Gerade im derzeitigen Zinsumfeld, geprägt von politischer und geldpolitischer Unsicherheit, ist eine genauere Kalkulation des Zinsänderungsrisikos unabdingbar. Dies gilt insbesondere für Zinspositionen im Bankbuch, welche einer langfristigen Zinsbindung unterliegen. Aufgrund der stetigen Überarbeitung des Ansatzes zur Messung dieser Risikoart durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die für eine adäquate Aufsicht über das Zinsänderungsrisiko im Bankbuch die international ausgearbeiteten Grundsätze in nationales Recht überführt, finden regelmäßig Anpassungen der Anforderungen durch die Aufsicht statt. In diesem Zusammenhang hat die BaFin am 12. Juni 2018 ein überarbeitetes Rundschreiben zum „Baseler Zinsschock“ – der Anforderungen an die ad-hoc Änderungen der Zinsstrukturkurve 200 Basispunkten (BP) über die gesamte Laufzeit zum einen nach oben und zum anderen nach unten – veröffentlicht.
Diese Arbeit stellt den Ansatz zur Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Bankenbuch in den aufsichtlichen Kontext um nach einer Definition und der Darlegung des Berechnungsmodells diesen am Geschäftsmodell eines Nicht-Handelsbuchinstitutes, der GEFA BANK GmbH, um zu untersuchen welchen Einfluss dieser auf die Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Bankbuch darstellt. Hierbei wird das genannte Rundschreiben herangezogen um zunächst auf dessen Basis Implikationen für das Geschäftsmodell eines Nicht-Handelsbuchinstitutes abzuleiten. Ebenfalls wird der in dieser Arbeit vorgestellte Ansatz zur Messung dieser Risikoart kritisch hinterfragt um dessen Schwachpunkte aufzuzeigen und nötige Verbesserungen anzuregen um die Aussagekraft des Ansatzes weiter zu stärken. Hierdurch zeigt die Arbeit mögliche Anpassungen des Ansatzes in Bezug auf die Effektivität der Aufsicht von Zinsänderungsrisiken im Bankbuch in der Praxis der Bankenaufsicht auf.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Einordnung des Baseler Zinsschocks in den aufsichtlichen Rahmen der Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch
1.1 Einordnung des Baseler Zinsschocks in den aufsichtlichen Rahmen
1.2 Definition des anzuwendenden Baseler Zinsschocks
1.3 Berechnungsmodell für den Baseler Zinsschocks
2 Kalkulation des Baseler Zinsschocks am Beispiel der GEFA BANK GmbH als Nicht-Handelsbuchinstitutes
2.1 Vorstellung des Geschäftsmodells der GEFA BANK GmbH
2.2 Kalkulation des Baseler Zinsschocks als Zinsänderungsrisiko im Bankbuch der GEFA BANK GmbH
2.3 Darlegung der Ergebnisse aus der Anwendung des Baseler Zinsschocks auf die GEFA BANK GmbH
3 Kritische Analyse der Ergebnisse aus der Kalkulation des Baseler Zinsschock der GEFA BANK GmbH
3.1 Implikationen der Ergebnisse in Bezug zum Geschäftsmodell der GEFA BANK GmbH
3.2 Grenzen der Kalkulation des Zinsänderungsrisikos anhand des Baseler Zinsschocks
3.3 Abbau der beschriebenen Grenzen des Ansatzes des Baseler Zinsschocks durch neuere aufsichtliche Anpassungen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den regulatorischen Ansatz zur Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch anhand des Baseler Zinsschocks. Ziel ist es, das Berechnungsmodell theoretisch zu definieren, dessen Anwendung praxisnah am Geschäftsmodell der GEFA BANK GmbH zu demonstrieren und das Verfahren kritisch auf seine Aussagekraft sowie Schwachstellen hin zu hinterfragen.
- Regulatorische Einordnung des Baseler Zinsschocks gemäß BaFin-Rundschreiben.
- Methodik der Barwertberechnung von Cashflows im Bankbuch.
- Praxisbeispiel der GEFA BANK GmbH inklusive Sensitivitätsanalyse.
- Kritische Würdigung der Modellannahmen und Grenzen der Vergleichbarkeit.
- Ausblick auf neuere aufsichtliche Anpassungen zur Harmonisierung.
Auszug aus dem Buch
1.2 Definition des anzuwendenden Baseler Zinsschocks
Der Baseler Zinsschock beschreibt eine ad-hoc Veränderung der Zinsstrukturkurve und gehört aufsichtsrechtlich zur Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch. Dieser ist auf den Barwert der Cashflows aus dem Bankbuch anzuwenden, was in Kapitel 1.3 im Rahmen der Vorstellung des Berechnungsmodells genauer beschrieben.
Die derzeitigen von den Instituten in ihre Verfahren einzubindenden Anforderungen zum „Baseler Zinsschock“ sind im genannten Rundschreiben in den Abschnitten 3 und 4 zu finden. Hier wird das Szenario einer sich ad-hoc verändernden Parallelverschiebung der Zinsstrukturkurve über alle Laufzeiten definiert. Diese Szenarien sind auf den Cashflows aus dem Bankbuch in jährlich definierten Lautzeitbändern als Barwertberechnung anzuwenden. Betrachtet wird in der Kalkulation ausschließlich das Bestandsgeschäft. In die Barwertbildung werden außerdem alle Cashflows aus zinssensitiven Bilanzpositionen einbezogen.
Es werden zwei Szenarien definiert. Das erste beschreibt einen Anstieg der Zinsstrukturkurve über alle Laufzeiten um 200 Basispunkte (BP). Das zweite beschreibt ein Absinken der Zinsstrukturkurve um 200 BP, wobei das Absinken bei einem anfänglichen positiven Zinssatz maximal auf 0% abgesenkt wird (Floor von 0%). Bei einem anfänglichen negativen Zinssatz findet keine weitere Verringerung in diesem Szenario statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einordnung des Baseler Zinsschocks in den aufsichtlichen Rahmen der Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch: Das Kapitel erläutert die regulatorischen Grundlagen des Baseler Zinsschocks und definiert das mathematische Berechnungsmodell zur Bestimmung des Barwertverlusts.
2 Kalkulation des Baseler Zinsschocks am Beispiel der GEFA BANK GmbH als Nicht-Handelsbuchinstitutes: Anhand des Geschäftsmodells der GEFA BANK GmbH wird das Berechnungsmodell praktisch angewendet, um die Auswirkungen von Zinsschockszenarien auf die Bilanz zu quantifizieren.
3 Kritische Analyse der Ergebnisse aus der Kalkulation des Baseler Zinsschock der GEFA BANK GmbH: Es erfolgt eine kritische Würdigung der Modellergebnisse, wobei insbesondere der Spielraum durch interne Modellannahmen sowie die Beschränkungen des Niedrigzinsumfeldes und neuere regulatorische Anpassungen thematisiert werden.
Schlüsselwörter
Baseler Zinsschock, Zinsänderungsrisiko, Bankbuch, IRRBB, BaFin, Zinsstrukturkurve, Barwertberechnung, GEFA BANK GmbH, Eigenmittelunterlegung, Niedrigzinsumfeld, aufsichtliche Anforderungen, Modellrisiko, Risikotragfähigkeit, Kapitaladäquanz, Finanzregulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die regulatorischen Anforderungen an die Messung von Zinsänderungsrisiken im Bankbuch, insbesondere den sogenannten Baseler Zinsschock, und prüft dessen praktische Anwendbarkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die regulatorische Einordnung, die mathematische Kalkulation nach Barwertansätzen, die praktische Anwendung auf ein Nicht-Handelsbuchinstitut sowie die kritische Reflexion aufsichtlicher Spielräume.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss des Baseler Zinsschocks auf das Geschäftsmodell eines Nicht-Handelsbuchinstituts zu untersuchen und Schwachstellen des Ansatzes kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine deskriptive Darstellung der regulatorischen Rahmenbedingungen mit einer quantitativen Fallstudie (Praxisbeispiel), ergänzt durch eine kritische methodische Analyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Definition des Zinsschocks, die praktische Durchführung der Kalkulation am Beispiel der GEFA BANK GmbH sowie die Diskussion von Modellrisiken und Anpassungsbedarf bei Annahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Baseler Zinsschock, Zinsänderungsrisiko, Bankbuch (IRRBB), Barwertmethode und regulatorische Aufsicht charakterisieren.
Welche Rolle spielt die GEFA BANK GmbH als Fallbeispiel?
Die Bank dient als praxisnahes Modell eines Nicht-Handelsbuchinstituts, um zu zeigen, wie sich Zinsänderungen auf ein Geschäftsmodell auswirken, das primär durch das Zinsgeschäft geprägt ist.
Warum ist die Wahl der Modellannahmen laut Autor kritisch zu sehen?
Der Autor zeigt auf, dass Institute durch die Art der internen Modellierung von Positionen ohne feste Fälligkeit den berechneten Schwellenwert signifikant beeinflussen und somit das Risikobild steuern können.
- Arbeit zitieren
- Daniel Levin Fedeler (Autor:in), 2019, Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch. Die regulatorischen Anforderungen zum Baseler Zinsschock, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542118