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Die Hürden der muslimischen Bestattung in Deutschland. Über die Bedeutung und Präsenz der Verstorbenen in der deutschen Gesellschaft des 19.-21. Jahrhunderts.

Titel: Die Hürden der muslimischen Bestattung in Deutschland. Über die Bedeutung und Präsenz der Verstorbenen in der deutschen Gesellschaft des 19.-21. Jahrhunderts.

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 28 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Mersad Rujovic (Autor:in)

Theologie - Islamische Religionswissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ein Problem im Zusammenleben der Religionen bezieht sich auf den Teilbereich der räumlichen Ordnung, wovon auch, und hier explizit, die Friedhöfe als Orte des Gedenkens zunehmend betroffen sind, da das veränderte Bestattungsverhalten von Muslimen bezüglich des Ortes der Beisetzung Konflikte auslösen. Dieses anwachsende Konfliktfeld ist seit jüngerer Zeit beobachtbar und hat seinen Ursprung in den religiösen Unterschieden zwischen Muslimen und der christlichen Mehrheitsgesellschaft in Deutschland. Ziel der vorliegenden schriftlichen Ausarbeitung ist es, dieses Konfliktfeld näher zu beleuchten, um darzulegen, woraus sich die Schwierigkeiten der Bestattung zwischen Muslimen und der christlichen Mehrheitsgesellschaft ergeben. In diesem Wege soll die übergeordnete Fragestellung nach den Hürden der muslimischen Bestattung in Deutschland im Kontext des erwarteten gesellschaftlichen Wandels beantwortet werden.

Die seit 1949 vom parlamentarischen Rat beschlossene Religionsfreiheit wurde vorbehaltlos in das Grundgesetz aufgenommen, womit ein besonders großer Toleranzraum für Glaubens- und Gewissensfreiheit geschaffen wurde, welcher nur unter besonderen Umständen beschränkt werden darf. Der durch das Grundgesetz geschaffene Toleranzraum zur Koexistenz religiöser Unterschiede wurde plötzlich mit Leben gefüllt, indem religiöse Minderheiten – so bspw. die türkischen Muslime – ihren Glauben tatsächlich nach Deutschland transferierten und Gebetsstätten, Vereine und sonstige Organisationen gründeten, womit also Gesellschaftsräume von religiösen Minderheiten und deren Lebensweise gestaltet und auch geprägt wurden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Problem- und Fragestellung

2. Die begrifflichen Grundlagen

2.1 Der Tod als Ende des körperlichen Lebens

2.2 Das Ritual als Teil religiöser Konventionen

2.3 Der Friedhof als Ort der Trauer und Erinnerung

2.4 Die Funktionen der Friedhofsordnung

3. Das Zusammenleben der Religionen in Deutschland

3.1 Die multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft

3.2 Die möglichen Ursachen für den Wandel im Bestattungsverhalten

4. Die Hürden muslimischer Bestattung in Deutschland

4.1 Die Elemente der muslimischen Bestattung

4.1.1 Die rituelle Waschung

4.1.2 Die Bestattung im Leichentuch

4.1.3 Die Bestattungsfrist

4.1.4 Das Totengebet

4.1.5 Das ewige Ruherecht

4.1.6 Der muslimische Friedhof

5. Schlussbetrachtung

5.1 Fazit

5.2 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Hürden, die bei der Bestattung von Muslimen in Deutschland im Kontext des gesellschaftlichen Wandels und der bestehenden Bestattungsgesetze sowie Friedhofsordnungen auftreten. Ziel ist es, das Konfliktfeld zwischen dem Wunsch nach einer rituell korrekten muslimischen Bestattung und der aktuellen rechtlichen sowie räumlichen Situation in der christlich geprägten deutschen Gesellschaft zu beleuchten.

  • Religionsfreiheit und Koexistenz im deutschen Grundgesetz
  • Philosophische und religiöse Konzepte von Tod und Jenseits
  • Soziologische Analyse des Wandels im Bestattungsverhalten
  • Rechtliche und strukturelle Hindernisse muslimischer Bestattungsriten
  • Herausforderungen der Friedhofsverwaltung und Integrationsfragen

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Die rituelle Waschung

Die rituelle Waschung des Verstorbenen ist eine kollektive Pflicht der Religionsgemeinschaft, dabei vollzieht eine Gruppe von Muslimen, diese nach vorgeschriebenen rituellen Handlungen. Das Unterlassen der ordnungsgemäß ausgeführten rituellen Waschung, ist im Islam damit verbunden, dass sich alle Muslime des betreffenden Wohnorts schuldig machen. Die Reinigung des Körpers des Verstorbenen geht einher mit der Reinigung der Seele von Unreinheiten und wird wie bei der Waschung zum Gebet vorgenommen.

Bei der Ganzkörperwaschung wird stets zuerst die rechte, dann die linke Seite des Körpers gewaschen. Es werden drei Waschungen vorgenommen und dabei wohlriechende, alkoholfreie Duftstoffe, oft Kampfer, benutzt. Die Waschung erfolgt – wie das Gebet – getrennt nach Geschlechtern (Ausnahmen sind bei der Waschung des Ehemanns oder eines Kleinkindes möglich); Verwandte haben stets Vorrang. Eine rituelle Waschung ist auch dann durchzuführen, wenn der Leichnam bereits im Krankenhaus gewaschen wurde.

Die Waschung darf nicht an einem öffentlichen Ort und nur in Anwesenheit der Totenwäscher stattfinden. Daher zeigt sich mit Blick auf die rituelle Waschung mehr ein strukturelles Problem in der Ermöglichung der rituellen Waschung an sich, weswegen sich hier weniger ein juristisches Problem zeigt. In der Praxis zeigt sich dieses Problem auch als eines das vom Zielort der Bestattung unabhängig erscheint, da in Deutschland verstorbene Muslime, die zur Bestattung ins Ausland überführt werden, in der Regel auch in Räumen die für rituelle Waschungen bereitgestellt sind, gewaschen werden. Die bereits bestehende Struktur in Moscheen aber auch in anderen dafür zur Verfügung gestellten Räumen stellt also nur eine geringe strukturelle, jedoch keine rechtliche Hürde dar.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problem- und Fragestellung: Diese Einleitung thematisiert die Religionsfreiheit im Grundgesetz und den historischen Kontext der Gastarbeitergeneration, um die Relevanz der Untersuchung des muslimischen Bestattungswesens abzuleiten.

2. Die begrifflichen Grundlagen: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Tod und Ritual aus philosophischer sowie soziologischer Perspektive und untersucht die Rolle des Friedhofs als Ort der Trauer.

3. Das Zusammenleben der Religionen in Deutschland: Es wird analysiert, wie sich die multikulturelle Gesellschaft in Deutschland zusammensetzt und welche Faktoren den Wandel im Bestattungsverhalten der muslimischen Minderheit beeinflussen.

4. Die Hürden muslimischer Bestattung in Deutschland: Der Hauptteil detailliert die spezifischen religiösen Anforderungen bei Bestattungen (Waschung, Leichentuch, Frist, Gebet, Ruherecht) und stellt diese den deutschen gesetzlichen Rahmenbedingungen gegenüber.

5. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über die bisherigen Gesetzesänderungen und gibt einen Ausblick auf die notwendige Weiterentwicklung der Bestattungskultur in einer pluralistischen Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Muslimische Bestattung, Deutschland, Religionsfreiheit, Friedhofsordnung, Bestattungsrecht, Integrationsprozess, Grabgestaltung, rituelle Waschung, ewiges Ruherecht, Bestattungsfrist, multireligiöse Gesellschaft, Islam, Migrationshintergrund, Bestattungskultur, gesellschaftlicher Wandel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Hindernisse, auf die Muslime bei der Ausübung ihrer religiös geprägten Bestattungsriten innerhalb des deutschen Bestattungs- und Friedhofsrechts stoßen.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die rechtliche Verankerung der Religionsfreiheit, soziologische Aspekte des Zusammenlebens verschiedener Religionen und die praktische Vereinbarkeit islamischer Riten mit deutschen Friedhofssatzungen.

Was ist die Forschungsfrage des Autors?

Die zentrale Fragestellung zielt darauf ab, woraus sich die Schwierigkeiten bei der Bestattung von Muslimen in einer christlich geprägten Mehrheitsgesellschaft ergeben und wie diese im Kontext des gesellschaftlichen Wandels einzuordnen sind.

Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse von Fachliteratur, rechtlichen Bestimmungen (Bestattungsgesetzen) und soziologischen Studien, um die Diskrepanz zwischen religiösen Bedürfnissen und gesetzlichen Vorgaben aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden konkret die einzelnen Elemente der muslimischen Bestattung, wie die rituelle Waschung, die Bestattung im Leichentuch, das Totengebet und die Anforderungen an ein ewiges Ruherecht, detailliert auf ihre rechtliche Zulässigkeit und praktische Umsetzbarkeit untersucht.

Welche Keywords charakterisieren diese Arbeit am besten?

Typische Schlüsselwörter sind muslimische Bestattung, Bestattungsgesetz, Religionsfreiheit, Integrationsprozess, Friedhofsordnung und multireligiöse Gesellschaft.

Welche Bedeutung hat das "ewige Ruherecht" für Muslime laut dem Autor?

Für Muslime ist das ewige Ruherecht von zentraler Bedeutung, da der Friedhof als Ort des Wartens auf die Auferstehung gilt und eine Störung der Totenruhe durch Wiederbelegung religiös problematisch ist.

Warum wird im Dokument die Sargpflicht thematisiert?

Die Sargpflicht wird thematisiert, da sie ein klassisches rechtliches Hindernis für die islamische Erdbestattung darstellt, deren Aufhebung in einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg einen wichtigen Integrationsschritt markierte.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Hürden der muslimischen Bestattung in Deutschland. Über die Bedeutung und Präsenz der Verstorbenen in der deutschen Gesellschaft des 19.-21. Jahrhunderts.
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Die Lebenden und ihre Toten.
Note
2,0
Autor
Mersad Rujovic (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V541458
ISBN (eBook)
9783346154767
ISBN (Buch)
9783346154774
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über bedeutung bestattung deutschland gesellschaft hürden jahrhunderts präsenz verstorbenen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Mersad Rujovic (Autor:in), 2017, Die Hürden der muslimischen Bestattung in Deutschland. Über die Bedeutung und Präsenz der Verstorbenen in der deutschen Gesellschaft des 19.-21. Jahrhunderts., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541458
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Leseprobe aus  28  Seiten
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