Der Wandel von Standorttheorien und -faktoren durch den Verlauf der Zeit


Hausarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Traditionelle Standorttheorien
2.1 Industriestandorttheorie
2.2 Theorie zentraler Orte

3. Neoklassische Standorttheorien
3.1 Diamant-Modell

4. Standortfaktoren

5. Standorttheorien und die Zeit

6. Fazit

III Literaturverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Standortfigur nach Weber

Abb. 2: tonnenkilometrische Minimalpunkt

Abb. 3: optimaler Standort unter Berucksichtigung des Schienennetzes

Abb. 4: Verteilung der Angebotsstandorte bei max. Abstanden zwischen Wettbewerbern

Abb. 5: Hexagon formige Marktgebiete

Abb. 6: Zentrale Orte und ihre Marktgebiete

Abb. 7: Diamant-Modell des dynamischen nationalen Vorteils

1. Einleitung

Der Standort eines Unternehmens ist der geografische Ort, an welchem dieses seine Produktionsfaktoren zur Erstellung betrieblicher Leistungen einsetzt. Standortentscheidungen haben einen nicht zu vernachlassigen Einfluss auf den Unternehmenserfolg, sie sind insbesondere in Bezug auf Neugrundung und Expansionsstrategien relevant und somit ein Bestandteil der strategischen Unternehmensplanung.1 Es lasst sich daraus schlieBen, dass Standortentscheidungen gut uberlegt sein sollten. Mit der Frage, welche Faktoren und Umwelteinflusse bei der Entscheidungsfindung zu beachten sind und durch welche Herangehensweise diese determiniert und priorisiert werden sollten, befassen sich viele Standorttheorien. Mit dem Verlauf der Zeit verandert sich die Umwelt und somit auch dessen Einflusse auf die Standortwahl.

Diese Hausarbeit beschaftigt sich zu nachst mit zwei traditionellen Standorttheorien, welche Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Mitbegrunder der Regionalokonomie gelten.2 AnschlieBend wird eine neoklassische Standorttheorie, sowie die Bedeutung von Standortfaktoren naher betrachtet. AbschlieBend werden Zusammenhange zwischen den der vorgestellten Standorttheorien und Marktveranderungen untersucht.

2. Traditionelle Standorttheorien

Die traditionellen Standorttheorien legen Hauptaugenmerk auf einzelwirtschaftliche Ansatze wie die unternehmerische Standortwahl, sowie gesamtwirtschaftliche Ansatze zur Standortstruktur. Sie zeichnen sich durch die Berucksichtigung der Transportkosten zur Gewinnmaximierung aus, welches zu dieser Zeit eine neuartige Herangehensweise war und zum Fundament regionalokonomischer Fragestellungen wurde. Die Theorien der unternehmerischen Standortwahl untersuchen, aus der Mikroperspektive, Standortentscheidungen einzelner Unternehmen. Die bekanntesten Theorien zur unternehmerischen Standortwahl ist Hotellings Gesetz von Harold Hotelling und die Industriestandorttheorie von Alfred Weber.3 Im Folgenden wird Alfred Weber s Industriestandorttheorie naher betrachtet. Diese stellt die Lage der Rohstoffe, den Unternehmensstandort bzw. Produktionsstatte sowie die Angebotsstatte in Relation zu den Transportkosten zur Uberwindung der Distanzen zwischen ihnen dar.

Die Standortstrukturtheorien analysieren, aus der Makroperspektive, interne Strukturen einzelner Standorte, sowie die Beziehungen zwischen verschiedenen Standorten. Die popularsten Theorien sind die Theorie der Landnutzung von Johann von Thunen und die Theorie der zentralen Orte von Walter Christaller und August von Losch.4 Im Verlauf dieser Ausarbeitung wird die Theorie der zentralen Orte genannt. Diese untersucht Muster und Systeme der Landnutzung, welche sich aus einzelnen Standortentscheidungen ergeben, sowie in welchem Zusammenhang diese sich auf diese individuellen Entscheidungen und Verhaltensweisen der Wirtschaftssubjekte auswirkt.

2.1 Industriestandorttheorie

Wie schon erwahnt betrachtet die 1909 von Alfred Weber verfasste Industriestandorttheorie entscheidungsrelevante Determinanten wie die Transport- und Arbeitskosten, sowie Agglomerationsvor- und -nachteile in Bezug auf den optimalen Produktionsstandort.5

Innerhalb dieser Theorie wird davon ausgegangen, dass fur die Produktion von Gutern des Industrieunternehmens Rohstoffe benotigt werden. Des Weiteren wird angenommen, dass die Rohstoffe nur an ganz bestimmten Lagerstatten vorkommen. Um verarbeitet werden zu konnen, mussen die Rohstoffe die Distanz zum Produktionsstandort uberwinden, sprich zum Produktionsstandort transportiert werden. Dort werden diese zu dem finalen Gut verarbeitet und zu dem Konsumenten oder der Angebotsstatte transportiert.6 Zudem wird davon ausgegangen, dass die Lage der Orte der Rohstoffvorkommen und der Angebotsstatte bekannt ist. Alfred Weber vereinfacht die Produktionsstruktur des Finalguts so, dass diese exogen ist und somit ohne den Einsatz von Vorprodukten stattfindet. Hinzu kommt, dass das finale Gut nur zwei Rohstoffen herzustellen ist und an nur einem Ort angeboten wird.7 Durch das Verbinden durch Luftlinien der zwei Rohstofflagerstatte und der Angebotsstatte bildet sich ein Dreieck, dieses wird Standortfigur genannt (siehe Abb.1).8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Farhauer [2014], S. 23

Der Industriestandorttheorie nach ist der optimale Produktionsort an dem Ort, bei welchem das Transportkostenminimum festzustellen ist. Diese Transportkosten sind wie folgt durch Alfred Weber abzuleiten.

Er definiert diese an Hand von Kraftstoffpreisen, sowie durch das zu transportierende Gewicht und die zu uberwindende Distanz. Der optimale Industriestandort wird (nach der Einheit aus dem Produkt der transportierten Masse und der zuruckgelegten Distanz) auch tonnenkilometrischer Minimalpunkt bezeichnet.7 Es werden beispielsweise zwischen der Strecke der Lagerstatte von Rohstoff 1 und dem Industriestandort 75 Tonnenkilometer, zwischen der Stecke der Lagerstatte von Rohstoff 2 und dem Industriestandort 50 Tonnenkilometer und von dem Industriestandort zu dem Konsumort 100 Tonnenkilometer zuruckgelegt. Somit wird der tonnenkilometrischer Minimalpunkt innerhalb der Standortfigur nahe des Konsumorts (siehe Abb.2). In der Realitat

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

waren zur damaligen Zeit die Transporte an das StraBen-, Schienennetze, sowie an WasserstraBen gebunden, somit ware eine geometrische Bestimmung des optimalen Standorts nicht hinreichend. In der Abbildung 3 kennzeichnet die gestrichelte Linie ein Schienennetz, die Abkurzung o.S. symbolisiert den geometrischen bestimmten optimalen Standort des vorherigen Beispiels, wobei o.S.‘ den optimalen Standort nach der Berucksichtigung des Schienennetzes darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: optimaler Standort unter Berucksichtigung des Schienennetzes

Quelle: Eigene Darstellung nach Weber [1909], S. 81

Neben den Transportkosten analysiert die Industriestandorttheorie Auswirkungen der Arbeitskosten und der Agglomerationskrafte8 und Dispersionskrafte9 auf die Standortwahl.10 Aufgrund des beschrankten Umfangs dieser Hausarbeit wird auf eine nahere und weitere Erlauterung Alfred Webers Industriestandorttheorie verzichtet.

2.2 Theorie zentraler Orte

1933 verfasste Walter Christaller die Theorie zentraler Orte welche 1940 von August Losch aufgegriffen und erweitert wurde.11 Christaller untersuchte die Verteilung stadtischer Siedlungen mit dem Ziel Regelhaftigkeiten in dessen Verteilung aufzudecken.12 Anhand der Regelhaftigkeiten der Verteilung der Wirtschaftssubjekte lassen sich durch Verhaltensannahmen dieser Wirtschaftssubjekte optimale Standorte ableiten.13

Bevor die Annahmen zu der Theorie zentraler Orte betrachtet werden, ist Christallers Definition des Begriffs zentral von Bedeutung. Zentral beschreibe die Eigenschaft der Mittelpunkt einer Gruppierung zu sein, wobei es sich nicht nur um das raumliche, geometrische Zentrum, sondern auch um das funktionale Zentrum handle.14 Zudem habe Zentralitat die Eigenschaft einen Bedeutungsuberschuss zu besitzen.15 Versorgen die innerhalb einer Stadt produzierter Guter und Dienstleistungen nicht nur die eigenen Einwohner, sondern auch die Bewohner umliegender Orte, erstreckt sich dementsprechend die Bedeutung der Stadt uber dessen Stadtgrenzen hinweg.16 Die wechselseitige Kausalitat der Zentralitat eines Ortes, sowie der Zentralitat eines Guts oder einer Dienstleistung, ist gut an dem Beispiel der Dienste eines Arztes, zu verdeutlichen. Ein Arzt bietet seine Dienste ausschlieBlich an einem zentralen Ort an, da sich sein Gewerbe nur durch eine groBe Patientenzahl rentiert. Wurde sich der Arzt an einem bevolkerungsarmen Ort ansiedeln, so wurde sich sein Gewerbe auf Grund der niedrigen Anzahl an Patienten nicht rentieren.

[...]


1 Vgl. Gunther/Tempelmeier [2016], S. 51

2 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 11

3 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 13

4 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 30

5 Vgl. Kinkel [2003], S. 21

6 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 21f

7 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 23

8 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 23

9 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 24

10 Agglomerationskrafte bewirken einen Ruckgang der Produktionskosten bei steigender Produktionsmenge an einem Produktionsort, beispielweise durch Skalenertrage.

11 Dispersionskrafte bewirken sinkende Produktionskosten bei steigender Verteilung und Verstreuung der Produktionsorte.

12 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 28ff

13 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 40

14 Vgl. Heinritz [1979], S. 23

15 Vgl. Heinritz [1979], S. 23

16 Vgl. Christalla [1968], S.27

17 Vgl. Heinritz [1979], S. 14

18 Vgl. Farhauer/Kroll [2014], S. 40

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Wandel von Standorttheorien und -faktoren durch den Verlauf der Zeit
Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V542202
ISBN (eBook)
9783346166876
ISBN (Buch)
9783346166883
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Logistik, Standort, Standortmanagement, Standorttheorie, Industriestandorttheorie, zentrale Orte, Diamat Modell, Standortfaktoren, Weber, Christalla, Porter
Arbeit zitieren
Nicole Christen (Autor), 2020, Der Wandel von Standorttheorien und -faktoren durch den Verlauf der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542202

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