Der lebensweltorientierte Theorieansatz nach Hans Thiersch in der sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2013

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise und Aufbau

2. Biographie

3. Was bedeutet Lebensweltorientiert?

4. Traditionslinien als theoretischer Hintergrund

5. Die Fünf Sachdimensionen nach Thiersch
5.1 Die Lebenswelt sozialpädagogischer AdressatInnen
5.2 Gesellschaftliche Funktion der Sozialen Arbeit
5.3 Institutionalisierung der Sozialen Arbeit
5.4 Sozialpädagogische Handlungskompetenz
5.5 Wissenschaftscharakter der Sozialen Arbeit

6. Handlungsmaxime
6.1 Prävention
6.2 Dezentralisierung/Regionalisierung
6.3 Alltagsnähe
6.4 Integration
6.5 Partizipation

7. Fazit

Literaturverzeichneis

1. Einleitung

-"Lebensweltorientierte Soziale Arbeit agiert im Horizont der radikalen Frage nach dem Sinn und der Effizienz sozialer Hilfen aus der Perspektive ihrer Adressat/innen." - Thiersch/Grundwald

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Lebensweltorientierten Ansatz von Hans Thiersch. Die Arbeitsschwerpunkte bei Hans Thiersch liegen in der Hermeneutik als wissenschaftliche Grundlage der sozialpädagogischen Theoriebildung. Die Basis der menschlichen Kultur bildet für ihn „Verstehen als Verständigung“, das wissenschaftliche Verstehen steht dabei im Vordergrund.

Für Thiersch ist die in der Theorie der Sozialen Arbeit zu beantwortende Frage, in welchem Wechselspiel sich die vorhandenen Problematiken, die institutionalisierten sowie professionalisierten und pädagogischen Hilfe die Lebensverhältnisse in ihrer Gestaltung beeinflussen.

1.1 Vorgehensweise und Aufbau

Theorien der Sozialen Arbeit beschäftigen sich mit der gesellschaftlichen Funktion von sozialer Arbeit.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch. Es wird die Wichtigkeit der ganzheitlichen Betrachtung des Alltages eines Adressaten erörtert und das Zusammenspiel aller Beteiligten Institutionen. Der Lebensweltorientierte Ansatz nach Hans Thiersch orientiert sich an der Alltäglichkeit der Adressaten sowie alle anfallenden Begebenheiten, wie Raum, Zeit und Umfeld. Im ersten Schritt geht es um die Erörterung was Lebensweltorientiert nach Thiersch für eine Bedeutung hat. Im Anschluss werden die Traditionslinien als theoretischer Hintergrund der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit vorgestellt. Der dritte Punkt nimmt dann Bezug auf die verschiedenen Sachdimensionen nach Thiersch und der folgende Punkt beschreibt im Anschluss die Handlungsmaxime. Der letzte Punkt fasst die gesammelten Informationen in einem Fazit nochmals zusammen.

2. Biographie

Hans Thiersch wurde im Jahr 1935 in Recklinghausen geboren. In den ersten beiden Semestern studierte er zunächst die Fächer Germanistik und Philosophie in München zudem kam nach dem zweiten Semester das Fach Theologie hinzu und am Ende seines Studiums belegte er zusätzlich das Fach Pädagogik. Hans Thiersch promovierte 1962 in Göttingen und erlangte seinen Titel Dr. phil.. Die folgenden sechs Jahre fungiert er als Assistent von Heinrich Roth.

Im Jahr 1967 ging Hans Thiersch nach Kiel an die pädagogische Hochschule und arbeitete dort bis 1970 als Professor der Pädagogik. Im Anschluss leitet er an der Universität Tübingen bis zu seiner Emeritierung als Direktor des Institutes für Erziehungswissenschaften I im Arbeitsbereich der „Sozialpädagogik“. Hans Thiersch war ab dem Jahr 1978 bis 1982 Mitglied des Vorstandes und Vorsitzender in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften.

Im Jahr 1990 war Hans Thiersch Mitverfasser des „Neunten Jugendberichts“, indem die Bestrebungen und Leistungen der Jugendhilfe behandelt werden.

Aufgrund der Arbeit im Tübinger Verein für sozialtherapeutische Wohngruppen erhielt er die ersten Kontakte zur sozialpädagogischen Praxis.

Seine ersten Veröffentlichungen zur lebensweltorientierten Theorie erschienen 1978 in der Zeitschrift „ neue praxis“ mit dem Titel „ Alltagshandeln und Sozialpädagogik.

Hans Thiersch werden im Jahr 1996 von der Universität Dresden und Lüneburg Ehrenpromotionen verliehen und 2002 wurde er emeritiert. (Ernst Engelke, Stefan Bormann, Christian Spatscheck, 2009, S. 429 f)

3. Was bedeutet Lebensweltorientiert?

Die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit bezieht sich auf den Alltag eines Individuums, mit all seinen positiven oder negativen Begebenheiten. Darunter fallen zum einen die persönlichen Ressourcen wie beispielsweise eine hohe Kommunikationsfähigkeit, Kreativität oder auch eine geringe Aggressionstoleranz. Zudem spielen die Lebensverhältnisse wie Armut, Reichtum, Arbeitslosigkeit oder Wohnverhältnisse eine entscheidende Rolle in der Betrachtung der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit. Ein weiterer Faktor können die gegebenen Familienverhältnisse ob positiv oder negativ sowie die bestehenden Netzwerke zu Freunden, Schulen, Vereinen oder auch sozialen Institutionen wie beispielweise Jugendzentren oder auch Anlaufstellen für die Eltern in Problemlagen sein. Die politischen Ressourcen und die Transparenz sind ebenfalls ein entscheidender Faktor in der Betrachtung des Alltages eines Adressaten. (Hans Thiersch, 2009, S. 5ff)

Die subjektive Wahrnehmung sowie die bestehenden Handlungsmuster eines Individuums bestimmen ebenfalls den Alltag und werden mit in die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit einbezogen und betrachtet. Die Arbeit ist eine begleitende, unterstützende sowie teilweise auch eine provozierende Hilfe, um den Adressaten die Möglichkeit der Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Verdeutlicht wird dies in den Handlungsmaximen. Die sich in der präventiven Arbeit, der Vernetztheit ebenso in der Niederschwelligkeit, der Integration sowie der Partizipation und Regionalisierung wiederspiegeln. Es ist ein Grad aus Gesellschaftlicher Strukturen und den subjektiven Handlungsmustern eines Individuums, die zur Bewältigung bestehender Missstände überdacht und eventuell neu Konstruiert werden. (Christian Callo, 2005, S. 44f)

4. Traditionslinien als theoretischer Hintergrund

Die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit kann nur im Zusammenhang ihrer theoretischen Annahmen und Konzepte verstanden werden. Vier verschiedene Wissenschaftskonzepte beschreiben das Konzept der Lebensweltorientierten Arbeit und verbindet diese.

Die erste Traditionslinie der Erziehungswissenschaften ist hermeneutisch – pragmatische Sichtweise. In erster Linie wurde die Traditionslinie der Erziehungswissenschaften von Dilthey, Nohl und Weniger begründet und durch Roth und Mollenhauer zur sozialwissenschaftlichen und kritischen Pädagogik fortgeführt und weiterentwickelt. Die subjektive Wahrnehmung eines Individuums und der bestehende Alltag sind die wichtigsten Faktoren für die pädagogische Theorie und der Praxis. Die hermeneutisch – pragmatische Sichtweise legt den Fokus auf den bestehenden vorhandenen Alltag und der dargebotenen aber veränderbaren Lebenswirklichkeit. (Klaus Grundwald, Hans Thiersch, 2008, S. 17f)

Das zweite Wissenschaftskonzept prägt die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit durch das phänomenologisch – interaktionistische Paradigma und dessen kritische Reformulierung. Der Alltag ist durch die Handlungsmuster der Individuen sowie dessen subjektive Lebenswirklichkeit geprägt. Der Alltag ist durch die Vergangenheit, den Erinnerungen, persönlichen Erfahrungen und bestehenden Netzwerken strukturiert. Den Erfahrungen entsprechend wird wesentliches von unwesentlichem unterschieden. Deutungen gewisser Situationen und Handlungen entwickeln sich zum Alltagswissen und Routine. Die Rekonstruktion der alltäglichen Lebenswirklichkeit sieht die Individuen in dessen täglichen Gegebenheiten. Die Menschen werden aufgrund der zuvor gemachten Erfahrungen geprägt, haben allerdings die Möglichkeit den Alltag aktiv mitzubestimmen und zu gestalten. (Klaus Grundwald, Hans Thiersch, 2008, S. 18)

Das dritte Wissenschaftskonzept beschreibt die kritische Ausführung der Alltagstheorie und die Zwiespältigkeit von Vorhandenem und Aufgegebenen. Routinierte Verhaltensweisen erleichtern jedem Individuum den Alltag und geben ihm Sicherheit beim Handeln und bei Entscheidungen. Zugleich befinden sich die Menschen in einer Starre und Unbeweglichkeit wodurch sie in ihren Entscheidungen und Handlungen eingeschränkt sind. Zudem kommt die Bemühung seinen Lebensstandard zu verbessern, getrieben durch positive und negative Emotionen sowie Hoffnungen und Träume hinzu. Das Konzept konzentriert sich auf die vorhandenen Ressourcen, dem Stillstand im alltäglichen Handeln um bisher verborgene Möglichkeiten zu entdecken und diese zur Verbesserung des Alltags zu nutzen. (Klaus Grunwald, Hans Thiersch, 2008, S. 18)

Das Konzept der Lebensweltorientierung bezieht sich auf Analysen gesellschaftlicher Strukturen. Die gesellschaftliche Entwicklung steht im Vordergrund. Welche Ungleichheiten sind vorhanden, welche objektive und subjektive Strukturen bestehen in der Gesellschaft. Das Konzept der Lebensweltorientierung stützt sich auf die materiellen, sozialen und ideologischen Ressourcen. Bestimmte Lebensmuster rücken in den Fokus der Betrachtung wie beispielsweise die Geschlechterrolle, die Migrationskultur oder auch die Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Gesellschaft.

„Im Kontext dieser Forschungen ist das Konzept Lebensweltorientierung – seinem Interesse an alltäglichen Erfahrungen und Bewältigungsmustern entsprechend – interessiert an Arbeiten zum Zusammenhang von Strukturen und Erfahrungen, die zur Vermittlung von objektivsozialstrukturellen und subjektiv – qualitativen Forschungszugängen.“ (Klaus Grundwald. Hans Thiersch,2008, S.18f)

5. Die Fünf Sachdimensionen nach Thiersch

Nach Hans Thiersch ist die Soziale Arbeit eine praxisbezogene, kritische Handlungswissenschaft. Die die verschiedenen Traditionen der Sozialpädagogik und Sozialarbeit vereint. Die sozialarbeiterische Handlung geschieht in konkreten Situationen aufgrund der Konzepte von Professionalisierung und Alltagsorientierung. Die Gesellschaftstheorie sieht Thiersch als Grundlage für die Theorie Sozialer Arbeit. Soziale Probleme sowie Lernprobleme und dessen Erzeugung und Deutung werden gleich wohl erwähnt sowie die spezifischen Maßnahmen als gesellschaftliche Reaktion auf sie. Für Thiersch gliedert sich die Theorie der Sozialpädagogik/Sozialarbeit in folgende fünf Dimensionen

5.1 Die Lebenswelt sozialpädagogischer AdressatInnen

Bei dieser Dimension beziehen sich die wesentlichen Fragen auf den Alltag der Menschen. Der Alltag ist hierbei der Ausgangspunkt für eine Hilfe zur Selbsthilfe. Neue Lebensmöglichkeiten sollen freigegeben, stabilisiert werden und Rahmenbedingungen verändert werden. Auf diese Weise entstehen neue Perspektiven eines freieren und selbstbestimmten Lebens. Der Alltag sollte als Wirklichkeit verstanden werden, mit all seinen Enttäuschungen und vergebenen Hoffnungen.

Alltag bedeutet nach Thiersch die Lebenserfahrung aller Menschen. Das alltägliche Leben ist sozial, zeitlich und räumlich überschaubar. Die Menschen nehmen sich als Subjekte mit ihren persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen sowie anfallenden Aufgaben wahr. Sie befinden sich in ihrem gewohnten sozialen Umfeld und die unterschiedlichsten Aufgaben, die sich teilweise überschneiden müssen erledigt werden. Das Erledigen dieser Aufgaben erfolgt Ergebnisorientiert und durch Regeln und Routine im Alltag entsteht eine entlastende Situation für die Menschen.

Allgemein geltende Verhaltens- und Handlungsmuster versteht Thiersch als Alltäglichkeit. Das Verhältnis eines jeden Individuums zu seiner konkreten gesellschaftlichen Wirklichkeit bezeichnet die Alltäglichkeit. Ziel sozialpädagogischer Arbeit sollte nicht der gelungene vielmehr der gelingende Alltag sein. Das gelingendere Leben sowie die noch verwehrten Träume sollten erfahren werden und diese bewusst wahrgenommen und aufrechterhalten werden und diese zu stützen und zu vermehren. (Ernst Engelke,Stefan Borrmann, Christian Spatscheck, 2009, S. 435)

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der lebensweltorientierte Theorieansatz nach Hans Thiersch in der sozialen Arbeit
Hochschule
Katholische Hochschule NRW; ehem. Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Aachen
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V542199
ISBN (eBook)
9783346171863
ISBN (Buch)
9783346171870
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Theorien, Soziale Arbeit, Hans Thiersch, Lebensweltorientiert, Hermeneutik, Tradition, Institutionell, Gesellschaft, gesellschaftliche Funktion, Wirtschaft, Partizipation, Verstehen, Verständigung, Kultur, menschlich, Wechselspiel, Pädagogik, Hilfe, Gestaltung, Ganzheitlich, Alltag, Betrachtung, Ansicht, Zusammenarbeit, Zusammenspiel, Zeit, Umfeld, Heinrich Roth, Erziehungswissenschaft, Kommunikation, Lebensverhältnis, Netzwerk, Problemlagen, Handlungsmuster, Individuum, Selbsthilfe, Wahrnehmen, Niederschwellung, Struktur, Bewältigung, Missstände, Roth, Mollenhauer, Nohl, Pragmatisch, Interaktion, Paradigma, Reformulierung, Menschen, Entscheidungen, Handlungen, Lebenswelten, Problemen, Geschlechterrolle, Migrationskultur, Ergebnisorientiert, Regen, Haltung, Familie, Macht, Machtverhalten, Streit, Verhaltensmuster
Arbeit zitieren
Manuela Bertinelli (Autor), 2013, Der lebensweltorientierte Theorieansatz nach Hans Thiersch in der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542199

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