Ethischer Konsum. Chancen und Gefahren für Unternehmen in Deutschland

Kann die Ausrichtung auf ethischen Konsum wirtschaftlich für Unternehmen in Deutschland sein?


Akademische Arbeit, 2018

17 Seiten, Note: 1.4


Leseprobe

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Definition „Ethischer Konsum“
2.2 Definition „LOHAS“

3 Konsumentensicht
3.1 Bedeutung und Beweggrunde fur ethischen Konsum
3.2 Hemmnisse fur nachhaltigen Konsum
3.2 Konsumentenverantwortung und Souveranitat
3.3 Fallbeispiel Brent Spar

4 Unternehmenssicht
4.1 Aktueller Stellenwert und wirtschaftliche Relevanz von ethischem Konsum
4.2 Nachhaltigkeitsmarketing
4.3 Chancen von ethischem Konsum
4.4 Risiken von ethischem Konsum

5 Fazit

6 Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Das Ziel der Ausfuhrungen ist es, ein Grundverstandnis uber den Zusammenhang von ethischem Konsum und Konsumenten zu schaffen und den Nutzen, die Chancen und die Risiken von ethischem Konsum fur die Wirtschaft darzulegen. Dafur wurde zunachst die Konsumentensicht analysiert, um unter anderem die Beweggrunde und die Hemmnisse fur ethischen Konsum naher betrachten zu konnen. Um Aufschluss daruber zu bekommen, inwieweit der Konsument fur das derzeitige Guterangebot verantwortlich ist, wurde zum einen auf die Konsumentensouveranitat eingegangen, und daruber hinaus ein Interview mit dem Online Magazin fur Nachhaltigkeit „Utopia“ gefuhrt (siehe Anhang). Aufterdem wurde versucht, durch das Fallbeispiel „Brent Spar“ die Macht des Konsumenten und die Gefahren fur Unternehmen, die leichtfer- tig mit Umweltrisiken umgehen, an einem realen Beispiel aufzuzeigen.

Um ein ungefahres Bild der Marktsituation darzustellen, wurde zunachst das Markt- potenzial errechnet und die wirtschaftliche Relevanz des Themas verdeutlicht. Darauf aufbauend wurde die Umsetzung des Nachhaltigkeitsmarketings erlautert, die be- schreibt, welche Maftnahmen notig sind, um ethischen Konsum erfolgreich in einem Unternehmen zu kommunizieren. Abschlieftend wurden die Chancen und auch mog- liche Problemstellungen bei der Ausrichtung auf ethischen Konsum mit einbezogen, um ein ganzheitliches Bild zu zeichnen. Diese Arbeit begrenzt sich auf Deutschland, da Industrienationen die Hauptverantwortung fur den globalen nachhaltigen Wandel tragen.1

2. Grundlagen

2.1 Definition „Ethischer Konsum“

Ethischer Konsum, oder auch nachhaltiger oder okologischer Konsum, beschreibt den bewussten Kauf von Produkten und Dienstleistungen, die von den Konsumenten als ethisch richtig eingestuft werden.2 Eine ethische Konsumentscheidung wird dann gefallt, wenn der Kaufer nicht nur die Eigenschaften des Produktes an sich in seine Kaufentscheidung mit einflieften lasst, sondern auch auf Themen wie Umweltvertrag- lichkeit, Sozialvertraglichkeit und Tierschutz achtet.3 4 Ethischer Konsum kann sowohl von Einzelverbrauchern, als auch von Unternehmen ausgeubt werden.4

2.2 Definition „LOHAS“

LOHAS ist ein Konsumententyp und steht als Abkurzung fur Lifestyles of Health and Sustainability. LOHAS sind Personen, die besonderen Wert auf Nachhaltigkeit, Ge- sundheit, Umwelt und Soziales legen. Dabei wird nachhaltiger Konsum nicht als Ver- zicht interpretiert, sondern als bewusster Konsum. LOHAS fallen unter die Konsu- menten mit uberdurchschnittlichem Einkommen und uberdurchschnittlicher Bildung. Circa ein Drittel der westlichen Bevolkerung kann den LOHAs zugeordnet werden.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1, Quelle: Statista. Bearbeitet durch den Autor.

Anteil der Verbraucher mit umwelt- und sozialethischer Konsumhaltung (LOHAS) in Deutschland in den Jahren 2007 bis 2015.

In Deutschland liegt diese Zahl 2015 bei 27,8% (LOHAS Randgruppe mit einbezo- gen), mit einem steigenden Trend, siehe Abbildung 1.

3. Konsumentensicht

Fur die Beantwortung der Frage, ob und in welcher Weise ethischer Konsum wirt- schaftlich fur deutsche Unternehmen sein kann, erscheint es von zentraler Bedeu- tung, die Sicht der Konsumenten zu analysieren.

3.1 Bedeutung und Beweggrunde fur ethischen Konsum

Laut der Otto Group Trendstudie 2013, hat sich die Zahl der Konsumenten, die hau- fig Produkte kaufen, die ethisch korrekt sind, von 2009 bis 2013 mehr als verdoppelt (von 26% auf 56%).6 Dabei spielen Bildung und das Einkommen eine bedeutende Rolle beim Konsum ethischer Produkte: Je hoher der Bildungsgrad und das Ein- kommen, desto haufiger werden ethische Aspekte im Kaufverhalten berucksichtigt.7 Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, fur Bio-Produkte mehr Geld auszugeben. Dies kann darauf zuruckzufuhren sein, dass das Label „Bio“ in Koharenz mit Konsumethik an Bedeutung verliert. Die Begriffe „Bio“ und „Fair“ rucken in den Hintergrund und andere Kriterien wie Regionalitat, soziale Verantwortung und Herstellungsbedingun- gen werden als wichtiger erachtet. Durch den immer grower werdenden Markt an ethisch korrekten Produkten wachst auch gleichzeitig das Misstrauen, ob dement- sprechend gekennzeichnete Produkte den Anforderungen gerecht werden. Dement- sprechend vertrauen nur 48% darauf, dass die Unternehmen halten, was sie ver- sprechen.8

Konsumenten in Deutschland verfolgen ein inkonsequentes Verhaltensmuster. Zum einen werden die Arbeitsbedingungen in dritten Welt Landern kritisiert, aber gleich- zeitig erwarten die Konsumenten billige Produkte und konsumieren diese. Dieses wi- derspruchliche Verhalten, das zwischen Bequemlichkeit und dem Wunsch nach so- zialer Gerechtigkeit pendelt, wird als „Ethikpragmatismus“ bezeichnet.9 Ein Drittel der Befragten der Otto Group Trendstudie 2013 geben an, dass sie die Konsumenten als wichtigsten Impulsgeber sehen, ethischen Konsum weiter voran zu bringen. Jedoch ist diese Zahl in den Jahren von 2009 bis 2013 von 36% auf 31% gesunken. Den Be- fragten zufolge sollen vermehrt Medien und NGOs, Politik und die Wirtschaft ihren Beitrag dazu leisten, ethischen Konsum zu fordern.10

Die Haupt-Beweggrunde fur den Kauf von ethisch korrekten Produkten liegen in der Steigerung der Lebensqualitat des Einzelnen, die mit dem Konsum der Produkte ein- hergeht, sowie die Erhohung der Lebensqualitat Anderer. Daraus lasst sich schluss- folgern, dass immaterielle Werte bedeutsamer werden und der Fokus sich vom Pro- dukt auf das Produktumfeld verschiebt.11

3.2 Hemmnisse fur nachhaltigen Konsum

Ethischer Konsum verbreitet sich, jedoch ist er immer noch kein Standard. In diesem Kapitel wird nun untersucht, welche Faktoren aus der Sicht des Verbrauchers ethi- schen Konsum hemmen.

Die Informationen bezuglich der Umweltauswirkungen und Umwelteigenschaften ei­nes Produktes sind in den letzten Jahren transparenter und fur den Kunden besser zuganglich geworden. Parallel dazu sind allerdings viele Fakten hinsichtlich sozialer Nachhaltigkeit in der Wertschopfungskette nicht, oder nur teilweise, fur den Verbrau- cher durchschaubar. Hinzu kommt die Vielzahl an Kennzeichnungen mit unterschied- lichen Qualitatsstandards, die zur Verunsicherung und sogar zur Informationsuber- lastung der Konsumenten beitragt. Betrugs- und Missbrauchsfalle auf diesem Gebiet belasten das Konsumentenvertrauen und erschweren Konsumentscheidungen auf Basis umfassender und transparenter Informationen.12

Ein weiterer hemmender Faktor ist die fehlende Verfugbarkeit von Alternativen, wie auch aus dem Interview mit Utopia (siehe Anhang) ersichtlich werden konnte. Aktuell sind in vielen Bereichen zu wenige nachhaltige Produkte und Dienstleistungen als Alternativen bekannt oder sind sehr viel teurer und dadurch fur den Konsumenten nicht wirtschaftlich und somit uninteressant. Hinzu kommt das haufig sehr eingefah- rene Verhalten der Konsumenten im Alltagskonsum. Haufig werden Anderungen im Konsumverhalten als aufwendig oder als wenig sinnvoll wahrgenommen.

Anhand des nachfolgenden Diagramms werden die groftten Hindernisse bzw. Be- weggrunde fur ethischen Konsum in Deutschland und weltweit dargestellt. In Deutschland und im weltweiten Durchschnitt spielt der Preis der ethisch korrekt her- gestellten Produkte eine grofte Rolle. Daruber hinaus ist die Wirkung, die man mit der Kaufentscheidung fur nachhaltige Produkte ausubt, haufig nicht klar. Dies kann, wie auch in diesem Abschnitt schon beschrieben, beispielsweise auf die fehlende Be- richterstattung von Unternehmen bezuglich sozialer Nachhaltigkeit in der Wertschop- fungskette zuruckzufuhren sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2, Quelle: Accenture in Horizont Nr. 45, 06.11.2014, S. 46. Beweggrunde fur ethischen Konsum.

3.2 Konsumentenverantwortung und Souveranitat

Allgemein wird von der Souveranitat des Verbrauchers ausgegangen. Konsum- entscheidungen werden auf der Grundlage eigener Praferenzen getroffen. Die Anbieter richten ihre Produktion an den nachgefragten Produkten aus. Somit ist der Kon- sument fur das Guterangebot verantwortlich und wird zum „Souveran“.

Allerdings werden die Praferenzen der Konsumenten verfalscht. Aus Sicht der neo- klassischen Umweltokonomie, welche sich in den 1970er Jahren durch vermehrte Umweltunfalle und dem Erdolpreisschock entwickelte, wird der Kunde durch den Preis der Produkte getauscht, da nicht alle Kosten im Produktpreis widergespiegelt werden. Erst durch die Berucksichtigung der Auswirkungen von Auslagerung auf Umwelt und Mensch oder durch Externalisierung im Preis, kann der Kunde souveran handeln. Somit wurden dann alle umweltschadlichen oder nicht ethischen Produkte deutlich teurer und nachhaltige Waren wettbewerbsfahiger im Preis, der als groftter Hinderungsgrund fur ethischen Konsum genannt wurde.13 14 15

[...]


1 Vgl. Ahaus 2009, S.8.

2 Vgl. Pittner 2014, S.17.

3 Vgl. Koslowski und Priddat 2006, S. 127.

4 Vgl. IV-1

5 Vgl. IV-2

6 Vgl. Otto GmbH & Co KG - Thomas Voigt 2013, S.7

7 Vgl. Otto GmbH & Co KG - Thomas Voigt 2013, S.14.

8 Vgl. Otto GmbH & Co KG - Thomas Voigt 2013, S.7.

9 Vgl. Otto GmbH & Co KG - Thomas Voigt 2013, S.7f, 22.

10 Vgl. Otto GmbH & Co KG - Thomas Voigt 2013, S.8f.

11 Vgl. Otto GmbH & Co KG - Thomas Voigt 2013, S.26f

12 Vgl. Bundesministerium fur Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, 2017, S. 12.

13 Vgl. Bundesministerium fur Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, 2017, S. 12.7

14 Vgl. Penz (1986), S. 13f.

15 Vgl. Rogall 2015, S.1

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ethischer Konsum. Chancen und Gefahren für Unternehmen in Deutschland
Untertitel
Kann die Ausrichtung auf ethischen Konsum wirtschaftlich für Unternehmen in Deutschland sein?
Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter
Note
1.4
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V542840
ISBN (eBook)
9783346166487
ISBN (Buch)
9783346166494
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausrichtung, chancen, deutschland, ethischer, gefahren, kann, konsum, unternehmen
Arbeit zitieren
Niclas Weisl (Autor), 2018, Ethischer Konsum. Chancen und Gefahren für Unternehmen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542840

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