Diese Arbeit versucht das Thema Prostitution unter Berücksichtigung sozioökonomischer Aspekten zu beleuchten. Gesellschaftliche Stellung der Prostituierten, Stigmata und Gründe für den Einstieg werden behandelt. Des Weiteren wird die Sexarbeit unter beruflichen Gesichtspunkten beleuchtet und deren Berufsethos erläutert, um eine mögliche wirtschaftliche Unzulänglichkeit, welcher Prostituierten oft nachgesagt wird, zu widerlegen. Schlussendlich wird unter Berücksichtigung von nachgewiesenen Kompetenzen ausgewertet, ob Prostituierte eine problematische Existenz in dieser Gesellschaft darstellen oder nicht.
Mit der Einführung des Prostitutionsgesetzes am 01.01.2005 wurde die Erwerbstätigkeit im Bereich der Sexarbeit legalisiert und die Vereinbarungen zwischen Prostituierten und Freiern anderen rechtswirksamen Verträgen gleichgestellt. Vorher wurden Dienstleistungen dieser Art nicht als Arbeit anerkannt, obwohl das verdiente Geld durch die Einkommens- und Umsatzsteuer belastet wurde. Durch die Verbesserung der rechtlichen und sozialen Situation von Prostituierten in Deutschland ist es ihnen seither möglich als selbstständig arbeitende Personen unmittelbaren Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung und Sozialversicherung zu beantragen und in einem Angestelltenverhältnis einen Anspruch auf Arbeitslosen- und Rentenversicherung zu erheben.
Trotz immenser Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen ist Prostitution und vor allem die dort Tätigen von wenig differenzierten und pauschalen Annahmen betroffen. Obwohl die immer mehr zunehmende und durch die Medien zusätzlich propagierte Offenheit der Sexualität zu einer Enttabuisierung dieser Thematik geführt hat, ist und bleibt Sex und vor allem käuflicher Sex eine Problematik über die weder gesprochen noch öffentlich gelebt werden darf. Prostitution kollidiert somit mit den starren Werten und der traditionellen Moralvorstellungen der Gesellschaft. Ansammlungen von Vorurteilen bestimmen das Bild unzähliger und vielseitiger Erscheinungsformen der Sexarbeit, welche sich durch unterschiedliche Arbeitsbedingungen, Praktiken, Lebensweisen und persönlicher Motivation der dort Tätigen markant unterscheidet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein sachlicher Blick auf die Prostitution
2.1 Demografische Anhaltspunkte
2.2 Wirtschaftsfaktor und weibliche Erwerbstätigkeit
3. Gesellschaftliche Stellung und Stigmata von Prostituierten
4. Sexarbeit als Beruf des tertiären Sektors
5. Berufsethos, berufliche Qualifikation und Kompetenzen
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Wahrnehmung und die tatsächliche berufliche Situation weiblicher Sexarbeiterinnen in Deutschland unter Berücksichtigung sozioökonomischer Faktoren sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen.
- Rechtliche Situation und Prostitutionsgesetz
- Gesellschaftliche Stigmatisierung und Rollenbilder
- Prostitution als erwerbswirtschaftlicher Faktor
- Berufsethos und Anforderungen an professionelle Sexarbeit
- Persönliche und berufliche Qualifikationen von Sexarbeiterinnen
Auszug aus dem Buch
3. Gesellschaftliche Stellung und Stigmata von Prostituierten
Die gesellschaftliche Stellung von Prostituierten ist geprägt von pauschale Diskriminierungen und verzerrten Darstellungen. Denn schließlich bezeichnet man eine Prostituierte im Concise Oxford Dictionary als „eine Frau, die ihren Körper wahllos zum Geschlechtsverkehr oder zu ähnlichem anbietet […] und ihre Ehre für niedere Vorteile zu verkaufen oder ihre Fähigkeiten für schändliche Zwecke“ einsetze. (vgl. Pheterson, Gail 1990, S.15). Demnach wird deutlich, dass bei Stigmatisierungsprozessen von Prostituierten im Grunde alle Frauen diskriminiert werden, die Sex mit Unbekannten und mit vielen Liebhabern haben, die die sexuelle Initiative ergreifen und Kontrolle über erotische Begegnungen haben, die Geld für die Befriedigung von männlicher Lust und Fantasien verlangen, die sich so anziehen, dass sie männliches Interesse wecken und mit erregten, betrunkenen und vulgären Männern Kontakt haben (vgl. Pheterson, Gail 1990, S.16).
Meistens werden diese Frauen in irgendeiner Form der Opferrolle hineingezwängt um ihr „rollenuntypisches, abweichendes“ Verhalten zu erklären und ihren „gesellschaftlichen Niedergang“ auf ein zentrales Ereignis zurückzuführen. Entweder sind sie Opfer des Mannes, an dem sie sexuelle Dienstleistungen verrichten oder dem Zuhälter, welcher sie für sich arbeiten lässt. Solche Frauen handeln also nach sexuellen und finanziellen Verlangen der Männer. Die Prostituierte ist das Opfer, welches aufgrund physischer, intellektueller, sozialer und psychologischer Defizite alternativloses Opfer des „kapitalistischen Patriarchats“ ist, weil sie ihren Körper an einen herrschsüchtigen Mann verkaufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die rechtliche Legalisierung der Sexarbeit durch das Prostitutionsgesetz und formuliert das Ziel, Vorurteile gegenüber Prostituierten kritisch zu hinterfragen.
2. Ein sachlicher Blick auf die Prostitution: Das Kapitel bietet eine Definition des Begriffs sowie eine Analyse statistischer Daten zur demografischen Verteilung der in Deutschland tätigen Prostituierten.
3. Gesellschaftliche Stellung und Stigmata von Prostituierten: Hier werden die stigmatisierenden Rollenzuschreibungen und die oft verzerrte mediale oder gesellschaftliche Darstellung von Prostituierten als Opfer untersucht.
4. Sexarbeit als Beruf des tertiären Sektors: Dieses Kapitel beleuchtet den Dienstleistungscharakter der Sexarbeit, insbesondere die notwendige emotionale Kompetenz und das Emotionsmanagement im Kundenkontakt.
5. Berufsethos, berufliche Qualifikation und Kompetenzen: Hier wird aufgezeigt, welche beruflichen Standards, sozialen Fähigkeiten und fachlichen Kompetenzen Sexarbeiterinnen mitbringen, um ihre Arbeit professionell auszuüben.
6. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert einen offeneren, diskriminierungsfreien Umgang mit Sexarbeit als legitime Form der Erwerbstätigkeit.
Schlüsselwörter
Sexarbeit, Prostitution, Stigmatisierung, Prostitutionsgesetz, Dienstleistungsgesellschaft, Rollenbild, Berufsidentität, Emotionale Arbeit, Sozioökonomische Faktoren, Sexarbeiterin, Diskriminierung, Erwerbstätigkeit, Kompetenzen, Frauenarbeit, Moralvorstellungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die sozioökonomische und gesellschaftliche Situation von Prostituierten in Deutschland unter dem Aspekt der beruflichen Anerkennung und gesellschaftlichen Stigmatisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Prostitution, die ökonomische Bedeutung, die psychosozialen Anforderungen des Berufs sowie die Rolle gesellschaftlicher Vorurteile.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, die häufig als „problematisch“ stigmatisierte Existenz der Sexarbeiterin zu hinterfragen und zu evaluieren, ob diese eine normale Erwerbstätigkeit innerhalb des tertiären Sektors darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer und ökonomischer Studien, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Prostituierten fundiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ökonomische Betrachtung, die Analyse von Stigmata, die Einordnung in den tertiären Sektor sowie die Untersuchung des spezifischen Berufsethos und notwendiger Kompetenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Sexarbeit, Stigmatisierung, Erwerbstätigkeit, Dienstleistungssektor, Prostitutionsgesetz und soziale Kompetenzen.
Wie unterscheidet sich die im Text beschriebene „Sexarbeit“ vom allgemeinen Klischee?
Im Gegensatz zum Klischee der rein zwangsgesteuerten und bildungsfernen Frau verdeutlicht der Text, dass Prostituierte oft bewusste Berufsentscheidungen treffen und über vielfältige, marktrelevante Qualifikationen verfügen.
Welche Rolle spielen „emotionale Kompetenzen“ in der Prostitution?
Emotionale Kompetenzen sind für die Autorin ein Kernbestandteil der Dienstleistung, da die Prostituierte in der Lage sein muss, Kundenbedürfnisse professionell zu befriedigen und dabei eigene Grenzen zu wahren.
- Arbeit zitieren
- Lisa Mertens (Autor:in), 2014, Die Hure als problematische Existenz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542671