Adam Smith. Wirtschaftsgeschichtlicher Hintergrund, Merkantilismus


Akademische Arbeit, 2019

12 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

1. Einleitung

2. Leben und wirtschaftsgeschichtlicher Hintergrund

3. Adam Smith's Theorien
3.1 Die „unsichtbare Hand“
3.2 Arbeitsteilung
3.3 Staat und Freihandel

4. Diskussion und aktuelle Einordnung von Smith's Theorien
4.1 Empirische Bestatigung der „unsichtbaren Hand“
4.2 Kritik an der Theorie der „unsichtbaren Hand“

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Adam Smith, der heute als Grundervater der Volkswirtschaftslehre angesehen wird, konnte schon vor mehr als 220 Jahren die heute stattfindende Globalisierung und kapitalistische Wirtschaftsordnung vorhersehen.

Diese Arbeit untersucht in diesem Zusammenhang zum einen das Leben und den wirtschaftsgeschichtlichen Hintergrund Smith's und geht dabei naher auf das Wirtschaftssystem des Merkantilismus ein, um zu verdeutlichen, wieso Smith fur die Freiheit des Individuums und des Freihandels pladierte. Fortgehend werden Smith's Theorien untersucht, hierbei naher eingehend auf „die unsichtbare Hand des Marktes“, die Arbeitsteilung und Staat und Freihandel, was aufeinander aufbaut. Des Weiteren wird in dem Kapitel 4 „Diskussion und aktuelle Einordnung von Smith's Theorien" ein empirischer Beweis in Form eines Experimentes der Universitat des Saarlandes analysiert. Im Hinblick darauf werden verschiedene Kritikpunkte an der Theorie der „unsichtbaren Hand“ erlautert.

2. Leben und wirtschaftsgeschichtlicher Hintergrund

Adam Smith wurde am 5. Juni 1723 in Kirkcaldy, einer kleinen Stadt in Schottland, geboren. Heute gilt Smith als Grundervater der Volkswirtschaftslehre und hat mit seinen Buchern „Die Theorie der ethischen Gefuhle“ (1759) und „Wohlstand der Nationen - Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen“ (1776) den Grundstein fur die klassische Nationalokonomie geschaffen. Smith wurde nur von seiner Mutter aufgezogen, da sein Vater kurz vor seiner Geburt verstarb. Schon mit 17 Jahren beendete Smith das College mit dem Abschluss „Master of Arts“ mit groBer Auszeichnung. Seine dreizehn Jahre akademische Arbeit bezeichnete er als den weitaus nutzlichsten Abschnitt seines Lebens. 1778 wurde Smith vom damaligen Premierminister Lord North zum Zollkontrolleur Schottlands ernannt. Adam Smith starb am 17. Juni 1790, mit 67 Jahren. Kurz vor seinem Tod lieB er alle seine unvollstandigen Manuskripte verbrennen.1

Vom 17. Jahrhundert bis in das 18. Jahrhundert war in einer Vielzahl der europaischen Lander der Merkantilismus (lat. „mercari" = "Handel treiben“) die vorherrschende Wirtschaftspolitik. Der Merkantilismus beschreibt verschiedene wirtschaftspolitische Ideen, welche sowohl geld- als auch handelspolitische Ansatze verbinden. Das Aufkommen merkantilistischer Grundsatze fallt zeitlich mit den absolutistischen Herrschaftsformen zusammen, denn die wachsenden Heere, die anwachsende Zahl an Beamten und die reprasentativen Palaste mussten mit hohen Summen finanziert werden. Deshalb versuchten die Herrscher, mit immer neuen Gesetzen starker auf die Wirtschaft Einfluss zu nehmen. Der Merkantilismus kann nicht als geschlossene Wirtschaftstheorie verstanden werden, denn er wurde von den einzelnen Staaten auf unterschiedlichste Weise betrieben.2

Alle merkantilistischen Volkswirtschaften haben einen ausgepragten Protektionismus mit dem Ziel einer aktiven Handelsbilanz gemeinsam. Die Annahme, dass Wohlstand durch Tausch nicht maximiert werden kann, und die damit einhergehende Abschottung der Markte hatten eine Verschlechterung der zwischenstaatlichen Beziehungen Europas zur Folge. Es konnen sogar einige Kriege direkt auf die Ausubung einer merkantilistischen Politik zuruckgefuhrt werden. Die Strategie vieler merkantilistisch ausgerichteter Staaten, das Lohnniveau und damit die Guterpreise niedrig zu halten, die Produktion von Industriegutern um jeden Preis und die Auflosung von Gilden oder Zunften durch einen zentralistischen Staat, fuhrte zu einer Krise in der Agrarwirtschaft und im Handwerk. Durch diese tiefgreifenden Missstande wurde Kritik durch John Locke, David Hume und Adam Smith laut.3

3. Adam Smith's Theorien

Im Folgenden werden die Theorien Adam Smith's naher untersucht. Hierbei wird auf die Theorie der „unsichtbaren Hand des Marktes“, die Arbeitsteilung und auf den Staat und Freihandel eingegangen.

3.1 Die „unsichtbare Hand“

Smith's Ansatz der „unsichtbaren Hand des Marktes“ ist einer der bedeutendsten Ansatze der letzten Jahrhunderte und wird als Grundlage fur die Konzepte der freien Marktwirtschaft und des Kapitalismus betrachtet.4

„Da also jeder einzelne danach trachtet, sein Kapital moglichst in der heimischen Erwerbstatigkeit einzusetzen und diese Erwerbstatigkeit so auszurichten, dass die groBte Wertschopfung erfolgt, arbeitet jeder einzelne notwendigerweise darauf hin, dass jahrliche Volkseinkommen moglichst groB zu machen. [...] und er diese Erwerbstatigkeit so ausrichtet, dass die groBte Wertschopfung erfolgt, denkt er nur an seinen eigenen Vorteil, und dabei wird er [...] von einer unsichtbaren Hand gelenkt.“5

Die „unsichtbare Hand“ ermoglicht, das egoistische und nur nach materiellen Wohlstand strebende Handeln des Individuums, welches versucht, seine Arbeit und sein Kapital moglichst gewinnbringend einzusetzen, fur die gesamte Gesellschaft nutzlich zu machen. Der Fokus auf die eigene Produktivitat hat zum einen eine produktivere Gesamtwirtschaft zur Folge, und zum anderen eine optimale Konsumentenversorgung der Bevolkerung, da sich zur Gewinnmaximierung die Produktion an der gegebenen Nachfrage ausrichten muss. Ein Eingreifen des Staates ist bei dieser Theorie eher von Nachteil, da Regulierungen des Wirtschaftsprozesses der allgemeinen Gewinnmaximierung nur schaden wurde.6

Dieser Ansatz Smith's war gegen die damals vorherrschende Wirtschaftspolitik des Merkantilismus gerichtet. Er stutzte seine These, dass Gemeinwohl nur gesteigert werden konne, wenn der Staat sich nicht in Wirtschaftsgeschehnisse einmische, mit dem Versagen des Merkantilismus, in dem die Strategie verfolgt wurde, sich durch Einfuhrbeschrankungen gegen Importe aus dem Ausland abzuschotten, gleichzeitig aber die eigenen Exporte zu steigern, was zwangslaufig zum Scheitern verurteilt war.7

3.2 Arbeitsteilung

Die Theorie der „unsichtbaren Hand“ ist auf der Theorie der Arbeitsteilung aufgebaut, die besagt, dass Produktivitat des Einzelnen erst dann maximal ist, wenn jedes Individuum das tut, was es am besten ausuben kann oder will. Durch diese damit einhergehende Teilung der Arbeit ist man darauf angewiesen, Guter und Dienstleistungen von anderen bzw. externen Quellen zu beziehen. Dies fuhrt unter anderem zu einer steigenden Produktivitat und damit zu einer VergroBerung des Gemeinwohls.8

Smith fasst in seinem Werk „Wohlstand der Nationen - Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen“ die Theorie der Arbeitsteilung wie folgt zusammen: „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Backers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen- sondern an ihre Eigenliebe, und wir erwahnen nicht die eigenen Bedurfnisse, sondern sprechen von ihrem Vorteil”.9

Ohne die Neigung des Menschen zum Tausch und Handel musste jedes Individuum selbst fur alles sorgen, was es braucht oder gerne besitzen wurde. Dies hatte zur Folge, dass jeder Mensch die gleiche Arbeit vollbringen musste, und unterschiedliche Berufe oder Tatigkeiten waren nicht vorhanden. Smith kategorisiert die Arbeitsteilung, durch die es zu einer Spezialisierung der Menschen auf verschiedene Gebiete kommt, als entscheidenden Faktor fur Produktivitat und Gemeinwohl.10

Smith unterteilt Lohnunterschiede, die auch ohne staatliche Eingriffe entstehen konnen, in funf Hauptursachen. Zum einen hangt die Hohe des Lohns von der Annehmlichkeit einer Arbeit ab. Dabei spielen Faktoren, wie schmutzig oder sauber, leicht oder schwer, geachtet oder weniger geachtet die Ausubung einer Tatigkeit ist, eine Rolle. Der Lernaufwand der Arbeit ist ein weiterer entscheidender Faktor, wenn es um die Hohe des Lohns geht. Es gibt einen Lohnunterschied zwischen gelernter und ungelernter Arbeit. Ein weiterer Grund fur Lohnunterschiede ist die Dauerhaftigkeit einer Arbeit. Bei saisonalen Tatigkeiten muss der Lohn in Zeiten, in welcher die Arbeit ausgeubt werden kann hoch genug sein, um in der auftragslosen Zeit den Lebensunterhalt bestreiten zu konnen. Der Grad der zu tragenden Verantwortung ist ein weiterer entscheidender Faktor, der die Lohnhohe bestimmen kann. Je hoher das in den Arbeitnehmer gesteckte Vertrauen, desto hoher ist in der Regel das Lohnniveau. Als letzte Ursache fur Lohnunterschiede nennt Smith die Aussichten auf Erfolg. Wenn ein Beruf von vielen Menschen ausgeubt wird, stehen die Aussichten auf Erfolg statistisch gesehen niedriger, als wenn nur wenige Menschen diesen Beruf ausuben. So formuliert Smith die These, dass wenn das Erlernen einer Tatigkeit nicht sicher zu einem erfolgreichen Beruf fuhren muss, muss dieser Beruf auch besser entlohnt werden. Anhand dieser Unterteilung verdeutlicht Smith, wie es zu unterschiedlichen Lohnen kommt und dass es keine seitens des Staates gezwungene Gleichheit geben kann, da der Vorgang der Lohngebung viel zu komplex ist, als dass er kontrolliert werden konnte.11

[...]


1 Vgl. Tiwari, Rajnish 2003, S. 1f.

2 Vgl. Hackethal, Martin 2008, S. 3.

3 Vgl. Haas, Hans-Dieter 2006, S.192 f.

4 Vgl. Tiwari, Rajnish 2003, S. 4.

5 Zitiert nach: Smith, Adam: Untersuchung uber Wesen und Ursachen des Reichtums der Volker, S. 467.

6 Vgl. Hackethal, Martin 2008, S. 6.

7 Vgl. Tiwari, Rajnish 2003, S. 5.

8 Vgl. Tiwari, Rajnish 2003, S. 5 f.

9 Zitiert nach Smith, Adam: Untersuchung uber Wesen und Ursachen des Reichtums der Volker, 1974, S.17.

10 Vgl. Tiwari, Rajnish 2003, S. 6.

11 Vgl. Tiwari, Rajnish 2003, S. 7.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Adam Smith. Wirtschaftsgeschichtlicher Hintergrund, Merkantilismus
Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter
Note
1.3
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V542841
ISBN (eBook)
9783346165848
ISBN (Buch)
9783346165855
Sprache
Deutsch
Schlagworte
adam, hintergrund, merkantilismus, smith, wirtschaftsgeschichtlicher
Arbeit zitieren
Niclas Weisl (Autor), 2019, Adam Smith. Wirtschaftsgeschichtlicher Hintergrund, Merkantilismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542841

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