Wir werden ständig und unser ganzes Leben lang mit Leistungsanforderungen konfrontiert, die wir selbst und andere an uns stellen. Zunächst als Schüler im Unterricht, später im Studium oder der Ausbildung, und auch im Berufsalltag sind sie allgegenwärtig! Da ist es nur natürlich, dass damit eine verbreitete Angst zu versagen, eine Angst die an einen gestellten Leistungsanforderungen nicht erfüllen zu können, einhergeht. Vor allem die Schüler sind einem täglichen Leistungsdruck in der Schule ausgesetzt, ihre erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Und dieses nicht nur in den regelmäßigen formellen Tests und Prüfungen, sondern auch in Prüfungssituationen während des Unterrichts und bei Vorgängen, die eng mit dem alltäglichen Unterrichtsgeschehen verknüpft sind, wie zum Beispiel den Hausaufgaben. Im Prinzip kann man also sagen, dass jede Äußerung und Handlung seitens der Schüler zum Gegenstand der Bewertung werden kann. Daher muss sich für uns Pädagogen zwangsläufig die Frage stellen wie die Schüler selbst Leistung sehen und wie sie mit dem Leistungsdruck umgehen.
Wir leben heute in einer Industrie- und Wettbewerbsgesellschaft, in der das Leistungsprinzip einen hohen Stellenwert genießt, jedoch nicht unumstritten ist. Dennoch wird häufig die Forderung laut, unser Schulsystem müsse auch gemäß diesem Leistungsprinzip funktionieren. Aber ist das überhaupt kindgerecht für Schüler der 1. bis zur 4. Klasse? Leiden sie unter zu starkem Leistungsdruck? Welche Art der Beurteilung wünschen sie sich? Viele berechtigte Fragen, denen ich hiermit zumindest ansatzweise auf den Grund gehen möchte.
Inhaltsverzeichnis
1. Zum Begriff Leistung und Leistungsprinzip
1.1. Leistung allgemein
1.2. Leistung in der Schule
2. Arten und Methoden der Leistungsbeurteilung
2.1. Die Aufgaben der Leistungsbeurteilung
2.2. Zifferzensuren
2.3. Verbalbeurteilungen
3. Kinder und Leistung
3.1. Kinder und Leistungsbeurteilungen
3.1.1. Was entscheidet über gute, bzw. schlechte Noten?
3.1.2. Die Bedeutung des Selbstkonzeptes
3.1.3. Welche Art der Beurteilung wünschen sich Kinder eigentlich?
3.2. Fallanalyse von 9/10 jährigen Schülern
3.2.1. Hintergrund der Studie
3.2.2. Ergebnisse
3.2.3. Beispiele aus der Studie
3.2.4. Die Fallstudie – stellvertretend für alle Kinder?
3.3. Fazit: Kinder und Leistung
4. Was ist, wenn die geforderten Leistungen nicht erbracht werden?
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Leistungsanforderungen und deren Beurteilung in der Grundschule aus der Perspektive der Kinder. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Schüler die Leistungsbewertung wahrnehmen, welche Auswirkungen Leistungsdruck auf sie hat und wie eine kindgerechte Form der Beurteilung gestaltet sein könnte.
- Begriffliche Klärung von Leistung und Leistungsdruck im schulischen Kontext.
- Analyse verschiedener Methoden der Leistungsbeurteilung (Ziffernnoten vs. Verbalbeurteilungen).
- Untersuchung der Einstellung von Kindern zu Noten und Leistungsrückmeldungen.
- Diskussion über Konsequenzen bei Nichterfüllung schulischer Leistungsanforderungen.
- Erarbeitung von Empfehlungen für eine gerechtere Beurteilungspraxis.
Auszug aus dem Buch
3.1.3. Welche Art der Beurteilung wünschen sich Kinder eigentlich?
An dieser Stelle möchte ich nun darauf eingehen, welche Art der Leistungsbeurteilung von den Kinder präferiert wird. Im Buch „Leistung der Schule-Leistung der Kinder“ von Bartnitzky/Portmann finden sich dazu Meinungsumfragen von Gerhild Kirschner (S. 79 ff.).
Die Grundschule Braunfels-Bonbaden startete in dieser Hinsicht Befragungen von 47 Kindern der Klassen 2-4 (da diese bereits Zeugnisse erhalten hatten) und deren Eltern. Schnell wurde dabei eines klar: Die jungen Schüler wollten auf jeden Fall Zeugnisse!. Laut Kirschners Befragungen waren die Hauptgründe dafür, dass sie für gute Noten etwas bekommen, weil sie dann gelobt werden und weil sie ihre guten Noten zeigen wollen. Nur eine verschwindend geringe Minderheit der Kinder lehnte Zeugnisse ab. Die Eltern wurden dazu nicht befragt, von ihnen wurde angenommen, dass sie Zeugnisse wollen, um über den Leistungsstand ihres Kindes informiert zu werden.
Zudem wurde gefragt, ob sie Noten- oder Berichtszeugnisse bevorzugen. Wahrend 14 der Kinder sich für Berichtszeugnisse aussprachen, forderten 32 Schüler lieber eine Bewertung durch Noten, da sie den Vergleich mit ihren Mitschülern suchen.
Bei den Eltern lässt sich zusammenfassend sagen, dass sie im Allgemeinen zu Verbalbeurteilungen tendierten, jedoch ab der 3. Jahrgangsstufe immer mehr die Notenzeugnisse präferierten, vor allem aufgrund des bevorstehenden Übergangs in die weiterführenden Schulen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zum Begriff Leistung und Leistungsprinzip: Dieses Kapitel definiert den Leistungsbegriff sowohl allgemein als auch im schulischen Kontext und beleuchtet das Phänomen Leistungsdruck bei Kindern.
2. Arten und Methoden der Leistungsbeurteilung: Es werden die Funktionen von Leistungsbeurteilungen erläutert sowie die Unterschiede und Vor- und Nachteile von Zifferzensuren gegenüber Verbalbeurteilungen gegenübergestellt.
3. Kinder und Leistung: Hier wird der Fokus auf die subjektive Wahrnehmung der Kinder gelegt, gestützt durch Befragungen zum Verständnis von Noten, zum Selbstkonzept und durch eine exemplarische Fallanalyse.
4. Was ist, wenn die geforderten Leistungen nicht erbracht werden?: Dieses Kapitel thematisiert die psychologischen Folgen von Schulversagen und unterscheidet verschiedene Formen von Lernschwierigkeiten.
5. Fazit: Die Autorin fasst ihre Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine differenzierte Beurteilungspraxis, die ab der dritten Klasse Noten mit verbalen Erläuterungen kombiniert.
Schlüsselwörter
Leistungsbeurteilung, Grundschule, Zifferzensuren, Verbalbeurteilungen, Leistungsdruck, Schulversagen, Selbstkonzept, Schülerperspektive, Leistungsprinzip, Schulerfolg, Lernschwierigkeiten, Leistungsbewertung, Bildung, Grundschulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die aktuelle Problematik der Leistungsbeurteilung in der Grundschule unter besonderer Berücksichtigung der kindlichen Sichtweise.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen umfassen den Leistungsbegriff, die verschiedenen Methoden der Notengebung, das Erleben von Leistungsdruck durch Kinder sowie die Folgen von mangelndem Schulerfolg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kinder Leistung wahrnehmen und wie Lehrkräfte durch ein besseres Verständnis und angepasste Beurteilungsformen Ängste abbauen und Motivation fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallbeispielen und Meinungsumfragen zum Leistungsverständnis von Grundschulkindern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Leistungsbeurteilung, die Untersuchung der Einstellung der Kinder zu Zeugnissen und Noten sowie die kritische Betrachtung des Schulversagens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leistungsbeurteilung, Grundschule, Zifferzensuren, Verbalbeurteilung, Leistungsdruck und Selbstkonzept.
Warum bevorzugen viele Kinder in der Umfrage Noten gegenüber Verbalbeurteilungen?
Die Kinder in der zitierten Studie nannten den Wunsch nach Vergleichbarkeit mit Mitschülern sowie die Funktion von Noten als "Tauschgegenstand" für Belohnungen als Hauptgründe.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Zeugnissen für Kinder?
Die Autorin stellt fest, dass Noten für Kinder oft eine materielle oder emotionale Bedeutung haben, warnt aber vor der Verallgemeinerung, dass Kinder ausschließlich Noten wollen.
Welchen konkreten Vorschlag macht die Autorin für die Beurteilungspraxis?
Sie schlägt vor, in den ersten zwei Schuljahren rein verbale Beurteilungen zu nutzen und ab der dritten Klasse Noten mit erklärenden Verbalbeurteilungen und begleitenden Elterngesprächen zu kombinieren.
- Quote paper
- S. Lauterbach (Author), 2004, Leistungsbeurteilung von Kindern. Begriffe, Methoden, Fallstudien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54301