Weshalb sind wir uns im Moment des Träumens nicht über diesen Zustand bewusst ?
Das Träumen ist seit Menschengedenken ein großes Mysterium. Während wir träumen scheinen wir uns in eine andere Welt unbegrenzter Möglichkeiten und fern von jeglicher Gesetzmäßigkeit zu begeben. Doch obwohl die Welt des Träumens nur wenig mit der tagsüber für Menschen erfahrbaren Welt gemein hat, sind wir uns in den Zeitpunkten/ Ortspunkten des Träumens nicht darüber bewusst, dass wir uns in einem differenten Zustand zu dem Wachzustand befinden. Im Folgenden soll sich demnach der Fragestellung gewidmet werden, weshalb wir uns während des Träumens nicht über eben diesen Zustand bewusst sind.
Woran also kann man einen traumartigen Zustand ablesen? Wenn ein Mensch abends die Augen schließt, durchläuft er verschiedene Versionen der Wahrnehmung seines eigenen Selbst: Zuerst wird er fortwährend seinen Sinnen Beachtung schenken, das Knarren der Dielen ein Zimmer weiter hören, die Schwere der Decke auf sich spüren, den Rauch der eben noch ausgeblasenen Kerze riechen. Durch die geschlossenen Augenlider dringt noch immer ein schwacher Lichtschein der Lampe auf der anderen Straßenseite und hinterlässt einen rötlichen Schimmer auf der Netzhaut. Die am selbigen Tage erlebte Szenerie drängt sich nach und nach in den Vordergrund des Denkens. Es wird gegrübelt, ob man hätte handeln sollen, doch die Gefühle sind zu stark, um sie beiseite schieben zu können. Langsam werden die Gedanken bildlich, sie vermischen sich mit den tanzenden Flecken der Netzhaut zu ineinanderfließenden bildlichen Erinnerungsfetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Weshalb sind wir uns im Moment des Träumens nicht über diesen Zustand bewusst ?
1.1 Die Physiologie des Traumes
2. Das Verhältnis von Unterbewusstsein zu Bewusstsein
3. Die Konstitution des Unbewussten
4. Die Wichtigkeit des Träumens
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und physiologischen Mechanismen, die dazu führen, dass Menschen den Zustand des Träumens während des Schlafens nicht als solchen erkennen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie das Bewusstsein, das Unterbewusstsein und die Sinneswahrnehmungen interagieren, um das Phänomen des Traums als "wirklich" erscheinen zu lassen.
- Physiologische Grundlagen des Schlafs und des REM-Zyklus
- Die Rolle des Thalamus bei der Filterung von Sinneseindrücken
- Psychoanalytische Perspektiven auf die Traumarbeit nach Freud und Lacan
- Verhältnis zwischen Unterbewusstsein und bewusster Identität
- Die Funktion von Träumen für die psychische Regeneration
Auszug aus dem Buch
Die Physiologie des Traumes
Woran also kann man einen traumartigen Zustand ablesen? Wenn ein Mensch abends die Augen schließt, durchläuft er verschiedene Versionen der Wahrnehmung seines eigenen Selbst: Zuerst wird er fortwährend seinen Sinnen Beachtung schenken, das Knarren der Dielen ein Zimmer weiter hören, die Schwere der Decke auf sich spüren, den Rauch der eben noch ausgeblasenen Kerze riechen. Durch die geschlossenen Augenlider dringt noch immer ein schwacher Lichtschein der Lampe auf der anderen Straßenseite und hinterlässt einen rötlichen Schimmer auf der Netzhaut. Die am selbigen Tage erlebte Szenerie drängt sich nach und nach in den Vordergrund des Denkens. Es wird gegrübelt, ob man hätte handeln sollen, doch die Gefühle sind zu stark, um sie beiseite schieben zu können. Langsam werden die Gedanken bildlich, sie vermischen sich mit den tanzenden Flecken der Netzhaut zu ineinanderfließenden bildlichen Erinnerungsfetzen.
Es wechseln sich nun Tiefschlafphasen und REM-Schlaphasen (Rapid Eye Movement) ab. Bei Dunkelheit wird von der Zirbeldrüse Melatonin ausgeschüttet und damit begibt sich Der Körper seinerseits in einen Zustand der tiefen Entspannung von Muskeln und Bewusstsein, sowie des Energiesparens, indem die Atmung abflacht und auch die Frequenz des Herzschlages sinkt. Zudem sinkt das Stresshormon Kortisol während des Einschlafens und steigt erst wieder in den Stunden des Aufwachens wieder an. Während dieser körperlichen Tiefenentspannung wird Gewebe repariert und Zellen werden regeneriert. Erst nach einiger Zeit lässt das Fühlen nach, die Gedanken und Bilder fließen, weniger kontrolliert, und das Bewusstsein zieht sich zurück in seinen Ruhezustand. Damit einher geht die Abnabelung der Sinne nacheinander von dem sich-darüber-bewusst-Sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Weshalb sind wir uns im Moment des Träumens nicht über diesen Zustand bewusst ?: Einleitende Betrachtung der Traumphänomenologie unter Berücksichtigung der physiologischen Abläufe beim Einschlafen und in der REM-Phase.
1.1 Die Physiologie des Traumes: Detaillierte Analyse der sensorischen Abschirmung und der Rolle des Thalamus beim Übergang vom Wachzustand in den Schlaf.
2. Das Verhältnis von Unterbewusstsein zu Bewusstsein: Untersuchung der Hirnaktivität mittels EEG und die theoretische Verortung des "Vorbewussten" als Zustand zwischen Schlaf und Wachsein.
3. Die Konstitution des Unbewussten: Auseinandersetzung mit Lacans Theorie des Unbewussten und der symbolischen Strukturierung von Träumen als Verarbeitungsweg für latente Inhalte.
4. Die Wichtigkeit des Träumens: Reflexion über die heilsame Funktion des Träumens bei der Bewältigung von emotionalen Rückständen und der Bedeutung der Selbstreflexion für die persönliche Entwicklung.
Schlüsselwörter
Traum, Unterbewusstsein, Bewusstsein, REM-Phase, Physiologie, Thalamus, Psychoanalyse, Vorbewusstsein, Emotionen, Traumarbeit, Sinneseindrücke, Persönlichkeitsentwicklung, Verdrängung, REM-Schlaf, Regeneration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Frage, warum Menschen während des Träumens in der Regel nicht erkennen, dass sie sich in einem Traumzustand befinden, und welche physiologischen sowie psychologischen Prozesse dies ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Physiologie des Gehirns während des Schlafs, die Filterfunktion des Thalamus, die Theorie der Psychoanalyse sowie die Verbindung zwischen unbewussten Wünschen und ihrer Darstellung im Traum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Mechanismen der "Bewusstseinsabnabelung" beim Einschlafen zu verstehen und zu klären, welche Rolle das Unterbewusstsein bei der Verarbeitung täglicher Sinneseindrücke spielt.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden genutzt?
Die Arbeit kombiniert neurowissenschaftliche Erkenntnisse (EEG, Hirnaktivität) mit klassischen psychoanalytischen Modellen von Sigmund Freud und Jacques Lacan.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die physiologische Beschreibung des Schlafs, die Analyse der Hirnkomplexität, die psychologische Konstitution des Unbewussten sowie die therapeutische Relevanz von Träumen für die psychische Gesundheit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Konzepte sind das "Vorbewusstsein", die "Traumarbeit", der "Thalamus" als Filter und das "innere Kind" als Metapher für unterdrückte Bedürfnisse.
Welche Rolle spielt die Zirbeldrüse in diesem Kontext?
Sie ist maßgeblich für die Ausschüttung von Melatonin bei Dunkelheit verantwortlich, was den Körper in den Zustand der tiefen Entspannung versetzt und den Übergang in den Schlaf einleitet.
Wie unterscheidet sich der "Bequemlichkeitstraum" vom "Angsttraum"?
Während Bequemlichkeitsträume körperliche Bedürfnisse simulieren, um das Schlafen zu verlängern, spiegeln Angstträume unverarbeitete emotionale Traumata oder psychische Störungsmuster wider.
Warum wird das Unbewusste als "subjektloses Wissen" bezeichnet?
In Anlehnung an Lacan wird das Unbewusste als eine Ansammlung von Signifikanten betrachtet, auf die das Subjekt keinen direkten Zugriff hat, da es von Bewusstseinsprozessen überlagert wird.
Wie kann das Träumen zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen?
Indem man lernt, Träume zu akzeptieren und als Werkzeug zu begreifen, können Knoten und Sperren aufgelöst werden, die aus unterdrückten Bedürfnissen oder traumatischen Erfahrungen resultieren.
- Citation du texte
- Henrike Wendt (Auteur), 2020, Sigmund Freud und die Lacansche Psychoanalyse. Weshalb sind wir uns im Moment des Träumens nicht über diesen Zustand bewusst?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542588