Die Bienen-Gedichte


Seminararbeit, 2002
20 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 „The Bee poems“
2.1 Die Bienen Gedichte in Plaths und in Hughes „Ariel
2.2 Das Symbol der Bienen in der Literatur und in Plaths
Gedichten
2.3 Sylvia Plath und die „confessional poetry“
2.4 „Wintering“

3 Ted Hughes „Birthday Letters“
3.1Birthday Letters“: Ted Hughes „confessional“ Gedichte
3.2 „The Bee God

4 Schlussdiskussion

5 Bibliographie

1 Einleitung

Das Leben von Dichtern und Künstlern hat immer ein großes Interesse bei den Betrachtern ihrer Werke erweckt, weil man davon ausgeht, dass ein Genie ein besonders faszinierendes und sehr oft tragisches Leben führt.

Ted Hughes und Sylvia Plath haben diese Überzeugung ihrer Leser bestätigt, in dem sie ihr Privatleben von ihren literarischen Werk nicht getrennt haben. Der tragische Selbstmord von Silvia Plath und seine zahlreiche Folgen (das Herausgeben von ihren Briefen, das unerklärbare Schweigen von Ted Hughes, die umstrittenen Biographien u.a.) haben außerdem die Aufmerksamkeit der Leser und der Kritiker, bis zum letzten unerwarteten Ereignis: die Veröffentlichung der „Birthday Letters“, immer wach gehalten. Die letzte Produktion von Ted Hughes stellt sich wie ein liebevoller, gefühlreicher und ununterbrochener Dialog zwischen dem Schriftsteller und seiner verstorbenen Frau dar. Wenn man die Gedichte von Plath gelesen hat, findet man in den „Birthday Letters“ die Antworten oder manchmal die Erklärungen gewisser Ereignisse und Situationen, die vor mehr als dreißig Jahre geschehen sind. Es ist ein einzigartiges Gefühl, die Gedichte von Plath und von Hughes parallel zu lesen, vor allem, wenn man sich eine Meinung darüber gebildet hat, wer die Schuld und wer die Verantwortung für das Geschehene trägt. Diese Meinung verliert aber im Angesicht der Lyrik selbst an Bedeutung und die vielen mehr oder weniger objektive Biographien über die Protagonisten scheinen alle unvollständig und fehlerhaft zu sein.

In dieser Arbeit werde ich deshalb versuchen die biographischen Elemente so wenig wie möglich 'reinzubringen und mich auf die Analyse der Gedichte zu konzentrieren. Insbesonders werde ich einige der sogenannten „Bee poems“[1] vorstellen, die wichtige Symbole in der Lyrik von Plath enthalten und die auch in Hughes „Letters“ zu finden sind.

In dem ersten Teil meiner Arbeit werde ich also versuchen zu erklären, was die Bienen für Sylvia Plath bedeutet haben und warum sie so oft in ihrem Werk vorkommen. Hughes „Bienen Gedichte“ umfassen den zweiten Teil dieser Arbeit und werden als Antwort, bzw. Gegenmetapher der Gedichten von Plath betrachtet.

Ich werde auch die Gedichte von beiden Autoren mit einigen Elemente der „confessional poetry“ in Verbindung setzen, um zu erklären, wie Plaths Werk in einem breiteren literarischen Panorama einbezogen werden kann und ob Hughes letztes Buch auch „confessional“ genannt werden darf.

Zuletzt werde ich mich in der Schlussdiskussion auf die Metapher selber konzentrieren, um auf dieser Basis zu erklären, warum Plaths und Hughes Bienen Gedichte unterschiedlich sind, obwohl sie die gleichen Elemente aufweisen.

2 „The Bee poems“

2.1 Die Bienen Gedichte in Plaths und in Hughes „Ariel“

In den Jahren 1965-66 wurde in London und in New York der Gedichtband „Ariel“ von Sylvia Plath veröffentlicht. Diese Gedichte waren hauptsächlich in den letzten Monaten ihres Lebens geschrieben worden und hatten sofort einen großen Erfolg. Die Einleitung wurde von Hughes geschrieben, der die Rechte über Plaths Gedichte besaß, und der den Band als einen Kompromiss zwischen Plaths ursprünglichen Buch und seiner tatsächlich veröffentlichten Version[2] bezeichnete.

In der Einleitung begründet Hughes seine Entscheidung die von Plath festgelegte Reihenfolge der Gedichte nicht zu respektieren mit der Notwendigkeit, dem Buch eine klare und für die Leser verständliche Linie zu geben, die in Plaths ursprünglichen Ordnung nicht zu finden war.

Die erste kritische Haltung gegenüber dieser Entscheidung wurde erst später von Marjorie Perloff in einem bekannten Artikel vertreten, in dem sie erklärt, was für unterschiedlichen und zum Teil negativen Folgen in der Interpretation und in der Rezeption von „Ariel“ der Version von Hughes zuzuschreiben seien. Ich möchte nun nicht auf jeden Punkt von Perloffs Kritik eingehen, sondern den Bienen Gedichte Aufmerksamkeit schenken. In dieser Debatte spielt diese Gruppe von Gedichte eine wichtige Rolle, weil man je nach ihrer Stellung den Band völlig unterschiedlich interpretieren kann.

In Plaths „Ariel“ endet der Band mit den fünf Bienen Gedichten[3], während sie in der veröffentlichten Version in der Mitte zu finden sind. Die Botschaft, die der Leser empfängt, ist demzufolge in den zwei Versionen sehr unterschiedlich und die Bienen Gedichte selbst verlieren zum Teil ihren Wert und ihre Kraft in Hughes „Ariel“.

Um die zentrale Rolle der Bienen in Plaths Werk erklären zu können, werde ich mich kurz auf drei andere berühmte Gedichte der Autorin beziehen: „Daddy“, „The Colossus“ und „The Beekeeper’s Daughter“[4].

In den ersten zwei Gedichten beschreibt das lyrische Ich die Figur eines Vaters und sein Verhältnis zu ihm. Der Leser kann deutlich spüren, wie die Gefühle des lyrischen Ichs zerrissen sind: einerseits fehlt ihm dieser „Daddy“ („I tried to die/ and get back, back, back to you“, S.12, Z.3;4), andererseits scheint der Sprecher diesen Mann[5] zu hassen („I have had to kill you“, S.2, Z.1). Dieses gespaltene Gefühl wird nochmal in „The Colossus“ erwähnt, in dem eine riesige Statue beschrieben wird, die das lyrische Ich gleichzeitig schützt („I squat in the cornucopia / of your left ear“ S.5, Z. 4;5) und verunsichert, wie der Titel selbst erklärt. Das dritte Gedicht macht den Leser deutlich, wer diese väterliche Figur ist: der früh verstorbene Vater von Sylvia Plath, ein Biologe, der sich intensiv mit Bienen befasst hatte[6].

Die Bienen sind also ein sehr zentrales Symbol in Plaths Werk und es ist meiner Ansicht nach anzunehmen, dass die Stelle dieser Gedichte in „Ariel“ sehr gründlich von der Autorin überlegt worden war.

[...]


[1] Mit diesem Ausdruck bezeichnet man die Plaths Gedichte, deren Hauptthema die Bienen sind und die eine ganz wichtige Rolle in dem Band „Ariel“ spielen.

[2] Ich beziehe mich hier auf den Artikel von Marjorie, Perloff. „The two Ariels. The (Re)making of the Sylvia Plath Canon“ in Neil, Fraistal (ed.) Poems in their place. The intertextuality and order of poetic collections. Chapter Hill: University of North Carolina Press 1986, wo man die originelle Wörter der Introduktion zitiert.

[3]In Wirklichkeit gibt es mehrere Gedichte von Plath, die von Bienen handeln, doch nur diese fünf, auf die ich mich beziehe, nennt man „Bee poems“, weil sie einen Zyklus per se darstellen und miteinander durch eine besondere Symbolik verbunden sind.

[4] Sylvia, Plath. Collected Poems. Ted Hughes (ed.) London: Faber and Faber 1981.

[5] Nach einigen Autoren ist hinter dem Daddy die Figur des Ehemanns oder sogar jedes Mannes zu erkennen, wie in Linda, Wagner-Martin. Sylvia Plath. A Literary life. Houndmills et al.: Macmillan Press 1999, und Janet, Malcom. Die schweigende Frau. Die Biographie der Sylvia Plath. Hamburg: Kellner Verlag 1994.

[6] Die Gründe, weshalb man in Plaths Gedichte reale Menschen aus ihrem Leben mit literarischen Figuren vergleichen darf, werde ich später erklären. Ich glaube aber, dass man die Wichtigkeit dieser Analogie an dieser Stelle nicht weglassen darf, um die Bienen Gedichte in dem richtigen Licht einschätzen zu können.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Bienen-Gedichte
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut fuer England- und Amerika Studien)
Veranstaltung
Ted Hughes and Sylvia Plath
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V54393
ISBN (eBook)
9783638496131
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bienen-Gedichte, Hughes, Sylvia, Plath
Arbeit zitieren
M.A. Margherita Zelante (Autor), 2002, Die Bienen-Gedichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54393

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