Diese kurze Hausarbeit legt verschiedene Formen der sogenannten „Skandalliteratur“ an mehrfachen Beispielen aus verschiedenen Epochen dar. Denn in nahezu allen Jahrhunderten ist skandalöse Literatur vorhanden, jedoch ist ihre Form immer unterschiedlich und so auch die Gründe, warum sie als „skandalöse Literatur“ bezeichnet wird. Auf die Rolle der Medien soll in diesem Zusammenhang besonders eingegangen werden.
Egal in welchem Zeitalter, bei grenzüberschreitender Literatur handelt es sich immer um ein Massenphänomen. Wieso ist sie für die Öffentlichkeit nach wie vor so interessant? Sind nicht schon alle Grenzen gebrochen? Verwenden Autoren über die Jahrhunderte bewusst grenzüberschreitende Details um zu provozieren und die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit zu erlangen?
Diese Fragen lassen sich nicht eindeutig beantworten, da die Zusammenhänge zwischen Öffentlichkeit und Text, zwischen Text und Autor nicht faktisch bewiesen werden können. Vielmehr handelt es bei der Beschäftigung mit diesen Fragen um hypothetische Thesen und Interpretationen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literatur als Skandal
2.1. Definition Skandalliteratur
2.2. literaturgeschichtliche Entwicklung
3. Die Wirkung von skandalöser Literatur
3.1. Propaganda oder stilistisches Mittel?
3.2. Reaktionen der Öffentlichkeit
a) Die Reaktionen auf „Die Leiden des jungen Werther“
b) Die veränderte Reaktion auf „Die Blechtrommel“
c) „Shades of Grey“ als etablierter Skandalroman der Moderne
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der „Skandalliteratur“ von der Antike bis in die Moderne, wobei der Fokus auf den Ursachen für die öffentliche Empörung und der Rolle der Medien bei der Konstruktion von Skandalen liegt. Dabei wird insbesondere hinterfragt, ob Tabubrüche als bewusste stilistische Mittel oder als kommerzielle Propagandainstrumente eingesetzt werden.
- Historische Entwicklung von literarischen Skandalen
- Differenzierung zwischen inhaltlichem Skandal und inszenierter Provokation
- Analyse der medialen Skandalisierung am Beispiel von "Werther", "Die Blechtrommel" und "Shades of Grey"
- Die Funktion der Öffentlichkeit als zentraler Bestandteil eines Skandals
- Sexualität als wiederkehrendes Motiv der Skandalisierung
Auszug aus dem Buch
3.1. Provokation oder stilistisches Mittel
Es soll untersucht werden, inwiefern Normüberschreitungen als stilistisches Mittel genutzt werden. Oder handelt es sich hierbei um eine bewusst zur Provokation ausgerichtetes Propagandamittel? Ist der Weg zum Erfolg im literarischen Bereich unumgänglich mit einem Skandal verbunden? Wie kann man zwischen literarisch gelungenen Skandalen und kommerziell gewollten Skandalen unterscheiden?
Hier muss zunächst genauer differenziert werden. Stefan Neuhaus, Herausgeber des Buches „Literatur als Skandal“, unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Arten des Skandals: 1. (…) Skandale(n), die bestehende und als Defizite bereits erkannte Verkrustungen in der Gesellschaft aufzubrechen versuchen, 2. Und radikale(n) Skandale(n), die politische Tabus brechen und Diskurse initiieren wollen, die sich in der Öffentlichkeit jeder Behandlung entziehen.
Jedoch ist zu bedenken, dass man durch eine solche bewusste Skandalisierung des eigenen Werkes schnell in Verruf gerät. So äußerte sich der renommierte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in der Fernseh-Talkshow „Menschen 2008“ über den Skandalroman „Feuchtgebiete“ der ehemaligen Viva-Moderatorin Charlotte Roche folgendermaßen: „Ich muss mich fragen, warum ein solches Buch, dass völlig literarisch wertlos ist, dass sehr ekelhaft und widerlich ist, warum das so viel und so oft verkauft wurde(…) Die Leute wollen wahrscheinlich diese Sexualdarstellungen(…)Das ist kein schlechter Stil, es ist gar kein Stil.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Skandalliteratur ein, definiert den zeitlichen Rahmen und formuliert die zentrale Fragestellung hinsichtlich der Rolle von Medien und öffentlichem Interesse.
2. Literatur als Skandal: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Begriffsbestimmung und betrachtet die literaturgeschichtliche Entwicklung, wobei Sexualität als zentrales Motiv hervorgehoben wird.
3. Die Wirkung von skandalöser Literatur: Dieser Abschnitt untersucht anhand konkreter Beispiele aus drei Jahrhunderten die Wechselwirkung zwischen Text, Autor und öffentlicher Rezeption.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine genaue Trennung zwischen Provokation und stilistischem Mittel kaum möglich ist, da Medien eine entscheidende Rolle bei der Skandalisierung spielen.
5. Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Quellen und die für die Analyse herangezogene Literatur aufgelistet.
Schlüsselwörter
Skandalliteratur, Literaturwissenschaft, Öffentlichkeit, Medien, Provokation, Tabubruch, Sexualität, Werther-Effekt, Skandalroman, Inszenierung, Normabweichung, Rezeption, Günter Grass, E.L. James, Literaturkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literaturwissenschaftliche Phänomen, warum bestimmte Werke in der Öffentlichkeit einen Skandal auslösen und wie sich dieses Phänomen über die Jahrhunderte verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Skandalliteratur, die Rolle der Medien bei der Skandalisierung, die Funktion von Tabubrüchen und die historische Entwicklung vom 18. bis zum 21. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für die Skandalisierung literarischer Werke zu analysieren und zu hinterfragen, ob Provokationen als künstlerisches Mittel oder lediglich als Marketinginstrument genutzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, wobei aufgrund der geringen wissenschaftlichen Sekundärliteratur zu diesem speziellen Thema ergänzend Zeitungsartikel und zeitgenössische Kritiken herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung sowie die Analyse dreier prominenter Beispiele: Goethes „Werther“, Grass’ „Die Blechtrommel“ und E.L. James’ „Shades of Grey“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Skandalliteratur, Mediale Inszenierung, Tabubruch, öffentliche Rezeption und literarischer Wert.
Warum wird „Shades of Grey“ im Kontext der Arbeit als Sonderfall betrachtet?
Der Roman wird als „etablierter Skandal“ der Moderne beschrieben, bei dem der Erfolg maßgeblich durch mediale Aufmerksamkeit und eBook-Downloads beeinflusst wurde, während die literarische Qualität des Textes kritisch hinterfragt wird.
Inwiefern hat sich die Wahrnehmung des „Werther“ gewandelt?
Während das Werk im 18. Jahrhundert als gefährlich für die öffentliche Moral galt und einen direkten „Werther-Effekt“ auslöste, wird es heute als literarischer Klassiker gelehrt.
Was ist die Rolle der Medien laut der Autorin?
Die Medien fungieren als notwendiger Nährboden für literarische Skandale, da sie durch ihre Berichterstattung erst Aufmerksamkeit erzeugen und eine breite Bevölkerungsschicht mit dem Thema konfrontieren.
- Quote paper
- Natalie Meyer (Author), 2014, Skandalliteratur als Massenphänomen und die Rolle der Medien. Eine kurze Betrachtung ausgewählter Werke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542603