Walter Benjamin fasst in seinem Aufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit" zusammen, welche Eigenschaften die Kunst aufweist und welchem Wandel diese und deren Funktionen unterliegen.
Das Wesen eines Kunstwerkes lässt sich in seinem Sinne durch die Originalität definieren, das heißt, durch die individuelle Entstehungsgeschichte, wie das handwerkliche Erstellen, die Umstände der Lagerung der Einzelteile vor der Zusammenfügung und der Verwendung des Kunstgegenstandes bis hin zum jetzigen Moment. All das in ihrer Einzigartigkeit lässt die "Echtheit" eines Kunstwerkes feststellen.
Die ursprünglichen Funktionen der Kunst seien also, der Tradition, der Kultur Ausdruck zu verleihen, sowie zum Denkbewegungen anzustoßen, und auf ungeahnte Bedürfnisse aufmerksam machen. Eine der ausschlaggebendsten Änderungen der Kunst ist neben dem Umstieg von der ursprünglich manuellen Herstellung wie dem Holzschnitt oder dem Guss zu technischen Reproduktionswegen die Anzahl der an der Kunst beteiligten. Durch die Vervielfältigung können die Werke nun von einem deutlich breiteren Publikum empfangen werden, es wird also die Massentauglichkeit unterstützt.
Inhaltsverzeichnis
1. Was geschieht laut Walter Benjamin mit dem Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit? Welche politischen Konsequenzen hat dies?
2. Warum kann Jacques Rancière in seinen Texten behaupten, Kunst sei etwas Widerständiges?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik, indem sie die theoretischen Positionen von Walter Benjamin und Jacques Rancière analysiert. Im Zentrum steht die Frage nach dem Wandel der Kunstfunktion durch technische Reproduzierbarkeit bei Benjamin sowie die Frage nach der widerständigen Natur der Kunst bei Rancière.
- Verlust der Aura durch technische Reproduzierbarkeit
- Die Instrumentalisierung der Kunst für politische Zwecke
- Der Film als Medium zwischen Realität und Künstlichkeit
- Die Dualität des Kunstwerks und die Statik des Künstlers
- Kunst als Ausdruck von Widerstand gegen gesellschaftliche Normen
Auszug aus dem Buch
Was geschieht laut Walter Benjamin mit dem Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit?
Walter Benjamin fasst in seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit“ zusammen, welche Eigenschaften die Kunst aufweist und welchem Wandel diese und deren Funktionen unterliegen.
Das Wesen eines Kunstwerkes lässt sich in seinem Sinne durch die Originalität definieren, die durch die individuelle Entstehungsgeschichte, wie das handwerkliche Erstellen, die Umstände der Lagerung der Einzelteile vor der Zusammenfügung und der Verwendung des Kunstgegenstandes bis hin zum jetzigen Moment. All das in ihrer Einzigartigkeit lässt die „Echtheit“ eines Kunstwerkes feststellen.
Durch die Verwendung in traditionellen Ritualen erhält das Kunstwerk einen besonderen Wert, der nicht kopierbar ist. Während manuelle, also von der Hand gefertigte Kunst erst die Echtheit, die „Aura“, von der es kein Abbild gibt, bestimmt, wird das Kunstwerk durch technische Vervielfältigung und somit Überwindung der Originalität von der Tradition abgetrennt, sodass mit ihr auch die Aura erlischt. Außerdem, so Benjamin, würden die Vervielfältigenden possessiv auf das Werk übergreifen, es „zu ihrem Objekt [...] machen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was geschieht laut Walter Benjamin mit dem Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit? Welche politischen Konsequenzen hat dies?: Dieses Kapitel analysiert Benjamins Thesen zum Verlust der Aura und zur Politisierung der Kunst durch neue Medien wie Fotografie und Film.
2. Warum kann Jacques Rancière in seinen Texten behaupten, Kunst sei etwas Widerständiges?: Hier wird Rancières Theorie der Kunst als eine Kraft diskutiert, die durch ihre innere Dualität und ihre Distanz zur gesellschaftlichen Norm Widerstandspotenzial entwickelt.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Jacques Rancière, Aura, technische Reproduzierbarkeit, Kultwert, Ausstellungswert, Film, Ästhetisierung der Politik, Widerstand, statis dynamis, Realität, Kunstwerk, Massentauglichkeit, Entfremdung, Distanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Ansätze von Walter Benjamin und Jacques Rancière in Bezug auf das Verhältnis von Kunst, Technik und politischem Handeln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der Wandel des Kunstbegriffs durch Reproduktionstechniken, die Rolle des Publikums sowie die Frage, ob und wie Kunst einen gesellschaftlichen Widerstand leisten kann.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen der technischen Reproduzierbarkeit auf die Funktion der Kunst aufzuzeigen und die widersprüchliche Natur der Kunst im Kontext von Politik und Gesellschaft zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Interpretation der Schriften „Das Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit“ von Walter Benjamin und „Ist Kunst widerständig?“ von Jacques Rancière.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit Benjamins Medientheorie und dessen Kritik am Missbrauch der Kunst durch den Faschismus sowie Rancières philosophische Herleitung des Widerstandscharakters der Kunst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Aura, technische Reproduzierbarkeit, Politische Kunst, Widerstand, Ästhetisierung und das Verhältnis von Künstler zu Rezipient.
Was bedeutet der Begriff „Aura“ bei Benjamin?
Die Aura bezeichnet die Einzigartigkeit und Echtheit eines Kunstwerks, die durch seine Tradition und seine feste Verankerung im rituellen Kontext entsteht, jedoch durch technische Vervielfältigung verloren geht.
Wie unterscheidet Rancière die Widerständigkeit der Kunst?
Rancière sieht Kunst als etwas, das sich der direkten gesellschaftlichen Vereinnahmung entzieht, indem sie eine eigene, paradoxe Politik verfolgt und das „Entwürdigen“ des Menschen als Gegenstand der Reflexion aufzeigt.
Warum spielt der Film eine so große Rolle in der Analyse?
Der Film wird als ein Medium betrachtet, das die Realität nicht nur abbildet, sondern sie durch Schnitt und Kameraführung zerlegt und neu konstruiert, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Wahrnehmung und politische Beeinflussung der Zuschauer hat.
Was meint der Begriff „Statis Dynamis“?
Dieser Begriff beschreibt die Dualität des Kunstwerks, das gleichzeitig in seiner Form statisch und unbeweglich (wie ein Monument) ist, aber inhaltlich eine wandelbare Kraft und Spannung in sich trägt.
- Arbeit zitieren
- Henrike Wendt (Autor:in), 2019, Walter Benjamins "Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit" und die politischen Konsequenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542445