Das Rubikon-Modell als Wegweiser zur Zielerreichung


Hausarbeit, 2017

13 Seiten, Note: Ohne Note

Lisa Fink (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Die Phasen des Rubikon-Prozesses
2.1 Das Bedürfnis
2.2 Das Motiv und der Schritt über den Rubikon
2.3 Die Intention
2.4 Die präaktionale Vorbereitung
2.5 Die Handlung und die Handlungskrise

3.Fazit

4.Quellenverzeichnis

1. Einleitung

»De r Würfel ist gefallen«, verkündet Julius Caesar im Jahre 49 v.Chr., womit er aus- drückt, dass er nach reiflicher Überlegung den Entschluss gefasst hat, einen Krieg zu beginnen, indem er mit seinen Soldaten den Fluss »Rubikon« überquert. Seitdem steht das »Überqueren des Rubikon« allgemein für die unwiderrufliche Entscheidung, ein ge- wisses Risiko einzugehen und wird in den Humanwissenschaften gerne mit Handlungen aus freiem Willen assoziiert.1 Die Psychologen Heckhausen und Gollwitzer greifen die Metapher Ende der 1980er-Jahre auf, um »die Grundprobleme einer jeden Motivations- psychologie, nämlich die Wahl von Handlungszielen einerseits und die Realisierung die- ser Ziele andererseits« 2 zu analysieren. Sie entwickeln das sogenannte Rubikon-Modell, ein psychoanalytisches und motivationspsychologisches Prozessmodell zielrealisieren- den Handelns, an dessen Erweiterung sich auch das ZRM-Training orientiert.

Bei diesem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) handelt es sich um ein Selbstmanage- ment-Training, das in den 1990er-Jahren von Maja Storch und Frank Krause für die Uni- versität Zürich entwickelt wurde. Das Training basiert auf neurowissenschaftlichen Er- kenntnissen zum menschlichen Lernen und Handeln und integriert unterschiedliche An- sätze wie systemische Analysen, Coaching, Wissensvermittlung oder interaktive Selbst- hilfetechniken und soll Menschen in ihrem jeweiligen Entwicklungsprozess gezielt auf der intellektuell-kognitiven, emotionalen und physiologischen Ebene erreichen.3

Stets geht es dabei um das Bewusstwerden und Erreichen von Wünschen und Zielen. Doch so manche Wünsche sind unbewusst oder nur eine vage Ahnung. Für andere wie- derum liegt bereits eine konkrete Idee zur Umsetzung vor. Manche wecken starke Gefüh- le in uns, andere lassen uns relativ kalt. Dieses Gefühlschaos kann sehr verwirrend sein, wenn man in seinem persönlichen Entwicklungsprozess feststeckt. Hinzu kommt, dass wir oft mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen, die sich in verschiedenen Reifungsstadien befinden, nicht miteinander harmonieren oder sich sogar widersprechen können. Zu Kon- flikten zwischen innerem Schweinehund und eigener Komfortzone können auch ernsthaf- te Lebensthemen wie die Berufswahl, Partnerschaft oder finanzielle Fragen hinzukom- men. Aus diesem Labyrinth kann das Rubikon-Modell einen schlüssigen, wissenschaft- lich fundierten Leitfaden für Laien und professionelle Berater darstellen.

2. Die Phasen des Rubikon-Prozesses

Das ZRM-Training, basierend auf dem Rubikon-Modell, soll Menschen also dabei helfen, sich ihrer eigenen (Lebens-)Themen bewusst zu werden, die eigenen Ressourcen zu aktivieren, zu entwickeln und zu erweitern, ihre persönlichen Ziele zu definieren und letzt- lich dazu fähig zu sein, zielorientiert zu handeln.

Was das Rubikon-Modell besonders herauskristallisiert, sind die verschiedenen »Rei- fungsstadien«, die ein Wunsch, sobald er einmal bewusst geworden ist, im Laufe der Zeit durchlaufen muss, ehe die jeweilige Person so weit motiviert und aktiv geworden ist, dass sie ihren Wunsch zum Ziel erklären und aktiv in Handlung umsetzen kann. Im Folgenden soll - nach einem kurzen Überblick - der Frage nachgegangen werden, welche »Reife- Phasen« ein Wunsch bis zu seiner Umsetzung durchlaufen muss. Oder, um es mit den Worten Gollwitzers zu sagen: »Welche Karriere müssen Wünsche durchlaufen, damit sie effektiv in relevante Handlungen umgesetzt werden können?« 4

Das Rubikon-Modell in seiner ursprünglichen Form umfasst vier Phasen. Eine Erweite- rung erfuhr das Modell schließlich auf den Vorschlag Klaus Grawes 1998 hin, der betont, dass das ursprüngliche Modell erst bei bereits bewusst wahrgenommenen Motiven, Wünschen und Ängsten ansetzt. Er sagt: »Darüber, wo die Wünsche und Befürchtungen herkommen, macht das Rubikon-Modell keine Aussagen. Sie werden einfach vorausge- setzt. Darin liegt eine Schwäche des Modells, wenn wir es auf therapeutische Problem- stellungen anwenden wollen. Wir könnten das Modell aber einfach nach links erweitern um eine Konzeption, wie es dazu kommt, dass ein bestimmter Mensch gerade diese Wünsch e und Befürchtungen hat.« 5

Die um eine Phase erweiterte Rubikon-Systematik, die im ZRM-Training verwendet wird, zeigt daher im Sinne Grawes - vor der Phase des bewusst gewordenen Motivs - auch eine Phase, die unbewusste und vorbewusste Bedürfnisse berücksichtigt. Dies beruht auf der Annahme, dass jedem bewusst gewordenen Motiv ein unbewusster »Bedürfniskern« zugrunde liegt.6 Wie die folgende Abbildung zeigt, unterscheidet das erweiterte Modell zwischen den fünf Entwicklungsphasen Bedürfnis, Motiv, Intention, präaktionale Vorberei- tungsphase und Handlung. Um zu betonen, dass dabei ein systematischer Prozess durchlaufen wird, spricht man bezüglich des erweiterten Rubikon-Modells innerhalb des ZRM-Trainings auch vom Rubikon-»Prozess«.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: Der Rubikon-Prozess im ZRM-Training7

Für Klaus Grawe stellt dieses erweiterte Rubikon-Modell einen »Orientierungsrahmen mit großer integrativer Potenz für therapeutisches und beraterisches Handeln im Dienste der Persönlichkeitsentwicklung und Verhaltensänderung« dar. Er geht davon aus, »dass ei- nem großen Teil derjenigen Patienten, die bei den verschiedenen Therapiemethoden jetzt noch keinen guten Therapieerfolg erreichen, besser geholfen werden könnte, wenn Therapeuten regelmäßig die ganze Rubikon-Landschaft, von ihrem äußersten linken bis zum rechten Rand, im Auge hätten und alle darin enthaltenen therapeutischen Möglich- kei ten nutzten«.8 Seiner Ansicht nach beziehen sich sämtliche existierenden Therapie- formen und Methoden letzten Endes auf unterschiedliche Phasen des Rubikon- Prozesses, also des zielrealisierendem Handelns. Es seien lediglich die unterschiedli- chen Ansatzpunkte, die zu Verständigungsschwierigkeiten innerhalb der Psychotherapie- szene führen. »Um sicherzustellen, dass systematisch jede mögliche Störungsquelle be- arbeitet werden kann, die sie davon abhält, so zu handeln, wie sie es gerne hätten«, soll- te in der Behandlung der Patienten laut Grawe daher jegliches therapeutische Handeln an der Rubikon-Systematik ausgerichtet sein.

Im Folgenden sollen die einzelnen Phasen des Rubikon-Prozesses, also die Reifestadien eines Wunsches und seiner jeweiligen Umsetzung, anhand kleiner Fallbeispiele aus ei- nem Video der Entwickler des ZRM-Trainings näher betrachtet werden.

2.1 Das Bedürfnis

Der Prozess beginnt bei den Wünschen und Befürchtungen am linken Ufer des Rubikon. Am äußersten linken Rand entstehen jene Bedürfnisse, die noch nicht oder kaum be- wusst sind. Da ein Großteil psychischer Prozesse unbewusst abläuft, sollte der Rubikon- Prozess zunächst dabei helfen herauszufinden, ob unbewusste Bedürfnisse vorliegen, die in den Entwicklungsprozess des Klienten miteinbezogen werden sollten.

Wie man aus den Neurowissenschaften weiß, werden Bedürfnisse, Antriebe und Wün- sche größtenteils vom limbischen System, dem Sitz des emotionalen Erfahrungsge- dächtnisses, erzeugt.9 Doch auch wenn dort gespeichert ist, was für das psychobiologi- sche Wohlbefinden einer Person bisher nützlich war und was nicht, muss dieses Wissen nicht jederzeit bewusst verfügbar sein.10 Das Problem für den Rubikon-Prozess liegt also darin, dass man die Bedürfnisse, solange sie nicht bewusst geworden sind, nicht in der bewussten Handlungsplanung berücksichtigen kann. An diesem Punkt würden wir uns wohl frustriert darüber »wundern, dass wir eine Handlung bewusst planen, aber - auf- grund unbewusster Motive - etwas ganz Anderes tun«.11

Die psychoanalytischen Therapieformen haben zu diesem Zweck der Bewusstmachung eine Reihe von Methoden entwickelt. Es lassen sich allerdings zwei Problemtypen unter- scheiden. So kann es beispielsweise sein, dass eine Person zwar über ein bewusstes Motiv verfügt, dieses aber aus Gründen, die ihr selbst unerklärlich sind und die in unter- schiedlichen Stadien des Rubikon-Prozesses anzusiedeln sind, nicht in Handlung umset- zen kann. Möglicherweise existiert ein bisher unbewusstes Bedürfnis, das im Gegensatz zum bewussten Motiv steht und dessen Umsetzung blockiert. Ein Beispiel für einen sol- chen Motivkonflikt wäre die Lehrerin Fiona aus einem Video zu Fallbeispielen des ZRM- Trainings.12 Fiona will es allen recht machen. Sie engagiert sich selbstlos für ihre Schüler, ebenso wie für ihre Familie. Längst ist ihr klar geworden, dass sie im Alltag überfordert ist, doch Fiona hat ein Problem: Sie kann nicht »Nein« sagen. Das »Nein«-Sagen, um sich in Zukunft besser abzugrenzen, ist nun Fionas bewusstes Motiv. Doch warum will ihr das einfach nicht gelingen? Immer wieder gibt sie nach und halst sich immer noch mehr Aufgaben auf. Der Grund für ihr Scheitern liegt in einem unbewussten Bedürfnis: Fiona möchte insgeheim geliebt werden. Dieses ihr völlig unbewusste Bedürfnis nach Harmonie und Anerkennung steht im Widerspruch zu ihrem Motiv, sich abzugrenzen. Und auch der Konflikt zwischen beiden Bestrebungen ist unbewusst, was die Umsetzung ihres Planes erschwert. Mit Hilfe des ZRM-Trainings findet Fiona schließlich ein neues Haltungsziel, das ihr ganz praktisch »über den Rubikon« verhilft. Sie sucht sich ein für sie sympathi- sches Symbol: Die Katze. Schließlich zeigt eine Katze Zuwendung und holt sich ihre Schmuse-Einheiten, wenn sie es braucht; sie geht aber auch ihres Weges und zieht sich zurück, wenn sie alleine sein will. Trotzdem wird die Katze von allen geliebt. Und Fiona tut es ihr gleich. Wie eine Katze achtet Fiona von nun an auf körperliche und seelische Erholung. Die Geschäftigkeit der Welt lässt sie an sich vorüberziehen.

Einen noch schwierigeren Fall stellen jene Menschen dar, bei denen das erste Reifesta- dium eine wichtige Rolle spielt, da sie gar nicht so recht vermitteln können, worin eigent- lich ihr Problem liegt. Sie klagen lediglich über ein »generelles Unbehagen«, irgendetwas stimmt nicht. Da die Bedürfnisse dieser Personen noch völlig unbewusst sind, ist es in diesem Zustand kaum möglich, einen individuell angepassten Prozess des zielrealisie- renden Handelns umzusetzen. Mit bewusstem Nachdenken kommt man hier also nicht weiter. Vielmehr gilt es, das Bedürfnis erst einmal möglichst bewusst und greifbar zu ma- chen, um dann die weitere (Lebens-)Planung daran ausrichten zu können. Die Ebene der Bedürfnisse ist daher enorm wichtig für eine erfolgreiche Therapie und Beratung. »Man sollte alles daran setzen, dass der Patient sich Ziele setzt, die mit seinen wirklichen Be- dürfnissen übereinstimmen. Ziele, die den Charakter haben von 'ich sollte', 'ich müsste', ' m a n kann von mir erwarten, dass ich', haben wenig Aussicht auf Realisierung und führen selbst bei ihrer Erreichung nicht zu einer wirklichen Befindensverbesserung«. 13

[...]


1 Heckhausen, H.; Gollwitzer, P.M.; Weinert, Franz E. (1987): Jenseits des Rubikon. Der Wille in den Hu- manwissenschaften, Springer Verlag, Berlin.

2 Gollwitzer, P.M. (1991): Abwägen und Planen, Verlag für Psychologie, Verlag Hogrefe, Göttingen, S. 39.

3 Das Zürcher Ressourcen Modell ZRM: http://www.zrm.ch/, Stand: 02.05.2017.

4 Gollwitzer, P.M. (1991): Abwägen und Planen, Verlag für Psychologie, Verlag Hogrefe, Göttingen, S. 39.

5 Grawe, K. (1998): Psychologische Psychotherapie. Hogrefe, Göttingen, S. 71.

6 Kuhl, J. (2001): Motivation und Persönlichkeit. Interaktionen psychischer Systeme, Hogrefe, Göttingen, S. 553.

7 Storch, M.; Krause, F. (2002): Selbstmanagement - ressourcenorientiert, Ressourcen aktivieren mit dem Züricher Ressourcen Modell (ZRM), Verlag Hans Huber, Bern, S. 59.

8 Grawe, K. (1998): Psychologische Psychotherapie. Hogrefe, Göttingen, S. 115.

9 Storch, M.; Krause, F. (2009): Selbstmanagement - ressourcenorientiert, Ressourcen aktivieren mit dem Züricher Ressourcen Modell (ZRM), 4. Aufl., Verlag Hans Huber, Bern, S. 66.

10 Roth, G. (2001): Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert, Suhrkamp, Frankfurt am Main, S. 270.

11 Ebd., S. 446.

12 ZRM-Fallbeispiele: https://www.youtube.com/watch?v=ideJm4BsskA, Stand: 02.05.2017.

13 Grawe, K. (2004): Neuropsychotherapie, Hogrefe, Göttingen, S. 335.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Rubikon-Modell als Wegweiser zur Zielerreichung
Hochschule
Universität Augsburg
Note
Ohne Note
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V541948
ISBN (eBook)
9783346173249
ISBN (Buch)
9783346173256
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rubikon-modell, wegweiser, zielerreichung
Arbeit zitieren
Lisa Fink (Autor:in), 2017, Das Rubikon-Modell als Wegweiser zur Zielerreichung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541948

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