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Der sozialdemokratische Burgfriedensschluss 1914

Title: Der sozialdemokratische Burgfriedensschluss 1914

Seminar Paper , 2004 , 15 Pages , Grade: 14

Autor:in: Tatjana Schäfer (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Angesichts der immensen Bedeutung, welche die Entscheidungen und Ereignisse während des Ersten Weltkrieges für die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie hatten, ist es nicht verwunderlich, dass die Literatur zu dieser Thematik umfangreich ist. Ebenso wenig erstaunt dabei die ideologische Prägung der DDR-Geschichtsschreibung, in der die sozialdemokratische Burgfriedenspolitik überwiegend als Verrat an Sozialismus und
Arbeiterbewegung dargestellt wird. Weniger voreingenommen präsentiert sich die bundesdeutsche Geschichtsschreibung, die sich eingehend auch mit
widersprüchlichen Traditionen und Tendenzen der SPD und ihrer Ausgangssituation 1914 beschäftigt und ihre Politik während des Krieges keineswegs unkritisch beleuchtet. Eine neuere Studie untersucht nochmals eingehend die Motivationen der SPD im August 1914 und revidiert dabei auch einige bis dahin gängige Auffassungen über die Wirkung des Augusterlebnisses auf die SPD und deren Überzeugung vom Verteidigungskrieg. Eine Außenseiterposition nimmt das Werk des amerikanischen Historikers Carl E. Schorske ein, der die umstrittene These vertritt, die Parteispaltung habe sich bereits seit 1905 zwangsläufig entwickelt5. In Anbetracht der Breite des Themas - das vom Burgfriedensschluss über die weitere Politik der Mehrheitssozialdemokratie bis zum innerparteilichen Konflikt und der Parteispaltung reicht - ist im Rahmen der vorliegenden Arbeit nur die Behandlung eines Teilaspektes möglich. Da die Entscheidung vom 04. August 1914 den Auftakt für die weiteren Entwicklungen darstellte und den Bruch mit der bisherigen oppositionellen Politik der SPD markierte, sollen die Motivationen für diese Entscheidung das Thema der Arbeit bilden. Diese Beweggründe lagen sowohl in der Vergangenheit der Partei, als auch in ihren Zielperspektiven für die Zukunft, weshalb es sinnvoll ist, zunächst knapp die Situation der SPD am Vorabend der Ersten Weltkrieges zu umreißen. Im Anschluss daran werden dann die Gründe für Kreditbewilligung und Burgfriedensschluss eingehender betrachtet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die SPD am Vorabend des Ersten Weltkrieges

3. Kriegskreditbewilligung und Burgfriedensschluss – Ursachen und Motive

3.1 Das „Augusterlebnis“

3.2 Die Angst vor staatlichen Repressionen

3.3 Das Prinzip der Landesverteidigung

3.4 Das traditionelle Rußlandfeindbild

3.5 Der Wunsch nach nationaler Integration und die Hoffnung auf innen politische Reformen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentralen Beweggründe der SPD für die Zustimmung zu den Kriegskrediten am 4. August 1914 sowie für die Akzeptierung des Burgfriedens, um den damit vollzogenen Bruch mit der bisherigen oppositionellen Politik zu analysieren.

  • Stimmungslage der Arbeiterschaft und das „Augusterlebnis“
  • Furcht vor staatlichen Repressionen und Verfolgung
  • Bedeutung des Prinzips der Landesverteidigung
  • Rolle des traditionellen Rußlandfeindbildes
  • Integrationshoffnungen und Erwartungen an innenpolitische Reformen

Auszug aus dem Buch

3.4 Das traditionelle Rußlandfeindbild

Die sozialdemokratische Bereitschaft zur Landesverteidigung wurde nachdrücklich dadurch verstärkt, dass als vermeintlicher Angreifer das zaristische Rußland galt. Schließlich existierte in der deutschen Sozialdemokratie eine Feindschaft gegenüber Rußland, die tief in den Traditionen der Partei verwurzelt war. Diese Rußlandfeindschaft war sowohl von einem chauvinistischen Rassismus geprägt, als auch von einem ideologischen Antizarismus und äußerte sich in defensiven Angstreaktionen ebenso wie in einer offensiven Befreiungsideologie.

Wie zu jener Zeit in Deutschland allgemein weitverbreitet, herrschte auch bei Sozialdemokraten die Angst vor der „russischen Unkultur“ und der barbarischen Rohheit der „schnapsgefüllten, russischen Kosakenhorden“. Die Vorstellung, russische Truppen im Lande stehen zu haben, erschien demnach als ein Alptraum. Doch auch auf politischer Ebene herrschte Angst vor zaristischer Despotie. In den Augen zahlreicher Parteimitglieder würde ein Sieg Rußlands über das Deutsche Reich das Ende jeglicher politischer Freiheit bedeuten und damit das Ende der deutschen Sozialdemokratie. Eine Niederlage Deutschlands galt es deshalb um jeden Preis zu vermeiden und die Verteidigung der Nation zu unterstützen. Nicht unbedeutend war dabei auch, dass angesichts einer vermeintlich drohenden russischen Herrschaft die politischen Verhältnisse im deutschen Kaiserreich als geradezu freiheitlich und darum verteidigenswert erschienen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Zäsur, die der 4. August 1914 für die deutsche Sozialdemokratie darstellte, und ordnet die Entscheidung zur Kreditbewilligung in den historischen Kontext der Parteientwicklung ein.

2. Die SPD am Vorabend des Ersten Weltkrieges: Dieses Kapitel skizziert die widersprüchliche Situation der Partei, die zwischen Legalitätsstreben, negativer Integration und innerparteilichen Flügelkämpfen gefangen war.

3. Kriegskreditbewilligung und Burgfriedensschluss – Ursachen und Motive: Der Hauptteil analysiert die komplexen psychologischen, politischen und ideologischen Triebfedern, die zur Aufgabe der fundamentalen Oppositionshaltung der SPD führten.

4. Fazit: Die Zusammenfassung verdeutlicht, dass primär die Hoffnung auf nationale Integration und die Angst vor staatlicher Isolation die Parteiführung dazu bewogen, ihre eigenständige Politik zugunsten des Burgfriedens aufzugeben.

Schlüsselwörter

Sozialdemokratie, SPD, Erster Weltkrieg, Burgfrieden, Kriegskredite, Landesverteidigung, Augusterlebnis, negative Integration, Antizarismus, Reichsfeindschaft, Parteispaltung, Arbeiterbewegung, nationale Integration, Kriegspolitik, Kaiserreich.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entscheidung der SPD-Reichstagsfraktion vom 4. August 1914, die Kriegskredite zu bewilligen und sich in den nationalen Burgfrieden einzuordnen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die politischen und psychologischen Motive der SPD, die Spannung zwischen innerparteilichen Flügeln und das Verhältnis zum Staat im Kaiserreich.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Autorin untersucht, welche spezifischen Beweggründe aus der Vergangenheit und den Zukunftserwartungen der Partei zu diesem historischen Wendepunkt führten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf einer fundierten Auswertung zeitgenössischer Quellen und der Sekundärliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet detailliert Faktoren wie das Augusterlebnis, die Furcht vor Repressionen, die Tradition der Landesverteidigung, das Feindbild Russland sowie den Wunsch nach gesellschaftlicher Integration.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Sozialdemokratie, Burgfrieden, Kriegskredite, nationale Integration und die politische Neuorientierung der SPD zu Beginn des Ersten Weltkrieges.

Inwiefern spielte das Russlandfeindbild eine entscheidende Rolle für die SPD?

Das traditionelle Feindbild des zaristischen Russlands wurde ideologisch genutzt, um den Krieg als notwendigen, nahezu befreienden Akt gegen den „Hort der Reaktion“ zu legitimieren.

Warum war die Hoffnung auf innenpolitische Reformen für die SPD so entscheidend?

Die SPD versuchte, durch loyalen Patriotismus das Stigma der „vaterlandslosen Gesellen“ loszuwerden und sich als gleichberechtigte politische Kraft für das preußische Wahlrecht zu etablieren.

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Details

Title
Der sozialdemokratische Burgfriedensschluss 1914
College
Free University of Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut)
Grade
14
Author
Tatjana Schäfer (Author)
Publication Year
2004
Pages
15
Catalog Number
V54327
ISBN (eBook)
9783638495615
ISBN (Book)
9783656808800
Language
German
Tags
Burgfriedensschluss
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tatjana Schäfer (Author), 2004, Der sozialdemokratische Burgfriedensschluss 1914, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54327
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