Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung haben im Laufe der letzten Jahre in Alten- und Pflegeeinrichtungen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ziel ist es dabei, die Pflege und Betreuung der anvertrauten alten Menschen zu optimieren und ein gesundes, individuelles Lebensumfeld zu schaffen, in welchem sie sich sowohl verstanden, wie auch sicher fühlen.
Das Qualitätsmanagement schließt hierbei auch den Bereich der Hygiene mit ein.
Die folgenden Seiten sollen aufzeigen, was Infektionshygiene bedeutet, wie wichtig sie in Alten- und Pflegeeinrichtungen ist, wie sie umgesetzt werden kann und somit unweigerlich zu einem wichtigen Bestandteil der Qualitätssicherung gehört.
Da Hygiene ein sehr umfassendes Gebiet ist, viele verschieden Verordnungen und Gesetze beinhaltet, wird sich in dieser Arbeit auf einen ausgewählten Teil – die allgemeine Infektionshygiene – beschränkt. Es soll in erster Linie aufgezeigt werden, was Infektionen überhaupt sind, welche Infektionserkrankungen in Alten- und Pflegeeinrichtungen vorkommen, wie Prävention betrieben werden kann und muss und welche Bedeutung und Aufgaben der Hygienebeauftragte einer Einrichtung hat.
Außer Acht gelassen werden in dieser Arbeit unter anderem die Lebensmittelhygiene und das HACCP-Konzept, die Biostoff- und Abfallverordnungen und die Wasser- und Abwasserhygiene. Auch wenn diese Themen keine Berücksichtigung finden, so ist doch anzumerken, dass auch sie wesentliche Bestandteile der Hygiene und der Qualitätssicherung in jeder Alten- und Pflegeeinrichtung sind und sein müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Gesetzlicher Rahmen
1.1 Heimgesetz
1.2 Sozialgesetzbuch XI
1.3 Infektionsschutzgesetz
1.4 Unfallverhütungsvorschrift (BGV C8)
2. Definitionen
2.1 Hygiene
2.2 Infektion
3. Einteilung der Infektionen
4. Häufige Infektionen im Alten- und Pflegeheim
4.1 Ursachen
4.2 Infektionen der Haut
4.3 Infektionen des Magen-Darm-Traktes
4.4 Harnwegsinfektionen
4.5 Infektionen des Atemtraktes
4.6 MRSA
5. Hygienemaßnahmen
5.1 Allgemeine Prävention
5.2 Desinfektion
5.3 Impfungen
5.4 Sterilisation
6. Der Hygienebeauftragte
6.1 Bedeutung
6.2 Aufgaben
7. Die Hygienebegehung
8. Der Hygieneplan
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die zentrale Bedeutung der Infektionshygiene als essenzielles Element der Qualitätssicherung in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch fundierte präventive Maßnahmen und klare strukturelle Vorgaben das Infektionsrisiko minimiert und somit die Lebensqualität sowie die Sicherheit der pflegebedürftigen Menschen nachhaltig verbessert werden kann.
- Gesetzliche Grundlagen und Haftung im Infektionsschutz
- Klassifikation und Ursachen häufiger Infektionskrankheiten in der Altenpflege
- Implementierung wirksamer Präventions- und Desinfektionsstrategien
- Aufgabenspektrum und Rolle des Hygienebeauftragten
- Bedeutung von Hygieneplänen und regelmäßigen Hygienebegehungen
Auszug aus dem Buch
4.6. MRSA
MRSA = Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus oder auch Multiresistenter Staphylococcus aureus. Hierbei handelt es sich um eine (zunehmende) Resistenz von Staphylokokken gegenüber Antibiotika. Traf dies in der Mitte des letzten Jahrhunderts, nur wenige Jahre nach Einführung des Penicillins, nur das Antibiotikum Penicillin selbst, so wurden auch auf nachfolgend entwickelte Antibiotika (Methicillin, Oxacillin) bald ebenfalls Resistenzen gemeldet.
Als Erreger nosokomialer Infektionen in klinischen Einrichtungen ist der MRSA als Kontaktinfektion seit langem gefürchtet. Besonders morbide Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, welche sich häufig in Krankenhäusern aufhalten, haben eine erhöhte Disposition für eine Besiedlung. Zudem sind pflegebedürftige, immobile und somit Dekubiti gefährdete Heimbewohner und Bewohner mit PEG, Tracheostoma oder Blasenkatheter besonders empfänglich für das Eindringen von MRSA.
Eine Infektion kann exogen (durch Tröpfcheninfektion, Hände oder kontaminierte Gegenstände) oder endogen (Eigeninfektion) erfolgen – ein Auftreten von MRSA-Kolonisationen am menschlichen Organismus lassen sich überwiegend im Nasen-Rachen-Raum und Genitalbereich, aber auch an anderen Körperstellen nachweisen.
Als Maßnahmen bei Auftreten gelten inzwischen klare und vom RKI herausgegebene hygienische Richtlinien zum Schutz vor Eigeninfektion und zur Verhinderung einer Infektionsausbreitung. Die Richtlinien beziehen sich dabei sowohl auf Schutz- und Isolierungsmaßnahmen des Infizierten, wie auch des Personals der jeweiligen Einrichtung. So ist es unerlässlich, sowohl eine konsequente hygienische Händedesinfektion vor und nach dem Kontakt, vor und nach Betreten des Zimmers und bei Kontakt mit Ausscheidungen durchzuführen, wie auch bei der Arbeit an einem MRSA erkrankten Bewohner Schutzhandschuhe, Schutzkittel, Mund-Nase-Schutz und ggf. Kopfbedeckung zu tragen. Weitere Maßnahmen sind: das Verbleiben von Pflegeutensilien und Abwurfbehältern für Abfall und Wäsche im jeweiligen Bewohnerzimmer, das Bewohnergebundene Verwenden von Utensilien und die maschinelle Aufbereitung von Körper- und Bettwäsche bei mindestens 60oC. Bestecke und Geschirr können wie üblich behandelt werden – Einmalutensilien sind hier in der Regel nicht erforderlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gesetzlicher Rahmen: Erläutert die rechtlichen Verpflichtungen zur Infektionsprävention in Pflegeeinrichtungen basierend auf dem Heimgesetz, SGB XI, IfSG und der UVV BGV C8.
2. Definitionen: Definiert grundlegende Begriffe der Hygiene und Infektion unter Rückgriff auf medizinische Fachliteratur und gesetzliche Definitionen.
3. Einteilung der Infektionen: Systematisiert Infektionen nach ihrem Verlauf, der Eintrittspforte, dem Übertragungsweg und der Art des Erregers.
4. Häufige Infektionen im Alten- und Pflegeheim: Analysiert altersbedingte Resistenzminderungen und beschreibt spezifische Krankheitsbilder wie Hautinfektionen, Magen-Darm-Erkrankungen, Harnwegsinfektionen, Pneumonien und MRSA.
5. Hygienemaßnahmen: Detailliert präventive Strategien wie allgemeine Hygiene, Hände- und Flächendesinfektion, Impfschutz sowie Sterilisationsverfahren.
6. Der Hygienebeauftragte: Beschreibt die Rolle, Stabsfunktion und das spezifische Aufgabenprofil des Hygienebeauftragten innerhalb einer Einrichtung.
7. Die Hygienebegehung: Erklärt die Durchführung und Bedeutung von Soll-Ist-Analysen zur Verifizierung der Hygienestandards in der praktischen Umsetzung.
8. Der Hygieneplan: Beschreibt die Anforderungen an die Strukturierung und Implementierung eines einrichtungsspezifischen Hygieneplans als Qualitätssicherungsinstrument.
Schlüsselwörter
Infektionshygiene, Qualitätssicherung, Altenpflege, Prävention, Infektionsschutzgesetz, Hygienebeauftragter, Händedesinfektion, MRSA, Sterilisation, Hygieneplan, Impfschutz, Nosokomiale Infektion, Pflegemanagement, Infektionsverlauf, Schutzmaßnahmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der essenziellen Rolle der Infektionshygiene als Bestandteil der Qualitätssicherung in Alten- und Pflegeeinrichtungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die gesetzlichen Grundlagen, die Systematik von Infektionskrankheiten, praktische Hygienemaßnahmen sowie die Implementierung von Hygienebeauftragten und Hygieneplänen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch gezielte Hygienemaßnahmen Infektionsketten unterbrochen und die Sicherheit pflegebedürftiger Bewohner gewährleistet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse relevanter Fachliteratur, aktueller Gesetzesvorgaben sowie Richtlinien medizinischer Institutionen wie dem Robert-Koch-Institut (RKI).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Grundlagen, medizinische Definitionen, die Analyse häufiger Infektionskrankheiten bei Senioren und die Vorstellung operativer Hygienestandards.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Infektionshygiene, Qualitätssicherung, Prävention, MRSA und Hygieneplan.
Warum ist eine Infektionsstatistik laut dem Autor wichtig?
Die Führung einer Infektionsstatistik ermöglicht das frühzeitige Erkennen von Häufungen und ist eine wesentliche Voraussetzung für das gezielte Eingreifen durch den Hygienebeauftragten.
Welche Rolle spielt das Personal bei der Infektionsverbreitung?
Das Personal fungiert oft als Überträger, weshalb die konsequente Einhaltung hygienischer Verhaltensregeln, insbesondere bei der Händedesinfektion, entscheidend für die Sicherheit der Bewohner ist.
- Arbeit zitieren
- Enrico Frohs (Autor:in), 2004, Infektionshygiene als Merkmal der Qualitätssicherung in Alten- und Pflegeeinrichtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54410