Der Kampf um die Gunst des Sonnenkönigs - Elisabeth Charlotte d´Orléans und der Ursprung des Konflikts mit der königlichen Maitresse Madame de Maintenon


Seminararbeit, 2005
21 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Gliederung:

1. Einführung

2. Die Stellung und Bedeutung der Maitresse am französischen Hof

3. Liselotte von der Pfalz
3.1. Liselottes Feindin: Madame de Maintenon
3.2. Das Leid der Liselotte- Herzogin von Orléans -die Maitresse!

4. Fazit

5. Literaturliste

1. Einführung

Während des Seminars „Liselotte von der Pfalz“ hat sich bei mir das Interesse entwickelt mehr über das Leben der Elisabeth Charlotte von der Pfalz zu erfahren sowie über deren Verhältnis zu den Maitressen am Hof von Ludwig XIV.

In dieser Arbeit möchte ich das Wirken der Maitressen im Zeitalter des Barocks näher beleuchten. Aus welcher sozialen Schicht kamen sie und welche Stellung nahmen sie am Hof und der Gesellschaft ein?

Welche Wirkung zeigten sie und in welcher Weise veränderten oder prägten sie das Bild der Maitresse? Auf welche Art und Weise ging man mit ihnen um, denn immerhin wurde durch sie das Sakrament der Ehe gebrochen.

Ich möchte „das Amt der Maitresse“, welches am Hof des Sonnenkönigs ausgeprägt war, in Bezug auf das Leben der Elisabeth-Charlotte näher untersuchen und darstellen, wie es ihr Leben prägte.

Liselotte von der Pfalz, die Schwägerin Ludwigs XIV. , Frau von Philipp d´Orleans war letztendlich ihr ganzes Leben von diesen Personen umgeben. Schon ihr Vater hatte ein zweites mal „zur linken Hand“ geheiratet. Ein Augenmerk fällt auf Madame de Maintenon, zu welcher Liselotte ein gespaltenes Verhältnis hatte. Warum dies so war und wie dieses Verhältnis sich auf die Beziehung zu Ludwig XIV. ausgeprägt hat, wird mich in der vorliegenden Arbeit beschäftigen.

2. Die Stellung und Bedeutung der Maitresse am französischen Hof

Warum gab es überhaupt Maitressen? Diese Frage klärt sich schnell, denn Fürstenehen waren keine Liebesheiraten, sondern der Sinn und Zweck bestand allein darin politische Interessen des Landes zu unterstützen. Die zukünftigen Ehepartner kannten sich meist nur durch Erzählungen oder über Porträts, welche nicht selten ein wohlwollendes Abbild darboten. Ob ein Paar überhaupt menschlich zueinander passte, wurde nicht berücksichtigt.

Legitime Nachkommen zu zeugen, die am Leben blieben, und repräsentative Tätigkeiten waren oft die einzigen Aufgaben einer Ehefrau. Die Erziehung der Kinder wurde den Gouvernanten übertragen und für das emotionale Wohl des Gatten waren keine anderen als Maitressen zuständig.

Maitressen waren die freigewählten Lebensgefährtinnen der Fürsten oder Könige. Zwischen ihnen entbrannte die Liebe, welche nicht selten dazu führte, dass sich der König dazu entschloss, diese Liebe auch öffentlich zu machen.

Hatte eine Frau das Herz eines Königs erobert und wollte er dies auch öffentlich bekannt geben, ernannte dieser sie zur offiziellen Maitresse, der „maîtresse en titre“.

Franz I. von Frankreich (1494-1547) soll der erste König gewesen sein, der seine Liebe zu einer Maitresse öffentlich machte und ihr den Titel “maîtresse en titre“ verlieh.1 Seit dem hat es viele berühmt und berüchtigte Frauen gegeben, welche in der Gunst der Könige standen, wie z. B. Diane de Poitiers (1499- 1566)2, Gabrielle d`Estrées (1573-1599)3 oder Madame de Montespan (1641-1707)4, um nur einige unter vielen zu nennen.

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert war die Position der Maitresse fast ein offizielles Amt, welches von Macht begleitet wurde. Diese Frauen waren dem König so nah wie keine andere Person und besaßen sein Vertrauen. Sie waren für das Wohlergehen des Königs verantwortlich, sorgten sich um seine Amüsements und für den Ausgleich gegenüber der ermüdenden Regierungsarbeit. War der König schlechter Dinge, vermochten es oft nur diese Frauen ihn auf andere Gedanken zu bringen.

Diese schwierige Aufgabe ließen sie den König oft teuer zu stehen kommen und schröpften die Staatskassen nicht unerheblich.

Da sie neben der Königin die eigentlich erste Frau waren, mussten sie dies nach außen hin auch repräsentieren. Atemberaubende Kleider, teurer Schmuck, eine mehrfach bespannte Kutsche und ausreichend Dienstpersonal waren von Nöten, wenn man eine bewundernswerte Maitresse sein wollte.

Und bewundert wurden sie!

Zur Zeit Ludwig XIV. galt es für die Familien als sehr vorteilhaft, wenn es ihnen gelang, ihre Töchter zur Maitresse des Königs zu machen.5

Sogar kleine und unbedeutendere Liaisons mit dem König waren für die Familien eine Auszeichnung!

Die „maîtresse en titre“ wohnte natürlich in der unmittelbaren Nähe des Königs, im Schloss, was natürlich für die Königin nicht sehr angenehm war. Sie musste die Maitresse ihres Mannes um sich dulden und ihr auch noch wohlwollend gegenüber stehen. Tat sie dies nicht, zog sie sich den Zorn und Unwillen ihres Mannes zu. Da der König an der Spitze der Gesellschaft stand, war er das Vorbild für die Hofgesellschaft und sein Volk. Behandelte er laut Eleanor Herman die Königin nicht mit genügend Respekt, fand dies gleich Nachahmer unter ihm.6

Eines brauchten die Frauen, abgesehen von Schönheit, Intelligenz, Charme und Unterhaltungskunst, bevor sie offizielle Maitresse werden konnten, nämlich einen Adelstitel.

Hatten sie ihn nicht, wurde er ihnen vom König verliehen, denn nach dem Tode von Adelslinien fiel Titel und Besitz dieser wieder der Krone zu und konnte neu vergeben werden.

Madame de Maintenon zum Beispiel war eine Frau aus dem niederen Adel7, sie hieß vor ihrer Erhebung Madame de Scarron (ihr Mädchenname war Francoise d ´Aubigné) und erst mit dem Erwerb des Landbesitzes Maintenon wurde sie „hofgerecht“ und zu einer Marquise.

Der neue Titel und die Gunst des Königs konnten allerdings nicht davon ablenken, dass durch die „maîtresse en titre“ eine Todsünde, nämlich der Ehebruch, begangen wurde.

Für die Öffentlichkeit war es skandalös und normal zugleich eine Maitresse an der Seite des Königs zu sehen, allerdings durfte die Königin als Anstandsdame nicht fehlen um wenigstens den Schein8 zu wahren.9

Die Fastenzeit war immer wieder der Höhepunkt für die Gewissensbisse des Königs, wusste dieser doch zu gut, dass er eine Sünde beging, denn zu dieser Zeit sollte sich der Katholik all seiner Sünden bewusst werden.

Auch Ludwig XIV. wurde regelmäßig von diesen Gedanken geplagt, allerdings war die Liebe zu seinen Maitressen stärker als sein Gewissen.10

Seine Beziehungen zu seinen Maitressen währten sehr lang, die mit Madame de Montespan zum Beispiel dauerte offiziell 14 Jahre (von ca. 1667-168111 war sie offizielle „maitresse en titre“, allerdings soll die intime Beziehung zu ihr nur bis 1678 angehalten haben12 ).

Madame de Maintenon verehrte er bis zu seinem Tode 1715 und sorgte sich sogar noch vor seinem Ableben für die Zeit nach seinem Tode um sie.

3. Elisabeth Charlotte von der Pfalz 1652-1722

Elisabeth Charlotte, kurz Liselotte, wurde am 27. Mai 1652 im Schloss Heidelberg geboren. Ihre Eltern, Karl Ludwig und Charlotte von Hessen-Kassel, schlossen den Bund der Ehe 1650 und waren, wenn überhaupt, nicht lange glücklich miteinander um dem Sohn, Karl, geboren am 31. März 1651, und seiner Schwester eine glückliche Kindheit zu bieten. Mit sechs Jahren erlebte Liselotte die Scheidung der Eltern und die Degradierung ihrer Mutter, welche sie sehr verehrte.13

Schon früh machte Liselotte die Bekanntschaft mit einer anderen Frau an der Seite ihres Vaters. Luise von Degenfeld war eine der Hofdamen Charlottes und gab ihrem Vater das, was er bei seiner Frau nicht finden konnte. Sie wurde seine Maitresse und später sogar, 1658, seine Frau in einer „Ehe zur linken Hand“.14

Liselotte musste mit ansehen, wie ihre Mutter gedemütigt wurde und wie die zweite Frau ihres Vaters die Rolle ihrer Mutter übernahm.

Mit sechs Jahren war das ein schweres Schicksal für ein Kind und durchaus sehr prägend für die Zukunft.

Luise von Degenfeld gebar ihrem Mann zahlreiche Kinder und diesen war Liselotte, im Gegensatz zu deren Mutter, nicht abgeneigt. Im Gegenteil, sie liebte einige von ihnen innig, allerdings war sie sich immer dessen bewusst, dass sie Bastarde waren und sie selbst über ihnen stand.15 Dieses Standesbewusstsein behielt sie auch bis ins hohe Alter bei.

Mit sieben Jahren verließ Liselotte den Hof in Heidelberg und ging zu ihrer Tante Sophie, der Schwester ihres Vaters, nach Hannover. Dort lebte sie sich nach anfänglichen Schwierigkeiten gut ein und besonders ihre Tante wuchs ihr für immer ans Herz. Diese wurde auch zu einer der wichtigsten Briefpartnerinnen in Liselottes Leben.

Im Heiratsfähigen Alter musste auch Liselotte sich den Regeln ihres Standes beugen.

Ihr Vater wählte, in der Hoffnung etwas sinnvolles für sein Land zu tun, den Bruder des Sonnenkönigs als Ehegatten aus.

Hier kreuzten sich zum ersten mal die Wege von Liselotte und Ludwig XIV., denn Philipp , Herzog von Orléans, durfte Liselotte zu seiner zweiten Frau machen. Beide Seiten erhofften sich durch diese Heirat politische Vorteile. Ein Hindernis galt es aber noch zu überwinden, nämlich die Religion. Liselotte wurde protestantisch erzogen, jedoch das Haus Orléans war katholisch. Die Lösung bestand darin, dass Liselotte noch schnell vor der Hochzeit zum katholischen Glauben wechseln musste. Das war aber immer nur ein oberflächlicher Wandel, denn Liselotte interessierte sich ihr Leben lang für die Protestanten. Nach außen hin war sie jedoch gehorsam und konvertierte.16

1671 begann die Reise nach Frankreich, auf der Liselotte anfänglich noch von ihrem Vater und ihrer Tante Sophie begleitet wurde, aber nicht lange, denn in Straußburg wurde sie von der französischen Delegation übernommen. Man reiste mit der unglücklichen Prinzessin weiter bis nach Metz, wo die Trauung am 16. November „per procurationem“ vollzogen wurde.

Liselotte war nun verheiratet ohne jedoch ihren Ehemann leibhaftig je gesehen zu haben. Diesem begegnete sie erst in Chalons. Ihr Kummer über die Trennung von ihrer Familie war riesig, jetzt hatte sie nur noch ihre Gouvernante Kolb. Liselotte soll sogar der Appetit verloren gegangen sein, was für ihren unglücklichen Zustand spricht.17 In dieser Verfassung, tod unglücklich, verheult und appetitlos, trat sie ihrem Ehemann gegenüber, was natürlich keine guten Voraussetzungen für dieses Treffen waren.

Der 20. November war der große Tag der ersten Zusammenkunft, ein Paradiesvogel trifft auf die bodenständige, unglückliche Elisabeth Charlotte.

Beide waren so verschieden wie Tag und Nacht und doch gehörten sie nun zueinander und würden miteinander auskommen müssen. Dass sich dies durchaus schwieriger gestaltete, lag nicht nur an ihrer Unterschiedlichkeit, sondern am Anhang Philipps, welcher Liselotte nicht wirklich wohl gesonnen war. Erst nach und nach entdeckte Liselotte die ihr bis dato unbekannte Seite des männlichen Geschlechts. Philipp war bisexuell und Liselotte musste ihren Mann mit anderen Männern teilen.18

Dem Unglück nicht genug, waren die „Lustknaben“ Philipps, darunter der Chevalier de Lorraine und der Marquise d`Effiat, auch noch üble Zeitgenossen, welche ihrem Gönner regelrecht den Willen raubten. Die „männlichen Mätressen“ machten Liselotte also ebenfalls das Leben schwer.

Die Flitterwochen verbrachten Philipp und Liselotte in Villers-Cotterets. Dort traf sie zum ersten mal ihren Schwager Ludwig XIV.. Beide fanden sich sofort sympathisch und in verschiedener Literatur wird ihnen auch häufig eine kleine Verliebtheit nachgesagt, bewiesen ist dies jedoch nicht.

[...]


1 Vgl. Eleanor Hermann: Im Bett mit dem König. S. 12

2 Vgl. Helga Thoma: Madame, meine teure Geliebte. S.9

3 Vgl. Thoma, S.45

4 Vgl. Thoma, S.79

5 Vgl. Herman, S. 285

6 Vgl. Herman, S. 68

7 Vgl. Thea Leitner: Skandal bei Hof. S. 92

8 Schein = Treue in der Ehe

9 Vgl. Herman, S. 82

10 Vgl. Herman, S. 98

11 Klaus Malettke: Ludwig XIV. Von Frankreich. S.80

12 Vgl. Thoma, S. 98

13 Vgl. Leitner, S. 78

14 Vgl. Dirk Van der Cruysse: Madame sein ist ein ellendes Handwerck. S. 53

15 Vgl. Cruysse, S. 55

16 Vgl. Cruysse, S.131

17 Vgl. Cruysse, S. 138

18 Vgl. Leitner, S. 84

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Kampf um die Gunst des Sonnenkönigs - Elisabeth Charlotte d´Orléans und der Ursprung des Konflikts mit der königlichen Maitresse Madame de Maintenon
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Liselotte von der Pfalz
Note
2.0
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V54151
ISBN (eBook)
9783638494175
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit untersucht das problematische Verhältnis der Liselotte von der Pfalz mit Madame de Maintenon am Hofe des Sonnenkönigs. Vorangestellt wird eine Betrachtung der Maitressen an Königshöfen.
Schlagworte
Kampf, Gunst, Sonnenkönigs, Elisabeth, Charlotte, Ursprung, Konflikts, Maitresse, Madame, Maintenon, Proseminar, Liselotte, Pfalz
Arbeit zitieren
Marlies Eberding (Autor), 2005, Der Kampf um die Gunst des Sonnenkönigs - Elisabeth Charlotte d´Orléans und der Ursprung des Konflikts mit der königlichen Maitresse Madame de Maintenon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54151

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