Die nationalsozialistischen Propagandisten anhand Joseph Goebbels


Hausarbeit, 1995

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Absicht und Methode der Untersuchung

3. Die Spezialisten

4. Die Propagandisten
4.1 Soziale Herkunft
4.2 Die Propagandisten als entfremdete Intellektuelle

5. Ein Propagandist am Beispiel Joseph Goebbels

6. Zusammenfassende Bewertung

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Diese Seminararbeit soll sich innerhalb von Elitestudien mit den Propagandisten der nationalsozialistischen Elite befassen.

Der bearbeitete Bereich betrifft die soziale Herkunft und die geistige Situation in der sie sich befanden als sie Anhänger des Nationalsozialismus wurden. Im letzten Teil der Arbeit wird als Beispiel auf die Person Joseph Goebbels eingegangen werden.

Als Basisinformation für die nationalsozialistische Elite wurde die 1951 von Daniel Lerner, Ithiel de Sola Pool und George K. Schueller heraus-gegebene Studie “The Nazi-Elite” verwandt. Den Rahmen für diese Studie bildete das RADIR-Projekt, in dem die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen aggressiv-totalitären und demokratischen Staaten, sowie auffällige Gemeinsamkeiten der aggressiv-totalitären herausgearbeitet werden sollten, um bessere Verhaltensmöglichkeiten zu erarbeiten. Untersuchungsgegenstand waren die Eliten der “Weltrevolution unserer Zeit” (Lerner 1951:92)1 - der italienische Faschismus, der japanische Imperialismus, das nationalsozialistische Deutschlands und der Weltkommunismus - und die der demokratischen Staaten.

2. Absicht und Methode der Untersuchung

Die Studie von Daniel Lerner gründet auf das Datenmaterial des Führerlexikons, das 1934 in Berlin von Otto Stollberg mit Billigung der NSDAP herausgegeben wurde. Es enthält biographische Abrisse von ungefähr 1600 Personen, die der nationalsozialistischen Bewegung zum Sieg verhalfen. Einige davon wurden allerdings lediglich aus Prestige-gründen in das Lexikon aufgenommen, ohne der Partei anzugehören, solche wurden von der Studie ausgenommen.

Von dieser Personengesamtheit wurde erstens eine Zufallsprobe von 10% genommen, indem jeder 10. Name der alphabetischen Liste gewählt wurde. Dieser Gruppe gehörten 159 Personen an. Zweitens wurden drei Untergruppen der nationalsozialistischen Elite gebildet: 128 Propagandisten, 151 Funktionäre und 159 Gewalt-spezialisten, das sind insgesamt jeweils wieder ungefähr 10% der Gesamtheit.

Diese verschiedenen Gruppen sollten nun im Rahmen der Studie auf bestimmte Fragestellungen hin betrachtet werden: Zuerst auf gemeinsame und dann auf verschiedene Eigenschaften jeder Untergruppe. Drittens sollte die Nazielite mit der Masse der NSDAP und viertens die Nazibewegung mit der deutschen Bevölkerung verglichen werden. Als letzter Punkt wurde ein Vergleich zwischen der Nazielite und der traditionellen deutschen Elite angesetzt.

3. Die Spezialisten

Am Anfang ihrer Studie stellen Lerner und seine Mitarbeiter die Theorie auf, daß die sogenannten Spezialisten mit hoher Wahrscheinlichkeit in revolutionären Eliten auftauchen. Dieser Gruppe wird schon in den sehr unterschiedlichen weltrevolutionären Theorien Jeffersons (Vergrößerung dieser mittleren Schicht führt zu einer guten Gesellschaft) und Marxs (Eliminierung dieser Gruppe führt zur guten Gesellschaft) eine Schlüsselrolle zugewiesen.2

Die Gruppe der Spezialisten charakterisiert sich erstens dadurch, daß sie zu der mittleren Einkommensgruppe ihrer Gesellschaft gehören.

Als zweiten Punkt zeichnen sie sich durch eine bestimmte Fähigkeit aus. Nach diesen Kriterien gehören zu der Gruppe der Spezialisten Unternehmer, Manager, Bürokraten, Juristen und Ingenieure, et cetera. Ihnen wird eine sehr hohe Überlebenschance in den Anfängen einer Revolution beigemessen, da ihre Fähigkeiten dringend vonnöten sind um das neue System zu stabilisieren.

Innerhalb der Spezialisten der nationalsozialistischen Elite differenziert Lerner drei wichtige Untergruppen: die Propagandisten, die Funktionäre und die Gewaltspezialisten, wobei er letztere in Militär und Polizei unterteilt. Im weiteren schenkt er auch der Eigenschaft der Nazielite als marginale Randgruppe3 Beachtung.

In dieser Arbeit soll lediglich genauer auf die Propagandisten eingegangen werden. Wobei man aber nicht vergessen darf, daß das Zahlenmaterial immer im Vergleich mit den Funktionären, den Gewaltspezialisten und der Zufallsprobe, die den Durchschnitt repräsentiert, gesehen wird.

4. Die Propagandisten

Propagandisten beeinflussen die öffentliche Meinung durch Wort, Schrift, Bild, Musik, Sinnbild und ähnliches. Sie werben mit einfachen und gängigen Mitteln für das zu verbreitende Gedankengut und vergröbern dies meist dadurch. (Vgl. Bertelsmann 1972:113)

Nach den Ergebnissen der Lernerschen Studie sind die meisten Propagandisten der Nazielite entfremdete Intellektuelle die einer höheren Gesellschaftsschicht entstammen.

4.1 Soziale Herkunft

Die Tatsachen, aus denen er schlußfolgert, daß sie aus Familien mit hohem sozialen Status kamen, sind folgende:

Im Vergleich mit dem Rest der Elite zeigen sie sich als die Jüngsten - der Durchschnitt war 1934 zwischen 31 und 45. Was somit den militärischen Dienst betrifft, hatten die wenigsten den Ersten Weltkrieg aktiv miterlebt. Diejenigen die dennoch Dienst taten, nahmen für ihr Alter hohe Positionen ein. Ein wahrscheinlicher Grund dafür ist, daß aufgrund einer gehobenen Stellung der Väter die Söhne gleich die Offizierslaufbahn einschlagen konnten und nicht als einfache Soldaten dienen mußten. Klarer wird das Bild, wenn man die Berufe der Väter betrachtet. Hierbei ist eine Konzentration in den sozial hoch und mittel angesehen Berufen festzustellen. Interessant ist im Vergleich dazu die Großelterngeneration, in der die meisten einfache Bauern waren. Den Vätern ist also zumeist ein steiler sozialer Aufstieg geglückt.

Um ihre Kinder fest in der hohen Schicht zu verankern, ließen sie ihnen eine gute schulische Bildung zukommen. Die Propagandisten haben, zusammen mit dem Durchschnitt der Elite, die höchsten erreichten Qualifikationen vorzuweisen, etwa 60% konnten den Besuch einer Universität vorweisen. Von Interesse dabei ist, daß vor allem Studien im Bereich der Geisteswissenschaften betrieben wurden, wo die Vergleichsgruppen vor allem in berufsorientierten Studiengängen zu suchen war. Die Abschlüsse der Propagandisten ließen also kein sicher verdientes Brot erwarten, somit mußte also ein ausreichend gesicherter finanzieller Hintergrund vorhanden sein.

In den Krisenjahren der Weimarer Zeit konnten sich viele junge Leute aus finanziellen Gründen keine Heirat leisten. Viele der Propagandisten vermählten sich dennoch häufiger als die Vergleichsgruppen in jungen Jahren.

Ein weiteres Indiz für die Herkunft aus einer höheren Schicht ist die Häufigkeit der Auslandskontakte, was sowohl Auslandsreisen als auch Studium, Arbeit in einer internationalen Organisation, Geburt oder Heirat betrifft, die bei den Propagandisten mit Abstand am höchsten war.

4.2 Die Propagandisten als entfremdete Intellektuelle

Die Frage die sich als nächstes stellt ist, wie diese jungen Männer dazu kamen, gegen ihre Gesellschaft zu rebellieren und Mitglieder der Gegenelite zu werden, obwohl sie in der Denkweise der imperialistischen und Weimarer Zeit erzogen und ausgebildet wurden, meist aus gutem Hause stammten und eine gute Bildung genossen hatten.

Lerner begründet dies in seiner Studie durch die Charakterisierung der Propagandisten als entfremdete Intellektuelle. Unter einem Intellektuellen versteht er eine Person, die durch ihre Anlagen, Herkunft und Ausbildung mehr ihre geistige als ihre materielle Umwelt beeinflußt. Entfremdet bedeutet in diesem Zusammenhang, daß sie sich mit den geltenden Werten, Geboten und Verboten ihrer Gesellschaft nicht mehr identifizieren konnten (vgl. Lerner 1951:9).

Die Tatsache, daß viele Propagandisten Intellektuelle waren, wurde schon damit gezeigt, daß die meisten ein Studium und dies bevorzugt im Bereich der Geisteswissenschaften vorzuweisen hatten.

Ein weiterer Hinweis auf intellektuelle Tätigkeiten sind die Berufe die sie vor ihrer Naziaktivität ausübten. Die Statistik zeigt, daß diese vor allem im Kommunikationsbereich anzusiedeln waren.

Ein weiteres Anzeichen ist die hohe Zahl von Publikationen, im Vergleich mit Administratoren und dem Durchschnitt. Die höchste Zahl von Veröffentlichungen ist im Bereich Politik und Zeitgeschichte zu beobachten, den in diesem Feld konnten sie versuchen ihre Umgebung geistig zu beeinflußen.

[...]


1 Genaue Literaturangaben siehe Quellenverzeichnis

2 Die Übersetzung “Spezialisten” für den englischen Ausdruck “middle income skill groups” in der Lerner Studie wurde hier von Wolfgang Zapf (1965) übernommen.

3 Marginalität wird in der Lerner Studie an der Abweichung vom Idealtypus des Nationaldeutschen gemessen, die anhand von dreizehn Indikatoren gemessen wird. (Vgl. Zapf 1965:53)

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die nationalsozialistischen Propagandisten anhand Joseph Goebbels
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Proseminar: Sozialstruktur und Eliten in Deutschland
Note
1,0
Autor
Jahr
1995
Seiten
11
Katalognummer
V542871
ISBN (eBook)
9783346199614
ISBN (Buch)
9783346199621
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elitestudien, Propagandisten, Joseph Goebbels, Soziologie
Arbeit zitieren
M.A. Nicole Matthe (Autor), 1995, Die nationalsozialistischen Propagandisten anhand Joseph Goebbels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542871

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