Friedrich Schleiermacher: Weihnachts- und Passionspredigt


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: sehr gut (1,0)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Kurze biografische Vorstellung Schleiermachers

II.1 Zusammenfassung der Weihnachtspredigt
II.2 Zusammenfassung der Passionspredigt

III. Vergleich der Predigten

IV. Stellungnahme

Literaturverzeichnis

I. Kurze Vorstellung Friedrich Schleiermachers

Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher wurde am 21. November 1768 in Breslau geboren[1]. Sein Vater war Feldprediger, seine Mutter Hausfrau. Von ihnen wurde er in die Herrnhuter Brüdergemeinde geschickt. Nach seiner Schulausbildung studierte er Theologie. Über seine Bindung an die Theologie hinaus interessierte er sich auch für Philosophie und Pädagogik. In Halle wurde er zum ersten Mal akademisch tätig als Professor der Theologie. Zuvor hatte er eins seiner berühmtesten Werke herausgebracht „Über die Religion, Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern“(1799). In seinem weiteren Leben war er tätig als Hauslehrer, Hilfsprediger, Prediger, Hofprediger, Professor der Theologie, Pfarrer, Sekretär der Berliner Akademie der Wissenschaften und schließlich als Rektor der Universität in Halle. Er veröffentlichte zudem verschiedene Werke, wie „Reden über die Religion“, „Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre“, Platon-Übersetzung und „Der christliche Glaube“.

Schleiermacher war ein ausgezeichneter Redner, obwohl nicht nur uns Menschen heute, sondern auch schon seinen damaligen Zuhörern, seine Texte sehr schwerverständlich sind, beziehungsweise waren. Er hielt seine Predigten aus dem Stehgreif heraus und schrieb sie erst hinterher nieder. Später ließ er Zuhörer Nachschriften aufzeichnen, die er bearbeitete. Er hatte schon früh den Plan der Herausgabe seiner Predigten[2].

Am 12. Februar 1834 starb der protestantische Theologe und Philosoph[1] mit 66 Jahren an einer Lungenentzündung in Berlin.[3]

II.1 Zusammenfassung der Weihnachtspredigt

„Daß der Erlöser als der Sohn Gottes geboren ist“

Das Thema der Weihnachtspredigt von Friedrich Schleiermacher mit dem Titel „Daß der Erlöser als der Sohn Gottes geboren ist“ ist die Sonderstellung Jesus als Sohn des Höchsten von Geburt an. Es geht darum, dass Jesus bereits durch seine Geburt und nicht erst durch Taten Gottes Sohn geworden ist, was Schleiermacher als Grund dafür anführt, weswegen Weihnachten für uns Christen überhaupt wichtig ist und in dem Maße gefeiert wird: „…und wir hätten uns mit unserer Freude über seine Erscheinung weniger an seine Geburt zu halten…Dies ist also der Mittelpunkt für alles, was unser Herz in dieser festlichen Tagen bewegt, daß der Erlöser schon geboren ist als der Sohn Gottes“[4].

Schleiermacher hat sein Werk in zwei Abschnitte gegliedert, die unter verschiedenen Gesichtspunkten auf das Oberthema eingehen. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit dem gemeinschaftlichen christlichen Glauben und beim Zweiten wird das Thema im Zusammenhang mit der Liebe analysiert.

Schleiermacher beginnt mit dem Problem, das sich uns stellt, wenn wir uns vorstellen sollen, dass Jesus bereits als neugeborener Säugling die göttliche Macht besessen haben soll. Da noch keine Wirksamkeit dieser Macht zu beobachten ist, ist „...es uns schwer vorzustellen, und fällt uns deswegen auch hart zu glauben“[5], dass diese Macht schon vorhanden gewesen sein soll. Es fällt viel leichter zu glauben, dass Jesus ein ganz gewöhnliches Menschenkind gewesen ist bis zu dem Zeitpunkt als er seine Berufung angenommen hat und ihr nachgegangen ist, wie es in der Predigt heißt: „…da erst sei die Kraft Gottes über ihn gekommen“ 2 . Dies soll jedoch nicht heißen, dass Jesus erst als er reif genug war seine Macht von Gott erhalten habe, sondern dass die Anlagen zwar bereits in dem Säugling steckten, aber erst mit der Ausprägung der Seele entfaltet werden mussten. Schleiermacher gibt als Nächstes zu bedenken, dass es gar nicht möglich wäre, dass Jesus erst später seine Macht von Gott erhalten habe, denn, wäre er vorher ein ganz gewöhnliches Menschenkind gewesen, so hätte es Maria nicht schaffen können alle Sünden von ihm abzuhalten und, „…wenn Christus auch nur im geringsten Grade ein Sünder geblieben wäre: könnte er dann unser Erlöser sein?“[6]. Die Antwort darauf lautet nein. Denn Sünder, durch die Gott spricht, sind Propheten und diese können nur Gesetze geben und nicht zur Erlösung führen. Gesetze verhelfen nur zum Erkennen der Sünde und bewirken, dass die Menschen sich die Erlösung herbeisehnen, aber damit die Erlösung in Kraft treten kann, muss den Menschen die pure Sündlosigkeit vor Augen geführt werden. Denn erst durch das Vorbild eines Sündlosen kann sich Sündlosigkeit angeeignet werden, somit ist der Erlöser ein Sündloser und deswegen muss Jesus schon von Geburt an etwas von Gottgegebenes in sich getragen haben, um sündlos bleiben und die Erlösung bringen zu können. Mit den Worten Schleiermachers: „…nur indem wir uns diese (die Sündlosigkeit) in der innigsten Befreundung und Gemeinschaft mit ihm (dem Erlöser) aneignen, (…) können wir des Friedens und der Seligkeit theilhaftig werden, welche die Früchte der Erlösung sind“[7]. Außerdem hätte bereits ein Hauch der Sünde alles verfälscht und Jesus wäre nicht mehr glaubwürdig gewesen. Jesus muss perfekt sein, da er immerhin Sohn Gottes sein soll, „…de(s) Vater(s), des Lichtes, de(ssen) der allein gut und rein ist“[8], deswegen „…muß er auch schon vom Anfang seines Lebens an das Wort Gottes in sich getragen, und dieses ihn behütet haben vor allem, was auch nur von ferne der Sünde gleicht“[9].

Im zweiten Teil der Predigt geht es wie bereits erwähnt um die den christlichen Glauben und die Gemeinschaft verbindende Liebe.

Schleiermacher spricht von zwei Arten der Liebe, der einen, bei der der Mensch so bedingungslos liebt, dass er einem anderen, der eine Sünde begangen hat, verzeiht und diese Sünde versucht abzuschwächen. Die andere Form von Liebe, bei der der Sinn für Gerechtigkeit und somit die Liebe zu den Gesetzen überwiegt und bei der nur Menschen geliebt werden können, die den eigenen Maßstäben standhalten können oder noch darüber hinausgehen, ist jedoch realistischer. Denn die Menschen haben gewisse Erwartungshorizonte, denen sie selbst entsprechen wollen und anhand derer sie andere Menschen beurteilen und da ist es eine Pflicht die Sünden anderer aufzudecken, um zu sehen, ob sie in den Erwartungshorizont passen.

Schleiermacher gibt jedoch zu denken, dass doch die Heilige Schrift zur Nächstenliebe, der „ungefärbte(n) Liebe“[10], also zu der unbedingten, gnädigen Liebe aufruft. An dieser Stelle bringt er Jesus ins Spiel, der als einziger rein ist in der Liebe zu den Menschen und in der Liebe zu Gott. Er ist also für uns der Perfekte. Wenn wir ihn auf unseren Erwartungshorizont abbilden, geht er weit über diesen hinaus. Ihn können wir also liebend in unserem Herzen tragen. Da Gott nun seinen Sohn liebt und wir ihn in uns tragen, hat Gott somit auch seinen Wohlgefallen an uns Menschen. Allerdings sieht Gott uns Menschen auch nur durch diese Verbindung zu Jesus. Es liegt also an unserem Glauben, ob wir Gottes Liebe empfangen. Wenn wir Jesus in uns tragen, werden uns unsere Sünden vergeben. Es muss nicht gestraft und verachtet werden, sondern der Glaube muss gefördert werden. Schleiermacher stellt an dieser Beziehung die Verbindung zum ersten Teil der Predigt, nämlich stellt er die Frage, wie es dann mit der Liebe und Nähe zu Gott aussähe, wenn Jesus nicht frei von aller Schuld gewesen wäre. Seine Antwort darauf ist, dass, wenn Jesus eine Sünde berührt hätte, hätten die Menschen nicht mehr das Gute bei ihm geachtet, sondern wären besessen davon gewesen „…die Spuren der Sünde(…) auszuforschen“[11]. Wir würden Jesus wohl noch immer verehren und lieben, aber seine Besonderheit wäre ausgelöscht, „... es wäre (…) eine unreine, eine gefärbte Liebe, sie wäre nicht von einer anderen Art als die gegen andre Menschenkinder, und könnte also diese Liebe selbst nicht heiligen und umwandeln“[8].

[...]


[1] Balzers, Liechtenstein: Lexikon A-Z, 1990

[2] Friedrich Schleiermacher, Predigten, Göttingen 1969

[3] U.Schwab: http://www.bautz.de/bbkl/s/s1/schleiermacher_f_d_e.shtml, Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon, Band 4, Spalten 253-270

[4] H. Gerdes, E.Hirsch (hgg.), Friedrich Schleiermacher, Kleine Schriften und Predigten, Berlin 1969, S.177

[5] H. Gerdes, E.Hirsch (hgg.), Friedrich Schleiermacher, Kleine Schriften und Predigten, Berlin 1969, S. 178

[6] H. Gerdes, E.Hirsch (hgg.), Friedrich Schleiermacher, Kleine Schriften und Predigten, Berlin 1969, S. 179

[7] H. Gerdes, E.Hirsch (hgg.), Friedrich Schleiermacher, Kleine Schriften und Predigten, Berlin 1969, S. 180

[8] H. Gerdes, E.Hirsch (hgg.), Friedrich Schleiermacher, Kleine Schriften und Predigten, Berlin 1969, S. 182

[9] H. Gerdes, E.Hirsch (hgg.), Friedrich Schleiermacher, Kleine Schriften und Predigten, Berlin 1969, S. 182

[10] H. Gerdes, E.Hirsch (hgg.), Friedrich Schleiermacher, Kleine Schriften und Predigten, Berlin 1969, S. 184

[11] H. Gerdes, E.Hirsch (hgg.), Friedrich Schleiermacher, Kleine Schriften und Predigten, Berlin 1969, S. 186

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Friedrich Schleiermacher: Weihnachts- und Passionspredigt
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
sehr gut (1,0)
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V54499
ISBN (eBook)
9783638496865
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich, Schleiermacher, Weihnachts-, Passionspredigt
Arbeit zitieren
Nina Richartz (Autor), 2005, Friedrich Schleiermacher: Weihnachts- und Passionspredigt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54499

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