Im Supply Chain Management sollen alle Beteiligten von einer Win-Win-Situation profitieren, da Effektivität und Effizienz entlang der gesamten Kette gesteigert werden. Im Rahmen dieser Seminararbeit wird die strategische Kapazitätsplanung einer Supply Chain (SC) unter der Annahme von asymmetrischen Prognoseinformationen betrachtet und der Ansatz von Özer und Wei vorgestellt und kritisch analysiert.
In dem Artikel ”Stategic Commitments for an Optimal Capacity Decision Under Asymmetric Forecast Information”, publiziert im Magazin Management Science im Jahr 2006 von Özalp Özer und Wei Wei, wird die strategische Kapazitätsplanung unter asymmetrischen Informationsständen analysiert. Es wird konkret das Problem angegangen wie glaubhaft Prognoseinformationen zwischen Hersteller und Lieferant ausgetauscht werden können.
Die Koordination innerhalb einer SC hinsichtlich der Transparenz und des Informationsaustausches sind elementare Bereiche im Supply Chain Management, da Informationen einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Performance einer SC sind. Negative Auswirkungen auf den Profit der SC sind die Folge des Informationsmangels seitens des Lieferanten. Ein einfacher Informationsaustausch zwischen Lieferant und Hersteller ist nicht möglich, da der Gewinn des Herstellers abhängig von der Kapazitätsentscheidung des Lieferanten ist. Dies hat zur Folge das der Lieferant davon ausgeht, dass mitgeteilte Informationen vom Hersteller als nicht glaubhaft zu erachten sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz des Problems
1.2 Literaturübersicht
2 Vorstellung Theorie
2.1 Grundlegende Problematik
2.2 Capacity Reservation Contract
2.2.1 Szenario unter asymmetrischen Prognoseinformationen
2.2.2 Capacity Reservation Contract: Vertragsset
2.2.3 Ergebnis
3 Anwendungsszenario
3.1 Vorstellung Beispielszenario
3.2 Berechnung Profit in symmetrischer SC
3.3 Großhandelspreis
3.4 Capacity Reservation Contract
3.5 Ergebnisse
4 Fazit & Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die strategische Kapazitätsplanung in einer Supply Chain unter der Annahme asymmetrischer Prognoseinformationen. Das Hauptziel besteht darin, auf Basis des Modells von Özer und Wei zu analysieren, wie durch vertragliche Anreizsysteme – insbesondere den Capacity Reservation Contract – glaubhafte Informationen zwischen Hersteller und Lieferant ausgetauscht werden können, um eine effiziente Koordination zu erreichen und den Gesamtprofit zu maximieren.
- Analyse von Informationsasymmetrien in der Supply Chain
- Evaluation des Capacity Reservation Contracts als Koordinationsinstrument
- Vergleich von theoretischen Modellen (First-Best vs. Second-Best)
- Validierung der theoretischen Ergebnisse durch ein numerisches Anwendungsszenario
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Szenario unter asymmetrischen Prognoseinformationen
Es wird angenommen, dass M über private Prognoseinformationen ξ verfügt. In diesem Fall wird S verschiedene Auswahlmöglichkeiten von Verträgen {K(ξ), P(ξ)} für alle ξ ∈ [ξ, ξ] dem M vorlegen. Kapazität K(ξ) und Zahlung P(ξ) sind hier beides Funktionen die von ξ abhängen. Ziel des Lieferanten ist es, die Auswahl an Verträgen so zu definieren, dass der eigene Profit maximiert wird. Ist das angebotene Vertragsset gegeben, wählt M einen bestimmten Vertrag (K(ξˆ), P(ξˆ)) aus, der seinen eigenen Profit maximiert.
Durch das Treffen der Auswahl verkündet M indirekt seine Prognoseinformationen, diese entsprechen ξˆ und dies wird wie in Abschnitt 1.2 als „Screening“ bezeichnet. Nach der Auswahl erhält S die Bezahlung P(ξˆ) und baut Kapazitäten in Höhe von K(ξˆ) zu einem Stückkostenpreis von ck. Der Hersteller bestellt nun abhängig von der Höhe der Nachfrage D und bis zu der Restriktion K wird der Lieferant den Hersteller beliefern, es gilt: Lieferhöhe = min(D,K(ξˆ)). Der Hersteller erhält die Ware und verkauft diese zu dem Preis r weiter, r > 0.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der strategischen Kapazitätsplanung bei Informationsasymmetrien und führt in die Problematik des glaubhaften Informationsaustauschs zwischen Hersteller und Lieferant ein.
2 Vorstellung Theorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Modells von Özer und Wei dargelegt, insbesondere die First-Best-Lösung sowie das Konzept des Capacity Reservation Contracts zur Koordination.
3 Anwendungsszenario: Dieses Kapitel veranschaulicht die theoretischen Erkenntnisse anhand eines numerischen Beispiels, bei dem verschiedene Vertragsmodelle und deren Auswirkungen auf die SC-Profite berechnet werden.
4 Fazit & Kritische Würdigung: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, die Modellannahmen kritisch hinterfragt und Impulse für weiterführende Forschung gegeben.
Schlüsselwörter
Strategische Kapazitätsplanung, Supply Chain Management, Informationsasymmetrie, Capacity Reservation Contract, Prognoseinformationen, Vertragsgestaltung, Koordination, Screening, First-Best-Lösung, Second-Best-Solution, Gewinnmaximierung, Lieferant, Hersteller, Nachfrageunsicherheit, Modellvalidierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strategische Kapazitätsplanung in Lieferketten, wenn Hersteller und Lieferanten über unterschiedliche (asymmetrische) Informationen zur zukünftigen Nachfrage verfügen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Modellierung von Informationsasymmetrien, die Gestaltung von Anreizverträgen (insb. Capacity Reservation) und die mathematische Koordination der Supply Chain.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie durch diskrete und glaubhafte Informationsübermittlung („Screening“) die Koordination einer asymmetrischen Supply Chain verbessert und der Gesamtprofit gesteigert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden analytische Modelle basierend auf dem Ansatz von Özer und Wei verwendet, die durch ein numerisches Anwendungsszenario sowie MATLAB-Simulationen validiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Kapazitäts- und Preismodelle sowie eine detaillierte Berechnung und Interpretation eines Beispielszenarios mit „Low“ und „High“ Buyern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Capacity Reservation Contract, Informationsasymmetrie, Supply Chain Koordination, Screening und strategische Kapazitätsplanung.
Wie unterscheidet sich der Capacity Reservation Contract vom Großhandelspreis-Modell?
Während der Großhandelspreis keine Berücksichtigung privater Prognosen erlaubt und Ineffizienzen durch doppelte Marginalisierung aufweist, ermöglicht der Capacity Reservation Contract eine differenzierte Kapazitätsallokation basierend auf signalisierten Informationen.
Warum ist die Annahme „rationalen Handelns“ kritisch zu hinterfragen?
Die Annahme setzt voraus, dass der Hersteller strikt seinen Nutzen maximiert, während in der Realität menschliche Entscheidungen oft durch irrationale Faktoren oder Risikowahrnehmungen beeinflusst werden.
- Arbeit zitieren
- Yannick Witczak (Autor:in), 2019, Strategische Kapazitätsplanung im Supply Chain Management, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542591