Diese Seminararbeit soll die Fragen beantworten, ob das Recht auf die Auslebung der Sexualität für Menschen mit geistiger Behinderung realisiert wird. Ob und inwieweit die Lebensstrukturen von Menschen mit geistiger Behinderung eine Rolle spielen, welche Möglichkeiten ihnen zur Auslebung ihrer Sexualität zur Verfügung stehen und wie diese in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung angesehen und umgesetzt werden. Hierbei wird auch ein Fokus auf die Soziale Arbeit und dessen Aufgaben gesetzt.
In der heutigen Gesellschaft wird der Mensch mit einer geistigen Behinderung und deren Sexualität immer noch sehr stark stigmatisiert. Hierzu gehören die drei Mythen, dass alle Menschen mit Behinderung asexuell, sexbesessen und triebbestimmt seien. Ebenso der Mythos, dass alle Menschen mit Behinderung in ihrer Entwicklung im Kindesalter stehen bleiben würden und sie somit vor allem beschützt werden müssten. An dieser Stelle kommen Sichtweisen auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geistige Behinderung und Sexualität
2.1 Was ist geistige Behinderung?
2.2 Das Menschenbild von Menschen mit geistiger Behinderung
2.3 Was ist Sexualität?
2.4 Sexuelle Selbstbestimmung
3. Lebensumstände und Auswirkungen für Menschen mit geistiger Behinderung
3.1 Lebensstrukturen und ihre Auswirkungen auf Sexualität
3.2 Familiäre Bedingungen und ihre Auswirkungen auf die Sexualität
3.3 Institutionelle Bedingungen und ihre Auswirkungen auf die Sexualität
4. Passive und aktive Sexualassistenz und ihre Möglichkeiten
5. Bedeutung der Sozialen Arbeit
5.1 Empowerment und das Recht auf Sexualität
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit untersucht, inwieweit das Recht auf Sexualität für Menschen mit geistiger Behinderung in der Praxis realisiert wird, welche Rolle ihre Lebensstrukturen dabei spielen und wie die Soziale Arbeit durch das Konzept des Empowerment unterstützen kann.
- Stigmatisierung und Mythen rund um die Sexualität behinderter Menschen
- Einfluss familiärer und institutioneller Rahmenbedingungen
- Möglichkeiten und Abgrenzung der passiven und aktiven Sexualassistenz
- Rolle der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession
- Stärkung von Selbstbestimmung und Empowerment
Auszug aus dem Buch
3.3 Institutionelle Bedingungen und ihre Auswirkungen auf die Sexualität
Es gab im Jahre 2010 199.800 Plätze im Bereich des stationären Wohnens für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Durch bauliche und strukturelle Gegebenheiten müssen sich Menschen mit einer geistigen Behinderung immer noch mit persönlichkeits- und sexualfeindlichen Bedingungen auseinander setzten.
In vielen Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung mangelt es an privatsphäre, da sich immer noch zwei oder mehrere Personen ein Zimmer teilen müssen. Ebenso finden Behandlungen der Pflege auf grund von rückzugsmöglichkeiten in öffentlichen Wohnräumen statt. Häufig haben die Zimmer nur wenig Platz und Möbel, wodurch wenig freiraum für Individualität bleibt. Ein zusätzliches Problem für die Menschen die in einer solchen Einrichtung leben ist es, dass die Mitarbeiter ein schlüssel für die jeweiligen zimmer haben und nicht die Bewohner selbst. Wodurch die freie Auslebung der Sexualität beschnitten wird, da die Betroffenen immer erst die Mitarbeiter fragen müssen, um in ihr Zimmer zu gelangen. Einerseits wird in den stationären Wohneinrichtungen die Selbstbestimmung nicht beachtet und oft wird auch das Lebensalter der Jugendlichen oder Erwachsenen durch das Duzen und die kommunikation mit dem Menschen mit Behinderung nicht respektiert. Da die Mitarbeiter der Wohneinrichtungen häufig nach pragmatischen Gesichtspunkten wie zum Beispiel der Hygiene arbeiten, werden die Menschen mit Behinderung in Dingen wie Kleidung und Frisur fremdbestimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Schwierigkeiten von Menschen mit geistiger Behinderung bei der Auslebung ihrer Sexualität und führt in die Problematik des Tabuthemas ein.
2. Geistige Behinderung und Sexualität: Dieses Kapitel definiert geistige Behinderung und Sexualität und analysiert gesellschaftliche Stigmata sowie das Konzept der sexuellen Selbstbestimmung.
3. Lebensumstände und Auswirkungen für Menschen mit geistiger Behinderung: Es werden die negativen Einflüsse von familiären Tabus, mangelnder Privatsphäre und institutionellen Zwängen in Wohneinrichtungen auf die sexuelle Entwicklung untersucht.
4. Passive und aktive Sexualassistenz und ihre Möglichkeiten: Das Kapitel erläutert das Konzept der Sexualassistenz als Dienstleistung und differenziert zwischen aktiver Interaktion und passiver Unterstützung.
5. Bedeutung der Sozialen Arbeit: Hier wird aufgezeigt, wie durch Empowerment auf verschiedenen Ebenen die sexuelle Selbstbestimmung der Klienten gefördert werden kann.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass nicht der Mensch mit Behinderung, sondern die gesellschaftlichen und institutionellen Strukturen verändert werden müssen, um ein befriedigendes Sexualleben zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Geistige Behinderung, Sexualität, Sexualassistenz, Selbstbestimmung, Empowerment, Soziale Arbeit, Wohneinrichtung, Stigmatisierung, Lebensqualität, Inklusion, Tabu, Sexualpädagogik, Fremdbestimmung, Privatsphäre, Menschenrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Menschen mit geistiger Behinderung in Bezug auf ihre Sexualität und die damit verbundenen gesellschaftlichen sowie institutionellen Hürden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Stigmatisierung, der Einfluss von Wohnumfeldern, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die professionelle Unterstützung durch Sexualassistenz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Recht auf Sexualität für Menschen mit geistiger Behinderung realisiert werden kann und welche Rolle die Soziale Arbeit dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung basierend auf Fachliteratur, pädagogischen Konzepten und sozialwissenschaftlichen Definitionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Lebensstrukturen, familiäre und institutionelle Hindernisse sowie praktische Konzepte wie das Empowerment und die Sexualassistenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind geistige Behinderung, Sexualität, Selbstbestimmung, Empowerment, Sexualassistenz und institutionelle Bedingungen.
Warum ist das Thema Sexualität in vielen Wohneinrichtungen problematisch?
Oft mangelt es an Privatsphäre durch Mehrbettzimmer und starre Strukturen, zudem fehlt es häufig am Verständnis oder der Offenheit der Mitarbeiter für dieses Bedürfnis.
Wie unterscheidet sich aktive von passiver Sexualassistenz?
Aktive Sexualassistenz umfasst die sexuelle Interaktion zwischen Fachpersonal und Klienten, während passive Assistenz die Schaffung von Voraussetzungen, wie Beratungsangebote oder Hilfe bei der Beschaffung von Hilfsmitteln, beinhaltet.
Wie verändert Empowerment die Rolle der Sozialen Arbeit in diesem Kontext?
Das Konzept des Empowerment verschiebt den Fokus von der bloßen Verwaltung hin zur Stärkung der Autonomie des Klienten und zur Veränderung der institutionellen Bedingungen, damit die Klienten selbstbestimmt agieren können.
- Arbeit zitieren
- Annika Sacchi (Autor:in), 2018, Geistige Behinderung und Sexualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542038