In den letzten Jahren rückte der Begriff der Sexualität im Zusammenhang mit Menschen mit geistiger Behinderung immer mehr ins Blickfeld der sonderpädagogischen Fachkräfte. Gerade in Hinblick auf die Förderung von mehr Selbstständigkeit und dem damit verbundenen Zugeständnis von mehr Lebensqualität für Menschen mit geistiger Behinderung ist auch die Berücksichtigung der Sexualität Geistigbehinderter von großer Bedeutung.
Für einen möglichst selbstständigen und „normalen“ Umgang mit Sexualität müssen Pädagogen vor allem im Bereich der Erwachsenenbildung von Menschen mit geistiger Behinderung umfassend auf die verschiedenen Aspekte von Sexualität eingehen und in ihren Bildungsangeboten die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen geistig behinderter Menschen eingehen.
In meiner Arbeit werde ich unter anderem die besonderen Aspekte der Sexualität von Menschen mit geistiger Behinderung aufzeigen sowie verschiedene Materialien zu ausgewählten Themenbereichen im Zusammenhang mit Sexualität vorstellen.
Zu Beginn kurz gehe ich kurz auf den Begriff der Sexualität ein und stelle ein für Menschen mit geistiger Behinderung sinnvolles Verständnis von Sexualität dar. Anschließend erläutere ich die sexuelle Entwicklung von geistig behinderten Menschen und beschreibe dann die besondere Bedeutung von Sexualität für Geistigbehinderte. Zusätzlich schildere ich besondere Aspekte der Sexualität von Menschen mit geistiger Behinderung und damit verbundene Schwierigkeiten aus Sicht ihrer Eltern.
Nach diesen grundsätzlichen Überlegungen zur Sexualität Geistigbehinderter befasse ich mich mit dem zentralen Thema dieser Arbeit: der Sexualpädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung. Ausgehend von allgemeinen Gedanken zur Sexualpädagogik erläutere ich mich Didaktik und Methodik sexualpädagogischer Bildungsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung. Anschließend gehe ich auf wichtige Aspekte zur Sexualpädagogik von Geistigbehinderten ein, wie z. B. sexuellen Missbrauch, Kinderwunsch und Elternschaft bei Menschen mit geistiger Behinderung oder auch AIDS im Zusammenhang mit geistiger Behinderung.
Nach den theoretischen Ausführungen zur Sexualpädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung stelle ich anhand von mir ausgewählter Themen einige Möglichkeiten zur Umsetzung sexualpädagogischer Bildungsmaßnahmen vor, wie sie von der BUNDESVEREINIGUNG LEBENSHILFE (1999) vorgeschlagen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Sexualität von Menschen mit geistiger Behinderung
1.1 Allgemeine Überlegungen zur Sexualität
1.2 Sexuelle Entwicklung von Menschen mit geistiger Behinderung
1.3 Bedeutung von Sexualität für Menschen mit geistiger Behinderung
2. Sexualpädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung
2.1 Ausgangsüberlegungen zur Sexualpädagogik Geistigbehinderte
2.2 Sexualpädagogische Bildungsangebote für Erwachsene mit geistiger Behinderung
2.3 Methodische Gestaltung von sexualpädagogischen Bildungsangeboten
3. Sexualpädagogische Materialien für Menschen mit geistiger Behinderung – ausgewählte Themen
3.1 Körperwahrnehmung
3.2 Pubertät und körperliche Entwicklung
3.3 Freundschaft, Liebe, Partnerschaft
3.4 Erotik, Sex und Verhütung
4. Schlussgedanken
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Relevanz und Umsetzung sexualpädagogischer Bildungsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung aufzuzeigen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie eine ganzheitliche Sexualpädagogik dazu beitragen kann, die Lebensqualität, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung dieser Personengruppe zu fördern und sie gleichzeitig vor Missbrauch zu schützen.
- Bedeutung der Sexualität als Teil der persönlichen Identität und Lebensqualität.
- Theoretische Grundlagen und methodische Ansätze der Sexualpädagogik.
- Anpassung von Bildungsangeboten an die individuellen Bedürfnisse.
- Prävention von sexuellem Missbrauch durch Aufklärung und Empowerment.
- Rolle der Bezugspersonen und Mitarbeiter in der Begleitung.
Auszug aus dem Buch
1.1 Allgemeine Überlegungen zur Sexualität
Bevor ich näher auf die Sexualität von Menschen mit geistiger Behinderung eingehe, ist es nötig, den Begriff der „Sexualität“ allgemein zu bestimmen.
Seit FREUDs Überlegungen zur „Libido“ als allgemeinen Lebenstrieb wurde der Begriff der Sexualität über die reine Genitalsexualität hinausgehend nicht mehr als biologische Form der Fortpflanzung gesehen, sondern auch als „die entscheidende Dimension zwischenmenschlicher Kommunikation und persönlicher Selbstentfaltung. (vgl. WALTER 1996, 34) Somit umfasst der Begriff der Sexualität alle Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen; diese teilt SPORKEN in ein Drei-Stufen-Schema ein, wonach Sexualität „das ganze Gebiet von Verhaltensweisen in den allgemeinmenschlichen Beziehungen (so genannter koedukativer Alltag), im Mittelbereich von Zärtlichkeit, Sensualität und Erotik und in der Genitalsexualität“ meint. (vgl. WALTER 1994, 13)
Diese große Bandbreite des Begriffs „Sexualität“ macht die amerikanische Sexualtherapeutin OFFIT noch einmal ganz besonders deutlich: „Sexualität ist, was wir daraus machen. Eine teure oder billige Ware, Mittel zur Fortpflanzung, Abwehr gegen Einsamkeit, eine Form der Kommunikation, ein Werkzeug der Aggression (der Herrschaft, der Macht, der Strafe und der Unterdrückung), ein kurzweiliger Zeitvertreib, Liebe, Luxus, Kunst, Schönheit, ein idealer Zustand, das Böse oder das Gute, Luxus oder Entspannung, Belohnung, Flucht, ein Grund der Selbstachtung, eine Form der Zärtlichkeit, eine Art der Rebellion, eine Quelle der Freiheit, Pflicht, Vergnügen, Vereinigung mit dem Universum, mystische Ekstase, Todeswunsch oder Todeserleben, ein Weg zum Frieden, eine juristische Streitsache, eine Form, Neugier und Forschungsdrang zu befriedigen, eine Technik, eine biologische Funktion, Ausdruck psychischer Gesundheit oder Krankheit oder einfach eine sinnliche Erfahrung.“ (zit. n. WALTER 1996, 34f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Sexualität von Menschen mit geistiger Behinderung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Sexualität umfassend und erläutert die spezifischen Herausforderungen in der sexuellen Entwicklung von Menschen mit geistiger Behinderung.
2. Sexualpädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung: Hier werden pädagogische Ansätze, Ziele und die methodische Gestaltung von Bildungsangeboten zur Förderung der sexuellen Selbstbestimmung diskutiert.
3. Sexualpädagogische Materialien für Menschen mit geistiger Behinderung – ausgewählte Themen: Das Kapitel stellt konkrete Themenbereiche wie Körperwahrnehmung, Partnerschaft und Verhütung vor, inklusive methodischer Empfehlungen zur Materialverwendung.
4. Schlussgedanken: Das Kapitel fasst die Notwendigkeit von Sexualpädagogik als lebensbegleitenden Prozess zusammen und betont ihre Rolle für die Integration und Lebensqualität.
Schlüsselwörter
Sexualpädagogik, Menschen mit geistiger Behinderung, Erwachsenenbildung, Körperwahrnehmung, sexuelle Entwicklung, Selbstbestimmung, Lebensqualität, Verhütung, Partnerschaft, Prävention, sexueller Missbrauch, Identitätsfindung, Inklusion, Kommunikation, Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung und Implementierung sexualpädagogischer Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung im Erwachsenenalter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die sexuelle Entwicklung, die Gestaltung von Partnerschaften, die Aufklärung über Verhütung und der Schutz vor sexuellem Missbrauch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sexualpädagogische Bildungsarbeit die Eigenverantwortung und Persönlichkeitsentwicklung von Menschen mit geistiger Behinderung stärken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur und die Analyse von Materialien für die sonderpädagogische Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Überlegungen zur Sexualität sowie in die detaillierte Darstellung methodischer Ansätze und themenspezifischer Materialien für die Bildungsarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Sexualpädagogik, geistige Behinderung, Selbstbestimmung, Empowerment und Lebensqualität.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem Lebensalter und dem Intelligenzalter relevant?
Die Arbeit betont, dass Menschen mit geistiger Behinderung eine altersgemäße sexuelle Reife entwickeln, während ihre geistige Entwicklung retardiert ist, was spezifische pädagogische Unterstützung notwendig macht.
Welche Rolle spielen Angehörige und Betreuer?
Sie sind entscheidende Begleiter, deren eigene Haltung zur Sexualität und deren Sensibilität für die Bedürfnisse der Behinderten maßgeblich für den Erfolg der sexualpädagogischen Arbeit ist.
Wie sollte mit dem Thema "Sexualität" in Bildungsangeboten umgegangen werden?
Die Arbeit empfiehlt, den Begriff "Sexualität" in Ausschreibungen zu vermeiden, um Schamgefühle zu reduzieren, und stattdessen den Fokus auf lebensnahe Themen wie Partnerschaft und Körpergefühl zu legen.
- Quote paper
- Nina Friedlein (Author), 2005, Sexualpädagogische Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54380