Die Anfänge der modernen Bankwirtschaft in Florenz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2 Die Entstehung der modernen Bank
2.1 Die Voraussetzungen
2.1.1 Exkurs: Das Zinsverbot
2.2 Zins und Kredit im Alltag – Die ersten Bankiers
2.3 Der Wechsel
2.4 Gestiegene Anforderungen an die Händler
2.5 Neue Unternehmensformen
2.6 Die Versicherung

3 Die Medici-Bank
3.1 Die Struktur des Medici-Konzerns
3.2 Die Unternehmensführung der Medici
3.2.1 Der Generalmanager
3.2.2 Filialleiter und Juniorpartner
3.2.3 Die grundsätzliche Personalpolitik
3.3 Die Finanzen des Medici-Konzerns
3.3.1 Die Kapitalbeschaffung
3.3.2 Die Gewinnquellen

4 Resümee

Einleitung

Zum Ausgang des Mittelalters erfuhr die bis dato schwerpunktmäßig lokal orientierte Kleinwirtschaft eine weit reichende Neugestaltung und Ausdehnung. Vorreiter, um die Ökonomie vom Mittelalter in die Neuzeit zu bringen, waren in erster Linie die nord- und mittelitalienischen Städte, insbesondere Genua, Venedig und Florenz. Der aufkommende Fernhandel, sowohl zu Land als auch zur See, machten neue Methoden, Einrichtungen und Handelsbräuche notwendig und führten zur Entstehung der Grundlagen unseres heutigen Banken- und Finanzsystems. Es war die Geburtsstunde der modernen Buchführung, des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und neuer Organisationsstrukturen.

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich, nachdem die dafür nötigen Voraussetzungen kurz skizziert wurden, der Frage nachgehen, welche Innovationen aufkamen und warum diese für die Entstehung der modernen Bank wichtig waren. Der regionale Schwerpunkt der Betrachtung liegt hierbei auf Italien und Florenz. Als wichtigste Literaturquelle hierfür diente mir „Gold und Gewürze“ des französischen Historikers Jean Favier.

Anschließend werde ich den Aufbau eines zeitgenössischen Handelsunternehmens untersuchen. Am konkreten Beispiel des Medici-„Konzerns“ soll dies anhand dreier Kriterien geschehen. Dies sind die Unternehmensstruktur (Kapitel 3.1), die Unternehmensführung (Kapitel 3.2) sowie die Unternehmensfinanzierung (Kapitel 3.3). Es wird sich zeigen, dass die Medici bereits Probleme erkannten, die erst fünf Jahrhunderte später von Ökonomen wissenschaftlich untersucht und ausformuliert werden sollten. Sie entwickelten leistungsbezogene Anreizsysteme für ihre Angestellten und dezentralisierten erfolgreich die Leistungsüberwachung durch die Einführung von Hierarchien.

Für den zweiten Teil dieser Arbeit werde ich hauptsächlich auf zwei Werke des Harvard Professors Raymond de Roover zurückgreifen. Zum einen ist dies „The Rise and the Decline of the Medici Bank“ in dem de Roover auf die in der Mitte des letzten Jahrhunderts wiederentdeckten libri segreti, also den geheimen (Konto- bzw. Handels-) Büchern, zurückgreift. Zum anderen „Money, Banking and Credit in Mediaeval Bruges“.

2 Die Entstehung der modernen Bank

2.1 Die Voraussetzungen

Um den enormen Fortschritt im ökonomischen Handeln besser sichtbar zu machen, werde ich zuerst die Ausgangslage der Handelswirtschaft in Norditalien skizzieren. Die Städte dieser Region waren kapitalistische Frühentwickler. Nicht der grundbesitzende Adel oder die Kirche dominieren die Politik, sondern der Handel und das Geld.[1]

Die „kommerzielle Revolution“[2] zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert wurde durch unterschiedliche Faktoren begünstigt. Ausgehend vom Übergang gewaltsamer Auseinandersetzungen hin zu einem friedlichen, auf Handel beruhendem Miteinander der diversen Kulturen und Religionen, kam es zu einem Aufblühen der Städte sowie einem kräftigen Bevölkerungswachstum.

Diese Epoche ohne größere Konflikte ermöglichte ein Aufblühen des Handels, wobei der Stadt eine neue Rolle als ökonomischer Institution zukam. Sie war nun nicht mehr zwangsläufig ein abhängiges Anhängsel der Feudalherren sondern ein Marktplatz und Knotenpunkt von Handelsrouten, in vielen Fällen sogar unabhängig vom regionalen Adel als freie, eigenständige Kommune. Neben der wirtschaftlichen Funktion hatte die Stadt eine außergewöhnliche „zivile Macht: ihre Befugnis, den Bewohnern sozialen Status und politische Rechte zu verleihen, Rechte die grundlegend für das Geschäftsleben und die Freiheit von äußerer Einmischung waren.“[3] Landes sieht in der (halb-) autonomen Stadt, die es in dieser Form nur in Europa gab, einen der Gründe, warum sich die Industrielle Revolution einige Zeit später hier abspielen sollte und nicht zum Beispiel in China, obwohl dieses zu jener Zeit mindestens ebenso weit entwickelt war.

Italien entwickelte sich zur Drehscheibe zwischen den Märkten in Nordeuropa und dem Nahen Osten. Das stark gestiegene Handelsvolumen zog zahlreiche Veränderungen in den bestehenden Handelsgebräuchen nach sich.

2.1.1 Exkurs: Das Zinsverbot

Handel ist immer einhergehend mit den Faktoren Geld, Zins, Risiko, Kontrolle sowie Information. „Tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft“ an diesem Grundgedanken aus dem Lukas-Evangelium (VI, 35)[4] orientierte sich die Kirche und untersagte damit jede Zinsnahme. Ohne Zinsen als Prämie für Risiko und Zeit des überlassenen Kapitals war und ist jedoch kein wirtschaftliches Handeln möglich. Erhält der Kapitalgeber keinen Ertrag aus seinem Geld, hat er im Allgemeinen keinen Anreiz dasselbe jemand anderem bereitzustellen. Die daraus resultierende Kapitalarmut ließ über weite Strecken des Mittelalters kaum Investitionen zu. Warum sich die Haltung des Vatikans zu jener Zeit strikt am Neuen Testament und nicht am dem Wirtschaften eher zugeneigten Alten Testament orientierte („Von den Ausländern darfst du Zinsen nehmen, aber nicht von deinem Bruder“, Deuteronomium, XXIII, 20)[5], soll hier jedoch nicht näher untersucht werden.

Festzuhalten bleibt, dass die mittelalterliche Welt geprägt war von der theologischen Begründung der Arbeit und des Gewinns. Die Arbeit war eine Strafe für die Erbsünde, jeder Gewinn ohne Arbeit wurde als Schande und als Betrug an Gott betrachtet.[6] Mit dem verstärkten Drang nach ökonomischem Handeln kam es zur Lockerung des strengen Zinsverbotes. Eingegangenes Risiko des Geldgebers und „verspätete“ Rückzahlung des geliehenen Geldes wurden seit dem 13. Jahrhundert ebenso von der Kirche als Begründung geduldet, wie später mit Aufkommen des Wechsels eine „Gebühr“ für das Währungsrisiko bei Rückzahlung in einer anderen Währung.

2.2 Zins und Kredit im Alltag – Die ersten Bankiers

Kredite für den täglichen Gebrauch, oft im Sinne unseres heutigen Konsumentenkredits, spielten im Mittelalter eine wichtige Rolle. „Der Aufschwung des Wirtschaftslebens im Spätmittelalter mit der überseeischen Expansion und der Ausweitung der Märkte in Europa selbst erforderte eine entsprechende Vermehrung der Zahlungsmittel und der Kreditmöglichkeiten.[7] Da die explizite Ausweisung eines Zinses nicht möglich war, waren die Vertragspartner äußerst erfinderisch darin, Zinsen in der Rückzahlung zu verbergen. Beispielsweise wurde dem Kreditgeber bei der Rückzahlung zusätzlich zur Kreditsumme noch ein „Geldgeschenk“ gemacht oder der Kreditnehmer unterschrieb einen Schuldschein über eine höhere als die geliehene Summe. Da beide Seiten sich dessen bewusst waren, kann man davon ausgehen, dass die Zinsnahme nicht als ungerecht, sondern als dem Kreditgeber zustehende Leistung angesehen wurde.

Aus dem Wechsler und Geldverleiher entwickelten sich so die ersten Bankiers. Sie handelten mit Bargeld sowie Edelmetallen, nahmen fremdes Geld in Verwahrung und tauschten Münzen aus unterschiedlichen Ländern. In Florenz sprach man hierbei von den banchi minuti, den „kleinen Banken“. Im Gegensatz dazu wurden Handels- und Bankunternehmen mit diversen Geschäften und Fernhandel als banchi grossi, „große Banken“ tituliert.[8] Im Folgenden soll das Augenmerk auf den banchi grossi liegen.

2.3 Der Wechsel

Der Wechsel entstand aus zweierlei Gründen. Einerseits um in Zeiten spärlichen Geldumlaufs aufgrund ungenügender Edelmetallerzeugung und ohne ausreichender Kreditorganisation wirtschaftliche Stagnation zu vermeiden.[9] Andererseits führten Münzverschlechterungen, d.h. die Beigabe nicht-edler Metalle beim Prägen von Gold- und Silbermünzen, im Laufe der Zeit zu einem immer höheren absoluten Gewicht, um eine bestimmte Geldmenge aufzubringen.[10]

Der Wechsel stellte vertrauenswürdigen Kaufleuten an beliebigen Orten und zu beliebigen Zeitpunkten die benötigten Mittel zur Verfügung ohne dass diese Bargeld bei sich führen mussten. Der Wechsel wurde somit zum Ursprung der modernen Bank.[11]

Ein Wechsel funktioniert dergestalt, dass der Wechselaussteller bei Erhalt der Ware dem Lieferanten anstelle von Bargeld einen Wechsel gibt. Dieser gibt dem Wechselnehmer (Lieferant) das Recht an einem bestimmten Tag und Ort die vereinbarte Summe entweder vom Wechselaussteller selbst oder von einem fremden Dritten zu erhalten. Damit der Lieferant einen Wechsel als Bezahlung annimmt, muss er dem Ruf des Ausstellers und gegebenenfalls des Dritten vertrauen. Der Ruf entscheidet über die Kreditwürdigkeit. Ist ein Dritter Bezogener, also Schuldner des Geldes, wird dieser vom Aussteller über den Wechsel unterrichtet, damit er den Liquiditätsabfluss einplanen kann und nicht an der Rechtmäßigkeit des ihm vorgelegten Wechsels zweifelt.[12] Der Dritte erhält das ausgezahlte Geld zurück, indem er selbst auf den Aussteller einen Wechsel zieht, das heißt den Aussteller nun als Bezogenen bei einem neuerlichen Wechsel einsetzt. Durch den Wechsel und das gegenseitige Aufrechnen von Forderungen und Verbindlichkeiten entstand ein europaweites Netz in den Handels- und Messestädten für bargeldlosen Zahlungsverkehr.

Große Handelshäuser profitierten am meisten von dieser Entwicklung, da sie über die nötigen finanziellen Mittel und Beziehungen verfügten, um in den wichtigsten Städten Filialen zu unterhalten und damit ihren Kunden den Service des bargeldlosen Zahlungsverkehrs am besten bieten konnten. Durch den Fortfall des Geldtransportes von Stadt zu Stadt durch den Händler sanken die damit verbundenen Kosten sowie die Gefahr eines Verlustes durch einen Überfall erheblich.

Da der Wechsel ein „Vertrauensgeld“ war, beschränkte sich seine Verwendung auf einen relativ kleinen Kreis von Geschäftsleuten, die sich gegenseitig Kredit einräumten[13] und die die Unterschrift des Handelspartners kannten.[14]

Wurde anfangs zu jedem Wechsel noch von einem Notar ein Wechselvertrag zwischen dem Wechselaussteller und dem Wechselnehmer ausgestellt, ging man in der Toskana relativ schnell dazu über, darauf zu verzichten und nur noch mit dem Wechsel zu arbeiten.[15] Die vereinfachte die Ausstellung und senkte die Kosten des Geschäfts.

Die Indossierung eines Wechsels, das heißt die Nutzung des Wechsels als Zahlungsmittel des Wechselnehmers gegenüber seinen eigenen Gläubigern, folgte bald zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Den ersten Beleg dafür liefert ein im Jahre 1410 ausgestellter Wechsel.[16] Damit wurde der Wechsel vollends zum Ersatzzahlungsmittel in Händlerkreisen.

[...]


[1] Vgl. Jungclaussen, 2003, S. 1.

[2] Vgl. Le Goff, 1993, S. 12.

[3] Vgl. Landes, 2004, S. 52.

[4] zit. in: Favier, 1992, S. 209.

[5] zit. in: ebenda, 1992, S. 209.

[6] Vgl. Favier, 1992, S. 210.

[7] Vgl. Kellenbenz, 1986, S. 317.

[8] Vgl. Favier, 1992, S. 227.

[9] Vgl. Romano / Tenenti, 2003, S. 40.

[10] Vgl. ebenda, S. 141.

[11] Vgl. ebenda, S. 231.

[12] Zur weiteren Funktionsweise des Wechsels und seiner Besonderheiten wird an dieser Stelle auf Grill, 1996, S. 1652ff. sowie Wöhe, 2000, S. 729ff. verwiesen.

[13] Vgl. ebenda, S. 165.

[14] Vgl. ebenda, S. 243.

[15] Vgl. ebenda, S. 238.

[16] Vgl. ebenda, S. 247f.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Anfänge der modernen Bankwirtschaft in Florenz
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Hauptseminar: Machiavelli
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V54229
ISBN (eBook)
9783638494816
ISBN (Buch)
9783638663205
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anfänge, Bankwirtschaft, Florenz, Hauptseminar, Machiavelli
Arbeit zitieren
Sven Wettach (Autor), 2005, Die Anfänge der modernen Bankwirtschaft in Florenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54229

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