Differenzierung und Förderung unter besonderer Berücksichtigung des Freien Schreibens im Deutschunterricht der Grundschule


Skript, 2006

18 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Differenzierung

2. Was ist Freies Schreiben?
2.1 Warum freies Schreiben?
2.2 Exkurs: Theoretisches Schreibprozessmodell nach Gudrun Spitta
2.3 Pädagogische Grundsätze des Freien Schreibens – oder was müssen Lehrer tun, damit alle Kinder beim Freien Schreiben lernen?

3. Was sind Schreibkonferenzen?
3.1 Methodische Grundsätze – oder Ablauf der Schreibkonferenzen
3.1.1 Vorbereitungen zu Schreibkonferenzen
3.1.2 Einstieg
3.1.3 Ablauf von Schreibkonferenzen
3.2 Argumente für freies Schreiben in Verbindung mit Schreib-konferenzen
3.3 Schwierigkeiten

4. Freies Schreiben und die Problematik des Recht-schreibens

5. Freies Schreiben und die Problematik der Bewertung

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Differenzierung

Die Schüler und Schülerinnen treten mit großen interindividuellen Differenzen in die Schule ein, die aus dem unterschiedlichen genetischen Material und den verschiedenen sozialen Milieus, in denen die Schüler aufwachsen, resultieren. Die Schüler sind unterschiedlich belastbar und haben eine individuelle Leistungsmotivation, die vor allem von ihren Interessen, Neigungen und Bedürfnissen gesteuert wird. Ferner bringen sie verschiedene Fähigkeiten, Fertigkeiten und auch Defizite mit, die das Lerntempo beeinflussen. Nicht zuletzt sind die Konzentrationsfähigkeit und das Leistungsvermögen unterschiedlich ausgeprägt.

Daraus entsteht eine pädagogische Begründung, die im Sinne der Chancengleichheit eine gezielte Förderung der individuellen Anlagen anstrebt. Die in vielen Belangen ungleichen Schüler sollen nicht gleich, sondern ihren Möglichkeiten gerecht werdend unterrichtet werden. D. h. „nicht die Gleichheit, die Homogenität einer Klasse darf das Ziel unserer pädagogischen Bemühungen sein, sondern die bestmögliche Förderung eines jeden einzelnen Kindes“ (R. Christiani 1994, S. 18). Dieses Ziel ist nur in einem differenzierten Unterricht zu erreichen. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er

Allen Kindern tragfähige Grundlagen vermittelt (zu beachten Leistungsschwache mehr Lernzeit, mehr Zuwendung, spezielle Lerninhalte)

Alle Kinder ihrer individuellen Lernmöglichkeiten entsprechend herausfordert und fördert (Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, Aneignungs- und Handlungsformen (konkret, sinnlich oder symbolisch, zusätzliche Lernangebote, Sozialformen, Medienauswahl etc.)

Interessen und Neigungen weckt und ausbaut (z. B. anregungsreiche Lernumgebung)

Selbstständigkeit und soziale Fähigkeiten der Kinder entwickelt (z. B. selbstgesteuertes Handeln) (R. Christiani 1994).

Eine Möglichkeit für die Differenzierung im Deutschunterricht, welche diese Kriterien berücksichtigt, bietet das Freie Schreiben in Verbindung mit Schreibkonferenzen.

Denn nicht wenige Kinder leiden darunter, ihre eigenen schriftsprachlichen Kompetenzen als defizitär zu erleben. Wenn die Struktur der Schriftsprache größere Bedeutung als der inhaltliche Aspekt des Schreibens gewinnt, können Schreibblockaden die Folge sein (Ritter 2004, S. 18).

2. Was ist Freies Schreiben?

Das Freie Schreiben ist eine Wiederentdeckung reformpädagogischer Konzepte, welches es den Kindern ermöglicht über die Durchführung, die Länge, den Inhalt, den Stil und die Form des Textes frei zu entscheiden. Das Kind kann entscheiden, ob und wann es auf Hilfsangebote zurückgreift und auf welche Art und Weise es seinen Text produzieren möchte. Im Mittelpunkt steht nun der Schreibprozess an sich, nicht der fertige Aufsatz, sondern der Prozess, der zu ihm hinführt (Kohl 2004, S.3).

Das Schreiben der Kinder wird somit als etwas persönlich Bedeutsames anerkannt und besteht nicht mehr allein aus der Einübung von normativen Textmustern. Dabei sollen die Lernenden selber erkennen, dass sie zum Beispiel im Rechtschreiben einen Teilaspekt eines Textproduktionsprozesses erarbeiten, dass auch das Gestalten, das Schönschreiben am Ende dazu dient, das antizipierte kommunikative Ziel eines Textes zu erreichen.

2.1 Warum freies Schreiben?

In den letzten 25 Jahren hat sich in der Schreibdidaktik vieles geändert, da die Schule mit ihren traditionellen Formen der Aufsatzerziehung „Schreibvermeider“ produzierte, die sich mit negativen Gefühlen an das Schreiben von Aufsätzen in der Schule erinnern.

Zu Beginn der siebziger Jahre stellten immer mehr DidaktikerInnen die traditionelle Aufsatzerziehung in Frage. Dabei kann man zwei Entwicklungen ausmachen: Die erste kritisiert die Inhalte des Deutschunterrichts hin zu mehr Gebrauchstexten (Bewerbungsschreiben, Leserbriefe). Die zweite fordert Freies Schreiben und beruft sich damit auf die Reformpädagogik, vor allem auf die Freinet-Pädagogik, in der das Schreiben einen herausragenden Stellenwert einnimmt und wendet sich somit gegen den traditionellen Schreibunterricht in dem verschiedene Aspekte des Textproduktionsprozesses isoliert vermittelt und didaktisch aufbereitet werden (Braukmann 2003, S. 34). Denn es gibt den Anfängerunterricht, den Rechtschreibeunterricht und den Aufsatzunterricht. Während es im Anfägerunterricht vor allem darum geht, die grundlegenden, auch motorischen Fähigkeiten zu erlangen, die das Kind für das Schreiben braucht, wird im Rechtschreibeunterricht die normative Seite des Schreiben vermittelt.

Im Aufsatzunterricht lernen die Schüler vor allem die inhaltlichen Aspekte der Textproduktion. Die Einhaltung des Normsystems der Schriftsprache ist zwar eine wichtige Grundlage für das Verständnis des Geschriebenen und die Aufteilung in diese drei Bereiche erleichtert die Handhabung des komplexen Schreibprozesses, jedoch wird in der Schule leider die normative Seite der Schriftsprache überbetont.

Darüber hinaus wird das Erfüllen von Textkriterien in der Regel mehr beachtet als das Schreiben selbst (Motivation zum Schreiben, die Lust am Schreiben und der Prozess des Schreibens). Deshalb wirken Übungstexte häufig sinnleer oder künstlich. Denn Kinder erleben das Schreiben nicht als persönlich bedeutsamen Prozess, sondern als mühevolles Erlernen eines vorgegebenen Normsystems, ohne tiefere Wirkungsstruktur. Schnell verlieren sie dadurch die Lust am Schreiben (Ritter 2004, S. 14).

Was nicht verwunderlich ist, denn wir verlangen von ihnen,

zu einer ganz bestimmten (fremdbestimmten) Zeit,

zu einem bestimmten Thema,

nach einem erarbeiteten Muster,

innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens,

für eine Note auf dem Zeugnis einen Text zu produzieren, der häufig eine reine Schulform ist und im Alltag der Schüler keine Rolle spielt (Spitta 1992, S. 6). Viele Schüler sollen über Dinge schreiben, die sie selbst nicht interessieren, die sie nicht betreffen oder die ihnen völlig fremd sind. Sie selbst als Person sind häufig gar nicht gefragt und schreiben nicht einer persönlichen Aussage oder Erfahrung wegen, noch schreiben sie, weil jemand brennend daran interessiert ist. Dies führt zu langweiligen Texten, zur Anpassung an die Erwartung des Lehrkörpers, zur Vernachlässigung der kindlichen Seele und zu einer defizitären Schreiberfahrung (zentrale Komponenten des Schreibprozessmodells nach G. Spitta werden vernachlässigt oder gar ausgeklammert (siehe Exkurs).

2.2 Exkurs: Theoretisches Schreibprozessmodell nach Gudrun Spitta

Gudrun Spitta entwickelte in Anlehnung an unterschiedliche Modellkonzeptionen aus der angloamerikanischen Forschung ein Schreibprozessmodell. In dieser Modellvorstellung geht sie davon aus, dass sich der Prozess des Schreibens global gesehen in vier in sich hochkomplexe Subprozesse unterscheiden lässt (Spitta 1998, S.20).

[...]

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Details

Titel
Differenzierung und Förderung unter besonderer Berücksichtigung des Freien Schreibens im Deutschunterricht der Grundschule
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Arbeitsbeeich Grundschulpädagogik)
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V54343
ISBN (eBook)
9783638495738
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich habe diesen Text für mich selbst angefertigt, um für das 1. Staatsexamen im Lernbereich Deutsch zu lernen (mündliche Prüfung). Hat super funktioniert. Es war dann kein Nachschlagen in Büchern mehr notwendig. Note in der Prüfung 1,7. Mit ein wenig mehr Selbstbewusstsein, wäre da noch mehr drin. Zum Vergleich auch eventuell das Schreibprozessmodell von Barbara Kochan ansehen.
Schlagworte
Differenzierung, Förderung, Berücksichtigung, Freien, Schreibens, Deutschunterricht, Grundschule
Arbeit zitieren
Liane Finck (Autor), 2006, Differenzierung und Förderung unter besonderer Berücksichtigung des Freien Schreibens im Deutschunterricht der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54343

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