s liegt eine große Bandbreite von zeitgenössischen Schriften über die Kolonien vor, die zum Beispiel von der Kolonialgesellschaft und Vereinen gefördert wurden. In der Fachliteratur finden sich aber nur verhältnismäßig wenige Informationen zu der deutschen Besiedlung der Kolonien, vor allem was die Südsee – Kolonien und Kiautschao betrifft. Dies lässt sich mit der sehr geringen Anzahl von Siedlern begründen, die tatsächlich in diese Siedlungen auswanderten, denn 1913 lebten dort nur insgesamt 23952 Deutsche2, was damals der Einwohnerzahl einer deutschen Mittelstadt entsprach.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich zuerst die Hintergründe der deutschen Kolonien, sowie die unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Motive zu deren Gründung darstellen. Im Anschluss hieran möchte ich die theoretischen Überlegungen, die von Kolonisationspublizisten vorgetragen wurden, näher erläutern. Auch die praktischen Besiedlungsmaßnahmen, sowie die Hindernisse und Anreize für die Siedler selbst werden nachfolgend im zweiten Teil des dritten Kapitels näher untersucht. Schließlich möchte ich die tatsächlichen Lebensbedingungen in den Kolonien beschreiben, wobei der Schwerpunkt hier auf den afrikanischen Kolonien liegt, da hier zahlenmäßig die meisten Siedler anzutreffen waren.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Geschichte der deutschen Kolonien
III. Motive für die Besiedlung der Kolonien
III. I. Theoretische Überlegungen
III.II Praktische Maßnahmen
IV. Das Leben in den Kolonien
V. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe der deutschen Kolonialbestrebungen zwischen 1884 und 1914 mit einem besonderen Fokus auf die Siedlungsthematik. Sie analysiert die politischen und wirtschaftlichen Motive der Koloniegründungen sowie die tatsächlichen Lebensbedingungen der Siedler in den Kolonien und erörtert, warum das Ziel einer gesteuerten Auswanderung in die deutschen Kolonien nur in begrenztem Maße erreicht wurde.
- Politische und wirtschaftliche Hintergründe des deutschen Kolonialismus
- Theoretische Begründungen der Expansionspublizisten
- Praktische Maßnahmen zur Förderung der Siedlung
- Lebensbedingungen und gesundheitliche Aspekte in den Kolonien
- Das Verhältnis zwischen deutschen Siedlern und der einheimischen Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
III.I Theoretische Überlegungen
Der berühmteste Verfechter von Kolonien als Lösung für Probleme innerhalb des Reiches war Friedrich Fabri. In seiner 1879 publizierten Schrift Bedarf Deutschland der Kolonien? betont er die Dringlichkeit der Kolonial-Frage, da das stetige Bevölkerungswachstum zu folgender Prognose führe:
„Steigende Einfuhr von Getreide und Vieh, weil die deutsche landwirtschaftliche Produktion immer weniger zu decken vermag; in Folge deß steigende Theuerung der Lebensmittel und damit aller Preise; dazu stetiges Herabsinken des Arbeitslohnes, wegen alljährlich sich vermehrenden Angebotes von Arbeitskräften und Schwächung der industriellen und gewerblichen Produktion wegen zunehmender Schwächung des National-Vermögens […] und in Folge deß auch sinkender Kaufkraft, oder mit einem Worte: rapides Wachstum des Pauperismus und der socialen Noth.“
Fabri stützt sich in seiner Argumentation unter anderem auf Thomas Malthus, der einer sich unter möglichst günstigen Bedingungen wachsenden Bevölkerung prophezeit, dass die Nahrungsmittel nicht in gleichem Maße wachsen können. Als Lösung für das Problem der Überbevölkerung führt Fabri die organisierte Auswanderung in die Kolonien an. Im Unterschied hierzu schade die dem Zufall überlassene Auswanderung Deutscher nach Nordamerika in doppelter Hinsicht: Einerseits durch den „unproduktiven Abfluss von Menschen und Kapital“ und dadurch, dass die Auswanderer der nordamerikanischen Industrie „wohlfeile Arbeitskräfte in reicher Auswahl“ böten, was die Konkurrenzfähigkeit dieser Industrie mit der deutschen erhöhen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die späte koloniale Expansion des Deutschen Reiches und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der deutschen Besiedlung und der damit verbundenen Erwartungen.
II. Geschichte der deutschen Kolonien: Dieses Kapitel erläutert die politischen Hintergründe und die Entwicklung des deutschen Kolonialimperiums im Kontext des europäischen Wettlaufs um Kolonien sowie Bismarcks anfängliche Skepsis.
III. Motive für die Besiedlung der Kolonien: Hier werden die theoretischen Konzepte der Expansionspublizisten analysiert und die praktischen Maßnahmen zur Förderung der Ansiedlung untersucht.
III. I. Theoretische Überlegungen: Untersuchung der Argumentationslinien von Vordenkern wie Friedrich Fabri, die Kolonien als Sicherheitsventil gegen soziale Nöte und Überbevölkerung betrachteten.
III.II Praktische Maßnahmen: Beschreibung der konkreten Siedlungspolitik, der staatlichen Unterstützungsangebote und der Hindernisse, die eine Auswanderung in die Kolonien erschwerten.
IV. Das Leben in den Kolonien: Analyse der tatsächlichen Lebensbedingungen der deutschen Siedler, inklusive gesundheitlicher Gefahren, infrastruktureller Herausforderungen und des Verhältnisses zur einheimischen Bevölkerung.
V. Zusammenfassung: Das Fazit resümiert, dass die Kolonien die in sie gesetzten ökonomischen und siedlungspolitischen Erwartungen weitgehend nicht erfüllen konnten und ein finanzielles Verlustgeschäft blieben.
Schlüsselwörter
Deutscher Kolonialismus, Siedlungskolonie, Auswanderung, Überbevölkerung, Friedrich Fabri, Deutsch-Südwestafrika, Schutztruppen, Landenteignung, Kolonialpolitik, Siedler, Tropenkrankheiten, Wirtschaftliche Bedeutung, Schutzgebiete, Kaiser Wilhelm II., Expansion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert die deutsche Kolonialgeschichte zwischen 1884 und 1914 mit Fokus auf die geplante Besiedlung dieser Gebiete durch deutsche Auswanderer.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die politischen und wirtschaftlichen Motive hinter der Kolonialexpansion, die theoretische Rechtfertigung durch zeitgenössische Publizisten und die reale Umsetzung der Besiedlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Kolonien als Lösung für innere soziale Probleme, insbesondere die Auswanderung, gedacht waren und warum diese Strategie in der Praxis scheiterte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Schriften und statistischen Daten aus den amtlichen Jahresberichten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Ansätze der Kolonisation, die praktischen Besiedlungsmaßnahmen der Behörden und eine detaillierte Beschreibung des Lebens der Siedler vor Ort.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Kolonialismus, Siedlungspolitik, Überbevölkerung, wirtschaftliche Erträge und die Rolle der Schutztruppen.
Welchen Stellenwert hatte die Kolonie Deutsch-Südwestafrika?
Sie nahm eine Sonderrolle ein, da sie im Gegensatz zu anderen Kolonien ein signifikantes Siedlungsziel für Deutsche war, insbesondere nach den Diamantenfunden und staatlichen Fördermaßnahmen.
Wie war das Verhältnis der Siedler zu den Einheimischen?
Das Verhältnis war von einer rassistisch geprägten Ideologie der Überlegenheit, Ausbeutung, Enteignungen und häufiger Unterdrückung gekennzeichnet, was in mehreren Kolonien zu bewaffneten Aufständen führte.
Warum blieben die Kolonien aus wirtschaftlicher Sicht hinter den Erwartungen zurück?
Sie erwiesen sich für das Deutsche Reich als teure „Spielzeuge“, da die Infrastruktur mangelhaft war, Tropenkrankheiten die Arbeit erschwerten und die erhofften wirtschaftlichen Reichtümer ausblieben.
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- Kerstin Orth (Author), 2006, Die Migration in die deutschen Kolonien (1884-1914), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54492