Diese Bachelorarbeit untersucht, welche Konsequenzen die Einführung von Stable Coins haben könnte. "Ich bin überzeugt, dass das Internet eine zentrale Rolle dabei spielen wird, die Bedeutung von Regierungen zu schwächen. Die eine Sache, die dabei noch fehlt, aber bald entstehen wird, ist ein verlässliches E-Cash." Nobelpreisträger Milton Friedman hat damit bereits 1999 eine Aussage getroffen, die aktueller ist denn je. Knapp 10 Jahre später entstand der Bitcoin als erste dezentrale digitale Währung, bei der ein Transfer von digitalen Werten ohne zentralen Intermediär möglich ist. Was zunächst wie ein kleines Projekt für IT begeisterte Menschen aussah, stellte sich als eine wichtige technologische Errungenschaft in der Zahlungsabwicklung heraus. Die Blockchain Technologie ermöglicht es, digitale Werte ohne zentralen Intermediär nachvollziehbar und glaubwürdig zu verschicken. Jedoch wurde der Bitcoin zum Spekulationsobjekt und konnte durch die starken Wertschwankungen seinem Sinn als Zahlungsmittel nicht gerecht werden.
Weitere 10 Jahre später hat sich ein Konsortium um Facebook herum gebildet, welches eine auf gleicher Technologie basierende stabile digitale Währung anbieten will. Die digitale Währung Libra soll mit stabilen Währungen hinterlegt sein und weniger entwickelten Regionen den Zugang zu stabilem Geld ermöglichen. Sogenannte Stable Coins wie Libra besitzen den Anspruch Wertstabilität zu gewährleisten und damit als digitales Zahlungsmittel zu dienen. Um auf Friedmans Zitat zurückzukommen: Sollten sich diese Stable Coins als Zahlungsmittel durchsetzen und eine signifikante Rolle im Wirtschaftsgefüge einnehmen, hätte dies weitreichende Folgen für Noten- und Zentralbanken.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Einführung in die Geldtheorie
2.1 Geldbegriff und Bedeutung
2.2 Funktionen von Geld
2.3 Eigenschaften von Geld
2.4 Entwicklung des Geldes
3.0 Einführung in die Währungstheorie
3.1 Determinanten für den Wert und die Stärke einer Währung
4.0 Stable Coins
4.1 Abgrenzung zu herkömmlichen Kryptowährungen
4.2 Distributed-Ledger-Technologie
4.3 Technologie der Stable Coins
4.3.1 Tokenised Funds
4.3.1.1 Off-Chain-Sicherheiten
4.3.1.2 On-Chain-Sicherheiten
4.3.2 Algorithmische Stable Coins
4.4 Vor- und Nachteile der Stable Coins
5.0 Konsequenzen der Einführung von Stable Coins
5.1 Zahlungsverkehr
5.2 Auswirkungen auf Geldwert- und Finanzstabilität
5.3 Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung
5.4 Digitales Zentralbankgeld
5.5 Dollarization 2.0
6.0 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen, die mit der Einführung von Stable Coins als Zahlungsmittel auf die Wirtschaft sowie auf Finanzinstitutionen wie Noten- und Zentralbanken verbunden sind, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Konsequenzen und Folgen durch dieses Aufkommen zu erwarten sind.
- Grundlagen der Geld- und Währungstheorie
- Technologische Analyse von Stable Coins (Tokenised Funds, Off-Chain/On-Chain, algorithmische Ansätze)
- Einfluss von Stable Coins auf den Zahlungsverkehr und die Finanzstabilität
- Herausforderungen in Bezug auf Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung
- Konzept des digitalen Zentralbankgeldes (CBDC) und das Phänomen Dollarization 2.0
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Tokenised Funds
Tokenised Funds sind Stable Coins mit einer Besicherung bzw. Hinterlegung. Sie besitzen die Absicht, Zahlungen an Personen im Netzwerk zu vollziehen (vgl. EZB, 2019a, s. 12). Der monetäre Wert ist elektronisch in einem distributed Ledger aufbewahrt um eine Forderung gegenüber dem Herausgeber darzustellen. Die Hinterlegung kann Off-Chain oder On-Chain geschehen (vgl. Bundesbank, 2019, s. 44). Die weiterführenden Kapitel beschreiben beide Varianten näher. Der Anbieter der Stable Coins versichert dem Käufer den Gegenwert der Coins in Sicherheitenwährung oder äquivalenten Sicherheiten zu halten (vgl. Bundesbank, 2019, s. 44). Die Stable Coins werden entgegen der Hinterlegung von Vermögenswerten von einer identifizierten und verantwortlichen Entität ausgegeben (vgl. EZB, 2019a, s. 12). Der Herausgeber stellt sicher, dass die digitalen Vermögenseinheiten stets einlösbar sind, je nach getroffener Vereinbarung zwischen Emittent und Nutzer. Grundsätzlich ergibt sich für den Nutzer ein Kreditrisiko, wenn der Anbieter der Stable Coins die Hinterlegungen nicht kurzfristig liquidieren kann (vgl. Bundesbank, 2019, s. 45).
Abb. 2- 4 (siehe Anhang, s. 37 f.) beschreiben den Prozess der Herausgabe, des Transfers und der Einlösung der Stable Coins mit hinterlegten Sicherheiten bzw. Tokenised Funds. Die Abbildung beinhaltet eine Depotbank, bei der die Vermögenswerte hinterlegt werden. Abb. 2 präsentiert die Herausgabe und Entstehung der Stable Coins. Der Herausgeber ist ein privater Anbieter in einem uneingeschränkten DLT-Netzwerk, das Regeln unterliegt. Die Regeln können sich von Coin zu Coin unterscheiden. So könnten es z.B. Regeln bezüglich Teilbarkeit der Stable Coins sein(vgl. EZB, 2019a, s. 12). Die Herausgabe von den Stable Coins beginnt mit einem Nutzer der eine Einlage bei der Depotbank hinterlässt (1). Die Depotbank soll die Einlagen für den Herausgeber sicher aufbewahren. Nach der Bestätigung an den Anbieter, dass die Einlage die jeweilige Depotbank erreicht hat (2), generiert der Herausgeber sog. "Mints" (3) und weist äquivalente digitalisierte Werte über den von ihm verwalteten Smart Contract zu (4) (vgl. EZB, 2019a, s. 12). Smart Contracts stellen virtuelle Vereinbarungen innerhalb des Stable Coin Ökosystem dar. Der Herausgeber ist direkt für Einlösung der Stable Coins verantwortlich, somit liegt die Verantwortung für die Anzahl an Werteinheiten im System nicht bei den Nutzern im System, wie es bei herkömmlichen Kryptowährungen in einem DLT-System der Fall ist (vgl. EZB, 2019a, s. 12). Bei Tokenised Funds wird das Angebot der Coins vom Herausgeber gesteuert.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung von Kryptowährungen und Stable Coins im Kontext von Zahlungsverkehrsoptimierung und definiert die Forschungsfrage der Arbeit.
2.0 Einführung in die Geldtheorie: Dieses Kapitel erläutert die grundlegenden Funktionen und Eigenschaften von Geld sowie dessen historische Entwicklung als Voraussetzung für die Analyse stabiler digitaler Währungen.
3.0 Einführung in die Währungstheorie: Es erfolgt eine Abgrenzung des Währungsbegriffs und die Untersuchung von Vertrauen als stabilisierende Determinante für Währungen, unter Rückgriff auf historische Beispiele wie die „Free Banking Era“.
4.0 Stable Coins: Dieses Kapitel liefert ein Verständnis für Stable Coins durch deren Abgrenzung zu Kryptowährungen, die Erläuterung der DLT sowie die Analyse verschiedener technischer Umsetzungsformen wie Tokenised Funds und algorithmische Ansätze.
5.0 Konsequenzen der Einführung von Stable Coins: Die Arbeit diskutiert Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr, die Finanzstabilität, Risiken bezüglich Geldwäsche sowie die Rolle digitaler Zentralbankgelder und das Konzept der Dollarization 2.0.
6.0 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Stable Coins zwar Potenzial für Effizienzsteigerungen bieten, jedoch aufgrund fehlenden Vertrauens und regulatorischer Risiken derzeit keine vollumfängliche Alternative zu staatlichem Geld darstellen.
Schlüsselwörter
Stable Coins, Geldtheorie, Währungstheorie, Kryptowährungen, Distributed-Ledger-Technologie, DLT, Tokenised Funds, Finanzstabilität, Zentralbankgeld, CBDC, Dollarization, Zahlungsverkehr, Geldwäsche, Blockchain, Smart Contracts.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Potenzial und die Auswirkungen von Stable Coins als neue digitale Zahlungsmittel auf die bestehende Wirtschaftsstruktur und das Finanzsystem.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die theoretischen Grundlagen des Geldes, technologische Aspekte von Stable Coins, deren Auswirkungen auf die Finanzstabilität sowie regulatorische Herausforderungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, welche Konsequenzen und Folgen beim Aufkommen von Stable Coins als Zahlungsmittel für die Wirtschaft sowie Noten- und Zentralbanken zu erwarten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Auswertung wissenschaftlicher Berichte und der Untersuchung technologischer Funktionsweisen von Stable-Coin-Modellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Stable Coins, deren Abgrenzung zu herkömmlichen Kryptowährungen, den verschiedenen technischen Hinterlegungsarten sowie deren Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr und die globale Finanzstabilität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Stable Coins, Distributed-Ledger-Technologie, Geldtheorie, Finanzstabilität und digitales Zentralbankgeld (CBDC) definieren.
Wie unterscheiden sich Tokenised Funds von algorithmischen Stable Coins?
Tokenised Funds sind durch reale Sicherheiten wie Währungen oder Gold gedeckt, während algorithmische Stable Coins ihre Stabilität durch die automatisierte Steuerung der Angebotsmenge via Algorithmen und Smart Contracts zu erreichen versuchen.
Was ist unter dem Begriff Dollarization 2.0 zu verstehen?
Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass in Regionen mit instabilen Währungen anstelle von physischen Dollarn vermehrt stabile digitale Währungen (Stable Coins) als alternative Währung adoptiert werden.
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- Anonym (Author), 2020, Konsequenzen der Einführung von Stable Coins, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542821