Der Umgang der Sozialen Arbeit mit der Klimakatastrophe


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Auswirkungen der Klimakatastrophe

3. Umgang der Sozialen Arbeit mit der Klimakatastrophe
3.1 Das Modell der Oko-Sozialen Arbeit
3.2 Klimagerechtigkeit als Prinzip der Sozialen Arbeit
3.3 Vorsorge-, Bewaltigungs- und Adaptionsstrategien
3.4 MaEnahmen der Sozialen Arbeit in der Klimakatastrophe
3.4.1 Bildungs- und Informationsarbeit durch Multiplikator*innen
3.4.2 Gemeinwesenarbeit in Stadtteilen
3.4.3 Empowerment fur Engagement

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„I want you to panic. I want you to feel the fear I feel every day and then I want you to act!" - Mit dieser Aufforderung zum Handeln machte Greta Thunberg beim Weltwirtschaftsgipfel darauf aufmerksam, dass wir uns Mitten in der Klimakatastrophe befinden. (Thunberg, 2019)

Die Menschheit kann noch ca. 331 Milliarden Tonnen an CO 2 ausstoEen, um die globale Erwarmung auf 1,5°C zu begrenzen, wie im Pariser Klimaabkommen beschlossen wurde. Bei aktuellem Verbrauch ist dieses Budget in weniger als acht Jahren erschopft. (MCC, 2020) Der UN Abgeordnete der Marschallinseln bezeichnete eine 2°C-Erderwarmung bereits als Volkermord, da seine Nation im Meer versinkt. (Wallace-Wells, 2018) Aber auch Deutschland ist stark betroffen: Laut der Entwicklungsorganisation Germanwatch lag Deutschland 2018 auf Platz drei der am starksten von Extremwetter betroffenen Staaten im Klima-Risiko-Index. (Finkenwirth, 2019)

Der Integrierte Klimaschutzplan Hessen 2025 zeigt, dass im Raum Frankfurt eine deutliche Zunahme von tropischen Nachten, Hitzetagen und eine starke Niederschlagsverringerung zu verzeichnen ist. (Hessisches Ministerium fur Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 2017, S. 9-11)

Die Klimakrise betrifft jede und jeden von uns - somit auch die Soziale Arbeit. Der Umgang der Sozialen Arbeit mit der Klimakatastrophe ist Thema dieser Arbeit.

In Kapitel 2 gehe ich auf die Auswirkungen der Klimakrise ein und auf die Frage, welche Personengruppen am starksten betroffen sind. In Kapitel 3 diskutiere ich den Umgang der Sozialen Arbeit mit der Klimakrise, indem ich zunachst das Modell der Okosozialen Arbeit vorstelle und darauf eingehe, welche Aufgabe Sozialarbeiter*innen zukommt. AnschlieEend thematisiere ich Strategien zur Vorsorge, Bewaltigung und Adaption. Aus den benotigten Strategien lassen sich MaEnahmen ableiten, die es benotigt, um der Klimakatastrophe zu begegnen.

Die Frage der Herangehensweise, Finanzierung und Umsetzung der Angebote bleibt offen und kann im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter thematisiert werden.

2 Die Auswirkungen der Klimakatastrophe

Das Fortschreiten der Klimakrise erfolgt rasanter als bisher angenommen. Beispielsweise das Abtauen des Permafrostes in Kanada und Sibirien wurde fur 2090 in dem MaEe vorhergesagt, in dem es bereits 2019 eintrat. (Charisius, 2019) Immer wieder werden neue Studien publiziert, in denen Kipppunkte aufgezeigt werden, die in den bisherigen Klimaprognosen noch gar nicht berucksichtigt wurden. Klimaforscher*innen sind sich einig, dass Extremwetterereignisse durch die globale Erwarmung haufiger stattfinden werden und sich deren Intensitat erhohen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dieses Szenario nach Raftery (Raftery, Zimmer, Frierson, Startz, & Liu, 2017) basiert auf der Annahme, dass CO2 durch moderne Technologien aktiv aus der Atmosphäre entzogen wird.

Die Industrie verschmutzt das Trinkwasser, Ackerboden wird durch die industrielle Agrarwirtschaft ausgelaugt und erodiert. Hinzu kommen Auswirkungen der Klimakatastrophe wie das Ansteigen des Meeresspiegels, die Zunahme von Durren sowie Uberschwemmungen in Kustenregionen, die zu Ernteausfallen fuhren und somit die Lebensmittelpreise ansteigen. Taifune und Hurrikans werden heftiger. Aufgrund von Ressourcenknappheit und fortschreitender Umweltzerstorung verscharfen sich Konflikte. Durch die massiv erschwerten Lebensbedingungen werden immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen mussen. Bereits der 2018 von der UN verabschiedete Migrationspakt (Global Compact for Safe, Orderly, and Regular Migration) beschreibt eindeutig die Zusammenhange zwischen zwischen Klimakrise und Flucht. Die Weltbank geht davon aus, dass die Fluchtlingszahlen weltweit im Jahr 2050 auf 140 Mio. Menschen steigen werden. (Deutsche Presseagentur, 2018) Zum Vergleich waren es im Jahr 2018 weltweit 70,8 Mio. Fluchtlinge. (UNO Fluchtlingshilfe, 2020)

Der UN Bericht Climate Change and Poverty von 2019 prognostiziert, dass die Klimakrise fur Menschen, die unter Armut leiden, verheerende Folgen haben wird. Sogar im besten Fall werden hunderte Millionen Menschen von Ernahrungsunsicherheit, erzwungener Migration, Krankheit und Tod bedroht sein. Die Klimakatastrophe bedroht die Zukunft der Menschenrechte und birgt das Risiko, dass die Fortschritte der letzten 50 Jahre in den Bereichen Entwicklung, globale Gesundheit und Armut zunichte gemacht werden. (OHCHR, 2019)

Im Bericht der ESPAS wird aufgezeigt, dass die Weltbevolkerung im Jahre 2030 wahrscheinlich auf 8,6 Milliarden Menschen ansteigt. Unsere Demographie zeigt vor allem einen groEen Anteil alterer Menschen in der Gesellschaft und immer groEere Stadte, wodurch vor einer steigenden Kriminalitatsrate gewarnt wird. (ESPAS, 2019, S. 9-13) „Die fur Hessen zu erwartende Zunahme von Hitzeereignissen (mehr Hitzetage, mehr Tropennachte, warmere Sommer) trifft tendenziell die gesamte Bevolkerung, wobei einige Gruppen als besonders verletzlich gelten: altere Menschen, (chronisch) Kranke, pflegebedurftige Personen, Kleinkinder sowie Beschaftigte im AuEenbereich (z.B. Mullabfuhr, Fahrradkuriere, Bauarbeiter).“ (Hessisches Ministerium fur Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 2017, S. 45) Im Hitzesommer 2003 gab es allein in Hessen 800 bis 1000 zusatzliche Todesfalle. Laut Klimaschutzplan Hessen sollen MaEnahmen ergriffen werden, um die Zahl der Hitzetoten zu reduzieren und moglichst zu vermieden.

Zusatzlich werden sich durch die veranderten klimatischen Bedingungen die Vegetationsperioden verandern. Invasive Arten konnen neue Lebensraume erobern und bestehende Okosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Es ist davon auszugehen, dass das Pollenallergierisiko bzw. die Dauer und Intensitat von Erkrankungen zunehmen und neue Krankheiten FuE fassen. So ist beispielsweise die aus den Tropen stammende Asiatische Tigermucke zunehmend auch in Teilen Suddeutschlands nachgewiesen, die Krankheitserreger wie etwa das Chikungunya-Virus oder Dengue Fieber ubertragt. „Durch die klimatischen Gegebenheiten am Oberrheingraben und die Eigenschaft als Transitland ist Hessen fur eine Zunahme klassischer Vektorerkrankungen sowie das Auftreten neuer Krankheiten besonders anfallig.“ (Hessisches Ministerium fur Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 2017, S. 46)

Schwere Extremwetterereignisse konnen v.a. bei Kindern / Jugendlichen Traumata auslosen, die im Folgenden zu PTBS fuhren. (Mambrey, Wermuth, & Bose-O'Reilly, 2019) Gleichzeitig konnen in diesen Situationen durch materiellen Verlust oder Personenschaden Angststorungen und andere psychische Krankheiten ausgelost werden. Die psychischen Krankheiten konnen zusammen mit knappen Ressourcen zu politischer Polarisierung, Gewaltbereitschaft und letztendlich zum sozialen Kollaps fuhren. In der Studie „Deep Adaptation“ leitete Professor Jem Bendell 2018 her, warum der Kollaps der Gesellschaft unausweichlich, eine Katastrophe wahrscheinlich und sogar das Aussterben der Menschheit moglich ist. (Bendell, 2018)

Zu den sensiblen Gruppen, die von der Klimakatastrophe am starksten betroffen sind, zahlen demzufolge altere Menschen, (chronisch) Kranke, pflegebedurftige Personen, Kinder und Jugendliche, Obdachlose, Beschaftigte im AuEenbereich, Migrant*innen und gefluchtete Menschen. Paradox ist dabei, dass diese Menschen aufgrund der finanziellen und/oder gesundheitlichen Situation den geringsten CO 2 -FuEabdruck besitzen. Die sensiblen Gruppen schlieEen die Zielgruppen der Sozialen Arbeit ein, woraus sich ableiten lasst, dass die Profession der Sozialen Arbeit zu einem besseren Umgang mit der Klimakrise hinwirken sollte.

3 Umgang der Sozialen Arbeit mit der Klimakatastrophe

3.1 Das Modell der Oko-Sozialen Arbeit

Oko-Soziale Arbeit wird auch als Grune oder Nachhaltige Soziale Arbeit bezeichnet. Sie verfolgt einen Ansatz, der auf den Prinzipien der Umweltgerechtigkeit basiert. Oko-Soziale Arbeit soll im Wesentlichen die Menschen dabei unterstutzen, ein nachhaltiges, biodiverses System auf unserem Planeten zu erschaffen, indem mit den Methoden der Sozialen Arbeit ein sozialer Wandel gefordert wird. Es soll Bewusstsein daruber herrschen, dass der Mensch nur ein Teil der Biosphare ist und dass die Klimakrise vor allem Randgruppen der Gesellschaft trifft. Es gibt bestimmte Methoden der Sozialen Arbeit, die effektiv darin sind, die Umweltzerstorung zu bewaltigen. Diese fordern sowohl Empowerment, Teambuilding und Gemeinschaftsentwicklung, als auch Kultursensibilitat und arbeiten mit ganzheitlichen Ansatzen. Sozialarbeiter mussen politisch sein, offentliche Werte entwickeln und sich fur Rechte sowie Gerechtigkeit einsetzen. Die Reflexion der Arbeit ist dabei zwingend notwendig. (Ramsay & Boddy, 2016, S. 5)

Gesellschaftlicher Wandel muss auf der Mikro-, Meso- sowie Makro-Ebene herbeigefuhrt werden, um zerstorerische Handlungen zu verandern. Die Mikro-Ebene zielt dabei auf Veranderungen beim Individuum bzw. im Nahbereich von Familien und Kleingruppen ab. Die Meso-Ebene bezeichnet Organisationen, groEere Gruppen oder Gemeinwesen. Koordinierende Planung sowie die Vernetzung von Tragern und Stadtteilinitiativen im Sozialraum gehoren ebenso dazu wie Schulprogramme. Die Makro-Ebene zielt auf groEere gesellschaftliche Einheiten und politische Vorgaben ab. Unabhangig von einzelnen Fallen mischt sich Soziale Arbeit in der Makro-Ebene in die Gestaltung und Entwicklung von sozialpolitischen Strukturen, Finanzierungswesen und inhaltliche Ausrichtungen ein. (Walter, 2017, S. 51) In allen Ebenen ist an Ressourcenpflege, Haushalten, Partizipations- und Verwirklichungsmoglichkeiten und an Nachhaltigkeit zu denken. (Wendt, 2010, S. 14) In sozialer Aktion, Protesten und Zivilem Ungehorsam sollte zum Klimaschutz teilgenommen werden. Ebenfalls notwendig ist es, die Hemmschwelle zur Teilnahme an diesen Protesten fur andere zu senken. Sozialarbeiter*innen sollten fur einen Systemwandel weg von der ausbeuterischen Wachstumsgesellschaft und hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft pladieren. (Ramsay & Boddy, 2016, S. 8)

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Umgang der Sozialen Arbeit mit der Klimakatastrophe
Hochschule
Hochschule Darmstadt  (Soziale Arbeit)
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V541292
ISBN (eBook)
9783346166890
ISBN (Buch)
9783346166906
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klimakatastrophe, Klimakrise, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Sabine Hempel (Autor), 2020, Der Umgang der Sozialen Arbeit mit der Klimakatastrophe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541292

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