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Ist aktives Vergessen unmöglich? Die Unmöglichkeit der Ars Oblivionalis nach Umberto Eco

Title: Ist aktives Vergessen unmöglich? Die Unmöglichkeit der Ars Oblivionalis nach Umberto Eco

Term Paper , 2020 , 14 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Thi Nam Phuong Chu (Author)

German Studies - Comparative Literature
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"Vergiss es!" So sagen wir nicht selten im Alltagsleben. Seien wir ehrlich, haben wir alle Dinge, die lieber vergessen werden. Wir wollen das vergessen, was wir nicht mehr brauchen oder nicht mehr für richtig halten. Wir wollen unseren Kopf von traumatischen Erlebnissen, peinlichen Situationen und Demütigungen entlasten. Gibt es dann eine Technik, die das schnelle und aktive Vergessen ermöglicht? Die Antwort nach Umberto Eco 1988 in seinem Aufsatz "An ‚Ars Oblivionalis?‘ Forget it!" lautet „Nein!“. Der italienische Semiotiker meinte, das Vergessen aus Versehen ist möglich, während das aktive Vergessen und daher eine ars oblivionalis unausführbar bleibt. Wie lässt sich diese Schlussfolgerung begründen? Welche Ansätze für die Stützung seiner Argumente verfolgte Umberto Eco? Wie steht seine Behauptung im Zusammenhang mit anderen Ansichten zum Thema „Gedächtnis“ von dem Vergessen her?

Einher mit der Beantwortung der Forschungsfragen sollen nachfolgend zwei Thesen zur wissenschaftlichen Überprüfung abgeleitet werden: Mnemotechnik ist eine Semiotik und Semiotik dient sich als Vergegenwärtigungsmittel. Danach werden Ecos Vorschläge für das Erzeugen der Oblivion (des Vergessens oder der Vergesslichkeit) präsentiert. Abschließend wird die vorliegende Hausarbeit Bücher und Beiträge, die in den Rahmen der Debatte zum Thema „Gedächtnis“ gehören, unter die Lupe nehmen und sie miteinander sowie mit Ecos These vergleichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Unmöglichkeit der ars oblivionalis

2.1 Mnemotechnik als Semiotik

2.2 Semiotik als Vergegenwärtigungsmittel

3. Ecos Strategien für das gezielte Vergessen

3.1 Gedächtnisverwirrung

3.2 Steganographie

4. Ergänzung

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die von Umberto Eco aufgestellte These der Unmöglichkeit einer aktiven Vergessenskunst (ars oblivionalis). Dabei wird analysiert, ob Mnemotechniken als semiotische Prozesse verstanden werden können und warum eine gezielte Löschung von Informationen – im Gegensatz zum Erinnern – semiotisch nicht realisierbar ist.

  • Semiotische Grundlagen der Mnemotechnik
  • Verhältnis von Erinnerung und Vergessen
  • Strategien der Gedächtnisverwirrung nach Eco
  • Kritik an der ars oblivionalis durch historische und philosophische Perspektiven (Platon, Weinrich, Ricoeur)

Auszug aus dem Buch

2. Die Unmöglichkeit der ars oblivionalis

Ars oblivionalis ist die Kunst des Vergessens, die uns mittels angewandter Techniken zum aktiven Vergessen befähigen soll (vgl. Eco 1988: 254). Während Mnemotechnik oder ars memorativa, ihr kontradiktorisches Analogon, eine konverse Funktion hat, das Erlebte willentlich in die Gegenwart abzurufen. Warum fing Eco seine Begründung mit Mnemotechnik an? Erinnern und Vergessen sind zwei dichotomisch gegensätzliche Phänomene, „die sich vielleicht am einfachsten an dem verwandten Phänomen des Aufwachens und Einschlafens klar machen läßt“ (Assmann 1998: 191). Erinnern und Vergessen stehen zu einander in einer Beziehung der Kontravalenz, d.h. entweder erinnert man sich oder vergisst. Allerdings existiert zwischen ihnen auch noch die logische Äquivalenz. Erinnern und Vergessen sind notwendige und hinreichende Bedingungen für einander. Ohne das Erinnern sprechen wir sicherlich nicht mehr vom Vergessen und umgekehrt. Ohne die Existenz des einen, existiert das andere auch nicht. Auf die gleiche logische Denkweise lässt sich ebenso die Relation zwischen der Erinnerungskunst und der Vergessenskunst darlegen. Aus diesen Gründen ist es besonders sinnvoll, bei der Beleuchtung der Unmöglichkeit einer ars oblivionalis die Aufmerksamkeit für sein Gegenstück, und zugleich seine existenzielle Bedingung, die Erinnerungskunst, zu schenken. Auch aus denselben Gründen entsteht ein Paradox. Trotz der Existenz der Gedächtniskunst, kann es nach Eco eine solche Vergessenskunst nicht geben. Es ist genauso unmöglich wie der Versuch zum Einschlafen mit irgendeinem Hilfsmittel, ein „Gegenwecker“, obwohl man sich zum Zweck plötzlichen Aufwachens eines Weckers bedienen kann (vgl. Assmann 1998: 191). Im Folgenden wird der Grund für dieses Paradox nach Eco erklärt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung führt in die Fragestellung ein, ob eine Technik zum aktiven Vergessen existiert, und leitet aus Umberto Ecos Aufsatz die These ab, dass eine solche ars oblivionalis nicht möglich ist.

2. Die Unmöglichkeit der ars oblivionalis: Das Kapitel begründet, warum Erinnerung und Vergessen logisch untrennbar sind und warum Mnemotechnik als Semiotik betrachtet werden muss, die Abwesendes vergegenwärtigt.

3. Ecos Strategien für das gezielte Vergessen: Hier wird diskutiert, wie durch Gedächtnisverwirrung und Steganographie zwar keine Löschung, aber eine gezielte Manipulation oder Überlagerung von Inhalten erreicht werden kann.

4. Ergänzung: Dieser Abschnitt erweitert die Perspektive um Ansätze von Platon, Weinrich und Ricoeur, um Ecos These kritisch zu hinterfragen und den Begriff des Vergessens weiter auszudifferenzieren.

5. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass Ecos These zwar logisch konsistent innerhalb seines semiotischen Rahmens ist, aber empirisch durch andere Diskurse zur Kulturgeschichte des Vergessens ergänzt werden muss.

Schlüsselwörter

Ars oblivionalis, Umberto Eco, Mnemotechnik, Semiotik, Vergessen, Erinnerung, Gedächtnisverwirrung, Steganographie, Pseudosynonymie, Zeichentheorie, Gedächtnis, Philosophie, Vergegenwärtigung, Logik, Kulturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und semiotischen Frage, ob es eine praktische Kunst des aktiven Vergessens gibt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Felder sind die Semiotik, die Mnemotechnik (Gedächtniskunst) und die kulturelle sowie philosophische Analyse des Vergessens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Begründung von Umberto Eco für die Unmöglichkeit einer ars oblivionalis und prüft diese These auf ihre wissenschaftliche Validität.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es wird eine semiotische Analyse angewandt, kombiniert mit einer logischen Überprüfung von Ecos Argumenten sowie dem Vergleich mit anderen philosophischen Positionen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert Ecos semiotische Definition der Mnemotechnik, die logischen Grenzen der Vergessenskunst und alternative Strategien wie Gedächtnisverwirrung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Semiotik, ars oblivionalis, Mnemotechnik, Vergessen und Erinnerung charakterisiert.

Inwiefern beeinflusst die Schrift laut Platon das Gedächtnis?

Platon argumentiert, dass die Schrift das innerliche Gedächtnis schwächt, da Wissen nach außen verlagert wird und somit die echte Weisheit durch einen bloßen Schein ersetzt wird.

Was versteht man unter Gedächtnisverwirrung als Ersatz für das Vergessen?

Gedächtnisverwirrung ist kein Löschen von Inhalten, sondern eine Überlagerung oder Vermischung von Informationen, durch die der korrekte Abruf von Wissen erschwert wird.

Warum ist das "Löschen" von Inhalten nach Eco nicht möglich?

Da Semiotik als ein "Vergegenwärtigungsmittel" fungiert, kann die Anwendung eines Zeichens dessen Inhalt nicht einfach eliminieren; das Vergessen ist daher kein aktives Entfernen, sondern ein Nicht-Abrufen.

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Details

Title
Ist aktives Vergessen unmöglich? Die Unmöglichkeit der Ars Oblivionalis nach Umberto Eco
College
University of Bonn  (Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften)
Course
Gedächtnis, Erinnerung: Bild, Literatur und ihre intermedialen Beziehungen
Grade
1,3
Author
Thi Nam Phuong Chu (Author)
Publication Year
2020
Pages
14
Catalog Number
V544577
ISBN (eBook)
9783346184351
ISBN (Book)
9783346184368
Language
German
Tags
Intermedialität Gedächtnis Erinnerung Umberto Eco ars oblivionalis Gedächtniskunst Erinnerungskunst Mnemotechnik Vergessenskunst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thi Nam Phuong Chu (Author), 2020, Ist aktives Vergessen unmöglich? Die Unmöglichkeit der Ars Oblivionalis nach Umberto Eco, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/544577
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