Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung sozialstaatlichen Schutzes, sowie gegenwärtigen Problemen bzw. Mängeln und Alternativen zum aktuellen Sozialstaatssystem. Da die Entwicklung des deutschen Sozialstaates eng mit Erwerbsarbeitsverhältnissen verknüpft ist, wird analog dazu auch die Transformation der Arbeitsverhältnisse beschrieben.
Im ersten Teil werden die historische Entwicklung des Sozialstaates seit den 1940er Jahren skizziert, wie auch die Transformation der Arbeitsverhältnisse. Auf Basis dieser Skizze werden anschließend Gründe herausgearbeitet, die dafür sprechen, dass es einer Alternative zum bestehenden lohnarbeitszentrierten Sozialstaat bedarf. Im zweiten Teil wird das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) als eine solche Alternative diskutiert. Dazu ist vorab eine Unterteilung in marktliberale und existenzsichernde Konzepte notwendig. In Orientierung an Ronald Blaschke werden die wesentlichen Merkmale beider Konzepttypen beschrieben, sowie daraufhin die Potenziale eines existenzsichernden BGE erörtert. Beispielhaft widmet sich der Schluss dieses Teils mit dem BGE Konzept der BAG Grundeinkommen und den LINKEN.
Im dritten Teil wird die Soziale Infrastruktur der AG links-netz als Alternative vorgestellt. Ein Konzept, das Sozialpolitik neu interpretiert und BGE nur partiell für eine gelungene gesellschaftliche Transformation verantwortlich sieht. Sowohl das BGE, als auch die Soziale Infrastruktur werden hier im Sinne einer "real Utopie" zur "symbiotischen Transformation" der Gesellschaft nach Erik Olin Wright gedacht und sollen den Boden für weitere Neugestaltungsweisen bereiten. Im Anschluss wird das Thema der Finanzierung beider Alternativen knapp angeschnitten. Der abschließende Ausblick stellt vor, warum gerade jetzt ein Potenzial für solch grundlegende gesellschaftliche Transformationen besteht.
Der gegenwärtige Sozialstaat in Deutschland steht unter massiver und breitflächiger Kritik. Alle politischen Lager haben an ihm etwas auszusetzen. Dabei scheint es, als wäre der Sozialstaat in seiner Konstitution zunehmend weniger in der Lage, die Probleme für deren Lösung er vorgesehen ist, zu adressieren. Daher werden derzeit zahlreiche Alternativen zur aktuellen Sozialstaatsform diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Entwicklung sozialstaatlichen, sozialen Schutzes
I.1 Die soziale Moderne
I.2 Sozialstaat, Unternehmen und Gewerkschaften ab den 1970er Jahren
I.3 Prekarisierung von Erwerbsarbeit und Individualisierung von Verantwortung
I.5 Zusammenfassung der Abstiegstendenzen
II. Das bedingungslose Grundeinkommen
II.1 Marktliberale und emanzipatorische Modelle
II.2 Über die Höhe des Transfers
II.3 Das existenzsichernde bedingungslose Grundeinkommen
II.4 Vorstellung eines ausformulierten Konzeptes: Das emanzipatorische Grundeinkommen
II.5 Problemquellen
III. Soziale Infrastruktur
III.1 Beschreibung des Konzeptes
III.2 Soziale Infrastruktur am Beispiel des Gesundheitswesens
IV. Wege der Realisierung
IV.1 Finanzierungsweisen
IV.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die aktuelle Krise des deutschen Sozialstaates, der eng mit Erwerbsarbeitsverhältnissen verknüpft ist. Ziel ist es, alternative Konzepte – insbesondere das bedingungslose Grundeinkommen sowie eine neu definierte soziale Infrastruktur – als Ansätze für eine existenzsichernde gesellschaftliche Transformation zu bewerten.
- Historische Analyse des Sozialstaates und der Transformation von Arbeitsverhältnissen
- Kritische Diskussion marktliberaler versus emanzipatorischer Grundeinkommensmodelle
- Vorstellung des Konzeptes einer sozialen Infrastruktur als Infrastrukturpolitik
- Untersuchung von Finanzierungsmöglichkeiten für diese alternativen Modelle
Auszug aus dem Buch
I.1 Die soziale Moderne
Mit der Durchsetzung des bismarkischen Sozialversicherungssystems begann die Entwicklung des deutschen Sozialstaats. Innerhalb der „sozialen Moderne“, wurden auf diesem Sozialversicherungssystem aufbauend sukzessive große Teile der Bevölkerung durch ein „Soziales Netz“ vor den wichtigsten gesellschaftlichen Risiken geschützt (Nachtwey 2016: 17) (vgl. Castel 2009: 24).
Damit wurden zunehmend die wesentliche Aufgabe der Gewährung sozialer Sicherheit von traditionellen Gemeinschaftskollektiven, wie der Familie und Nachbarschaft, an den Sozialstaat delegiert. Diese Kollektive und die Erwerbsarbeit waren bis dato die einzige Möglichkeit vor sozialer Unsicherheit abgesichert zu sein. Waren Arbeiter_innen aufgrund einer Krankheit, eines Unfalls, aus Altersschwäche oder anderen Ursachen nicht mehr in der Lage zu arbeiten, gefährdete das direkt ihre Existenzen, solange kein traditionelles Kollektiv die Folgen ihrer Erwerbslosigkeit auffangen konnte. Das änderte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts, indem die Erwerbsarbeit mit einem Status versehen wurde, der an starke, staatliche Schutzmechanismen geknüpft war (vgl. Castel 2005: 40f), welche über soziale Rechte als Anspruch eingefordert werden können (vgl. Martin/ Wissel i. E.: 9).
Dazugehörten: „[…] Mindestlohn, arbeitsrechtliche Bestimmungen, Unfall-, Kranken- und Rentenversicherung und so fort“ (Castel 2005: 41). Diese staatlichen Schutzmaßnahmen boten die Antwort auf die historisch grundlegende Kernfrage, wie Menschen mit mangelndem Eigentum und ohne angemessene Ressourcen ein Mittel gegen soziale Unsicherheit erhalten sollten (vgl. Castel 2005: 34). Dabei ist zu betonen, dass die Schaffung des „Soziales Netzes“ sich nicht selbstverständlich aus der Veränderung der Arbeits- und Lebensweisen ergeben hat, sondern Ergebnis ökonomischer, sozialer und politischer Auseinandersetzungen ist (vgl. Hirsch, Herrschaft, Hegemonie und politische Alternativen, zitiert nach Martin/ Wissel i.E.: 8).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die Kritik am aktuellen Sozialstaat und führt in die Konzepte des bedingungslosen Grundeinkommens und der sozialen Infrastruktur ein.
I. Entwicklung sozialstaatlichen, sozialen Schutzes: Analysiert historisch die Entstehung und den Wandel des Sozialstaates sowie die zunehmende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen.
II. Das bedingungslose Grundeinkommen: Diskutiert verschiedene BGE-Modelle, ihre Existenzsicherungspotenziale und konkrete Umsetzungsvorschläge, etwa durch die Linke.
III. Soziale Infrastruktur: Beschreibt ein sozialpolitisches Konzept, das den Ausbau öffentlicher Güter und Dienstleistungen in den Mittelpunkt stellt.
IV. Wege der Realisierung: Behandelt Finanzierungsfragen und Möglichkeiten der politischen Umsetzung im Kontext bestehender Machtverhältnisse.
Schlüsselwörter
Sozialstaat, Grundeinkommen, Soziale Infrastruktur, Prekarisierung, Arbeitsverhältnisse, Transformation, Real Utopie, Umverteilung, Existenzsicherung, Sozialpolitik, Lohnarbeit, Finanzierung, Dekommodifizierung, Gewerkschaften, Arbeitseinkommensquote.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gegenwärtigen Krisen des deutschen Sozialstaates und stellt alternative Ansätze vor, um soziale Sicherheit in einer transformierten Arbeitswelt zu gewährleisten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Wandel des Sozialstaates, die Prekarisierung von Erwerbsarbeit, das bedingungslose Grundeinkommen und der Ausbau einer sozialen Infrastruktur.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erörterung und Bewertung des bedingungslosen Grundeinkommens und der sozialen Infrastruktur als emanzipatorische Wege in eine existenzsichernde Zukunft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung soziologischer und politischer Literatur zu sozialstaatlichen Entwicklungen und Transformationskonzepten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Skizze der Prekarisierung, die detaillierte Diskussion von BGE-Konzepten sowie die theoretische Herleitung und beispielhafte Anwendung des Konzepts der sozialen Infrastruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen Sozialstaat, Transformation, bedingungsloses Grundeinkommen, soziale Infrastruktur und Prekarisierung zusammenfassen.
Was unterscheidet das emanzipatorische BGE von marktliberalen Ansätzen?
Emanzipatorische BGE-Modelle zielen auf eine echte Existenzsicherung und Stärkung der Arbeitnehmer_innen ab, während marktliberale Modelle oft auf eine Entschlackung des Sozialstaates und die Aufrechterhaltung des Lohnarbeitszwangs setzen.
Wie trägt die Soziale Infrastruktur zur Transformation der Gesellschaft bei?
Durch die Dekommodifizierung öffentlicher Güter und Dienstleistungen wird Sozialpolitik als Infrastruktur verstanden, die soziale Sicherheit von der reinen Erwerbsarbeit entkoppelt.
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- Ken Kato (Author), 2019, Entwicklung sozialstaatlichen Schutzes und Transformation der Arbeitsverhältnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542638