"Der Fürst" von Niccolò Machiavelli - verglichen mit der von Bert Hellinger verkörperten und beschriebenen Figur des Vaters


Seminararbeit, 2002
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Fürst von Niccolò Machiavelli
2.1. Zur Person von Machiavelli
2.2. Zusammenfassung von Der Fürst
2.3. Das Menschenbild von Machiavelli
2.4. Erkenntnisse

3. Bert Hellinger
3.1. Zur Person von Hellinger
3.2. Theorie und Methode von Hellinger
3.3. Hellinger als Vaterfigur
3.4. Hellingers Vaterbild

4. Vergleich
4.1. Übereinstimmungen
4.2. Unterschiede
5. Persönliche Stellungnahme

Literaturverzeichnis

Erklärung

1. Einleitung

Gegenstand im ersten Teil meiner Arbeit ist es, den Text „Der Fürst“[1] von Niccolò Machiavelli kurz wiederzugeben, die Kernaussagen des Werkes zusammenzufassen, das Menschenbild, das Machiavelli in dem Buch beschreibt zu erörtern und die für mich entscheidenden Erkenntnisse zu diskutieren.

Im zweiten Teil werde ich einen kurzen Überblick über die Theorie und Methode von Bert Hellinger geben, und Hellingers verkörperte so, wie die von ihm beschriebene Vaterfigur skizzieren.

Voranstellen werde ich jeweils eine kurze Beschreibung der Personen.

Im dritten Teil stelle ich die von Machiavelli gezeichnete Figur des Fürsten der des „Vaters“ gegenüber. Da eine allgemeingültige Definition von DER Vaterfigur von mir in dieser Arbeit nicht zu leisten ist, versuche ich zum einen, dass von Bert Hellinger repräsentierte und zum andern, das in Hellingers Texten beschriebene Vaterbild zu gebrauchen. Ich möchte zudem herausfinden, was diese beiden „Modelle“ oder die Triade zwischen Fürst, Vaterfigur und Hellinger aussagen, und welche Vergleiche (welche Übereinstimmungen und welche Unterschiede) zwischen dem Fürsten und dem Vater für mich zu erkennen sind.

Zum Schluss fasse ich die für mich entstandenen Ansichten zusammen und erwäge einen möglichen Ausblick.

2. Der Fürst von Niccolò Machiavelli

2.1. Zur Person von Machiavelli

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Niccolò Pietro Michele Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 in Florenz als Sohn eines Rechtsgelehrten geboren. Der Großteil der männlichen Familienangehörigen schlug eine Laufbahn im Staatsdienst ein. Der Vater war anfangs in der päpstlichen Finanzverwaltung tätig und arbeitete später in Florenz als Anwalt. Machiavelli genoss eine übliche Schulbildung und wurde auf Grund der Bücherleidenschaft des Vaters, die breiten humanistischen Interessen folgte, schon früh mit der antiken Literatur vertraut gemacht. Der Besuch einer Universität blieb ihm - wahrscheinlich auf Grund familiären Geldmangels - nicht vergönnt.

Mit 29 Jahren wurde Machiavelli von der florentiner Bürgervertretung zum ,,Segrataro della Republica“ gewählt und mit der Leitung der ,,Seconda Cancellaria“ beauftragt. Er war für Schreib- und Verwaltungsaufgaben zuständig und stets über die innen- und außenpolitische Lage von Florenz informiert. Kurze Zeit später wurde er zusätzlich als Sekretär in den „Rat der Zehn“ einberufen, einem Ausschuss für militärische Angelegenheiten.

Seine politische Karriere dauerte 14 Jahre an; diplomatische Reisen prägten Machiavelli in seinem Denken, besonders die zu dem ,,Condottiero“ Borgia, dessen skrupellose und vor keiner Tat zurückschreckende Handlungsweise, beeindruckte Machiavelli nachhaltig. Die republikanische Regierung wurde 1512 gestürzt und die Medici konnten erneut die Macht erlangen.

Im folgenden Jahr wurde Machiavelli aller seiner Ämter enthoben und unter dem Vorwurf der Verschwörung ins Gefängnis geworfen, wo man ihn foltern ließ. Im Rahmen einer allgemeinen Amnestie wurde er aber aus der Haft wieder entlassen, gleichwohl aber aus der Stadt verbannt. Er zog sich auf sein Landgut zurück. Da für Machiavelli mittelfristig keine Möglichkeit bestand, eine von ihm so sehr begehrte Position im Staatsdienst zu erlangen, betätigte er sich mit Schriftstellerei. Machiavelli wurde 1519 von den Medicis mit der Niederschrift der Geschichte von Florenz beauftragt und 1525 beendete er diese Arbeit.

1526 wurde Machiavelli noch einmal eine kleine politische Aufgabe zu Teil, als er Mitglied in einem Gremium wurde, das den Ausbau der Stadtmauer von Florenz überwachte. Ein möglicher Beginn einer neuen politischen Karriere blieb ihm aber versagt, da sich 1527 die Bürger der Stadt Florenz von der Herrschaft der Medici befreiten.

Machiavelli starb kurze Zeit später am 21. Juni 1527. Erst nach seinem Tod wurden seine Werke veröffentlicht: die ,,Discorsi“ 1531, ,,Il Principe“ ein Jahr später.

2.2. Zusammenfassung von Der Fürst

Machiavellis Werk „Der Fürst“ lässt sich in vier Teile gliedern.

In den ersten elf Kapiteln geht Machiavelli auf die verschiedenen Entstehungsformen von Fürstentümern ein und belegt sie mit Beispielen und Anekdoten aus der Geschichte, wie sie entstanden sind und bewertet deren jeweilige Vorzüge und Nachteile. Er beschreibt, dass Fürstentümer entweder ererbt, erobert, oder durch Glück erworben werden und auf welche Weise sie zu regieren sind. Entscheidend bei allen Entstehungs- bzw. Herrschaftsformen ist seiner Meinung nach, dass alte Strukturen und Gewohnheiten von bestehenden Völkern nicht verändert werden dürfen. „Für ein Volk ist es unerheblich von wem es regiert wird, ausschlaggebend ist, dass alte Gesetze und Steuern nicht verändert werden.“[2]

Neben der Erläuterung von ererbten oder durch Glück erworbenen Fürstentümern, beschäftigt er sich besonders mit dem Vorgang der Eroberung und hält eine Annexion für völlig vernünftig: „Die Eroberung ist in der Tat eine sehr natürliche und gewöhnliche Sache, und die Menschen, die das ausführen, was sie können, werden stets gelobt und nicht getadelt.“[3]

Eine Eroberung des Ruhmes wegen ist für Machiavelli nicht neu, auch Invasoren aus der früheren (z. B. römischen) Geschichte ließen sich ausgiebig Feiern, doch Machiavelli geht noch einen Schritt weiter. Er hält eine Machtübernahme vom Fürsten in bestimmten Fällen für zwingend notwendig, damit das eroberte Volk weiterhin lebensfähig ist. „Sind aber Städte und Länder daran gewöhnt, unter einem Fürsten zu leben, … [so] fehlt ihnen der alte Fürst und sie einigen sich nicht darüber einen aus ihrer Mitte zu erheben; frei leben aber können sie auch nicht.“[4] Machiavelli legitimiert so die Übernahme der Macht und Alleinherrschaft durch den Fürsten, da er das Volk für nicht qualifiziert hält, selbstständig politische Entscheidungen zu treffen.

Schon La Boétie hat Ähnliches beschrieben, und hält - analog zu Machiavelli - das Volk für unfähig sich selbst zu regieren und für geneigt, eine selbstverschuldete Knechtschaft zu erduldet. „Es ist das Volk selbst, das sich versklavt, sich die Kehle durchschneidet, dass, wenn es die Wahl hat, Sklave oder frei zu sein, seine Freiheit verlässt und sich unter das Joch begibt.“[5]

In weiteren Teilen des Textes ist Machiavelli davon überzeugt, dass ein Einsatz von Gewalt durch den Fürsten, um zur Herrschaft zu gelangen, oder sie zu erhalten in den meisten Fällen durchaus für sinnvoll zu erachten ist - was Machiavelli ja bis heute charakterisiert.

Es auch für mich erkennbar, das bei all seinen Ausführungen wenig von einer pazifistischen Einstellung zu bemerken ist und Machiavelli mit seiner Schrift eine neue Maxime politischen Handelns begründet hat, in deren Zentrum der unbedingte und von keiner Ethik geschwächte Wille zur Macht steht - den Machiavellismus.

Allerdings erscheint es für Machiavelli erwähnenswert, dass es für einen Fürsten genauso wichtig sein muss, nicht nur Macht, sondern auch Ansehen zu erlangen. „Man kann es nicht Tugend nennen, seine Mitbürger zu ermorden, die Freunde zu verraten ohne Treue und Glauben, ohne Menschlichkeit und Religion zu sein. Auf diese Art kann man wohl die Herrschaft, doch kein Ruhm erwerben.“[6]

Ebenfalls hält er die Verschreibung von Gewalt nur unter bestimmten Bedingungen für zweckmäßig. Für gut hält Machiavelli den Einsatz von Grausamkeiten dann, wenn es zur eigenen Sicherheit des Fürsten dient, es bei einer einmaligen Anwendung bleibt und diese nur aus „Wichtigkeit“ geschieht, das heißt, sie muss einen großen Nutzen für die Untertanen haben. Die Voraussetzung für den „guten“ Gebrauch von Gewalttaten ist, dass sie mit einem Schlag ausgeführt werden und der Fürst unter allen Umständen vermeidet, dass sich die Anzahl von Despotismen im Laufe der Zeit steigert, nur so geraten sie beim Volk wieder in Vergessenheit. Wenn, dann sollten diese Taten nicht vom Fürsten selbst vollbracht werden, er sollte sich indessen um die Vollführung von Wohltaten bemühen und diese ständig in kleinen Dosen dem Volk zuteilen - dies steigert sein Ansehen.

Anders ist es in Kriegssituationen, dort muss der Fürst uneingeschränkt gewalttätig sein, denn nur so kann er die Macht über sein Heer behalten.

Prinzipiell gibt mir der Einsatz von Gewalt zur Sicherung der Macht nicht nur bei Machiavelli, sonder prinzipiell bei allen politischen Vorgängen zu denken. Ich bin ähnlicher Anschauung wie Hanna Arendt, dass Gewalt immer dann eingesetzt wird, wenn es an Macht fehlt, oder wenn Macht gefährdet ist. „Nackte Gewalt tritt auf, wo Macht verloren ist.“[7]

[...]


[1] Machiavelli, Niccolò: Der Fürst, Frankfurt am Main, 1999

[2] Ebd., S. 22

[3] Ebd., S. 28

[4] Ebd., S. 35

[5] La Boétie, Etienne: Von der freiwilligen Knechtschaft, Hamburg 1992, S. 45

[6] Der Fürst, S. 50

[7] Arendt, Hannah: Macht und Gewalt, München 1998, S. 55

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
"Der Fürst" von Niccolò Machiavelli - verglichen mit der von Bert Hellinger verkörperten und beschriebenen Figur des Vaters
Hochschule
Hochschule München
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V54384
ISBN (eBook)
9783638496056
ISBN (Buch)
9783638647489
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gegenstand im ersten Teil meiner Arbeit ist es, den Text Der Fürst von Niccolò Machiavelli kurz wiederzugeben, die Kernaussagen des Werkes zusammenzufassen, das Menschenbild, das Machiavelli in dem Buch beschreibt zu erörtern und die für mich entscheidenden Erkenntnisse zu diskutieren. Im zweiten Teil werde ich einen kurzen Überblick über die Theorie und Methode von Bert Hellinger geben, und Hellingers verkörperte so, wie die von ihm beschriebene Vaterfigur skizzieren.
Schlagworte
Fürst, Niccolò, Machiavelli, Bert, Hellinger, Figur, Vaters
Arbeit zitieren
Martin Hierl (Autor), 2002, "Der Fürst" von Niccolò Machiavelli - verglichen mit der von Bert Hellinger verkörperten und beschriebenen Figur des Vaters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54384

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: "Der Fürst" von Niccolò Machiavelli - verglichen mit der von Bert Hellinger verkörperten und beschriebenen Figur des Vaters


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden