In dem Seminar „Ausgewählte Kapitel der Kinder- und Jugendliteratur“ befassten wir uns mit der Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur von den Anfängen im Mittelalter bis hin zur Gegenwart. Die Vielfalt an zeitlichen Literaturabschnitten führte zu einem Reichtum an Romanen und Erzählungen, Märchen und Gedichten sowie Hörspielen und Comics, welche die Kinder- und Jugendliteratur so spannend und facettenreich machen. Dabei weist jede Epoche unterschiedlichste pädagogische Konzepte auf.
Anknüpfend daran möchte ich in meiner Arbeit diesen Roman weiter erforschen und mich dabei zunächst der Frage widmen, warum es sich hierbei um einen Großstadtroman handelt und welche Bedeutung er für die Kinder- und Jugendliteratur einnimmt. Vertiefend möchte ich auf die im Roman handelnden Charaktere eingehen, ihren Umgang miteinander analysieren und dabei herausstellen, welche Funktion eine Gruppe sich zusammengeschlossener Kinder in einer Großstadt übernehmen kann. In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, ob dieser Großstadtroman ausschließlich für Kinder und Jugendliche konzipiert ist, oder ob er auch erwachsene Leser anspricht.
Ist Kästners „Emil und die Detektive“ also ein Großstadtroman auch für große Leute?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Neue Sachlichkeit in der Weimarer Republik
2.1 Metropole und Provinz
2.2 Die Großstadt im Roman
3 Erich Kästners „Emil und die Detektive“
3.1 Über den Autor
3.2 Stilistische Einordnung des Romans
3.3 Inhaltsangabe
3.4 Die Großstadt im Roman „Emil und die Detektive“
3.4.1 Funktion der Großstadt im Roman
3.5 Figurenkonstellation
3.5.1 Die Rolle der Bande
3.5.1.1 Reaktionsmodelle
3.5.2 Die Rolle der Frau
4 Ziel Kästners
4.1 Erich Kästners Erfolg als Autor für Jung und Alt
4.2 Identifikation
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Erich Kästners Roman „Emil und die Detektive“ vor dem Hintergrund der Epoche der Neuen Sachlichkeit. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern es sich um einen Großstadtroman handelt, der über die kindliche Zielgruppe hinaus auch erwachsene Leser anspricht und welche Funktionen die kindliche Gemeinschaft innerhalb dieses urbanen Raums einnimmt.
- Die Rolle und Funktion der Großstadt als literarischer Handlungsraum.
- Analyse der Figurenkonstellation und der Bedeutung der Bande.
- Untersuchung von Reaktionsmodellen gegenüber Autoritätspersonen.
- Das Frauenbild und die Rolle der weiblichen Charaktere im Roman.
- Kästners pädagogisches Ziel der Förderung kindlicher Selbstständigkeit.
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Die Funktion der Großstadt im Roman
Das Leben in der Großstadt und der dortige Handlungsverlauf sollen Möglichkeit zur Selbsterziehung geben: Die Großstadt bildet auf Grund ihrer Anonymität und Vielfältigkeit einen großen Freiraum. So kann sich eine Gruppe von Kindern völlig unbeaufsichtigt in Berlin herumtreiben, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.
In der Kleinstadt Neustadt hingegen ist ein solches Vorgehen gänzlich undenkbar. Schön verdeutlichen kann man dies am Beispiel von Emil und seinen Freunden, die einem sich auf den Flusswiesen befindenden Denkmal des Großherzogs einen Jungenstreich spielten und dabei vom Dorfpolizisten überrascht wurden. Der Hüter der (Klein-) Stadt ist folglich eine immer präsente Respektsperson.37.
Kästners moralische Absicht ist es, Kinder auf selbstständiges Handeln und Übernehmen von Verantwortung vorzubereiten. Kinder sollen lernen, sich ihren Problemen zu stellen und diese zu bewältigen.
Die Großstadt in Kästners Romanen ist folglich der Ort kindlicher Erziehung, Sozialisation und Bewährung, an dem die Heranwachsenden von- und miteinander lernen und ihre Erfahrungen austauschen sollen.
„Das Leben der Straße lehrt den modernen Helden, Gefahren zu meistern und sich weiter auszubilden, es ist der Ort, wo er sich bewähren muss.“38
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Seminar-Kontext und führt in die Fragestellung ein, ob „Emil und die Detektive“ als Großstadtroman für alle Altersgruppen fungiert.
2 Neue Sachlichkeit in der Weimarer Republik: Dieses Kapitel verortet den Roman in der literarischen Epoche der Neuen Sachlichkeit und beleuchtet den Wandel der Großstadt vom negativen Klischee zum positiven Schauplatz.
3 Erich Kästners „Emil und die Detektive“: Das umfangreiche Hauptkapitel analysiert den Autor, die Genese des Romans, die Inhaltsangabe sowie die spezifische Bedeutung der Großstadt und die Figurenkonstellation.
4 Ziel Kästners: Hier wird der internationale Erfolg des Autors dargelegt und Kästners Bestreben zur Förderung der kindlichen Selbstständigkeit sowie die Identifikationsmöglichkeiten für Leser untersucht.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit bestätigt die Einordnung des Werkes als Bildungs- und Großstadtroman und resümiert die zeitlose Bedeutung der Geschichte für junge und alte Leser.
Schlüsselwörter
Erich Kästner, Emil und die Detektive, Neue Sachlichkeit, Weimarer Republik, Großstadtroman, Kinderliteratur, Sozialisation, Selbstständigkeit, Berlin, Identifikation, Figurenkonstellation, Pädagogik, Jugendliteratur, Literaturwissenschaft, Modernität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert Erich Kästners Kinderroman „Emil und die Detektive“ als ein Werk der Neuen Sachlichkeit und untersucht seine Funktion als Großstadtroman, der über die reine Kinderlektüre hinausgeht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Rolle der Großstadt als Handlungsraum, die Bedeutung der sozialen Gruppe („die Bande“), die Entwicklung kindlicher Selbstständigkeit sowie die literarische Einordnung des Autors.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, ob der Roman ausschließlich für Kinder konzipiert wurde oder ob er auch erwachsene Leser anspricht, indem er gesellschaftliche Dynamiken und realistische Lebenswelten widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der der Roman mit zeitgenössischen literaturwissenschaftlichen Erkenntnissen zur Neuen Sachlichkeit und spezifischen Fachquellen zu Kästners Wirken in Beziehung gesetzt wird.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie Kästners, die stilistische Einordnung, eine detaillierte Inhaltsangabe, die Analyse des Großstadt-Motivs und eine eingehende Betrachtung der Figurenkonstellationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Neue Sachlichkeit, Großstadtroman, Identifikation, Sozialisation und Kästners pädagogisches Anliegen in der Kinderliteratur geprägt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „Metropole“ und „Provinz“ eine so wichtige Rolle?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Kontrast zwischen der idyllischen, überschaubaren Provinz und der dynamischen, anonymen Großstadt essenziell für die Entwicklung der Charaktere und den Bildungsanspruch des Romans ist.
Welche Reaktionsmodelle gegenüber Autoritäten identifiziert die Autorin?
Es werden drei Modelle vorgestellt: das Verweigerungsmodell, das Resignationsmodell und das in der Geschichte als erfolgreichste bewertete Nichtbeachtungsmodell.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Pony Hütchen?
Pony Hütchen wird als selbstbewusstes Mädchen porträtiert, das durch ihre Sprache und ihr Verhalten die traditionellen Frauenbilder der Weimarer Republik ironisiert und eine aktive, emanzipierte Gegenposition einnimmt.
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- Wiebke Engler (Author), 2006, Erich Kästners 'Emil und die Detektive'. Ein Großstadtroman auch für große Leute?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54258