Bedeutung und Auswirkung des Artlenburg-Privilegs für den Handel Lübecks im 12. Jahrhundert


Hausarbeit, 2001

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Vorwort
1.2. Zum Stand der Forschung

2. Der Handel in Alt-Lübeck und Lübeck bis 1158/59
2.1. Altlübeck
2.2. Das Halberstädter Privileg 1134
2.3. Das Schauenburgische Lübeck 1143-1158 und die Wiedererrichtung Lübecks 1158/59

3. Das Privileg zu Artlenburg 1161
3.1. Analyse der Quelle
3.2. Historischer Hintergrund
3.3. Auswertung und Bedeutung des Artlenburg-Privileges

4. Auswirkungen des Artlenburgprivilegs
4.1. Der Ostseefernhandel deutscher Kaufleute von 1161 bis 1180
4.2. Der Ostseefernhandel deutscher Kaufleute von 1180 bis 1201

5. Zusammenfassung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Vorwort

Über die Entstehung der Hanse ist viel geschrieben worden, insbesondere über die dabei nicht unbedeutende Rolle der Gotlandfahrer, die den Ostseefernhandel in der frühhansischen Zeit stark prägten und forcierten. Dabei ist sich die Forschung mittlerweile einig, dass mit der Gründung Lübecks 1143 und dem Artlenburg-Privileg 1161 die verkehrsgeographischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen für das Erblühen des Ostseefernhandel geschaffen und damit der „Grund gelegt [wurde], auf dem sich später der Bau der deutschen Hanse erheben sollte.“[1]

Ziel dieser Hausarbeit ist es zunächst zu untersuchen, inwieweit Handel im 11. und 12. Jahrhundert in Altlübeck und Lübeck betrieben wurde, welcher Herkunft die Kaufleute waren und auf welche Art und Weise die jeweiligen Stadtherren bereits Einfluß auf den Handel ausübten.

Im Anschluß daran wird die Rolle der Politik Heinrichs des Löwen und dessen Einfluß auf die Stadt Lübeck und deren Handelsbeziehungen erörtert, unter besonderer Berücksichtigung des Artlenburg-Privilegs. Zuletzt wird anhand der weiteren Entwicklung des über Lübeck in den Ostseeraum geführten Handels bis zum Ende des 12. Jahrhunderts der Versuch gemacht, die Frage zu beantworten, ob und inwiefern das Artlenburg-Privileg Auswirkungen auf diese Handelsentwicklungen hatte.

1.2. Zum Stand der Forschung

Es ist zunächst anzumerken, dass aufgrund der spärlichen Quellenlage enorme Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion der die damalige Zeit betreffenden Verhältnisse festzustellen sind. Dennoch gab und gibt es rege Bemühungen Licht in den zu behandelnden Zeitraum zu bringen. Allerdings erleichtert die Fülle der vorhandenen Literatur, die zuvorderst als Zeitschriftenaufsätze vorliegt, nicht gerade den Umgang der Thematik. Ellmers weist diesbezüglich daraufhin, dass „der heutige Historiker sich durch seitenlange Gelehrtenfehden hindurchkämpfen [muss], wenn er die Stichhaltigkeit [nicht nur, Anm.d.A.] damaliger Argumentation nachvollziehen will.“[2]

Die für vorliegende Hausarbeit relevante Literatur scheint dennoch relativ gesichert. So ist man sich einig, dass mit der Neugründung Lübecks und dem Artlenburg-Privileg der entscheidende Einschnitt im deutschen Ostseefernhandel stattfand.[3] Zum Artlenburg-Privileg gibt es fundierte Untersuchungen, die keinem Zweifel unterliegen dürften.[4] Inwieweit sich der Handel seit dem Artlenburg-Privileg entwickelte, hat D. Kattinger in seiner Monographie „Gotländische Genossenschaft“ detailliert dargestellt.[5]

2.Der Handel in Altlübeck und Lübeck vor dem Artlenburg-Privileg

2.1. Altlübeck

„Die Anfänge der Königin unter den Handelsstädten an der Ostsee waren bescheiden.“[6] Anfang des 12. Jahrhunderts entstand gegenüber der Hauptresidenzburg des letzten Abodritenherrschers Heinrich eine kleine Kaufmannssiedlung am Ende des Handelsweges von Bardowick über die Elbe an die Ostsee. Sie bestand aus drei Teilen (Hafen, Siedlung, Kirche), wobei die Kaufmannskirche gleichzeitig religiöses und wirtschaftliches Zentrum sowie ein Warenlager in sich vereinigte. Dies läßt darauf schließen, dass hier bereits die anwesenden Kaufleute sich genossenschaftlich zusammenschlossen. Neben christianisierten Slawen mögen hier hauptsächlich sächsische und westfälische sowie skandinavische Kaufleute (vor allem Gotländer) gewohnt haben, die internationale Fahrgemeinschaften eingingen und Alt-Lübeck mit Fernhandelswaren versorgten.[7] Zahlreiche Funde deutscher (vor allem sächsischer) Münzen auf Gotland aus dem 11. Jh. belegen zudem eine intensive Beziehung deutscher und skandinavischer Kaufleute.[8] Der Handel wurde zudem durch die Aktivitäten Heinrichs gefördert, indem er Wagrien befriedete.[9] Ausserdem existierte eine gut ausgebaute Hafenanlage.

Nach dem Tod Heinrichs von Lübeck 1127 folgte ein Zeit politischer Unsicherheit aufgrund von Nachfolgestreitigkeiten, die zu vermehrten Überfällen auf Alt-Lübeck führten.[10] Dennoch behielt Alt-Lübeck, wenn auch nicht in dem Maße wie Schleswig, eine bedeutsame Position als Fernhandelsort an der südwestlichen Ostseeküste bis zu seiner Zerstörung 1138.[11]

2.2. Das Halberstädter Privileg von 1134

Das wachsende Interesse Lothars von Supplingenburg am Ostseegebiet, der als Lehnsherr schon Heinrich von Lübeck unterstützt hatte, wenn man „sein dortiges Engagement auch nicht überbewerten sollte“, diente vornehmlich der Einflußerweiterung im Abodritenland und fiskalischen Mehreinnahmen.[12] Denn mit florierendem Handel stiegen auch seine Einnahmen aus Zöllen und Schutzgebühren. Wenn die Forschung auch nicht davon ausgeht, dass Lothar bereits direktes Interesse am Ausbau und der Förderung Alt-Lübecks besessen habe, so wirkten seine Massnahmen dennoch auf diesen Fernhandelsort, da es in seinem Machtbereich lag.

Möglicherweise erhellt das Halberstädter Privileg, auf das sich später dann das Artlenburger Privileg von 1161 berufen sollte, dieses Interesse. Dieses verlorengegange Privileg wurde von der Kanzlei Lothars III. 1134 vermutlich zu Ostern ausgestellt.[13] Es sicherte den Gotländern umfangreiche Privilegien im sächsischen Herzogtum zu, stärkte so möglicherweise den Handel vor allem sächsischer Kaufleute in Bardowick, Lüneburg und in Altlübeck. Denn die „Guttenses“, die dato noch in Schleswig gehandelt hatten, gaben diesen Kaufleuten nun die Möglichkeit in den baltischen Zwischenhandel einzudringen.[14]

Kattinger vermutet, dass „die Motivation für die Schaffung einer derartigen Begünstigung der Guttenses [...] unter Umständen der Versuch [war,] den Handel auf Alt-Lübeck zu ziehen“.[15]

2.3. Das Schauenburgische Lübeck 1143-1158 und die Wiedererrichtung Lübecks 1158/59

Nach dem Tod Lothars 1137 fanden heftige Kämpfe um das Herzogtum Sachsen statt, in deren Verlauf 1138 Alt-Lübeck wahrscheinlich gründlich zerstört wurde.[16] Vermutlich zogen die dort ansässigen Kaufleute daraufhin auf den ca. 6 km südlich gelegenen Hügel von Bucu, um sich dort niederzulassen.[17]

[...]


Friedland, Die Hanse, S.83; vgl. auch Ellmers, Detlev, Die Entstehung der Hanse in: HGbll 103 (1985), S. 4 und Brandt, Ahasver v., Die Hanse als mittelalterliche Wirtschaftsorganisation. Entstehung, Daseinsformen, Aufgaben, in: Die Deutsche Hanse als Mittler zwischen Ost und West (Wissenschaftliche Abhandlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen; Bd.27), Köln/Opladen 1963, S.15

[2] Ellmers, Entstehung, S. 4-5

[3] siehe Anm. 1

[4] vgl. vor allem die Arbeiten A.v.Brandts und K. Jordans, siehe Literaturanhang

[5] Kattinger, Detlef, Die gotländische Genossenschaft. der frühansisch-gotländische Handel in Nord- und Westeuropa (Quellen und Darstellungen zur Hansischen Geschichte; N.F., Bd. 47), Köln 1999

[6] Hoffmann, Erich, Der Aufstieg Lübecks zum bedeutendsten Handelszentrum an der Ostsee in der Zeit von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts in: ZVLGA 66 (1986), S.9

[7] Diese auf alten Traditionen beruhenden Fahrgemeinschaften entsprachen der Tatsache, dass sächsische und westfälische Kaufleute sich auf fremden Schiffen einmieten mussten, da sie nicht über Eigene verfügten. vgl. dazu Kattinger, Gotländische Genossenschaft, S. 24-25

[8] vgl. ebd. S. 26

[9] Helmold, cap. 34, S.68

[10] vgl. Kattinger, Gotländische Genossenschaft, S.30

[11] vgl. ebd. S.31

[12] Lothar von Supplingenburg, Anführer der Sachsen, seit 1125 dt. König und später Kaiser war aufgrund innerdeutscher Spannungen sowie zwei Italienfeldzügen politisch bereits stark eingespannt; cit. Hoffmann, Aufstieg, S. 10;

[13] vgl. Jordan, Karl, Zu den Gotland - Urkunden Heinrich des Löwen in: HGbll 91 (1973), S.31

[14] Kattinger, Gotländische Genossenschaft, S. 45

[15] ebd. S. 44

[16] vgl. Hoffmann, Aufstieg, S. 12

[17] vgl. Kattinger, Gotländische Genossenschaft, S. 48-50

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Bedeutung und Auswirkung des Artlenburg-Privilegs für den Handel Lübecks im 12. Jahrhundert
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Geschichte)
Veranstaltung
Die Hanse
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V54456
ISBN (eBook)
9783638496605
ISBN (Buch)
9783640741632
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Auswirkung, Artlenburg-Privilegs, Handel, Lübecks, Jahrhundert, Hanse
Arbeit zitieren
Henning Remisch (Autor), 2001, Bedeutung und Auswirkung des Artlenburg-Privilegs für den Handel Lübecks im 12. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54456

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