Wie schädlich ist Zucker für Körper und Geist?


Fachbuch, 2020

55 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Arten von Zucker
2.1 Aufbau und Einteilung von Zuckerarten
2.2 Verstoffwechselung von Zucker
2.3 Zucker als Suchtmittel
2.4 Fruktose – eine besondere Gefahr

3 Gesundheitliche Effekte des Zuckers auf den Körper
3.1 Positive Auswirkungen
3.2 Negative Auswirkungen

4 Zuckerkonsum im Kindes- und Jugendalter
4.1 Auswirkungen auf den kindlichen Körper
4.2 Auswirkungen auf die schulische Leistungsfähigkeit

5 Empfehlungen für den Konsum von Zucker
5.1 Tatsächlicher Zuckerkonsum
5.2 Maßnahmen zur Reduktion des Zuckerkonsums

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Impressum:

Copyright © Science Factory 2020

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Covergestaltung: GRIN Publishing GmbH

Abstract

Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche körperlichen und geistigen Auswirkungen die Aufnahme von Zucker in der menschlichen Ernährung mit sich bringt.

Diese wissenschaftliche Arbeit richtet sich an alle Menschen, die Zucker in mehr oder weniger großen Mengen zu sich nehmen, gesundheitliche Probleme oder Übergewicht haben oder sich präventiv für ihre Gesundheit einsetzen möchten. Auch Eltern und besonders Lehrpersonen können durch das Kapitel über die Auswirkungen auf Kinder – besonders in Bezug auf die Schule – nützliches Wissen durch die Lektüre erlangen.

Zuerst werden chemische und ernährungsphysiologische Grundlagen zum Thema Zucker vermittelt, die für das Verständnis des Stoffwechsels und den Auswirkungen notwendig sind. Mit der Wirkungsweise des Stoffes im Gehirn wird auch das Suchtpotential des Zuckers näher beschrieben und auch auf die Besonderheiten von Fruktose wird in diesem Kapitel hingewiesen.

Das erste Hauptkapitel beschäftigt sich mit den gesundheitlich positiv zu bewertenden Auswirkungen von Zucker. Dass Zucker auch von Nutzen ist, zeigen die Erläuterungen über die Energiebereitstellung und die daraus resultierende körperliche sowie geistige Leistungsfähigkeit. Außerdem stehen emotionale Wirkungen wie der Stressabbau und die Ausschüttung von Glückshormonen in diesem Kapitel im Vordergrund. Anschließend werden die negativen Effekte näher beschrieben. Zu diesen gehören Übergewicht, Krebs, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen und andere Zivilisationskrankheiten sowie Karies. Auch wie sich Zucker auf die Fruchtbarkeit auswirkt, wird thematisiert.

Kapitel 4 befasst sich mit der Frage, wie sich Zucker explizit auf Kinder und Jugendliche und deren schulische Leistungsfähigkeit und ihre Entwicklung auswirkt. Abschließend werden Empfehlungen für den Zuckerkonsum ausgesprochen und mit den tatsächlichen Verzehrmengen in Beziehung gesetzt.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kriterien für die Diabetes Diagnose

Tabelle 2: Zuckerkonsum nach Geschlecht und Alter

1 Einleitung

„Zucker macht mir Angst.“ (Cantley, 2011, zitiert nach Kast, 2019, S.111).

Dieses Zitat vom US-amerikanischen Krebsforscher Lewis C. Cantley aus dem 2011 veröffentlichen Artikel „Is Sugar Toxic?“ im New York Times Magazin, verdeutlicht, dass die süße und schmackhafte Zutat von leckeren Mehlspeisen und Süßigkeiten eher weniger süße und schmackhafte Auswirkungen auf uns Menschen haben kann.

„Zucker macht mir Angst.“ – Fast alle ernährungsassoziierten Erkrankungen inklusive Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs korrelieren mit hohem Zuckerkonsum. Diese Krankheiten sind in der westlichen Welt für die meisten Todesfälle verantwortlich (Kast, 2019, S.111).

„Zucker macht mir Angst.“ – Das erhöhte Suchtpotential, das vernünftige Menschen, die über die Gefährlichkeit des Zuckers Bescheid wissen, dazu bringt, immer mehr davon zu konsumieren, ist angsteinflößend. Zucker scheint unseren Verstand zu manipulieren.

„Zucker macht mir Angst.“ – Zwar macht viele Menschen ein Stück Schokolade kurzfristig glücklich, doch langfristig hat Zucker auf die Psyche und das Nervensystem eine negative Auswirkung. Demenz, Depressionen sowie eine eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit stehen in Zusammenhang mit dem „süßen Gift“.

„Zucker macht mir Angst.“ – Auch die Kinder, die häufig eine besonders hohe Zuckerdosis konsumieren, leiden unter den Auswirkungen. Vermutungen: Die schulische Leistungsfähigkeit sinkt, das Vorkommen von ADHS steigt und die körperliche sowie geistige Entwicklung hinkt hinterher (Mosetter, Simon, Cavelius, & Ilies, 2016, S. 65f.).

„Zucker macht mir Angst.“ – Wir wissen schon vieles über die Auswirkungen von Zucker, jedoch ist das Forschungsfeld immer noch weit und steckt voller ungeklärter Fragen.

Zucker macht nun auch mir Angst. Diese Bachelorarbeit steckt voller Erkenntnisse über die Verstoffwechselung von Zucker, dessen Suchtpotential sowie die positiven und vorwiegend negativen Auswirkungen auf den menschlichen Körper. In Bezugnahme auf spezifische Krankheitsbilder wurde der massive gesundheitsschädigende Einfluss von Zucker sehr deutlich und auch die Effekte auf Kinder und deren Leistungsfähigkeit zeigen, dass es durchaus berechtigt ist, Angst vor Zucker zu haben.

Da auch ich selbst im Zuge meines Studiums von „Ernährung und Haushalt“ als Studienfach für das Lehramt der Sekundarstufe immer wieder auf die Bedeutung von Zucker in der Ernährung aufmerksam wurde, beschloss ich dieses heiß diskutierte Thema im Zuge meiner Bachelorarbeit näher zu beleuchten. Als Methode eignete sich eine Literaturarbeit am besten, die auf ausgiebig recherchierten Fachzeitschriften, Büchern und Herausgaben von Fachgesellschaften basierte.

Die konkreten Forschungsfragen, die es im Laufe dieser Bachelorarbeiten mittels Recherchen zu beantworten galt, lauten:

- Macht Zucker süchtig?
- Welche positiven Auswirkungen hat Zucker auf den Körper?
- Welche negativen Auswirkungen hat Zucker auf den Körper?
- Welche Auswirkungen hat Zucker explizit im Kinder- und Jugendalter unter der besonderen Berücksichtigung der schulischen Leistungsfähigkeit?
- Ergänzend dazu war es mir schlussendlich wichtig, eine konkrete Empfehlung für die tägliche Zuckerzufuhr zu formulieren und diese dem tatsächlichen Zuckerkonsum gegenüberzustellen, um die theoretischen Erkenntnisse mit der alltäglichen Praxis in Relation zu setzen.

2 Arten von Zucker

Bei der Erwähnung von Zucker wird meistens an die Saccharose, den klassischen Haushaltszucker gedacht, der in großen Mengen in Süßigkeiten und Backwaren enthalten ist. Jedoch findet sich Zucker per definitionem auch in unverarbeiteten auf Getreide basierenden Nahrungsmitteln wie Reis, Nudeln, Kartoffeln und Brot. Der Zucker in diesen Produkten liegt in Form von Stärke vor.

2.1 Aufbau und Einteilung von Zuckerarten

Es gibt mehrere Arten von Zucker, wobei unter Einfach-, Zweifach- und Vielfachzucker unterschieden wird. Während in den Süßigkeiten hauptsächlich Einfachzucker steckt, ist die Stärke in Getreide ein Vielfachzucker. Ausschlaggeben ist dieser Unterschied für das Geschmackserlebnis aber auch für die Verstoffwechselung im menschlichen Körper.

Die chemische Grundlage jeder Zuckerart ist das Zuckermolekül, das als Baustein für die Zuckerkonstellationen dient. Während Einfachzucker aus nur einem Zuckermolekül besteht, hängen bei einem Zweifachzucker zwei und bei einem Vielfachzucker mehrere Zuckermoleküle als Kette aneinander.

Die Verkettung der Zuckermoleküle gibt Auskunft über den Geschmack des jeweiligen Nahrungsmittels. Je länger die Kette an Zuckermolekülen ist, desto weniger süß ist ihr jeweiliger Geschmack (Coy, 2019, S. 9). Dies erklärt, warum Süßwaren mit Einfachzuckern als sehr süß im Geschmack empfunden werden, während beispielsweise Brot, welches Vielfachzucker enthält, nicht primär süß schmeckt. Letztendlich werden jedoch alle Zuckerketten in die einzelnen Zuckermoleküle aufgespalten, was einerseits bei der Verdauung im Darm passiert, andererseits jedoch bereits durch das Zerkleinern der Nahrung im Mund eingeleitet wird. Ein bekanntes Experiment zum Erproben dieser chemischen Eigenschaft sieht das sehr lange Kauen von Brot vor, da durch die Zerteilung des Vielfachzuckers in einzelne Zuckermoleküle der süße Geschmack erkennbar wird.

Alle Arten von Zucker werden gesamt als Kohlenhydrate bezeichnet und je nach chemischer Struktur wie folgt unterteilt (Coy, 2019, S. 11):

- Zu den Einfachzuckern, auch Monosaccharide genannt, die nur aus einem Zuckermolekül bestehen, gehören Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker) und Galaktose (Schleimzucker). Diese Zuckerarten sind die Grundbausteine für alle weiteren Zuckerarten.
- Unter Disacchariden versteht man Zweifachzucker, die aus zwei Einfachzuckern bestehen, wobei diese unterschiedlich kombiniert auftreten. Dazu gehören Laktose (Milchzucker), Maltose (Malzzucker), Saccharose (Rohr- oder Rübenzucker), Isomaltose und Trehalose.
- Mehrfachzucker (Oligosaccharide) bestehen aus drei bis höchstens neun aneinander geketteten Zuckermolekülen.
- Wenn mindestens zehn Zuckermoleküle aneinanderhängen, spricht man von Vielfachzuckern (Polysaccharide).

Je nach Herstellungsart und Verarbeitung werden verschiedene Zuckersorten für die weitere Produktion von Lebensmitteln verwendet. Zu den bekanntesten Namen gehören Rohzucker, Rohrzucker­melasse, Glukosesirup, Invertzucker, Maltodextrin und Malzextrakt. Anzumerken ist dabei, dass alle Zuckersorten nach dem Verzehr im menschlichen Körper die gleichen Auswirkungen haben und dieselben Risiken bergen wie reiner Haushaltszucker (Schlieper, 2017, S. 47).

2.2 Verstoffwechselung von Zucker

Nicht nur auf den Geschmack des Nahrungsmittels hat die chemische Struktur der Zuckerarten einen Einfluss, sondern auch die Verstoffwechselung im Körper ist abhängig davon, wie viele Zuckermoleküle aneinanderhängen – was letztendlich dazu führt, dass nicht jeder Zucker gleich im Körper wirkt.

Um in die Zellen zu gelangen, wird der Zucker zunächst über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen. Dieser Prozess geht schneller, je kürzer die Kette der Zuckermoleküle ist. Einfachzucker gelangen daher sehr rasch ins Blut. Dazu kommt, dass Zucker in Flüssigkeiten nach der Aufnahme viel schneller ins Blut gelangt, da sich die Flüssigkeit nur kurz im Magen aufhält und rascher in den Dünndarm und somit durch die Dünndarmwand ins Blut gelangt (Kast, 2018, S. 121).

Bereits bei der Verstoffwechselung des Zuckers tritt der erste gesundheitlich bedenkliche Effekt des Zuckerkonsums auf. Da Zucker im Gegensatz zu Fett sehr reaktionsfreudig ist geht er gerne Verknüpfungen mit Eiweißstrukturen eingeht, die daraufhin zerstört werden. Auch im Blut findet dieser Prozess statt – die Zuckermoleküle reagieren mit den Bluteiweißen und anderen Zellbestandteilen, wodurch gewisse Reaktionsprodukte namens Advanced Glycation Endproducts entstehen. Diese AGEs wirken nicht nur entzündungsfördernd, sondern beschleunigen gleichzeitig den Alterungsprozess der Zelle (Coy, 2019, S. 25).

Um diese Schädigung der Bluteiweiße und der Gefäßwände durch die Zucker so gering wie möglich zu halten, besitzt der menschliche Körper gewisse Regulierungsmaßnahmen, die dafür sorgen, dass der Blutzuckerspiegel nach der Kohlenhydrataufnahme wieder gesenkt wird. Die Sensoren, die ständig den Blutzuckerspiegel messen, senden ein Signal, sobald sich dieser über der Normalkonzentration von 80 bis 120 Milligramm Glukose pro 100 Milliliter Blut befindet. Daraufhin schütten die Betazellen der Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin aus, das sich im Körper verteilt und an den Zellrezeptoren dafür sorgt, dass diese Zellen den Zucker aus dem Blut aufnehmen. Innerhalb der Zellen werden die Zuckermoleküle dann entweder im Zuckerspeicher aufbewahrt, in Fett umgewandelt oder von den Mitochondrien in Energie umgewandelt wird (Coy, 2019, S. 26).

Ein hoher Insulinspiegel, welcher aufgrund des erhöhten Blutzuckers nach der Kohlenhydratzufuhr entsteht, bringt jedoch auch Nachteile mit sich. Insulin gilt als Masthormon, das dafür sorgt, dass Körpersubstanz aufgebaut wird und die bereits vorhandenen Fettreserven weitestgehend unangetastet bleiben. Ein ständig erhöhter Insulinspiegel wird somit stark mit der Entstehung von Übergewicht in Verbindung gebracht (Caven, 2016, S. 81). Außerdem wird mit einem höheren Insulinspiegel ein größerer Anteil der zugeführten Energie im Fettgewebe eingelagert, was die Entstehung von Übergewicht begünstigt (Grimm, Die Kalorienlüge. Wie uns die Nahrungsindustrie dick macht, 2015, S. 102f.).

Bei der Verstoffwechselung von Kohlenhydraten allgemein und daher auch von Zucker tritt außerdem eine anti-ketogene Wirkung ein. Dies bedeutet, dass keine Ketonkörper im menschlichen Organismus entstehen, was ein Grund für die Anpreisung einer ketogenen (kohlenhydratfreien) Diät zur Gewichtsreduktion war. Wenn keine oder kaum Kohlenhydrate verzehrt werden, führt dies zu einer Steigerung es Fettabbaus aus den körpereigenen Speichern. Langfristig ist diese Form der Ernährung jedoch nicht zu empfehlen, da sie aufgrund des hohen Fettkonsums mit erhöhten Blutfettwerten und wegen der hohen Proteinaufnahme mit Nierenschäden und Gicht korreliert. Zudem droht im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Ketoazidose, die eine sehr gefährliche Elektrolytverschiebung im menschlichen Organismus ist (Elmadfa, 2019, S. 79f.). Eine komplett kohlenhydratfreie Ernährungsform ist aus gesundheitlicher Sicht daher nicht zu befürworten.

2.3 Zucker als Suchtmittel

Dass Zucker süchtig machen kann, ist nicht nur ein subjektives Empfinden mancher Menschen, sondern hat auch wissenschaftliche Hintergründe. Wie oftmals in diesem Bereich wurden auch zum Suchtpotential des Zuckers Experimente mit Ratten durchgeführt. Nach einer verstärkten und regelmäßigen Gabe von Zucker wurde diese abgesetzt, was mit heftigen Entzugserscheinungen wie Zittern und ängstlichem Verhalten bei den Ratten endete. Als sie nun wieder Zucker zur Verfügung gestellt bekamen, aßen sie davon mehr denn je (Baumann, 2019, S. 6). Dabei lassen sich durchaus Parallelen zum menschlichen Zuckerkonsum feststellen.

Die Bezeichnung und Kategorisierung von Zucker als Suchtmittel und wird durch Einbeziehung der folgenden Kriterien gerechtfertigt (Lustig, 2016, S. 80ff.):

- Toleranzentwicklung: Die Dosis zur Erzielung der gleichen Wirkung im Belohnungssystem muss immer weiter gesteigert werden, da die Gewöhnungseffekte dazu führen, dass die gleichbleibende Dosis zu keiner langfristigen Bedürfnisbefriedigung führen würde.
- Entzugssymptome: Körperliche aber auch psychische Symptome entstehen bei Zuckerentzug aufgrund der schlechteren Besetzung der Dopamin-D2-Rezeptoren. Zu den verbreitetsten Symptomen gehören Zittern, Niedergeschlagenheit, Unruhe und Schwermut.
- Exzessive Nutzung: Das Suchtmittel wird in einer größeren Menge oder auch über einen längeren Zeitraum hinweg konsumiert, als dies geplant war. Die bekannteste Ausprägung davon ist das Weiteressen, obwohl schon Sättigung signalisiert wird, was besonders bei zuckerhaltigen Speisen praktiziert wird.
- Der Wunsch oder Versuche, den Gebrauch zu verringern oder ganz darauf zu verzichten: Besonders zuckerhaltige Lebensmittel werden bei Diäten zur Gewichtsreduktion ausgeschlossen oder stehen im Mittelpunkt, wenn es um das Fasten oder um eine gesunde Ernährungsumstellung geht. Häufig gehen diese Vorhaben jedoch mit Misserfolgen einher.
- Substanzverlangen oder -beschaffung: Der ausgeprägte Drang, sich zuckerhaltige Lebensmittel zu beschaffen und diese zu verspeisen, hängt mit der Dopamin-Signalübertragung im Gehirn zusammen. Alleine die Beschaffung des Suchtmittels hat einen befriedigenden Effekt.
- Beeinträchtigung des Lebens: Hierbei können sowohl berufliche als auch gesellschaftliche oder Freizeitaktivitäten negativ vom Zuckerkonsum beeinträchtigt werden. Übergewicht sowie die Krankheiten, die mit Zuckerkonsum in Verbindung gebracht werden, verringern die Lebensqualität der Menschen in vielen Bereichen.
- Kontrollverlust: Obwohl die Erkenntnis, dass der Zuckerkonsum ein problematisches Verhalten ist bereits vorhanden ist, können viele Betroffene nicht damit aufhören. Auch nach Diagnose von Folgeerkrankungen durch den ungesunden Lebensstil sind viele Menschen in ihrer Abhängigkeit nicht in der Lage, etwas zu ändern.

Anhand dieser Kriterien lässt sich dem Zuckerkonsum ein erhebliches Suchtpotential zuweisen, welches erklärt, dass viele Menschen mehr Zucker zu sich nehmen, als sie wollen und als ihnen guttut, obwohl die gesundheitlichen Konsequenzen von Zucker in der Nahrung weitestgehend bekannt sind.

Zwar trägt Zucker erhebliches Suchtpotential in sich, jedoch kann er trotzdem nicht als Droge bezeichnet werden. Das Verlangen nach Essen im Allgemeinen ist im Normalfall nicht von der Abhängigkeit induziert, wie es beispielsweise bei Heroin der Fall ist, sondern das Verlangen nach Essen ist ein überlebensnotwendiger und ange­borener Trieb, der natürlich und erstmals nicht bedenklich ist (Klotter & Endres, 2015, S. 6).

Das Suchtpotential von Zucker wurde auch durch andere Methoden mehrmals bestätigt: beispielsweise wurde durch ein bildgebendes Verfahren gezeigt, dass die Gehirne von Adipösen auf Bilder von zuckrigen Nahrungsmitteln viel stärker reagierten als auf Bilder von Gemüse, wobei das Suchtzentrum im Gehirn dabei besonders intensiv aktiviert wurde. Bei Normalgewichtigen konnten keine so starken Reaktionen nachgewiesen werden (Mosetter, Simon, Cavelius, & Ilies, 2016, S. 47). Auch die Ausschüttung von Glückshormonen und die Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn tragen zu diesem Effekt bei. Besonders spannend ist auch, dass das Belohnungszentrum des Gehirns beim reinen Anblick von süßen Speisen bei Übergewichtigen deutlich stärker reagiert als bei Normalgewichtigen, was darauf hinweist, dass das Gehirn während der Entstehung von Übergewichtig gewissermaßen umstrukturiert wird (Hofmann, 2015, S. 322).

Nach dieser Feststellung müssen auch Initiativen zur Reduktion des menschlichen Zuckerkonsums differenziert betrachtet werden und der Zuckerkonsum bei einigen nicht mehr als rational steuerbare Handlung angesehen werden kann. Bei bereits von der Sucht betroffenen Menschen ist davon auszugehen, dass die reine Information über die Risiken von einem hohen Zuckerkonsum nur wenig Wirkung zeigen wird, sondern andere therapeutische Maßnahmen ergriffen werden müssen. Diese Umstellungsphase kann durchaus als nicht leicht bewältigbar erwartet werden. Dennoch gilt die gesellschaftliche Aufklärung über die negativen Auswirkungen von Zuckerkonsum als erster Schritt in einen gesünderen – zuckerreduzierten – Lebensstil. Auch politische Maßnahmen wie die Einführung einer Zuckersteuer, wie sie in manchen Ländern bereits diskutiert beziehungsweise gar umgesetzt wurde und beispielsweise wie in Mexiko in sinkendem Absatz von zuckerhaltigen Getränken resultierte (Baumann, 2019, S. 7), kann auf politischer Ebene einen extrinsischen Beitrag zur Besserung leisten.

2.4 Fruktose – eine besondere Gefahr

Fruktose kommt in der Natur immer in Kombination mit Glukose vor, auch in Früchten und Honig findet man entgegen der Erwartungen beide Stoffe, jedoch wird Fruktose in der Lebensmittelindustrie auch als Monozutat verwendet.

Fruktose wird laut diverser Studien als hauptverantwortlich für das metabolische Syndrom angesehen. Da die Fruktose fast ausschließlich in der Leber verstoffwechselt wird, im Gegensatz zur Glukose, die nur zu einem kleinen Teil in der Leber endet, kann eine Insulinresistenz der Leber entstehen, die letztendlich zu Übergewicht und Diabetes Typ 2 führen kann. Fruktose wird auch als hauptverantwortlich in der epidemischen Entstehung von nichtalkoholischen Fettlebern in der westlichen Gesellschaft angesehen, wobei hierbei besonders die künstlich zugesetzte und somit reine Fruktose als Problem betrachtet wird. Die Auswirkungen einer nichtalkoholischen und der alkoholischen Fettleber sind ident, was den Vergleich von Alkohol mit Zucker (insbesondere Fruktose) unterstützt (Lustig, 2016, S. 159ff).

Die verzehrte Fruktose wird also zu einem größeren Teil als Fett gespeichert und nicht zur Energiegewinnung genutzt. Dieses Phänomen erklärt der Krebsforscher Lewis Cantley mit der Theorie, dass Früchte immer am Ende der Wachstumssaison reif wurden und danach für eine längere Zeit nur mehr wenig Nahrung zur Verfügung stand, weswegen die Fruktose hochgradig als Fett eingespeichert wurde, was sich bis heute gut gehalten haben könnte. In diesem Zusammenhang wird außerdem vermutet, dass Fruktose den ganzen Körper in einen Art Energiesparmodus versetzt, sodass weniger Energie verbraucht und mehr Fett eingelagert wird, was einen normalerweise bevorstehenden nahrungsarmen Winter bewältigbar machen würde (Kast, 2018, S. 117).

Fruktose wird bei größeren verzehrten Mengen, wie es beispielsweise durch den regelmäßigen Genuss von Limonaden und industriell gesüßten Getränken zustande kommt, außerdem mit einem verringerten Ausstoß an Leptin in Verbindung gebracht. Leptin ist das Hormon, das dem Gehirn Sättigung signalisiert und stellt den Gegenspieler von Ghrelin dar, das für Hunger und Lust auf Nahrung sorgt. In Studien wurde nachgewiesen, dass Fruktose den Leptinausstoß stärker drosselt und gleichzeitig den Ghrelinausstoß mehr anregt als Glukose. (Grimm, 2015, S. 162f.) Fruktose macht den Menschen in größeren Mengen sozusagen „taub“ für Sättigungssignale, was in weiterer Folge die perfekte Ausgangslage für eine erhöhte Kalorienzufuhr, Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen ist.

3 Gesundheitliche Effekte des Zuckers auf den Körper

In den letzten Jahren ist der Konsum von Zucker sehr in Verruf geraten, was seine gesundheitlichen Auswirkungen betrifft. Nicht nur die seit Jahren expandierende Übergewichts-Epidemie in den westlichen Ländern wird hauptsächlich dem hohen Zuckerkonsum in Kombination mit Inaktivität und genereller Überernährung zugeschrieben, sondern auch viele andere Erkrankungen werden immer häufiger mit einer zu hohen Verzehrmenge an Zucker in Verbindung gebracht. Manchmal wird aus medialer Hand auch der Eindruck vermittelt, Zucker sei der „Sündenbock“ für alle ernährungsassoziierten Erkrankungen. Dass der Einfluss von Zucker auf die menschliche Gesundheit generell als eher negativ bezeichnet werden kann, wird in diesem Kapitel ausführlicher erklärt und mit Bezug auf spezifische Erkrankungen genauer erläutert.

3.1 Positive Auswirkungen

Zwar stehen in der öffentlichen Diskussion die Zusammenhänge zwischen Zucker und langfristigen negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit meist im Mittelpunkt, jedoch sollten auch die positiven Auswirkungen von Zucker nicht unerwähnt bleiben. Viele Menschen kennen das gute Gefühl, das der Genuss von einem Stück Schokolade oder einer anderen zuckrigen Speise auslöst – genau dieses Glücksgefühl sowie auch die Auswirkungen auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit durch Zucker werden in diesem Kapitel thematisiert – abseits von dramatischen gesundheitsschädigenden Effekten.

3.1.1 Geistige Leistungsfähigkeit

Das Gehirn verwendet hauptsächlich Zucker zur Energiegewinnung und zwar sowohl tagsüber als auch nachts. Nicht nur die geistige Leistungsfähigkeit und die Konzentrationsfähigkeit profitieren von der Zuckeraufnahme oder dem Vorhandensein von gefüllten Glykogenspeichern. Auch für sämtliche Steuerungsprozesse, die im Gehirn ständig ablaufen, werden Zuckermoleküle benötigt.

Diese „Abhängigkeit“ des Gehirns von Kohlenhydraten kann dennoch nicht als Rechtfertigung für zuckerhaltige Lebensmittel als „Nervennahrung“ in geistig anstrengenden Phasen verwendet werden. Das Gehirn benötigt laut Empfehlungen der DGE etwa 140g Kohlenhydrate pro Tag, jedoch sollten diese nicht primär aus Zucker stammen und zweitens ist das Gehirn auch in der Lage in längeren Fastenphasen Ketonkörper zur Energiegewinnung zu nutzen (Hofmann, 2015, S. 322).

Um dem Körper die Relevanz von Zucker für das Gehirn und somit für die Steuerung aller Körperfunktionen zu signalisieren, gibt es mehrere Mechanismen, die dafür sorgen, dass man öfter zu zuckerhaltigem Essen greift. Einerseits werden durch den Kontakt von Zucker mit den Geschmacksnerven körpereigene Opioide und Glückshormone wie Serotonin und Dopamin ausgeschüttet. Außerdem weisen die Nervenzellen bei Zuckerkonsum eine höhere Aktivität auf, sodass positive Gefühle noch viel intensiver wahrgenommen werden, was dazu beiträgt, dass Zucker mit angenehmen Gefühlen verbunden wird (Coy, 2019, S. 15).

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Wie schädlich ist Zucker für Körper und Geist?
Autor
Jahr
2020
Seiten
55
Katalognummer
V541457
ISBN (eBook)
9783964872135
ISBN (Buch)
9783964872142
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ernährung, Zucker, Gesundheit, Körper, Krankheiten, Diabetes, Leistung, Kinder, Schüler, Schule, Lebensmittel, Süßigkeiten, Krebs, Prävention, Sucht, Zuckersucht, Mensch, Leben
Arbeit zitieren
Laura Gomboc (Autor), 2020, Wie schädlich ist Zucker für Körper und Geist?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541457

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