Fugenelemente - insbesondere in der Fremdwortbildung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

36 Seiten, Note: eins


Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

Zu Fugenelementen allgemein

1. Begriffsklärung - Was sind Fugen?
1.1. verschiedene Benennungen
1.2. Definition
1.3. Funktionen von Fugenelementen
1.4. Sonderfall: Derivationsfuge

2. Entwicklung von Fugenelementen
2.1. diachrone Sprachbetrachtung
2.2. synchrone Sprachbetrachtung
2.2.1. paradigmische Fugenelemente
2.2.2. unparadigmische Fugenelemente
2.3. Besonderheit „Nullfuge“ Zu fremden Fugenelementen konkret

3. Überblick zu nicht-indigenen (fremden) Fugenelementen
3.1. Einordnung in den bisher geschilderten Kontext
3.2. Restriktionen beim Vorkommen fremder Fugenelemente
3.3. Besonderheiten beim Auslaut fremdsprachlicher Erstglieder

4. Beschreibung fremder Fugenelemente
4.1. o-Fuge
4.1.1. Vorkommen und Herkunft
4.1.2. Problemfall I
4.1.3. Problemfall II
4.2. i-Fuge
4.2.1. fremde i-Fuge
4.2.2. heimische i-Fuge
4.3. Streitfälle
4.3.1. Fremdelement al
4.3.2. Fremdelement an
4.3.3. Fremdelement at

Fazit

Anhang

5. Literaturliste

6. Auflistung des Korpus

A. Einleitung

Wir wollen mit dieser Arbeit einen Überblick zum Fugenelement in der Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache geben, insbesondere zu den nicht-indigenen Fugen- elementen in der Fremdwortbildung. Dabei beanspruchen wir jedoch keine Vollständigkeit. Können wir auch gar nicht, da in der momentanen Forschung viele Sachverhalte noch nicht eindeutig geklärt sind und häufig verschiedene Meinungen existieren. Unsere Darstellung soll lediglich den Einstieg in die Beschäftigung mit der Problematik „Fugenelemente“ erleichtern, vor allem eben der „fremden Fugenelemente“, da es zu diesem Bereich noch recht wenig wissenschaftliche Untersuchungen gibt.

Wir untergliedern unsere Betrachtungen deshalb in zwei große Kapitel. Einen allgemeinen Teil, der die grundlegenden Informationen zur Problematik „Fugenelement“ liefert, und einen spezialisierenden Teil, der sich konkret den fremden Fugenelementen widmet.

Zunächst geben wir also eine allgemeine Einführung in die Thematik des „Fugenelementes“ im Deutschen. Was ist eine Fuge? Wie ist sie beschaffen? Welche Besonderheiten weist sie auf? Welche Funktionen haben Fugen? Alles Fragen, die in der ersten Passage geklärt werden sollen.

Daraufhin folgen, im zweiten großen Abschnitt, Ausführungen zu grundsätzlichen Kennzeichen von fremden Fugen und zu deren Abgrenzungsmöglichkeiten gegenüber den heimischen Fugenelementen. Diesen noch recht allgemeinen Aussagen schließt sich eine Beschreibung der im Deutschen vorkommenden fremden Fugenelemente an. Dabei gehen wir unter anderem auf Herkunft, Möglichkeiten des Vorkommens im Deutschen und Häufigkeit des Auftretens ein. Die einzelnen Fugenelemente werden anhand zahlreicher Beispiele veranschaulicht.

Da unser Themenschwerpunkt auf den nicht-indigenen Fugenelementen liegt, werden wir nur allgemein auf die heimischen Fugenelemente eingehen. Sie größtenteils nur benennen und mit Beispielen belegen. Für die Beschreibung von allgemeinen Kennzeichen der Fugenelemente eignen sie sich jedoch besser, weshalb wir sie nicht außen vor lassen können. Selbstverständlich werden wir bei unserer Beschreibung auch auf den aktuellen Forschungsstand eingehen und Streitfälle diskutieren, die uns während der Auseinander- setzung mit dem Stoff aufgefallen sind und interessante Forschungsansätze zur Weiter- beschäftigung mit dem Thema hergeben.

B. Zu Fugenelementen allgemein

1. Begriffsklärung - Was sind Fugen?

1.1.verschiedene Benennungen

In der Forschung existieren drei verschiedene Benennungen für die, in unserer Arbeit behandelte, sprachliche Erscheinung der deutschen Gegenwartssprache: Fuge, Fugenelement und Fugenzeichen. Diese Bezeichnungen werden häufig parallel gebraucht, was nicht selten irritiert, da zudem keine genaue Differenzierung vorgenommen wird. Deshalb wollen wir diese Begriffe zunächst voneinander abgrenzen, um das Verständnis der Thematik zu erleichtern.

„Fuge“ ist der allgemeinste Begriff. Er bezeichnet die „Nahtstelle“ zwischen den zwei Konstiuenten einer Wortbildungseinheit. Der Terminus „Fugenelement“ kennzeichnet das konkrete Element, welches die „Fuge“ ausfüllt. Zwischen den beiden Wörtern besteht gewissermaßen eine paradigmatische Beziehung1, wobei „Fuge“ das Hyperonym darstellt, dem das Hyponym „Fugenelement“ zugeordnet wird. In der Forschung liegt der Schwerpunkt auf der Beschreibung von Fugenelementen, da sich dabei wesentlich mehr Fragen ergeben als bei einer Analyse der Beschaffenheit von Fugen an sich. Auch wir haben deshalb diesen Schwerpunkt gewählt, um zu zeigen, wie vielseitig die Problematik selbst und die Lösungsversuche sind.

Die Benennung „Fugenzeichen“ hingegen ist eine sehr strittige Formulierung und findet sich hauptsächlich im Duden und bei Johannes Erben. Sie ist deshalb problematisch, weil sie im Widerspruch zur Definition von sprachlichen Zeichen steht und ihre Verwendung schon allein deswegen unzulässig ist. Die Definition nach Ferdinand de Saussure2 schreibt sprachlichen Zeichen eine bilaterale Eigenschaft zu, d.h. sie bestehen stets aus einem Signifiant und einem Signifié. Diese Bedingung erfüllen Fugenelemente jedoch nicht, weshalb wir im weiteren Verlauf lediglich die ersten beiden Begriffe verwenden werden, entsprechend unserer eben vorgenommenen Abgrenzungen.

1.2. Definition „Fugenelement“

„Unter diesem Terminus verstehen wir die lautliche Verbindung zwischen den Gliedern eines Determinativkompositums...“3

Diese Definition beschränkt sich auf eine phonologische Eingrenzung des Begriffes. Semantik und Morpholgie bleiben darin unberücksichtigt. Zudem wird das Fugenelement zu einem typischen Kennzeichen für die Bildung von Komposita stilisiert.

Unserer Meinung nach ist eine solche Begriffsbestimmung unzureichend, da sie das wirklich entscheidende Merkmal von Fugenelementen nicht erfasst und keineswegs allgemeingültig ist. Denn auch bei der Derivation kann man Fugenelemente nachweisen, aber dazu mehr im Abschnitt 1.4.. Ausschlaggebendes Kriterium für die Kennzeichnung von Fugenelementen ist, dass sie lediglich eine Ausdrucksseite besitzen, jedoch keine Inhaltsseite. Sie sind „semantisch leere Segmente“4, die im Wortbildungsprozess zwischen zwei Konstituenten treten können. Man kann ihnen in der synchronen Sprachbetrachtung weder eine lexikalische noch eine grammatische Bedeutung zusprechen.5 Das belegen Beispiele wie Ordnungssinn6, Dokumentenmappe7, Kristallographie8. Hier lässt sich weder anhand der linearen Konstituentenstruktur (Ordnung-s-sinn, Dokument-en-mappe, Kristall-o-graphie) noch anhand der Bedeutungsparaphrase (Sinn für Ordnung, Mappe für Dokumente, Wissenschaft von den Kristallen) ein inhaltlicher Wert des jeweiligen Fugenelementes erkennen. Die Konsituentenstruktur zeigt eindeutig, dass es als ein Wortbildungselement zu klassifizieren ist, da es keine Binnenflexion im Wort gibt. Würde man dennoch das Fugenelement als Flexionsendung betrachten, käme es zu einem widersprüchlichen Ergebnis beim Vergleich von Paraphrase und Gesamtbedeutung. Durch die „richtige“ semantische Zerlegung wird jedoch deutlich, dass das Fugenelement keinerlei Einfluss auf die Gesamtbedeutung des Wortbildungsproduktes hat. Womit zweifach bewiesen wäre, dass das Fugenelement nicht Flexionselement sein kann.

1.3. Funktion von Fugenelementen

Da wir Fugenelemente einerseits als „semantisch leer“ bezeichnen, wodurch sie ohne Belang für die Wortbedeutung sind, und sie andererseits von den Flexionselementen unterscheiden, womit wir ihnen auch keine morphosyntaktische Funktion zubilligen, stellt sich doch die Frage: Wieso verwenden wir Fugenelemente überhaupt? Sind sie dann nicht überflüssig? Wenn man berücksichtigt, dass die Mehrheit der Wortbildungsprodukte ohne Fugenelement gebildet wird, scheint es kaum möglich Fugenelementen eine Funktion zuzuschreiben. Aber das täuscht, Fugenelemente werden keineswegs willkürlich gesetzt. Es gibt zwar nicht die eine charakteristische Funktion, dennoch erfüllen Fugenelemente spezifische Aufgaben bei der Wortbildung, welche wir im Folgenden erläutern werden.

Funktion der Ausspracheerleichterung9

Fugenelemente sind nach ihrer phonologischen Form unbetonte Laute und Lautverbindungen, deshalb werden sie häufig gesetzt, wenn mehrere betonte Morpheme aufeinandertreffen,10 um dadurch eine bessere Aussprache zu ermöglichen, vor allem bei drei- und mehrgliedrigen Wortbildungsprodukten. Oder sie werden als „Gleitlaut“11 eingefügt, wenn zwei Konsonanten mit der gleichen oder ähnlichen Artikulationsstelle aneinandergrenzen. Beispiele dafür sind: Rind-er-hackfleisch12, Identität-s-bescheinigung13, ander-t-halb oder namen-t-lich14.

Funktion als Strukturierungsmittel

Hierbei gibt es zwei miteinander korrelierende Ansätze. Zum einen markiert die Fuge bzw. das Fugenelement die Binnengrenze eines komplexen Wortes15 und erleichtert dadurch das Erschließen der Wortbedeutung. Gleichzeitig wird die Hierarchie der Unmittelbaren Konstituenten bei der morphologischen Segmentierung festgelegt.16 Vor allem bei polymorphemischen Erstgliedern lässt sich eine bevorzugte Verwendung von Fugenelementen feststellen. Vergleicht man also das Wortpaar Werkzeug - Handwerkszeug, so macht das Fugenelement deutlich, dass Handwerk-s- zeug zuerst in Handwerk und Zeug zerlegt werden soll „und nicht in Hand + Werkzeug“17. Oder um es über die Wortbedeutung zu erklären: Handwerk-s-zeug meint nicht das Werkzeug für die Hand, sondern die Dinge, die man für ein bestimmtes Handwerk benötigt. Stünde bei Handwerkszeug nun kein Fugenelement, wäre die Bedeutung nicht eindeutig erschließbar. Genauso verhält es sich mit dem Minimalpaar Turmuhr - Kirchturm-s-uhr.18

Allerdings muss man sich vor einer verallgemeinernden Schlussfolgerung, wie „je komplexer das Wort, desto eher wird ein Fugenelement gesetzt“19, hüten. Es gibt auch Beispiele, die nicht in dieses Schema passen. Obwohl beispielsweise das Kompositum Fahrgastschiffanlegestelle komplexer ist als Schiff-s-anlegestelle20 steht dort kein Fugenelement.

Funktion als Ersetzungselement21

Gemeint ist hier, dass das Fugenelement ein Morph ersetzten kann. Dies betrifft vor allem die s-Fuge, welche das unbetonte e im Auslaut des Erstgliedes substituiert.22 Typische Beispiele sind Komposita mit Hilfe als Erstglied wie Hilf-s-angebot23 oder Hilf-s-stellung24. Meistens wird das unbetonte e jedoch getilgt anstatt ersetzt wie in Rebstock25 oder Wolldecke und Sprachunterricht26. Aber auch die o-Fuge anstatt isch oder die al-Fuge anstelle von um kommen vor, z.B. in Elektr-o-kocher und Gymnasi- al-lehrer27.

Funktion der Bedeutungsdifferenzierung

Es gibt Komposita, bei denen verschiedene Schreibungen koexistieren: die Formen mit und die ohne Fugenelement. Unter anderem wird dieser Umstand darauf zurückgeführt, dass die beiden Varianten unterschiedliche Bedeutungen repräsentieren, z.B. Landmann vs. Land-s-mann.28

Allerdings kann man das nicht auf alle Fälle dieser Art anwenden, wie z.B. Heimatkunde vs. Heimat-s-kunde.29 Nach Baltz haben sich die unterschiedlichen

Bedeutungen nur herausgebildet, „weil es unterschiedliche Formen gab“30. Laut diesem Ansatz war die Bedeutungsdifferenzierung nicht Zweck, sondern Ergebnis der Verwendung von Fugenelementen. Allerdings beruht diese Annahme auf einer diachronen Sprachbetrachtung. Für unsere synchrone Herangehensweise spielt es keine Rolle, ob die Form oder die Bedeutung zuerst vorhanden war, sodass wir die Funktion der Bedeutungsunterscheidung durchaus für annehmbar halten. Jedoch können wir im Rahmen dieser Arbeit nicht klären, ob diese Funktion in der Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache noch zur Anwendung kommt, da es dazu eines umfangreichen Korpus bedarf.

1.4. Sonderfall: Derivationsfuge

Wir behandeln die Derivationsfuge in dieser Arbeit gesondert, weil in der momentanen Forschung keine einheitliche Meinung über das Vorhandensein von Fugen bei Derivaten existiert. Der Begriff „Derivationsfuge“ ist allgemein nicht üblich und für die Mehrheit der Wissenschaftler gibt es bei der Derivation keine Fugen, obwohl man Beispiele anführen kann, die das widerlegen. Auch bei der Derivation - speziell der Suffixderivation - kommen Elemente vor, die zwischen Basis und Suffix treten ohne eine eigene Bedeutung aufzuweisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 31

In der Forschung werden solche Erscheinungen aber meist als „phonemische Alternationen im Wortkernauslaut“32 oder als „Suffixvarianten“33 klassifiziert. Somit werden sie nicht als Fugenelemente, sondern als Formen der Allomorphie betrachtet.

Bei der Analyse von fremden Fugenelementen stößt diese Betrachtungsweise unserer Meinung nach jedoch an seine Grenzen, wenn sie fremde Elemente als Variationen von heimischen Suffixen auffasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten34

Es würde die Beschreibung von Wortbildungsprozessen doch wesentlich vereinfachen, wenn man alle semantisch leeren Einheiten zwischen den unmittelbaren Konstituenten eines Wortbildungsproduktes unter einem gemeinsamen Terminus - sprich als Fugenelement - zusammenfassen würde.

2. Entwicklung von Fugenelementen

Im Abschnitt 1.2.1. haben wir Fugenelemente zwar von den Flexionszeichen abgegrenzt, müssen nun aber die Einschränkung machen, dass zwischen diesen beiden Gruppe dennoch ein Zusammenhang besteht bzw. bestand.

2.1. diachrone Sprachbetrachtung

In den Anfängen der deutschen Wortbildung wurden Komposita teilweise aus Zusammenrückungen35 von Nominalphrasen gebildet, so dass Fugenelemente „aus der Flexionsform, die das jeweilige Erstglied in der entsprechenden Nominalphrase hatte“36 entstanden sind. D.h. Fugenelemente sind ursprünglich Flexionsmarker gewesen. Im Wortbildungsprodukt ging die morphosyntaktische Funktion als Flexionsendung aufgrund des Sprachwandels verloren. Daher sprechen Altmann/Kemmerling von einer „erstarrten Flexionsendung des Determinans“37 und beziehen sich damit auf die Eigenschaft von Fugenelementen „semantisch leer“ zu sein.

So erklärt sich die phonologische Übereinstimmung von Fugenelementen und Flexionszeichen. Da in den Nominalphrasen nicht nur Substantive im Nominativ Singular vorkamen, sondern auch alle anderen Flexionsendungen, können im Kompositum ebenso verschiedene Fugenelemente erscheinen. Beispiele38 sind: Kind-er-wagen, Kind-es-beinen, Kind-s-kopf, Kind-ø-bett. Allerdings tauchen dabei „Restriktionen auf, die zum Teil mit dem Flexionsparadigma“39 des jeweiligen Wortes in Verbindung stehen. Nicht jedes Fugenelement kann beliebig mit jedem Wortstamm verknüpft werden.40

2.2. synchrone Sprachbetrachtung

In der synchronen Sprachbetrachtung lassen sich nicht mehr alle Fugenelemente auf das Flexionsparadigma des Determinans zurückführen. Zum einen, weil viele Fugenelemente „in Analogie zu anderen festen Kompositionsmustern gebildet“41 sind. Beispielsweise entstanden Spinn-en-netz, Kirch-en-schiff oder Tort-en-stück42 in Analogie zu Bildungen wie Dorn-en-krone8, bei denen das Fugenelement - im Gegensatz zu den Analogiebildungen - identisch mit der Pluralform des Determinans ist. Zum anderen, weil man sich in der deutschen Gegenwartssprache auch Elemente aus fremden Sprachen als Fugenelemente nutzbar macht, wie z.B. die o-Fuge in Phil-o-loge43.

Aufgrund dessen nimmt man zur Systematisierung eine Unterteilung in paradigmische und unparadigmische Fugen vor. Diese Unterscheidung beruht auf der Annahme, dass Wortbildungen generell nur aus Stammformen zusammengefügt werden44, wonach Binnenflexion ausgeschlossen ist. Gerade in der Fremdwortbildung scheint dieser Ansatz sinnvoll, da hier zahlreiche Wortbildungsprodukte nur aus Konfixen45 bestehen, welche nicht „als Formen wortfähiger Stämme“46, also flektierbaren Stämmen gemäß den Gesetzen der deutschen Sprache, zu verstehen sind.

Wann welche Art von Fugenelementen verwendet wird, ist durch komplexe Regeln festgelegt und kann nur exemplarisch für jedes Fugenelement einzeln gezeigt werden.47 Das würde allerdings den Rahmen dieser Arbeit weit überschreiten.

2.2.1. paradigmische Fugenelemente

Paradigmische Fugenelemente sind solche, „die dem Felxionsparadigma des Erstgliedes entsprechen“48, d.h. zwischen Flexionsform und Fugenelement besteht Homonymie. Bei derartigen Fugenelementen ist ihre ursprüngliche Funktion als Flexionsmarker noch erkennbar. Vor allem betrifft das die Genitiv- und Pluralkennzeichnung, wie bei Mitglied-s-beitrag49 (Genitiv: Beitrag des Mitglieds) und Länd-er-kunde50 (Plural: Wissenschaft der Länder). Das Fugenelement bildet also gemeinsam mit dem Determinans eine „Wortform des Deutschen“51, die nach ihren phonemischen, graphemischen und morphologischen Eigenschaften den Regularitäten der deutschen Sprache entspricht. Ortner/Wellmann bezeichnen paradigmische Fugenelemente daher auch als flexionskongruente Fugen.52

2.2.2. unparadigmische Fugenelemente

Unparadigmische Fugenelemente hingegen können zusammen mit dem Determinans keine Wortform des Deutschen ausbilden. Sie stellen jene Gruppe von Fugenelementen dar, bei der kein Zusammenhang zum Flexionsparadigma des Erstgliedes besteht.53 Es handelt sich hierbei um flexionsfremde Fugen54, welche eben als Analogiebildungen oder als Fremdelemente zu klassifizieren sind.

Z.B. entspricht Versicherungs* in Versicherung-s-vertreter55 (Paraphrase: Vertreter der Versicherung) in seinen morphologischen Eigenschaften nicht den Regularitäten der deutschen Gegenwartssprache. Das s kommt im Flexionsparadigma von Versicherung nicht vor und kann somit nicht als paradigmische Fuge gezählt werden, dazu gehören lediglich die Nullfuge (Singular) und die en-Fuge (Plural). D.h. das Substantiv Versicherung besitzt keine Genitivmarkierung im Singular. Deshalb ist zu vermuten, dass die s-Form in Anlehnung an Wortbildungsprodukte entstanden ist, deren Erstglieder im Genitiv Singular die Endung s aufweisen, um das Verhältnis zwischen den beiden Konstituenten des Wortbildungsproduktes Versicherung-s-vertreter zu verdeutlichen.

Auch bei Filz-o-kratie56 besteht eine Diskrepanz zu den morphologischen Gesetzmäßigkeiten des Deutschen. Das o ist hier als fremdes und folglich als unparadigmisches Fugenelement zu beschreiben, da es in keinem deutschen Flexionsparadigma existiert. Diese Wortbildung entstand in Analogie zu dem Fremdwort Dem-o-kratie57, welches griechischen Ursprungs ist.

[...]


1 Vgl. Schwarz/Chur, S. 57

2 Vgl. Dürscheid, S. 23

3 Definition nach Altmann/Kemmerling, S. 27

4 Definition nach Fleischer/Barz, S. 32

5 Eisenberg weicht von dieser Definition ab. Er klassifiziert Fugenelemente als Affixe, weil sie seiner Meinung nach eine grammatische Bedeutung aufweisen, da sie gemeinsam mit dem Erstglied eine „Kompositionsstammform“ ausbilden. Allerdings besitzen Affixe auch die Fähigkeit gemeinsam mit dem Grundmorphem die Wortbildungsbedeutung auszuprägen. Fugenelemente können dies nicht. Deshalb muss man Fugenelemente als eigene Gruppe von Wortbildungselementen auffassen, selbst wenn man eine grammatische Bedeutung annehmen würde. Vgl. Eisenberg, S. 236f.

6 Beispiel siehe Ortner/Wellmann, S. 50

7 Beispiel siehe Ortner/Wellmann, S. 73

8 Beispiel siehe Ortner/Wellmann, S. 80

9 Vgl. Altmann/Kemmerling, S. 27 Lediglich Benennung der Funktion ohne weitere Erläuterung. Vgl. auch Donalis, S. 45.

10 Vgl. Fuhrhop, S. 527

11 Vgl. Simmler, S. 87

12 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 527

13 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 534

14 Beispiel siehe Simmler, S. 87

15 Vgl. Ortner, S. 51

16 Vgl. Fuhrhop, S. 530

17 Beispiel und Zitat siehe Fuhrhop, S.530

18 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 530

19 Zitat siehe Fuhrhop, S. 530

20 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 530

21 Eisenberg verwendet hierfür den Begriff „Ersetzungsmorph“ welcher jedoch leicht missverstanden werden kann, denn er beinhaltet neben der oben genannten Bedeutung auch, dass Fugenelemente Morphe sind. Aber Morphe sind bedeutungstragende Einheiten und Fugenelemente nicht. Deshalb halten wir es für besser den Begriff Ersetzungselement zu verwenden. Vgl. Eisenberg, S. 236f.

22 Vgl. Fuhrhop, S. 527

23 Beispiel siehe Eisenberg, S. 236

24 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 527

25 Beispiel siehe Fuhrhop, S.527

26 beide Beispiele siehe Eisenberg, S. 236

27 Beispiele siehe Fuhrhop, S. 528

28 Vgl. Fuhrhop, S. 532

29 Vgl. Fuhrhop, S. 532

30 Zitat siehe Fuhrhop, S. 532 Vgl. ebd auch die Aussage.

31 Beispiele siehe Fleischer/Barz, S.32

32 Zitat siehe Fleischer/Barz, S. 32 dort zitiert nach Peter von Polenz: Wortbildung. In: Lexikon der Germanistischen Linguistik. Tübingen 2 1980, S. 173

33 Vgl. Fleischer/Barz, S. 33

34 Beispiele siehe Fleischer/Barz, S. 33 dort zitiert nach L. Gumirowa: Probleme der Morphologie in der deutschen Wortbildung (dargestellt an den Adjektivderivaten auf -ig, -isch und -lich). Diss. A. Leipzig 1981.

35 Vgl. Altmann/Kemmerling, S.27 oder Donalis, S. 46

36 Zitat siehe Altmann/Kemmerling, S. 27

37 Zitat siehe Altmann/Kemmerling, S.27

38 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 528

39 Zitat siehe Fuhrhop, S. 528

40 Bei Ortner/Wellmann finden sich ausführliche Angaben zu den Verwendungsmodalitäten von heimischen Fugenelementen in Bezug auf Wortarten und Flexionsklassen. Vgl. S. 50 - 111. Auf das Vorkommen von fremden Fugen gehen wir in Kapitel 3 ein.

41 Zitat siehe Duden, S. 450

42 Beispiele siehe Duden, S. 450

8 Beispiele siehe Duden, S. 450

43 Beispiel siehe Eisenberg, S. 243

44 Vgl. Donalis, S. 46

45 Konfixe sind gebundene Grundmorpheme. Vgl. dazu Donalis, Elke: Das Konfix. Zur Definition einer zentralen Einheit der deutschen Wortbildung. In: Deutsche Sprache. Zeitschrift für Theorie, Praxis Dokumentation. (Heft 2) 2000, S. 144 -159.

46 Zitat siehe Eisenberg, S. 242

47 Ausführliche Angaben, welche heimischen Fugenelemente existieren und welchen Setzungsregularitäten diese unterliegen, finden sich bei Ortner/Wellmann, S. 54ff. Z.B. spielt die Flexionsklasse des Determinans eine große Rolle oder die Silbenzahl des Wortbildungsproduktes, ebenso wie der Auslaut des Erstgliedes.

48 Zitat siehe Altmann/Kemmerling, S. 27

49 Beispiel siehe Ortner/Wellmann, S. 86

50 Beispiel siehe Ortner/Wellmann, S. 99

51 Vgl. Fuhrhop, S. 528

52 Vgl. Ortner/Wellmann, S. 82

53 Donalis distanziert sich von der Kategorisierung der Fugenelemente in paradigmische und unparadigmische. Nach ihrer Vorstellung können lediglich flexionsfremde Fugenelemente als „semantisch leer“ gelten. Denn flexionskongruente Fugenelemente besitzen - laut ihrer Position - auch in der synchronen Sprachbetrachtung noch die Funktion des Flexionsmarkers. Ihre Annahme basiert auf der Theorie, dass komplexe Wörter sowohl aus Stamm- als auch aus flektierten Wortformen gebildet werden können, was allerdings nicht zur Vereinfachung der Problematik beiträgt. Vgl. Donalis, S. 46f.

54 Vgl. Ortner/Wellmann, S. 73

55 Beispiel siehe Fuhrhop, S. 528

56 Beispiel siehe Donalis, S. 43

57 Vgl. Pfeifer, S. 212f.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Fugenelemente - insbesondere in der Fremdwortbildung
Hochschule
Universität Leipzig  (Germanistik)
Veranstaltung
Hauptseminar Fremdwortbildung
Note
eins
Autor
Jahr
2005
Seiten
36
Katalognummer
V54132
ISBN (eBook)
9783638493994
ISBN (Buch)
9783638680936
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit befasst sich mit dem aktuellen Forschungsstand zur Bedeutung von Fugenelementen in der Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache - mit besonderem Schwerpunkt auf den nicht-indigenen Fugenelementen. Es wird eine Begriffsbestimmung gegeben und sowohl eine synchrone als auch diachrone Schrachbetrachtung vorgenommen. Auf dieser Grundlage werden die Besonderheiten framdsprachlicher Fugenelemente dargstellt.
Schlagworte
Fugenelemente, Fremdwortbildung, Hauptseminar, Fremdwortbildung
Arbeit zitieren
Nicole Nette (Autor), 2005, Fugenelemente - insbesondere in der Fremdwortbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54132

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Fugenelemente - insbesondere in der Fremdwortbildung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden