller Kindesmissbrauch" die Langzeitauswirkungen von Kindesmissbrauch thematisiert werden. Das übergeordnete Ziel dieser Arbeit stellt die Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs dar, indem die neu gewonnenen Erkenntnisse in Zukunft positiv dazu beitragen, potenzielle Missbrauchsopfer zu erkennen und bestehende Wissensdefizite auszubauen, indem dieses gewonnene Wissen weitergetragen wird.
Die Thematik des sexuellen Kindesmissbrauchs war bereits in der Antike präsent. Erst zum 19. Jahrhundert fand sexueller Missbrauch mehr und mehr Beachtung und wurde als unmoralisch betrachtet. Die Kindheit müsste geschützt werden. Sexuelle Übergriffe galten als sündhaft und wurden zunehmend bestraft. 1982 wandten sich betroffene Frauen erstmals an die Öffentlichkeit. In der Folge wurde dem Thema und der dahinterstehenden Problematik immer mehr Beachtung in der Öffentlichkeit geschenkt.
Dennoch wurden im Jahre 2016 laut polizeilicher Kriminalstatistik 12.019 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs in Deutschland gemeldet. Die Dunkelziffer aufgrund nicht gemeldeter Fälle scheint jedoch erheblich höher zu sein. Über derartige Berichte in den Medien tritt meist Aufregung und Empörung in der Gesellschaft auf, über die Folgen für die Kinder ist sich jedoch kaum jemand bewusst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Bindungstheorie
2.1 Bindungsqualitäten
2.2 sexueller Kindesmissbrauch (Definition und Arten)
3 Auswirkungen
3.1 psychische Auswirkungen
3.2 physische und psychosomatische Auswirkungen
3.3 soziale Auffälligkeiten
3.4 Sexualverhalten
3.5 Auswirkungen auf die Partnerschaft
3.6 Auswirkungen hinsichtlich des Bindungsaufbaus zu eigenen Kindern
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die langfristigen Auswirkungen von sexuellem Kindesmissbrauch auf die Entwicklung betroffener Kinder unter besonderer Berücksichtigung der Bindungstheorie nach John Bowlby, mit dem übergeordneten Ziel, Erkenntnisse für eine effektivere Prävention zu gewinnen.
- Grundlagen der Bindungstheorie und verschiedene Bindungsmuster
- Definition und Arten des sexuellen Kindesmissbrauchs
- Psychische, physische und soziale Folgen für Missbrauchsopfer
- Veränderungen im Sexualverhalten und in Partnerschaftsbeziehungen
- Transgenerationale Auswirkungen und Bindungsaufbau zu eigenen Kindern
Auszug aus dem Buch
3.1 psychische Auswirkungen
Kinder mit Missbrauchserfahrungen weisen im Nachhinein häufig ein geringes Selbstwertgefühl auf, resultierend aus den aufgrund des Missbrauchs entstandenen Scham- und Schuldgefühlen (Deegener, 1998, S. 92). Sie fühlen sich gedemütigt und wertlos, da sie nicht in der Lage waren, sich gegen den Täter zu wehren (Bange, 1992, S. 40). Aufgrund dessen machen sie sich selbst für den Missbrauch verantwortlich (Linder & Thießenhusen, 2007, S. 22). Besonders intensive Schuldgefühle entstehen, wenn das Kind den Missbrauch teilweise genossen hat, beispielsweise durch die erhaltene Zuwendung und Aufmerksamkeit, oder durch das Erlangen einer gewissen körperlichen Befriedigung (Enders, 2001, zitiert nach Linder & Thießenhusen, 2007, S. 22). Das Verständnis dafür aufzubringen, keine Schuld am Missbrauch zu haben, bedarf eines langwierigen Prozesses (Linder & Thießenhusen, 2007, S. 23).
Weiterhin treten bei vielen Kindern als Folge des Missbrauchs bestimmte Ängste auf. Hierzu gehören die Angst eines erneuten Missbrauchs, Ängste vor den Drohungen der Täter und die Angst, bei einer Offenbarung des Erlebten auf Unglauben zu stoßen und verhöhnt zu werden. Oftmals wird Angst vor bestimmten Menschen entwickelt, die beispielsweise durch ihren Geruch, ihre Stimme, oder äußerliche Merkmale wie einen Bart an den Täter erinnern (Bange, 1992, S. 42). Ebenso können diverse Phobien entstehen, z.B. gegen Joghurt, da dieser mit Sperma assoziiert wird, oder gegen rote Autos, sollte der Täter eines besessen haben (Rensen, 1992, S. 132).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Umgangs mit sexuellem Kindesmissbrauch und begründet die Zielsetzung der Arbeit unter Bezugnahme auf die Bindungstheorie.
2 Grundlagen der Bindungstheorie: Dieses Kapitel erläutert die von John Bowlby entwickelte Bindungstheorie sowie die vier zentralen Bindungsqualitäten und definiert den Begriff des sexuellen Kindesmissbrauchs.
3 Auswirkungen: Hier werden die vielfältigen negativen Konsequenzen für Betroffene in psychischer, physischer, sozialer und sexueller Hinsicht detailliert analysiert, einschließlich der Auswirkungen auf spätere Partnerschaften und die Elternschaft.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die langfristige Bedeutung der Bindungsqualität für die Entwicklung und unterstreicht die Notwendigkeit, Aufklärung und Prävention zu verstärken.
Schlüsselwörter
Sexueller Kindesmissbrauch, Bindungstheorie, John Bowlby, Bindungsqualitäten, Trauma, Psychische Folgen, Entwicklungspsychologie, Prävention, Selbstwertgefühl, Soziale Auffälligkeiten, Partnerschaft, Bindungsaufbau, Desorganisierte Bindung, Missbrauchsopfer, Kindesentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen, die sexueller Kindesmissbrauch auf die psychische und soziale Entwicklung eines Kindes hat, wobei ein besonderer Fokus auf der bindungstheoretischen Perspektive liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Bindungstheorie nach Bowlby, verschiedene Formen des Missbrauchs, die kurz- und langfristigen Folgen für die Opfer sowie die transgenerationalen Risiken für deren spätere Elternrolle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, ein besseres Verständnis für die Symptome und Folgen zu schaffen, um so langfristig zu einer verbesserten Prävention und Früherkennung beizutragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse bestehender psychologischer und psychiatrischer Fachliteratur zum Thema Bindung und Missbrauch basiert.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Bindungstheorie und eine umfassende Darstellung der Auswirkungen von Missbrauch, unterteilt in psychische, psychosomatische, soziale und sexuelle Aspekte sowie deren Einfluss auf Partnerschaft und Erziehung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Sexueller Kindesmissbrauch, Bindungstheorie, desorganisierte Bindung, psychische Traumata und die generationenübergreifende Weitergabe von Bindungsmustern.
Warum spielt die desorganisierte Bindung in dieser Arbeit eine besondere Rolle?
Die Arbeit stellt heraus, dass eine desorganisierte Bindung eng mit erlittenem Missbrauch verknüpft ist und oft dazu führt, dass die Betroffenen später selbst Schwierigkeiten haben, eine sichere Bindung zu ihren eigenen Kindern aufzubauen.
Welche individuellen Symptome werden bei Kleinkindern besonders hervorgehoben?
Bei Kleinkindern (0-3 Jahre) zeigen sich die Auswirkungen primär durch Ängstlichkeit, Unruhe, Ess- und Schlafstörungen sowie ein auffälliges Fremdeln oder alternativ eine ausgeprägte Distanzlosigkeit.
- Arbeit zitieren
- Julia Kretek (Autor:in), 2018, Welche Auswirkungen hat sexueller Missbrauch auf die Entwicklung von Kleinkindern? Die Bindungstheorie nach John Bowlby, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541286