Das politisch-administrative System und die Sportselbstverwaltung – theoretische Analyse


Hausarbeit, 2004

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beziehungen von Sport und Politik2
2.1 Zusammenhänge und Interessenskonflikte von Sport und Politik.
2.2 Das duale System – Vielfalt der Verflechtungen

3. Interaktionsweisen zwischen Sport und Politik
3.1 Subsidiarität
3.2 Neokorporatismus

4. Schlussbetrachtung
4.1 Strukturierungsansatz nach Lösche
4.2 Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nachdem sich die Politikwissenschaftler Klaus Heinemann und Rolf Meier Mitte der neunziger Jahre bereits intensiv mit dem Verhältnis des Staats und des organisierten Sports auseinandersetzten, ist die Wiederaufarbeitung Peter Lösches, der die Problematik des Verhältnisses zwischen Staat und Sport anhand eines Strukturierungsansatzes versucht einzugrenzen, Anlass das Thema erneut unter Berücksichtigung aller Aspekte zu beleuchten.

Zunächst war es Rolf Meier, der 1995 „das Verhältnis von Interessensverbänden und Staat im Allgemeinen und das Verhältnis vom Deutschen Sportbund nebst Mitgliedverbänden und Staat im Besonderen“ (Meier 1995, 91) untersuchte. Meier tat dies vor allem unter dem Aspekt des Neokorporatismus. Er trug das Konzept sowie Strukturen des Neokorporatismus zu diesem Thema bei und stellte somit eine klare Interaktionsweise zwischen Politik und Sport heraus.

1996 folgte dann ein Beitrag Klaus Heinemanns, der sich ebenfalls mit dem Legitimationsproblemen im Verhältnis von Sport und organisiertem Sport beschäftigte. Heinemann nahm zwar den Begriff des Neokorporatismus in seiner Arbeit wieder auf, doch war der Grundsatz der Autonomie Hauptmerkmal seines Beitrags. So seien „Unabhängigkeit und Selbstverantwortung des Sports fundamentale Grundprinzipien der Sportpolitik der Bundesrepublik Deutschland“ (vgl. Heinemann 1996, 178). Dieses Prinzip, was auch als Subsidiaritätsprinzip verstanden werden kann, schließt sich grundsätzlich mit dem Prinzip des Neokorporatismus aus.

Folglich wurden zwei Konzepte für das Verhältnis zwischen Staat und Sport erarbeitet, die sich stark unterscheiden. Während das Prinzip des Neokorporatismus auf staatlicher Kontrolle basiert, beruht das Subsidiaritätsprinzip auf Unabhängigkeit und Selbstverantwortung.

Auf diesem komplexen Thema aufbauend, versuchte Peter Lösche die Politologie des Sports zu strukturieren. Lösche nahm einen Ansatz der Politikwissenschaft, der drei Ebenen beschreibt (Polity, Politics, Policy), zur Hilfe.

Im folgenden Beitrag wird zunächst die Beziehung von Sport und Politik herausgestellt. Zusammenhänge und Interessenskonflikte werden genauso Thema sein, wie die Vielfalt der Verflechtungen mit Bezug auf das duale System der Sportselbstverwaltung und ihre Zusammenarbeit mit der öffentlichen, staatlichen Sportverwaltung. Des weiteren sind die bereits erwähnten Interaktionsweisen Neokorporatismus und Subsidiarität Gegenstand dieser Arbeit. Thema ist die Frage, inwieweit die Arten der Interaktion von Sport und Staat, also einerseits die als neokorporatistisch in Erscheinung tretende Interaktion und andererseits die Interaktionsweise die dem Subsidiaritätsprinzip folgt, sich kombinieren bzw. sich in das mit dem Sport verflochtene politisch-administrative System gemeinsam einordnen lassen können.

Abschließend gilt mein Hauptaugenmerk dem Strukturierungsansatz der Politologie des Sports nach Lösche unter Miteinbeziehung der Konzepte des Neokorporatismus und der Subsidiarität.

2. Beziehungen von Sport und Politik

Um die Interaktionsvorgänge zwischen Politik und Sport verstehen bzw. interpretieren zu können, ist ein Basisverständnis des gesamten Kontextes vonnöten. So ist zunächst einmal der Begriff des Sports zu erläutern sowie ferner die Intention einer jeden Politik herauszufiltern.

„Im Sport geht es um körperliche Bewegungen, die üblicherweise nach Regeln ablaufen“ (Lösche 2001, 45). Ferner versteht Sport das Streben nach Leistung und das Testen dieser in messbaren Vergleichen.

Politik gilt als Handeln, das auf die Bewältigung fundamentaler Probleme innerhalb oder zwischen komplexen Gesellschaftssystemen zielt. So auch bei Konflikten zwischen einer Vielzahl von Interessen. In Deutschland dominiert ein Verständnis von Politik, in der der Staat auch eine zuweisende und damit eine steuernde Funktion einnimmt. Die Allokation bezieht sich auf eine Verteilung von öffentlichen Gütern. Folglich ist die Politik aufgrund ihres Einflusses mit allen komplexen Gesellschaftssystemen verflochten.

2.1 Zusammenhänge und Interessenskonflikte von Sport und Politik

Nachdem zu den Themenfeldern Sport und Politik der separate Bezug nun erstellt worden ist, folgen Zusammenhänge und Interessenskonflikte dieser Themenfelder. Demnach sind Sport und Politik tiefgreifend miteinander verflochten. Einerseits erfüllt der Sport durch verschiedenste Eigenschaften und Mittel öffentliche Aufgaben und andererseits ist die Politik mit all ihren Mächten und Einflüssen stark in das System des Sports verstrickt.

Der Sport hat bedingt durch seinen Wandel nicht nur öffentliche Aufgaben sozialer Art, wofür die Gesundheitsvorsorge, die Integration von Minderheiten oder die Jugendbetreuung beste Beispiele sind, sondern durch eine deutlich anwachsende Kommerzialisierung, Ökonomisierung, Globalisierung des Sports eine zunehmende Bedeutung auf dem Markt insgesamt. Dies führt folglich zu gesteigertem Ansehen und bringt den Sport in Bezug auf den Staat in eine repräsentative Stellung.

Die Politik interveniert unter Berücksichtigung des zunehmenden Einflusses des Sports und der bereits erläuterten Intention einer Politik im Generellen verstärkt in den Sportbereich. Der organisierte Sport erfährt durch den Staat neben der finanziellen Unterstützung zudem umfangreiche Erhaltungssubventionen wie beispielsweise steuerliche Vergünstigungen, die kostenlose Nutzung der Sportstätten oder den Einsatz von Zivildienstleistenden. Doch „wer Geld gibt, will Einfluss nehmen“, schrieb Klaus Heinemann (1996, 177) korrekter Weise in seiner Arbeit zu diesem Thema und deutete damit die sich daraus ergebenen Interessenskonflikte bereits an.

Wenn es um verschiedene Interessen geht, handelt es sich auch um die „Abstimmung verschiedener, konkurrierender Ansprüche“ (vgl. Heinemann 1996, 178). Genau diese folgend dargelegten konkurrierenden Ansprüche sind der Ausgangspunkt für auftretende Konflikte und dementsprechend sogar die Basis für das Problem der Kombinierbarkeit der verschieden Arten der Interaktion von Sport und Staat. So strebt der Sport nach einer autonomen Selbstverwaltung, während der Staat durch die Unterstützung immer mehr seinerseits erfüllte Forderungen verlangt, was den Sport in der Entscheidungsfreiheit natürlich zunehmend einengt. Die staatliche Unterstützung des Sports bedroht somit die Autonomie des Sports. Die Vereine/Verbände versuchen aber die funktionale Identität bzw. die Entscheidungsfreiheit zu wahren.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das politisch-administrative System und die Sportselbstverwaltung – theoretische Analyse
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Sport und Politik
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V54209
ISBN (eBook)
9783638494656
ISBN (Buch)
9783640468041
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
System, Sport, Politik
Arbeit zitieren
Tobit Schneider (Autor), 2004, Das politisch-administrative System und die Sportselbstverwaltung – theoretische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54209

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