Digital Natives und deren Online-Verhalten auf Instagram unter Betrachtung von Extraversion und Narzissmus


Bachelorarbeit, 2020

78 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abstract

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Thematischer Hintergrund und Vorgehensweise
1.2 Aktueller Stand der Forschung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Das Web 2.0
2.2 Einführung Soziale Netzwerkseiten (SNS)
2.3 Digital Natives.
2.4 Die soziale NetzwerkseiteInstagram
2.5 Selbstdarstellung
2.6 Persönlichkeit
2.7 Extraversion
2.8 Narzissmus

3 Motive derInstagram-Nutzung

4 Hypothesen

5 Methodisches Vorgehen
5.1 Beschreibung der Stichprobe
5.2 Studiendesign
5.3 Durchführung
5.4 Zur Auswertung

6 Ergebnisse
6.1 Deskriptive Statistik
6.2 Regressionsanalysen
6.2.1 Zu Hypothese 1
6.2.2 Zu Hypothese 2
6.3 Sonstige Ergebnisse

7 Diskussion
7.1 Interpretation der Ergebnisse
7.2 Beantwortung der Forschungsfrage
7.3 Limitationen
7.4 Ausblick

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

10 Anhang
10.1 Instagram: Aufbau
10.2 Charakterisierung der Big-Five-Persönlichkeitsfaktoren nach McCrae und Costa (1992)
10.3 Fragebogen
10.4 Prüfung der Voraussetzungen zur Berechnung der linearen Regression
10.5 Faktorenanalyse
10.6 Korrelationen

Zusammenfassung

Instagramzählt mit über 15 Millionen Nutzern in Deutschland zu den relevantesten sozialen Netzwerken. Täglich teilen Nutzer Bilder, interagieren mit anderen Nutzern und geben dabei viel über die eigene Person preis. Dies bezieht sich insbesondere auf die Generation der Millennials (Digital Natives). Die Ausprägung gewisser Persönlichkeitseigenschaften bildet hierbei die grundlegende Determinante für das Ausmaß, in dem soziale Interaktion und Selbstdarstellung stattfinden.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Unterschiede im Nutzungsverhalten von Digital Natives im Hinblick auf die Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus und Extraversion zu erfassen. Hierbei wurden die Selbstdarstellung, die soziale Interaktion sowie die Nutzungsintensität der Plattform mithilfe einer quantitativen Querschnittsstudie untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich beide Persönlichkeitsdispositionen deutlich auf die Selbstdarstellung auswirken. Narzissten und Extravertierte präsentieren sich stärker selbst. Der Einfluss auf die soziale Interaktion lässt sich beim Merkmal Extraversion deutlicher feststellen als beim Narzissmus, auch wenn dort ebenfalls ein Zusammenhang besteht. Beide Merkmale wirken sich eher geringfügig auf die Nutzungsintensität aus.

Schlüsselwörter:Narzissmus, Extraversion, Online-Selbstdarstellung, soziale Online-Interaktion, Web 2.0, soziale Netzwerkseiten,Instagram, Digital Natives

Abstract

With over 15 million users in Germany,Instagramis among the most relevant social networks. Daily, users share pictures, interact with other users and by that disclose a lot of personal information. Specific personality traits determine the extent of social interaction and self-expression.

The aim of this bachelor thesis is to evaluate the differences in user behaviour of digital natives based on narcissism and extraversion. Therefore, self-expression, social interaction, and intensity of use ofInstagramhave been examined using a cross-sectional study. The results show that both personality traits distinctly affect self-expression. Both narcissists and extraverts tend to higher rates of self-expression onInstagram. The impact of extraversion on social interaction is more pronounced than that of narcissism, even though there is also a significant effect of narcissism on social interaction. Furthermore, both personality traits slightly impact the intensity of use.

Keywords:narcissism, extraversion, online self-expression, social online-interaction, web 2.0, social networks,Instagram, digital natives

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Die Big Five Persönlichkeitsfaktoren und Facetten nach dem NEO-PI-R (Costa & McCrae, 1992; Ostendorf & Angleitner, 2004)..

Tabelle 2 Grundfunktionen und Einstellungen nach Jung (Eigene Darstellung)

Tabelle 3 Altersverteilung der Stichprobe (Eigene Darstellung)

Tabelle 4 Übersicht über die erhobenen Selbstdarstellungs- und Interaktionsmaße (Eigene Darstellung)

Tabelle 5 Mittelwerte, Standardabweichungen, Minima und Maxima von NEO-FFI (Skala Extraversion) & NPI (Eigene Darstellung)

Tabelle 6 Übersicht der Follower/abonnierten Personen (Eigene Darstellung)

Tabelle 7 Übersicht der Privatsphäre-Einstellung der Probanden (Eigene Darstellung)

Tabelle 8 Anzahl der Beiträge (Eigene Darstellung)..

Tabelle 9 Anzahl der unterschiedlichen Arten von Fotos (Eigene Darstellung)

Tabelle 10 Gründe, warum die Probanden Bilder von sich auf Instagram posten (Eigene Darstellung)

Tabelle 11 Gründe, warum die Probanden keine Bilder von sich auf Instagram posten (Eigene Darstellung)

Tabelle 12 Nutzungsmotive von Instagram: Explorative Faktorenanalyse mit Oblimin-Rotation

Tabelle 13 Korrelationen der Persönlichkeitsmerkmale mit Selbstdarstellungsmaßen (Eigene Darstellung)

Tabelle 14 Korrelationen der Persönlichkeitsmerkmale mit den Maßen der sozialen Interaktion (Eigene Darstellung)

Tabelle 15 Korrelationen der Persönlichkeitsmerkmale mit Nutzungsintensitätsmaßen (Eigene Darstellung)

Tabelle 16 Korrelationen der Persönlichkeitsmerkmale mit Gründen für/gegen das Teilen von Bildern von sich auf Instagram (Eigene Darstellung).

Tabelle 17 Mustermatrix der Hauptkomponentenanalyse (Eigene Darstellung)

Tabelle 18 Korrelationen der Persönlichkeitsmerkmale mit den Variablen im demographischen Fragebogen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Aufbau von Instagram: Eigenes Profil der Autorin, beispielhafter Feed der Autorin und exemplarisches privates Profil.

Abbildung 2. NPI ­­– SD. Histogramm zur Überprüfung der Normalverteilung der Residuen (Eigene Darstellung)

Abbildung 3. NPI – SD. P-P-Diagramm zur Überprüfung der Normalverteilung der Residuen (Eigene Darstellung)

Abbildung 4. NPI – SD. Streudiagramm zur Überprüfung der Linearität zwischen den Variablen (Eigene Darstellung)

Abbildung 5. EXT – SD. Histogramm zur Überprüfung der Normalverteilung der Residuen (Eigene Darstellung)

Abbildung 6. EXT – SD. P-P-Diagramm zur Überprüfung der Normalverteilung der Residuen (Eigene Darstellung)

Abbildung 7. – SD. Streudiagramm zur Überprüfung der Linearität zwischen den Variablen (Eigene Darstellung)

Abbildung 8. EXT – SozInt. Histogramm zur Überprüfung der Normalverteilung der Residuen (Eigene Darstellung)

Abbildung 9. EXT – SozInt. P-P-Diagramm zur Überprüfung der Normalverteilung der Residuen (Eigene Darstellung)

Abbildung 10. EXT – SozInt. Streudiagramm zur Überprüfung der Linearität zwischen den Variablen (Eigene Darstellung)

1 Einleitung

1.1 Thematischer Hintergrund und Vorgehensweise

Das Smartphone ist in der Gesellschaft als ständiger Begleiter heutzutage kaum noch wegzudenken. Beim Ausgehen mit Freunden, im Urlaub am Strand oder auch beim romantischen Dinner – ständig und überall wird alles dokumentiert, fotografiert und für die (Nach-)Welt sichtbar in den sozialen Netzwerken festgehalten. Dies manifestiert sich deutlich, in der Nutzung von Smartphones ebenso wie der sozialen Medien. Durchschnittlich wird das Smartphone in Deutschland über zwei Stunden am Tag genutzt, bei 27 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 29 lässt sich gar eine tägliche Verwendung von mehr als 240 Minuten (vier Stunden) verzeichnen (Brune, 2019). Auch die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer von sozialen Medien hat sich weltweit seit 2012 von 90 Minuten auf 138 Minuten im Jahr 2018 erhöht, mit weiter steigender Tendenz (GlobalWebIndex, 2018). Insbesondere die Generation Y, die sich primär dadurch auszeichnet, dass der Umgang mit digitalen Medien von klein auf erlernt wird, ist mit der Online-Welt stark verknüpft.

Unterschiedliche Bedürfnisse wie das Streben nach positivem Feedback führen dazu, dass die Menschen soziale Medien intensiv nutzen, um sich dort positiv darzustellen. Diese Arbeit beschäftigt sich daher explizit mit der Fragestellung, inwiefern sich der Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen Narzissmus sowie Extraversion und dem Online-Verhalten auf der sozialen NetzwerkseiteInstagrammanifestiert. Die Plattform hebt sich durch ihren Fokus auf Bildinhalte deutlich ab und unterscheidet sich daher in Nutzungsintention und -verhalten. Aufgrund der weiter aufstrebenden Beliebtheit unter der Generation Y und der Tatsache, dass viele der bereits untersuchten Netzwerke nicht mehr existent oder heutzutage deutlich weniger beliebt sind, erweist sichInstagramfür die folgende Arbeit als besonders relevant und interessant.

Um die angeführte Fragestellung zu beantworten, werden zu Beginn die theoretischen Grundlagen erläutert. Hier wird auf relevante Konstrukte wie das Web 2.0, soziale Netzwerkseiten, spezifisch Instagram und die Generation der Digital Natives ebenso eingegangen wie auf die Big-Five- Persönlichkeitsfaktoren, insbesondere Extraversion sowie Narzissmus. Danach werden die Nutzungsmotive von Instagram aufgeführt. Nach der Vorstellung der Hypothesen im 4. Kapitel wird in Kapitel Fünf die Methodik der durchgeführten quantitativen Querschnittsstudie detailliert thematisiert. Diese wurde als empirisches Verfahren gewählt, um einen gesamtheitlichen Überblick zu bekommen und die Hypothesen möglichst gut validieren zu können. Anschließend werden die Ergebnisse der Umfrage dargestellt und in Kapitel Sieben tiefergehend interpretiert, um die Forschungsfrage zu beantworten. Abschließend werden die Limitationen dieser Arbeit vorgestellt, ein Ausblick auf mögliche Folgestudien gegeben und schlussendlich in Kapitel 8 ein allgemeines Fazit gezogen.

1.2 Aktueller Stand der Forschung

Es gibt bereits einige Forschungsarbeiten, die den Zusammenhang zwischen Narzissmus und der Nutzung von sozialen Netzwerkseiten evaluieren. Auch Extraversion und andere Persönlichkeits­merkmale wurden bereits auf ihre Einflussnahme untersucht (vgl. Gnambs & Appel, 2017; Blumer, Leonard, Lara-Ruiz & Döring, 2017; Buffardi & Campbell, 2008; Brailovskaia, 2015; Brailovskaia & Bierhoff, 2012; Krämer & Winter, 2008; Ong et al., 2011; Ryan & Xenos, 2011). Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass narzisstisch veranlagte Personen deutlich häufiger in den sozialen Netzwerken aktiv sind, sich selbst stärker präsentieren und die dort gebotenen Funktionen intensiver nutzen als Personen, deren Persönlichkeit weniger stark von Narzissmus geprägt ist. Dies gilt ebenso für Personen, die das Persönlichkeitsmerkmal Extraversion aufweisen (vgl. Correa, Hinsley & de Zúñiga, 2010; Liu & Campbell, 2017).

Der Einfluss der Persönlichkeit auf die Nutzung vonInstagramhingegen wurde bisher deutlich gering­fügiger untersucht, was unter anderem daran liegt, dassInstagramnoch nicht so lange existiert wie die anderen Netzwerkseiten. Zudem wurden diese Studien primär im nicht-europäischen Raum und / oder mit geringer Stichprobenzahl durchgeführt (vgl. Sheldon & Bryant, 2016; Paramboukis, Skues & Wise, 2016; Andersson & Swillo, 2018; Moon, Lee, Lee, Choi & Sung, 2016). Die Ergebnisse entsprechen hierbei denen, die auch im Allgemeinen für die anderen sozialen Netzwerke herausgefunden wurden.

Forschungsarbeiten zu den Nutzungsmotiven haben gezeigt, dass vor allem die soziale Interaktion und die Selbstdarstellung eine tragende Rolle spielen (vgl. Lee, Lee, Moon & Sung, 2015; Sheldon & Bryant, 2016; Alhabash & Ma, 2017; Huang & Su, 2018).

2 Theoretische Grundlagen

In diesem Kapitel werden die für die Arbeit relevanten Thematiken und Begrifflichkeiten erläutert, um ein umfangreiches Verständnis zu ermöglichen und die Ergebnisse der Forschung adäquat einordnen zu können.

2.1 Das Web 2.0

Der Begriff Web 2.0 beschreibt keine fundamentale neue Art von Technologien oder Anwendungen, sondern bezieht sich lediglich auf die sozio-technisch stark veränderte Nutzung des Internets in den vergangenen Jahren. Während die Dienstleistungen und Inhalte des Internets zu den Zeiten von World Wide Web hauptsächlich als reines Informationsangebot genutzt wurden, so werden die Möglichkeiten heute ständig weiterentwickelt und dabei weitere Zusatznutzen generiert. Hierbei steht gegenwärtig nicht die klassische Verbreitung von Informationen durch die Websitebetreiber im Vordergrund, sondern die aktive Beteiligung der Nutzer (Dominick,1999; Kaplan & Haenlein, 2010, S. 60 f.; Lackes & Siepermann, 2018).

Die technischen Fortschritte erleichtern die Online-Aktivitäten der Nutzer zunehmend. Die neusten Computer sind leistungsstark und auch die Zugriffskosten für das Internet sinken stetig, während die Leitungen immer besser und das Internet dadurch immer schneller wird. Die mobilen Endgeräte wie Notebooks, Tablets und Smartphones ermöglichen es dem Nutzer, ständig und vor allem überall online zu sein und mit anderen zu interagieren und zu kommunizieren (Brailovskaia, 2015, S. 18). Jeder Nutzer hat so die Möglichkeit, das Internet mitzugestalten: Informationen selbst zu verbreiten, seine Meinung zu äußern und sich mit anderen Nutzern auf der ganzen Welt zu verbinden. Zu den wichtigsten Anwendungen, die durch die Manifestation vom Web 2.0 erst entstehen konnten und davon dauerhaft profitieren, zählen Wikipedia, Amazon und YouTube.

2.2 Einführung Soziale Netzwerkseiten (SNS)

Der Informations- und Meinungsaustausch wird vor allem durch soziale Netzwerkseiten (kurz und nachfolgend: SNS) ermöglicht und verstärkt. Die Begriffe Social Media, Social-Media-Plattformen und soziale Netzwerke werden im Sprachgebrauch oft und daher auch in dieser Arbeit synonym verwendet. Boyd und Ellison definieren soziale Netzwerke als netzbasierte Dienste, die es (registrierten) Nutzern ermöglichen, ein öffentliches oder teilweise öffentliches Profil in einem geschlossenen System zu errichten und sich dort mit einer selbst definierten Liste von anderen Personen zu verbinden. Diese Listen sind auch für andere Mitglieder sichtbar und der Nutzer kann so sein soziales Netzwerk, welches meist aus Verbindungen der realen Umwelt besteht, präsentieren und kommunizieren (2007, S. 211).

Der Nutzer kann sein eigenes Ich dementsprechend in der Online-Welt rekonstruieren, dort reale Bekanntschaften pflegen sowie neue Kontakte knüpfen. Andere Nutzer haben die Möglichkeit, ihre eigenen Kontaktlisten durch Kontakte anderer zu ergänzen und den Freundeskreis dadurch zu erweitern. Erlebnisse werden hierbei in Form von Fotos und Videos geteilt und Unterhaltung wird aktiv gesucht.

Die von Mark Zuckerberg im Jahr 2004 gegründete PlattformFacebookzählt heute zu den weltweit bekanntesten sozialen Netzwerken und verzeichnet 2019 2,4 Milliarde aktive Nutzer (Nutzer, die die Plattform mindestens einmal im Monat nutzen), hiervon sind 2,1 Milliarde täglich aktiv (Facebook, 2019). Die PlattformInstagram, auf welche die vorliegende Arbeit sich primär fokussiert, wurde im Jahr 2010 eingeführt und 2012 vonFacebookübernommen (Instagram, 2019). Die Anwendung für mobile Endgeräte kann als eine Kombination aus Microblog und audio-visueller Plattform beschrieben werden. Weltweit verzeichnetInstagramseit dem Jahr 2018 über eine Milliarde aktive Nutzer, in Deutschland sind es (Stand 2017) rund 15 Millionen (Roth, 2018).

2.3 Digital Natives

Der Begriff Digital Native (zu Deutsch: „digitaler Eingeborener“) beschreibt eine Person, die in das Zeitalter der digitalen Technologie geboren wurde oder darin aufwuchs und daher schon von Beginn an in Kontakt mit digitalen Medien und Gebrauchsgegenständen wie Computer, Handys und Internet kam. Eine Welt ohne digitale Medien ist dem Digital Native unbekannt (Prensky, 2001).

Dies bezieht sich weitgehend auf Personen der sogenannten Generation Y (auch Millennials genannt), also die Generation, die im Zeitraum der frühen 1980er bis späten 1990er Jahren geboren wurde. Ebenfalls zu den Digital Natives zählt die Generation Z, die, je nach Literatur, die Bevölkerungskohorte ab dem Jahr 1995/99 bezeichnet.

Die Millennials gehören zur letzten im 20. Jahrhundert geborenen Generation und weisen einige charakteristische Merkmale auf, die sich teilweise durch die Erziehung erklären lassen. Dabei trifft nicht jedes Merkmal grundsätzlich auf jeden Millennial zu. Sie sind intellektuell, selbstsicher und leistungs- aber zugleich auch teamorientiert, wodurch ihre Selbstdarstellung, Interaktion mit anderen und ihre fundamentale Weltsicht bestimmt wird (Brailovskaia, 2015, S. 46).

Ein Großteil des Heranwachsens und der Identitätsbildung der Generation Y findet im Internet statt. Die Online-Welt fungiert als wichtiger Bestandteil der Umwelt und Kultur, in der die Generation heranwächst und sozialisiert wird (Correa et al., 2010; Livingstone, 2002; Tapscott, 2009). Daher nutzen insbesondere Millennials die Möglichkeiten der Selbstdarstellung der SNS. Gerade dort präsentieren sie freiwillig Dinge, die sie in der Offline-Welt, primär vor ihren Eltern, verbergen zu versuchen: Bilder von Parties, Alkohol- und Nikotinkonsum (vgl. Winter & Krämer, 2008). Dies ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass die Eltern als „Digital Immigrants“ (Prensky, 2001) die Plattformen seltener besuchen und deren Aufmerksamkeitsfokus eher auf der Offline-Welt liegt. Sie lebten über längere Zeit in einer Welt ohne digitale Medien und mussten erst in diese digitalisierte Welt immigrieren. Die neuen Technologien hingegen tragen zum Sozialisationsprozess der Digital Natives bei und bilden einen essenziellen Beitrag zum täglichen Leben. Den Digital Immigrants jedoch fällt der Umgang mit den technischen Innovationen oft schwerer, da dieser erst im Erwachsenenalter angeeignet werden muss (Prensky, 2001).

2.4 Die soziale Netzwerkseite Instagram

Der Hauptfokus der PlattformInstagramliegt, im Gegensatz zu den anderen sozialen Netzwerken, auf dem Teilen von Bildern und Videos. Die Kommunikation geschieht daher primär auf bildlicher und nicht auf schriftlicher Ebene. Außerdem ist hervorzuheben, dassInstagramals Anwendung für den mobilen Gebrauch entwickelt wurde. Zwar kann auch über den Browser auf die Plattform zugegriffen werden, die Funktionen sind dort jedoch stark eingeschränkt.Instagramist unkompliziert und intuitiv zu bedienen, die wichtigsten Funktionen können alle in der App ausgeführt werden: Fotos zuschneiden und mit Filtern versehen sowie die Bilder direkt in anderen sozialen Netzwerken teilen.

Instagramwird an dieser Stelle kurz umschrieben, um die Funktionsweise der Plattform und die Nutzungsintention der Nutzer besser nachvollziehen zu können. Eine beispielhafte Darstellung der Plattform befindet sich im Anhang (Abbildung 1): Jeder registrierte Nutzer kann sein eigenes Profil erstellen. Im Header des jeweiligen Profils befindet sich das Profilbild, der Name und eine (optionale) kurze Beschreibung der eigenen Person. Im Header erkennt man zudem, wie viele Beiträge der jeweilige Nutzer veröffentlicht hat, wie viele Personen ihn abonniert haben (dem Profil „folgen“) beziehungsweise wie viele Personen er selbst abonniert hat (wie vielen Profilen der Nutzer „folgt“). Diese Listen sind für die anderen Nutzer öffentlich ersichtlich, es sei denn es handelt sich um ein privates Profil. Die Differenzierung zwischen öffentlichen und privaten Profilen wird später näher erläutert.

Im Profil selbst, das eine Art Galerie darstellt, können Fotos oder Videos hochgeladen werden.Instagrambietet die Möglichkeit, Bilder und Videos direkt in der App mit Filtern und Korrekturwerkzeugen zu bearbeiten. Die einzelnen Beiträge enthalten zudem Kerninformationen wie die Anzahl der Likes und Kommentare. Außerdem können sie mit einer Textbeschreibung ergänzt werden. Diese wird oftmals mit Hashtags vervollständigt, unter denen die Beiträge dann ebenfalls zu finden sind oder es werden andere Personen auf dem Beitrag markiert. Unter den Beiträgen können die Nutzer direkt miteinander kommunizieren und auf Kommentare reagieren. Gleichzeitig hat der jeweilige Nutzer die Möglichkeit, die anderen Profile aufzurufen, sich deren Bilder anzusehen (wenn es sich um ein öffentliches Profil handelt), diese zu kommentieren, Likes zu hinterlassen oder auch der Person zu folgen.

Im Feed, der ähnlich wie die Chronik aufFacebookfungiert, werden die Beiträge von Personen, denen der jeweilige Nutzer folgt, nach einem bestimmten Algorithmus angezeigt. Ebenso wie im oberen Bereich die so genannten Stories, die eine recht neue und sehr beliebte Funktion vonInstagramdarstellen. Dort hochgeladene Inhalte bleiben für 24 Stunden im Profil/Feed sichtbar und löschen sich nach Ablauf der Zeit selbstständig, es sei denn der Nutzer speichert sie in seinen Highlights. Dann sind die Stories dauerhaft im Profil (ebenfalls im Header) sichtbar. Eine ebenso neue Funktion ist „IG-TV“. Dort können Videos hochgeladen werden, die eine Laufzeit von bis zu zehn Minuten haben.

Private Profile unterscheiden sich dahingehend, dass Nutzer, die der Person nicht folgen, die Listen der Abonnenten nicht einsehen können (es wird lediglich die Anzahl angezeigt), ebenso wenig wie die geteilten Beiträge im Feed oder auch die Stories (siehe Anhang, Abbildung 1). Um einem privaten Nutzer zu folgen, muss eine Anfrage gestellt werden, die dieser dann bestätigen oder ablehnen kann. Im Gegensatz zu anderen SNS wieFacebookkann die Verbindung zwischen zwei Nutzern auch einseitig sein. Nutzer müssen sich nicht gegenseitig folgen, um miteinander interagieren zu können und oftmals unterscheidet sich daher die Anzahl der Follower und der gefolgten Personen eines Nutzers. Die Followeranzahl kann als Indikator für die Reichweite eines Nutzers dienen – mehr Follower implizieren ein größeres Netzwerk, vor allem wenn die jeweilige Person selbst nur wenigen (ausgewählten) Personen folgt.

Primär unter den späten Millennials beziehungsweise verstärkt unter der Generation Z, weistInstagrameine große und weiter steigende Beliebtheit auf. Die Dynamik der Nutzungszahlen ist beiInstagramdeutlich ausgeprägter als bei den anderen untersuchten Plattformen (Facebook, Twitter, Xing).Facebookwird in der Gesamtheit zwar weiterhin am meisten genutzt, die Zahlen sind jedoch leicht rückläufig (Frees & Koch, 2019, S. 409).

2018 nutzten 50 Prozent der Befragten im Alter von 14 bis 29Instagramwöchentlich oder öfter – ein Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zusätzlich gilt zu erwähnen, dassInstagramauch in der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen einen Anstieg in der wöchentlichen Nutzung von 6% (2017) auf 13% (2018) zu verzeichnen hat. Dieses steigende Potenzial zeigt sich ebenfalls in der täglichen Nutzung. In der jüngeren Altersgruppe (14 bis 19 Jahre) liegtInstagrammit 48 Prozent täglicher Nutzung vorne, in der Altersgruppe von 14 bis 29 teilen sichFacebookundInstagrammit einer täglichen Nutzungsrate von 36% den ersten Platz. Noch immerhin 5% der 30- bis 49-Jährigen nutzenInstagramtäglich – auch dies bedeutet in der Altersgruppe den zweiten Rang, hinterFacebook. (Frees & Koch, 2019, S. 410).

2.5 Selbstdarstellung

There will be time, /
To prepare a face to meet the faces that you meet
” (T. S. Eliot, 1915)

Nachfolgend wird Selbstdarstellung definiert und dabei in unterschiedliche Formen unterschieden. Anschließend wird sie in den Kontext der sozialen Medien überführt, um ein Verständnis für die Unterschiede zwischen Offline- und Online-Welt zu schaffen.

Das Leben eines jeden Menschen wird durch die soziale Interaktion mitbestimmt und geprägt. Wann immer ein Einzelner mit einer oder mehreren anderen Personen in Kontakt tritt, hat er zahlreiche Gründe, „den Eindruck, den sie von dieser Situation empfangen, unter Kontrolle zu bringen“ (Goffman, 1969, S. 17). Grundlegend weist der Mensch die allgemeine Tendenz auf, in sozialen Situationen eine interpersonale Eindruckssteuerung zu betreiben. Diese Neigung wird auch als Impression Management, oder, wenn es sich spezifisch um die eigene Person handelt, als Selbstdarstellung bezeichnet (Mummendey, 1999; Schlenker, 2003, S. 492).

Der Begriff umfasst alle zielgerichteten Handlungen, um anderen ein bestimmtes Bild seiner Selbst zu vermitteln oder dieses in erwünschter Art zu steuern (Schlenker, 2003, S.492). Dieses Sich-selbst-Darstellen ist Teil jeder sozialen Interaktion und kann daher als ein kontinuierlich ablaufendes Phänomen betrachtet werden, welches nahezu das gesamte menschliche Verhalten umfasst (Mummendey, 1990, S. 14).

Bei der Selbstdarstellung handelt es sich um eine Aktivität, die aus einer Mischung aus Persönlichkeit, der dargebotenen Situation und der Zielgruppe resultiert. Sie reflektiert den Austausch zwischen Selbst und Zielgruppe in einem sozialen Kontext (Schlenker, 2003, S. 498). Das selbstdarstellerische Verhalten kann verbal, beispielsweise durch das Ausdrücken von Gefühlen oder gestellten Fragen, oder nonverbal, z.B. durch Kleidung und das generelle Auftreten, sein (Mummendey, 2006, S. 49) und „beinhaltet sowohl die Präsentation ‚authentischer‘ als auch die Darbietung nicht authentischer Persönlichkeitsmerkmale, Emotionen und Fähigkeiten“ (Röhner & Schütz, 2019).

Zusätzlich wird in unterschiedliche Formen der Selbstdarstellung unterschieden. Hierbei erfolgt die Abgrenzung von Impression-Mangement-Strategienund Impression-Management-Taktiken.Strategien beziehen sich auf das Erreichen situationsübergreifender, langfristiger Ziele, während Taktiken darauf angelegt sind, situationsspezifische, kurzfristige Ziele zu verwirklichen (Tedeschi, Lindskold & Rosenfeld, 1985). Zudem wird in assertive und defensive Techniken unterschieden. Bei der assertiven Technik handelt es sich um ein aktives Selbstdarstellungsverhalten, mit dem Ziel, von anderen Personen Vorteile in Form von beispielsweise Belohnung, Zuspruch oder einer positiven Beurteilung, zu erhalten. Die defensive Technik soll bewirken, dass die eigene Identität beziehungsweise das Selbstbild geschützt und gewahrt wird (Tedeschi, Lindskold & Rosenfeld, 1985).

Diese Kombination von Selbstdarstellungstechniken, die sich aus den Dimensionen ‚strategisch – taktisch‘ und ‚assertiv – defensiv‘ modellieren ließe, sprich eine Zuweisung in vier Selbstdarstellungstypen, hat sich bislang nicht widerspruchsfrei erwiesen (Mummendey, 2006, S. 52). Daher wird nachfolgend stattdessen zwischen positiven und negativen Techniken differenziert.

Das positive Eindrucksmanagement dient der direkten Erzeugung eines positiven Eindrucks und umfasst beispielsweise Eigenwerbung, Selbstwerterhöhung oder auch die Aufwertung der eigenen Person über Kontakte zu bestimmten Anderen. Dem gegenüber hat das negative Eindrucksmanagement zum Ziel, den positiven Eindruck indirekt zu erzeugen. Dies geschieht meistens durch das Herabsetzen der eigenen Person, wie zum Beispiel mithilfe von Untertreibung, der Signalisierung von Hilfsbedürftigkeit oder aber auch der Abwertung anderer (Mummendey, 1990, 1999, 2006).

Grundsätzlich neigen Menschen dazu, sich ein wenig besser darstellen als sie sind oder zu sein glauben (Goffman, 1969, S. 19 ff.). Die Darstellung beziehungsweise der individuelle Ausdruck eines Individuums verkörpert fundamentale Werte der Gesellschaft. Die Selbstdarstellung ist daher stets zu einem gewissen Maße im Sinne der allgemein geltenden Werte idealisiert: „Der Einzelne wird sich also bei der Selbstdarstellung vor anderen darum bemühen, die offiziell anerkannten Werte der Gesellschaft zu verkörpern und zu belegen, und zwar im stärkeren Maße als in seinem sonstigen Verhalten.“ (Goffman, 1969, S. 35). Aufgrund der Wichtigkeit der Meinung anderer neigen viele Individuen dazu, sich selbst so zu präsentieren, dass dadurch wertvolle soziale Ziele erreicht werden (Dominick, 1999). Außerdem ist anzumerken, dass eine Person ihre Außendarstellung nicht immer kontrolliert inszeniert, sondern diese oftmals auch unbeabsichtigt, unkontrolliert sowie routiniert erfolgt (Mummendey, 1999, S. 1; Schlenker, 2003, S. 494 f.).

Die reale Selbstdarstellung kann sich von der Darstellung in der virtuellen Welt deutlich unterscheiden. In der Theorie bezieht sich die Selbstdarstellung, wie sie vorangehend beschrieben wurde, auf die Face-to-Face-Kommunikation. Durch die Nutzung von SNS kommt es jedoch dazu, dass die Präsentation sich in mehreren Punkten verändert und daher von der in der Offline-Welt differiert.

Grundsätzlich, und gerade in den SNS, ist der erste Eindruck von besonderer Relevanz: „You never get a second chance to make a first impression“ (zitiert nach Schlenker, 2003). Er dient als unwiderrufliche Grundlage, auf der spätere Einstellungen und Positionen aufbauen. Goffman (1969, S. 14) sagt: „Es scheint, als sei es für den Einzelnen leichter, zu Beginn einer Begegnung auszuwählen, wie er von den anderen behandelt werden will, als später die Art der Behandlung zu verändern, wenn die Interaktion einmal begonnen hat“. Der erste Eindruck ermöglicht, ein bestimmtes Bild zu kreieren. Die Interaktionspartner neigen folglich dazu, die Meinung, die sie von einer Person haben, möglichst aufrechtzuerhalten zu wollen und passen sowohl ihr Verhalten an die Person an als auch die Erwartungen, die sie haben (Goffman, 1969, S. 14). Dies soll ein möglichst kongruentes Gesamtbild erschaffen (Pirker, 2019, S. 5). Wenn eine Person beispielsweise durch ihre Online-Selbstdarstellung zu Beginn besonders sympathisch wirkt, neigen andere dazu, dieses Bild durch andere beispielhafte Situationen zu bestärken. Negative Eigenschaften werden oftmals eher verdrängt, da sie nicht zum Bild der jeweiligen Person passen.

Im Gegensatz zur realen Welt, ändert sich in der virtuellen Welt zum einen die Bezugsgruppe. Diese ist in sozialen Netzwerken oftmals deutlich größer als in einer realen Situation. Aufgrund dessen kann es dazu führen, dass der Eindruck, den jemand den unterschiedlichen Interaktionspartnern vermitteln möchte, sehr verschieden ist. Daher ist es notwendig ein Kompromiss zwischen den inkongruenten Darstellungsformen zu finden. Beispielsweise unterscheidet sich das Bild, welches man seinen Freunden oder losen Bekannten vermitteln möchte, von dem, welches der Familie zuteilwerden soll (Brailovskaia & Bierhoff, 2012, S. 44; DeAndrea & Walther, 2011, S. 806 f.; vgl. Krämer & Winter, 2008).

Die Größe der Bezugsgruppe kann spezifisch aufInstagramauch abhängig davon sein, ob das eigene Profil privat ist oder nicht.

Des Weiteren entfällt in der virtuellen Welt die Möglichkeit der nonverbalen Kommunikation, sowohl auf Seiten der eigenen Person als auch auf Seiten des jeweiligen Interaktionspartners (Paechter, 2006, S. 611). Dies führt dazu, dass Emotionen nur noch begrenzt dargeboten werden können.

Dennoch ist anzumerken, dass die Selbstdarstellung durch die computervermittelte Kommunikation gezielter gesteuert werden kann. Die Inhalte, die in den sozialen Netzwerken gepostet werden, sind sorgfältig durchdacht und werden oftmals im Vorfeld aufwendig selektiert und bearbeitet, wodurch ein idealisiertes Bild der Person entsteht beziehungsweise ein spezifischer Eindruck vermittelt werden soll (Dominick, 1999, S. 647; Paechter, 2006, S. 613).

Ein weiterer Faktor ist der Grad der Anonymität, der durch die virtuelle Welt entsteht. Wie bereits erwähnt ist es dem Nutzer selbst überlassen, welche und wie viele Informationen er über sich teilt. Der Interaktionspartner ist auf diese freiwillig gegebenen Informationen angewiesen. Dies ermöglicht es dem Nutzer, unwahre Aussagen zu machen, die oftmals nicht ohne Weiteres überprüft werden können. Daraus resultiert für den Sender ein Kontrollgewinn, für den Empfänger hingegen ein Kontrollverlust (Döring 2003, S. 167 f.). Dennoch ist anzumerken, dass auch andere Personen Informationen über den jeweiligen Nutzer teilen können. Dies geschieht beispielsweise über Verlinkungen in Fotos oder auch durch Kommentare unter Beiträgen. Dieses Verhalten kann bewirken, dass der Eindruck von außen beeinflusst wird und daher die Anonymität eingeschränkt und die Glaubwürdigkeit der betroffenen Person in positivem oder negativem Sinne verstärkt wird. Unter anderem deshalb werden von Mitgliedern der sozialen Netzwerke authentische Präsentationen der eigenen Person gegenüber der idealisierten Selbstdarstellung präferiert (Back et al., 2010; Machilek, Schütz & Marcus, 2004; Vazire & Gosling, 2004).

Summa summarum ist die Kontrollierbarkeit der Selbstdarstellung im Internet gegebenenfalls größer als bei der direkten Offline-Kommunikation, vor allem aber durch die Fokussierung der PlattformInstagramauf Bild und Video in ihrer Anonymität stärker eingeschränkt als in anderen Settings der computervermittelten Kommunikation. Zudem wird die Kontrollierbarkeit durch weitere Faktoren wie das Nutzungsverhalten anderer Nutzer beeinflusst (Blumer, 2013, S. 55).

2.6 Persönlichkeit

Bevor auf die Persönlichkeitseigenschaften Extraversion und Narzissmus näher eingegangen werden kann, ist das Konstrukt der Persönlichkeit zu definieren und eine historische Einordnung vorzunehmen.

Der Persönlichkeitspsychologe Lawrence A. Pervin definiert Persönlichkeit wie folgt:

Persönlichkeit ist die komplexe Organisation von Kognitionen, Emotionen und Verhalten, die dem Leben der Person Richtung und Zusammenhang gibt. Wie der Körper so besteht auch Persönlichkeit aus Strukturen und Prozessen und spiegelt ‚nature‘ (Gene) und ‚nurture‘ (Erfahrung) wider. Darüber hinaus schließt Persönlichkeit die Auswirkungen der Vergangenheit ein […], ebenso wie die Konstruktionen der Gegenwart und der Zukunft. (1996, S. 414)

Demnach handelt es sich um ein (kurzfristig) zeitstabiles Korrelat, welches die Einzigartigkeit des Individuums aufzeigt. Langfristige Veränderungen der Persönlichkeit sind jedoch nicht auszuschlie­ßen. Beispiele für Persönlichkeitseigenschaften sind impulsiv oder freundlich.

Nachfolgend werden die relevantesten eigenschaftstheoretischen Ansätze, die den Persönlichkeits­begriff unterschiedlich auffassen, exemplarisch vorgestellt. Hierbei wird chronologisch erläutert, wie es zu der Entwicklung des heutzutage bekanntesten und etabliertesten Modells der Big Five (auch: Fünf-Faktoren Modell, FFM) kam, da dieses für die vorliegende Arbeit von großer Relevanz ist.

Den Ursprung des Fünf-Faktoren-Modells, welches die Persönlichkeit eines Menschen beschreibt, bildet der psycholexikalische Ansatz. Dieser wurde erstmals im Jahr 1926 von Ludwig Klages in Form einer psycholexikalischen Hypothese, auch Sedimentationshypothese genannt, formalisiert. Jene besagt, dass sich Wörter beziehungsweise Begriffe, die von besonderer Wichtigkeit für die Be­schreibung der individuellen Persönlichkeit sind, in der Gesellschaft im täglichen Sprachgebrauch manifestieren (Klages, 1926). Insbesondere Adjektive implizieren hierbei die individuellen Unterschiede der Menschen (Rauthmann, 2017). Ziel des Ansatzes war es, eine Taxonomie der Persönlichkeit zu erstellen (John, 1990).

Auf dieser Grundannahme analysierten Allport und Odbert (1936) ein englischsprachiges Lexikon und fanden rund 18.000 Begriffe, die Eigenschaften umschreiben. An dieser Arbeit wiederum knüpfte Raymond B. Cattell an und erreichte einen großen Meilenstein. Mittels mehrerer Faktoren­analysen ermittelte er 16 replizierbare Persönlichkeitsfaktoren, welche er im Messinstrument 16PF zusammentrug (Cattell, Eber & Tatsuoka, 1970). Dieses Instrument dient heute noch als Grundlage für weitere Forschungen und auch die Entwicklung der Big Five.

Durch wiederholte Überarbeitung von unterschiedlichen Forschern wurden schließlich fünf Faktoren deduziert. Goldberg (1981) gab diesen fünf Faktoren erstmals den übergreifenden Namen „Big Five“ (dt. „Große Fünf“) (vgl. Angleitner & Riemann, 2005, S. 99). Die Benennungen der Big Five Persönlichkeitsfaktoren, welche heute universell verwendet werden, gehen auf McCrae und Costa (1985) zurück. Die beiden nahmen ebenso Bezug auf die Arbeit von Cattell und führten Clusteranalysen aus den Ergebnissen des 16PF durch. Dies, ebenso aufbauend auf der Erkenntnis von Eysenck (1987), der mit Psychotizismus, Extraversion und Narzissmus (PEN-Modell) drei grundlegende Persönlichkeitsdimensionen definierte, führte zu der Annahme, dass die Persönlichkeit aus den Merkmalen Neurotizismus, Extraversion und Offenheit für Erfahrung besteht. Dadurch entstand das NEO-Modell der Persönlichkeit. Weitere faktortheoretische Analysen des Modells zeigten jedoch, dass es zusätzlich zu den drei intendierten Dimensionen noch zwei weitere gibt: Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit (McCrae & Costa, 1985).

Die insgesamt fünf Faktoren gelten als übergeordnete Domänen, welche anhand von verschiedenen Facetten erfasst werden. Dies kann der Tabelle 1 entnommen werden. Die Domänen sind als stabil, unabhängig und kulturübergreifend gültig zu sehen und lauten: Neurotizismus (neuroticism), Extraversion (extraversion), Offenheit für Erfahrung (openness to experience), Verträglichkeit (agreeableness) und Gewissenhaftigkeit (conscientiousness).

Tabelle 1 Die Big Five Persönlichkeitsfaktoren und Facetten nach dem NEO-PI-R (Costa & McCrae, 1992; Ostendorf & Angleitner, 2004)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Messung der Persönlichkeitsfaktoren entwickelten McCrae und Costa (1992) das NEO-FFI und das NEO-PI-(R). Beide sind beliebte Inventare zur Erfassung der Persönlichkeitsdomänen (Rauthmann, 2017, S. 261). Das NEO-PI-R beinhaltet 240 Items. Die fünf Faktoren bestehen jeweils aus sechs Facetten (gesamt 30 Facetten), die wiederum mit jeweils acht Items erfasst werden. Das NEO-FFI ist mit 60 Items vergleichsweise kurz. Es misst nicht die Facetten, sondern lediglich die Domänen mit jeweils 12 Items und wurde von Borkenau und Ostendorf ins Deutsche übersetzt und später neu normiert und überarbeitet (Borkenau & Ostendorf, 1993, 2008).

Die individuelle Persönlichkeit eines Menschen ergibt sich aus der Zusammensetzung der unter­schiedlichen Merkmalsausprägungen, wodurch der Mensch in seinem Denken, Fühlen und Handeln geprägt wird. Jede Domäne kann verschieden stark und auch unabhängig von den anderen Domänen ausgeprägt sein (Angleitner, Ostendorf & John, 1990; McCrae & Costa, 1997).

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem Faktor der Extraversion, welcher im Laufe dieser Arbeit detaillierter untersucht wird. Daher wird das Verständnis von Extraversion nach McCrae und Costa (1992) nachfolgend kurz erläutert. Eine kurze Charakterisierung der anderen Dimensionen der Big-Five-Faktoren befindet sich im Anhang (Kapitel 10.2).

Extraversion. Die Geselligkeit steht bei Personen mit einer stark ausgeprägten Extraversion im Vordergrund. Weitere Kennzeichen sind Aktivität, Abenteuerlust, Fröhlichkeit und Herzlichkeit (Asendorpf, 2019, S. 70; Borkenau & Ostendorf, 1993). Extravertierte fühlen sich in sozialen Situationen sehr wohl und stehen auch gern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dies erklärt sich dadurch, dass sie sehr gesprächig und personenorientiert sind und durch ihre optimistische und heitere Art angenehme und unterhaltsame Interaktionspartner verkörpern (Borkenau & Ostendorf, 1993). Hierbei legen sie viel Wert auf ihre Selbstdarstellung, wodurch sie das Interesse ihrer Mitmenschen erlangen, folglich leicht Kontakte knüpfen und Interaktionen vertiefen (Argyle & Lu, 1990; Borkenau & Ostendorf, 2008). Extraversion gilt unter den Big Five als Merkmal, welches „geselliges Verhalten, Größe des sozialen Netzwerks, pos[itive] Stimmung, Führungsqualität und erfolgreichen Kundenkontakt“ (Extraversion, 2019) stärker vorhersagt als die anderen Faktoren.

2.7 Extraversion

Unter dem Begriff der Extraversion (lat.extraaußen,verterezuwenden) wird eine Persönlichkeitsdisposition verstanden, die auf den Schweizer Psychiater C. G. Jung (1921) zurückzuführen ist. Sie gilt gemeinsam mit ihrem Gegenpol, der Introversion (lat.introhinein,verterezuwenden), als stabile, grundlegende Persönlichkeitseigenschaft und findet sich in den meisten faktorenanalytischen Persönlichkeitsmodellen wieder.

Die Extraversion wird von Jung als „Aufwärtswendung der Libido“ (Jung, 1960, S. 467 Z. 779) bezeichnet. Es besteht demnach eine positive Beziehung zwischen dem Subjekt und dem Objekt. Der Extravertierte denkt, fühlt und handelt in Bezug auf das Objekt und trägt dieses offenkundige Interesse und seine positive Einstellung nach außen. Zusammenfassend wird Extraversion auch als „Hinausverlegung des Interesses aus dem Subjekt auf das Objekt“ (Jung, 1960, S. 467 Z. 779) verstanden.

Die Introversion hingegen wird als „Einwärtswendung der Libido“ (Jung, 1960, S. 480 Z. 833) definiert. Das Interesse bewegt sich nicht zum Objekt, sondern zieht sich davor zurück und fokussiert sich auf das Subjekt. Das Subjekt ist primär motivierend für das Denken, Fühlen und Handeln, während dem Objekt höchstens ein sekundärer Wert zugeschrieben wird (Jung, 1960, S. 480 Z. 833).

Grundsätzlich ist jeder Mensch in Besitz beider Einstellungen, jedoch sind diese ungleich verteilt. Wenn die Extraversion überwiegt, liegt der Fokus der Person auf der äußeren Ebene und ihrer
(Um-)Welt. Dominiert jedoch die Introversion, so ist die Aufmerksamkeit des jeweiligen Menschen eher auf die subjektive (Innen-)Welt gerichtet (Jung, 1960, S. 2 Z. 4 f.). Eine hohe Ausprägung von Extraversion kennzeichnet sich durch Offenheit, Umgänglichkeit, Fröhlichkeit, Freundlichkeit und Zugänglichkeit. Es fällt extrovertierten Personen leicht, andere Personen kennenzulernen und mit ihnen auszukommen. Ist die Person hingegen verschlossen, zurückhaltend, schwer zu durchschauen und oftmals gar scheu und teilnahmslos, so ist sie dem Typus der Introversion zuzuschreiben (Jung, 1960, S. 357 Z. 622, S. 438 Z. 733).

Die extravertierte oder introvertierte Einstellung zeigt sich durch gewisse Besonderheiten der psychischen Grundfunktionen, welche in Tabelle 2 aufgeführt sind. Nachfolgend werden tiefergehende Anmerkungen ergänzt.

Tabelle 2 Grundfunktionen und Einstellungen nach Jung (Eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Gegensatz zur Extraversion steht das Denken bei Introvertierten im Vordergrund, die „relativ unbewußten [sic] Funktionen des Fühlens, Intuierens und Empfindens sind minderwertig und haben einen primitiv extravertierten Charakter“ (Jung, 1960, S. 420 Z. 708).

Dem extravertierten Fühlen ist hinzuzufügen, dass traditionelle oder allgemeingültige Werte das subjektive Gefühl überstimmen und dadurch ein passendes, angepasstes Gefühlsurteil kreieren. Das taktvolle Fühlen resultiert daraus, dass der extravertierte Typus sehr auf seine Umwelt bedacht ist (Jung, 1960, S. 385 Z. 663 ff.). Dem gegenüber steht das introvertierte Fühlen. Hierbei wird sich nicht dem Objektiven angepasst, sondern sich ihm übergeordnet, um die eigenen Vorstellungen, die oftmals nicht dem Bild der Wirklichkeit entsprechen, zu realisieren (Jung, 1960, S. 421 Z. 709).

Das introvertierte Empfinden kennzeichnet sich durch die Fokussierung auf die subjektive Wahrnehmung, welche durch einen objektiven Reiz ausgelöst wird (Jung, 1960, S. 429 Z. 719). Der Introvertierte ist demnach stark an seiner eigenen Erlebniswelt interessiert und neigt oftmals zu einer künstlerischen Empfindung, die über die reine Objekteinwirkung hinausgeht (Jung, 1960, S. 428 Z. 719 f.).

Zuletzt unterscheidet sich auch das Intuieren. Extravertierte streben nach den größten oder bestmöglichen Optionen und neigen dazu, sich diese immer offen zu halten. Dadurch entsteht eine gewisse Rastlosigkeit (Jung, 1960, S. 399 Z. 680). Diese wird dadurch ergänzt, dass der extravertierte Typus sich schnell langweilt. Neue Objekte und Wege werden erst enthusiastisch und intensiv erfasst, sobald deren Nutzen jedoch erschöpft und keine weitere Entwicklung erkennbar ist, wendet sich der Extravertierte ebenso schnell wieder von diesen ab (Jung, 1960, S. 400 Z. 681).

Diese Besonderheiten der psychologischen Grundfunktionen kennzeichnen die typischen Charakteristika der jeweiligen Dimension und verdeutlichen deren Verschiedenheit, wie sie sich auch in den unterschiedlichen Persönlichkeiten jeweiliger Personen sowie ihrem Verhalten in sozialen Interaktionen zeigen.

Auf Grundlage dieses Konzeptes gelangte Hans Jürgen Eysenck (1987), der seine Forschung zu Persönlichkeitsfaktoren vor allem aus der neurobiologischen Perspektive betrieb, wie bereits erwähnt zu der Annahme, dass es neben Intelligenz drei zentrale Persönlichkeitsfaktoren gibt (PEN-Modell). Facetten der Extraversion sind nach Eysenck: „activity, sociability, expressiveness, assertiveness, ambition, dogmatism [and] aggressiveness” (Eysenck, 1973).

Hypothesenableitung. Mehrere Studien zeigen, dass sich insbesondere extravertierte Nutzer durch eine hohe interpersonelle Online-Interaktion kennzeichnen. Sie haben viele (online) Freunde und nutzen die Funktionen der sozialen Netzwerkseiten besonders ausgeprägt (Brailovskaia, 2015; Brailovskaia & Bierhoff, 2012; Correa, Hinsley & de Zúñiga, 2010). Zudem laden sie öfter Bilder hoch, auf denen sie zusammen mit anderen Personen fotografiert wurden und geben mehr persönli­che Informationen über sich preis (Marcus, Machilek & Schütz, 2006).

Je nach Ausprägung der Persönlichkeitsmerkmale verfolgen Personen bei der Verwendung von sozialen Medien unterschiedliche Ziele. Aufgrund ihrer geselligen und aufgeschlossenen Persönlichkeit ist davon auszugehen, dass den Extravertierten das Pflegen von Beziehungen und die Kommunikation mit anderen besonders wichtig ist und dies sich auch im Nutzungsverhalten spiegelt. Daher wird angenommen, dass die Disposition Extraversion mit mehr Online-Selbstdarstellung und -Interaktion einhergeht. Zudem resultiert die intensive Nutzung der Plattform in einer gesteigerten Bedürfnisbefriedigung des sozialen Kontaktes und der Selbstdarstellung. Aufgrund dessen wird zusätzlich davon ausgegangen, dass Extraversion die Nutzungsintensität vonInstagrambedingt.

2.8 Narzissmus

Nach Paulhus (2001) entsteht durch die spezifische Korrelation zwischen den Big Five Faktoren Extraversion und (geringer) Verträglichkeit ein Persönlichkeitstypus, der der narzisstischen Persönlichkeit gleichzusetzen ist. Dementsprechend wird dieser Typus in der Literatur auch als „disagreeable extravert“ (Paulhus, 2001, S. 228) beschrieben (Paulhus, 2001).

An dieser Stelle ist zwischen Narzissmus als Persönlichkeitsmerkmal und als psychologische Störung zu differenzieren. Jeder Mensch weist ein gewisses Ausmaß an Narzissmus auf, da es sich hierbei um eine kontinuierliche Persönlichkeitseigenschaft handelt. Diese ist jedoch klar vom klinischen Störungsbild der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung abzugrenzen, auch wenn zwischen den beiden ein fließender Übergang bestehen kann (Bierhoff & Herner, 2009, S. 109). Diese Arbeit bezieht sich lediglich auf Narzissmus als Persönlichkeitsmerkmal, nicht jedoch auf die Persönlichkeitsstörung.

Personen, die einen hohen Narzissmuswert aufweisen, lassen sich kennzeichnen durch: Größenfan­tasien, starke Egozentrik, überzogene Anspruchshaltung, inflationierte Selbsteinschätzung, Verwen­dung selbstdienlicher Verzerrungen, Betonung von Erfolg, Macht und eigener Großartigkeit, Desin­teresse an anderen, Mangel an Empathie, geringe Verträglichkeit, Sensationssuche sowie übertriebene Selbstdarstellung (Neumann, 2010; Bierhoff & Herner, 2009, S. 105; Brailovskaia & Bierhoff, 2012). Narzissten fällt es aufgrund ihrer stark ausgeprägten Kontaktfreude und Kommuni­kationsstärke leicht, Beziehungen zu schließen. Diese sind indes vergleichsweise oberflächlich und meist nur von kurzer Dauer (Bierhoff & Herner, 2009, S. 119-148; Paulhus, 2001, S. 229). Der soziale Kontakt selbst steht hierbei nicht im Vordergrund, sondern das Ziel, durch positives Feedback des Umfeldes die Selbstwertschätzung zu steigern (Morf & Rhodewalt, 2001).

Die Psychologin Ursula Nuber illustriert die Persönlichkeitsstruktur von Narzissten am Beispiel eines Mannes Namens Olaf K. Er wird mit folgenden Aussagen zitiert:

Erst komme ich, und dann kommt alles andere. Bevor ich bei mir Abstriche mache, bevor ich jemandem helfe, überlege ich. Das heißt nicht, dass ich um jeden Preis vorwärts gehe, aber ich achte schon darauf: ‚Wer kann mir helfen, und wer kann mir nicht helfen?‘ […] Ich beschäftige mich nur mit bestimmten Personen, von denen ich glaube, dass sie mir was bringen oder was geben können. (1993, S. 26; zitiert nach Herner & Bierhoff, 2009, S. 116)

Es existieren zwei Dimension von Narzissmus: offen und verdeckt (Wink, 1991). Auf der einen Seite befinden sich die Narzissten, die in ihrem Auftreten sehr überheblich und großspurig sind. Diese Art des Narzissmus ist offen im Verhalten der jeweiligen Person zu beobachten. Demgegenüber befinden sich die verdeckten Narzissten, die sich gar unsicher und schüchtern präsentieren (Neumann, 2010).

Auch wenn die beiden Dimensionen nicht miteinander korrelieren, haben sie die Kernmerkmale Arroganz, Intoleranz und Maßlosigkeit gemeinsam. Die Unterscheidung der beiden Dimensionen besteht in erster Linie darin, dass der offene Narzissmus, der auch als „Grandiosität-Exhibitionismus“ beschrieben wird, Merkmale wie Extraversion, Selbstsicherheit, die Neigung, sich selbst zur Schau zu stellen, und Aggression aufweist. Im Vergleich dazu kennzeichnet sich der verdeckte Narzissmus durch „Vulnerabilität-Sensitivität“ und beinhaltet Eigenschaften wie Introversion, Defensivität, Ängstlichkeit und Verletzlichkeit (Wink, 1991, S. 590).

Die von Wink aufgestellte Hypothese, dass offener Narzissmus positiv mit Extraversion korreliert und der Zusammenhang von verdecktem Narzissmus und Extraversion negativ ist, konnte von Hendin und Cheek (1997) bestätigt werden. Sie konnten zudem aufzeigen, dass der offene Narzissmus positiv mit dem „Big Five“-Faktor Offenheit korreliert, verdeckter Narzissmus hingegen korreliert negativ mit Verträglichkeit und Offenheit sowie positiv mit Neurotizismus.

Gemeinsam mit den Persönlichkeitsmerkmalen Machiavellismus und Psychopathie bildet Narziss­mus die sogenannte Dunkle Triade (Paulhus & Williams, 2002).

Das Narcissistic Personality Inventory (NPI; Raskin & Hall, 1979, 1981; Raskin & Terry 1988) gilt als das wichtigste Instrument zur Erfassung von Narzissmus als Persönlichkeitsmerkmal (Bierhoff & Herner, 2009, S. 106). Der Test beinhaltet Selbstbeurteilungen in unterschiedlichen Bereichen (Autoritätsgefühl, Selbstgenügsamkeit, Überlegenheitsgefühl, Prahlerei, Ausbeutung, Eitelkeit und Anspruchshaltung), bei denen im Forced-Choice-Format jeweils zwischen einer äußerst narzissti­schen Option und einer ‚normalen‘ Variante gewählt werden muss. Die Skala wurde mittels 200 theoriegeleitet formulierten Items konstruiert und beinhaltet insgesamt 40 Aussagenpaare (Schütz, Marcus & Sellin, 2004, S. 203).

Die in dieser Arbeit verwendete deutsche Version von Schütz, Marcus und Sellin (2004) basiert auf sechs Subskalen des NPI, diese lauten: Führungspersönlichkeit, Physische Eitelkeit, An­spruch /

Do­minanz, Überheblichkeit / Überlegenheitsgefühl, Ehrgeiz / Führungswille und Kompetenz­überzeu­gung.

Das NPI misst den offenen Narzissmus. Da der verdeckte Narzissmus in den vorliegenden Studien bislang immer unterschiedlich operationalisiert wurde, lässt sich nicht eindeutig bestimmen, welches Messinstrument diese Variante des Narzissmus erfasst (Neumann, 2010, S. 22).

Die Bedürfnisbefriedigung ist wie bereits erwähnt einer der Faktoren, der die Menschen dazu bewegt, Dienstleistungen wie Social-Media-Plattformen im Internet zu nutzen. Die Bedürfnisse nachattention and admiration, self-disclosure and self-presentationsowie nachself-esteemsind bei narzisstischen Persönlichkeiten besonders relevant.

Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bewunderung zählt zu den Kerncharakteristiken des Narzissmus. Aufmerksamkeit bezieht sich auf das Verlangen, von anderen gesehen und gehört zu werden (Mellor, 2005). Das Bedürfnis nach Bewunderung hingegen zeichnet sich durch die Benötigung von Komplimenten oder Anzeichen der Eifersucht und Neid von Dritten aus (Blumer et al., 2017, S. 29). Dadurch, dass Narzissten nach Aufmerksamkeit und vor allem kurzfristiger Bewunderung verlangen, haben sie viele lose Bekanntschaften, die dieses Bedürfnis erfüllen und gegenüber engen Freunden präferiert werden (Morf & Rhodewalt, 2001, S. 187). Dies wird vor allem durch die Größe der Bezugsgruppe aufInstagram, welche vorangehend thematisiert wurde, ermöglicht und gefördert. Außerdem bietetInstagramein ständiges Feedback der anderen Nutzer in Form von Likes, Kommentaren oder auch der Anzahl der Follower, welches mögliche Rückschlüsse auf die Popularität des jeweiligen Nutzers zulässt und die gestellten Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit und Bewunderung des Narzissten erfüllt (Blumer et al., 2017, S. 29).

Unterself-disclosure(dt. „Selbstoffenbarung“) wird das bewusste oder auch unbewusste Preisgeben von persönlichen Informationen (z.B. Gedanken, Gefühle, Vorlieben, Abneigungen), welche konsis­tent mit dem Bild sind, welches eine Person von sich vermitteln möchte, verstanden. Die Selbstof­fenbarung ist ein wichtiger Bestandteil, um Beziehungen zu anderen aufzubauen (Kaplan & Haenlein, 2010, S. 62). Narzisstische Selbstoffenbarung ist nicht primär als sozialer Prozess zu verstehen, sondern manifestiert sich als rein egoistisches Verhalten. Die Selbstoffenbarung findet hier nicht statt, um Beziehungen aufzubauen, sondern die Gedanken und Einstellungen aus reiner Eitelkeit mitzuteilen (Blumer et al., 2017, S. 29). Morf und Rhodewalt (2001) verstehen diesen Prozess alspseudo-social: Das Umfeld wird benötigt, damit die Selbstoffenbarung Anerkennung findet, die wirkliche Meinung spielt jedoch nur eine minderwertige Rolle (S. 183).Instagrambietet Narzissten die optimale Plattform, um Informationen über sich selbst preiszugeben und Selbstdar­stellung zu betreiben. Das virtuelle Image des Narzissten kann umfassend durch das Posten von Beiträgen mit den jeweiligen (zutreffenden oder optimierten) Selbstbeschreibungen kreiert und gepflegt werden (Blumer et al., 2017, S. 29).

Die Selbstwertschätzung resultiert aus dem Ergebnis der Gefühle und Gedanken über die eigene Person in Kombination mit sozialem Feedback. Sie kann als „[subjektive] globale Bewertung der eigenen Person mit all ihren Eigenschaften“ (Jünemann, 2016, S. 188) definiert werden. Das Konzept steht in engem Zusammenhang mit der Selbstdarstellung (Leary & Baumeister, 2000). Unter Narzissten ist das Bedürfnis nach Selbstwertschätzung besonders ausgeprägt (Blumer et al., 2017, S. 30). Sie sind, wie bereits erwähnt, abhängig von sozialem Feedback und dem sozialen Vergleich mit anderen, um ihre Selbstwertschätzung aufrechtzuerhalten.

Die bereits erwähnten Bedürfnisse können als Komponenten zur Regulation der Selbstwertschätzung betrachtet werden (Morf & Rhodewalt, 2001). Aufgrund dessen dienen die sozialen Netzwerke und die dort stattfindende Kommunikation und Interaktion sowie die vorangegangenen Aspekte wie eine große Bezugsgruppe als Medium zum Erhalt und der Verbesserung der Selbstwertschätzung (DeWall, Buffardi, Bonser & Campbell, 2011, S. 57). Wenn diese grundlegenden Bedürfnisse durch die Nutzung von SNS befriedigt werden, entwickeln Narzissten eine spezielle Präferenz für die Kommunikation und soziale Interaktion auf diesen Plattformen im Vergleich zur Face-to-Face-Kommunikation.

Medienforscher Dr. Markus Appel spricht gegenüber der Deutschen Welle von einer selbstverstär­kenden Spirale der narzisstischen Tendenzen, die durch soziale Medien und soziales Feedback ausgelöst und verstärkt wird. Narzissten machen und teilen häufiger Selbstporträts und bearbeiten diese drastischer. Die Beschäftigung mit sich selbst und das daraus resultierende Feedback fördert narzisstische Tendenzen. Dies wiederum verstärkt das Teilen von Bildern, was wiederum in Bestä­tigung resultiert (Herbe, 2018).

Insbesondere Millennials sind, Twenge und Campbell (2009) zufolge, besonders narzisstisch. Ihnen nach gibt es ein Anstieg des Narzissmus, ausgelöst durch die Nutzung der sozialen Medien. Demzufolge sind gerade Digital Natives, primär die jüngeren unter ihnen, besonders narzisstisch geprägt.

Hypothesenableitung. Instagramist wie vorangegangen festgestellt die optimale Plattform für Narzissten, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Es ist besonders einfach, ein bestimmtes Bild von sich zu kreieren und zu vermitteln. Daher wird angenommen, dass die Beschaffenheit des Netzwerkes durch die hohe Kontrollmöglichkeit von Verhalten und Anpassung an den erwünschten Eindruck dazu führt, dass Narzissten in höherem Maße Selbstdarstellung betreiben (Brailovskaia, 2015; Buffardi & Campbell, 2008; DeWall et al., 2011).

Außerdem wird angenommen, dass höhere Werte des Narzissmus mit mehr sozialer Interaktion einhergehen, da dadurch das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bewunderung befriedigt wird.Instagrambietet eine große Bezugsgruppe, wodurch Narzissten schnell viele soziale Kontakte knüpfen können. Diese bleiben meist oberflächlich, wodurch die typischen negativen Merkmale nicht zum Vorschein treten, und das positive Bild und das resultierende positive Feedback aufrechterhalten wird (Bierhoff & Herner, 2009; Brailovskaia & Bierhoff, 2016, 2019; Morf & Rhodewalt, 2001, Paulhus, 2001).

Je intensiver die Plattform genutzt wird, desto höher ist die Bedürfnisbefriedigung. Daher wird davon ausgegangen, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen Narzissmus und der Nutzungsinten­sität gibt.

3 Motive der Instagram -Nutzung

Die Menschen versprechen sich durch die Nutzung von SNS wieInstagrameine Befriedigung spezifischer Bedürfnisse. Dies wird nachfolgend anhand desUses-and-Gratifications-Approachserläutert und exemplarisch fürInstagrambelegt.

DerUses-and-Gratifications-Approachbezeichnet Erklärungsansätze, die die Nutzungsmotivation von spezifischen Medien analysieren. Es wird hinterfragt, wozu der Mensch die Medien nutzt. Hierbei steht der Mensch und sein zielorientiertes Handeln im Vordergrund, und nicht die Frage danach, wie die Medien sich im Umgekehrten auf den Menschen auswirken (Hugger, 2008, S. 173).

Eine der Kernannahmen des Ansatzes ist, dass Menschen aktiv und in Eigeninitiative diejenigen Medien auswählen, von denen sie sich die größte soziale und psychologische Bedürfnisbefriedi­gung erhoffen. Die Medien stellen hierbei nur eine der möglichen Handlungsoptionen dar und werden nicht zwangsläufig gewählt (Hugger, 2008, S. 173). Beispielsweise kann das Bedürfnis nach Unterhaltung durch das Anschauen von YouTube-Videos ebenso erfüllt werden wie durch einen gemeinsamen Ausflug mit Freunden.

Die ursprünglich identifizierten Bedürfnisse waren:diversion(escape from reality),personal relationships,personal identity(value reinforcement), andsurveillance(McQuail, Blumler & Brown, 1972; zitiert nach Katz, Blumler & Gurevitch, 1973).

Durch das Aufkommen von sozialen Medien und SNS haben sich die Bedürfnisse verändert und angepasst. Für die Nutzung von Instagram gibt es mehrere Studien mit verschiedenen Gründen. Eine recht allgemeine Umfrage von Greven (2018) benennt „Ich schaue mir Fotos und Stories von Freunden / Bekannten / Prominenten an“, „Ich möchte unterhalten werden“ und „Ich zeige Fotos, Stories und Eindrücke aus meinem Leben / von meinen Hobbies / meiner Tätigkeit“ als die drei Hauptgründe für die Nutzung von Instagram unter den Befragten im Alter von 14-49 Jahren
(N = 619) (Greven, 2018).

Weitere Nutzungsmotive, die sowohl sozial als auch psychologisch bedingt sind, lassen sich in unterschiedliche Kategorien unterscheiden:Social interaction, Archiving, Self-expression, Escapism and Peeking(Lee et al., 2015) oder auchSurveillance/Knowledge about others, Documentation, Coolness and Creativity (Sheldon & Bryant, 2016). Laut Whiting und Williams (2013) sind weitere Bedürfnisse wieconvenience utility, expressing opinionsundcommunicatory utilityvon Relevanz.

Die soziale Interaktion, welche eine der typischen Charakteristika von sozialen Netzwerkplattformen darstellt, ist der stärkste Faktor für die Nutzung vonInstagram. Die Nutzer wollen soziale Beziehungen aufbauen und pflegen und suchen dafür aktiv nach Gleichgesinnten, die ihre Interessen und Bedürfnisse teilen (Lee et al., 2015).

Die Herauskristallisierung des FaktorsDokumentation/Archivingverdeutlicht die Nutzung vonInstagramals Plattform, alltägliche Aktivitäten festzuhalten und beispielsweise mithilfe von aufwendigen Urlaubsfotos ein persönliches Online-Fotoalbum zu kreieren oder auch das eigene Leben grundsätzlich online zu dokumentieren (Lee et al., 2015; Sheldon & Bryant, 2016). Dieser Faktor ist ein Alleinstellungsmerkmal vonInstagram, welches durch die typischen Charakteristika der Plattform entsteht (Sheldon & Bryant, 2016).

Des Weiteren zeigt der FaktorSelbstdarstellung, dass die Nutzer unterschiedlichste Bilder dazu gebrauchen, ihre Persönlichkeit, den Lebensstil und ihren persönlichen Geschmack zu visualisieren und präsentieren (Lee et al., 2015, S. 555). Fotos eignen sich deutlich besser als Texte, um Selbst­darstellung zu betreiben, da die sogenanntephotographic truthdafür sorgt, dass mehr Glaubwürdig­keit in einem bildlichen Beitrag ist als in einem Text. Personen neigen eher dazu, ein Foto von beispielsweise einer Reise hochzuladen, als einen Text darüber zu verfassen, der deutlich weniger nachvollziehbar und nachzuempfinden ist. Dies ist besonders beiInstagramder Fall, da das Netzwerk fast ausschließlich aus Bildbeiträgen besteht und die Wichtigkeit der visuellen Selbstdar­stellung dadurch stark erhöht wird (Marwick, 2013, S. 143).

Escapismverdeutlicht den Wunsch, den eigenen Sorgen zu entfliehen beziehungsweise sich dem realen Leben zu entziehen und sich dadurch zu entspannen. Eng damit verbunden istPeeking.Instagramermöglicht es den Nutzern, mit Freunden, Familie und Bekannten, aber auch völlig fremden Personen zu interagieren – hierzu zählen auch die Prominenten, zu denen eine parasoziale Beziehung aufgebaut werden kann (Lee et al., 2015).

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Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Digital Natives und deren Online-Verhalten auf Instagram unter Betrachtung von Extraversion und Narzissmus
Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
78
Katalognummer
V544515
ISBN (eBook)
9783346162946
ISBN (Buch)
9783346162953
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digital natives, instagram, narzissmus, extraversion, persönlichkeitspsychologie
Arbeit zitieren
Laura Lindemann (Autor:in), 2020, Digital Natives und deren Online-Verhalten auf Instagram unter Betrachtung von Extraversion und Narzissmus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/544515

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