Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die die Städte und die Wirtschaft Deutschlands gleichermaßen trafen, gelang der Wiederaufbau Westdeutschlands überraschend schnell. Bereits in den 50er Jahren zeigte sich die Wirtschaft und dabei vor allem auch die Industrie deutlich erholt. Während des „Wirtschaftswunders“ stieg Westdeutschland schnell wieder zu einer führenden Industrienation auf, womit auch ein starkes Ansteigen des allgemeinen Wohlstands verbunden war. Bis Mitte der 70er Jahre herrschte Vollbeschäftigung. In den Folgejahren zeichnete sich eine strukturelle Krise ab, die durch rapide ansteigende Arbeitslosenzahlen gekennzeichnet war. Weiterhin waren die Ausbildung eines ausgeprägten Süd-Nord-Gefälles und die Tendenz zur Suburbanisierung der Industrie zu konstatieren.
Anliegen dieser Arbeit ist es, die verschiedenen Phasen der industriellen Entwicklung zu skizzieren und unterschiedliche räumliche Entwicklungen herauszuarbeiten. Dabei sollen Merkmale dieser Phasen erläutert werden und auf Auswirkungen einzelner Ereignisse, wie der Ölkrise, näher eingegangen werden. Was waren die Voraussetzungen für den schnellen Wiederaufbau? Wodurch wurden die strukturellen Probleme der 70er und 80er Jahre hervorgerufen? Weiterhin soll kurz auf den in allen hoch industrialisierten Ländern anzutreffenden Trend zur Tertiärisierung der Wirtschaft eingegangen werden. Die Entwicklung unterschiedlicher Branchen soll ebenfalls nur angeschnitten werden. Detailliertere Ausführungen bleiben den noch anstehenden Arbeiten des Semesters vorbehalten.
Einen weiteren Schwerpunkt sollen die regional unterschiedlichen Entwicklungen der Industrie bilden. Was sind die Gründe für die Herausbildung des Süd-Nord-Gefälles? Wodurch ist dieses gekennzeichnet? Welche, die Industrie betreffenden Entwicklungen, sind in verschiedenen Raumstrukturtypen wie „Verdichtungsraum“, „Altindustrialisierter Raum“ oder „Peripherer Raum“ zu erkennen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Phasen der Industrieentwicklung zwischen 1950 und 1990
2.1 Zeit des Wiederaufbaus 1950-1958
2.2 Phase der Vollbeschäftigung 1959 – 1973
2.3 Wachsende strukturelle Probleme 1974 – 1990
3. Sektoraler Strukturwandel
4. Entwicklung verschiedener Branchen
4.1 Prosperierende Branchen
4.2 Branchen mit Bedeutungsverlust
5. Räumliche Aspekte der Industrieentwicklung
5.1 Regionale Entwicklung von Industriestrukturen
5.1.1 Verdichtungsräume
5.1.2 Altindustrialisierte Räume
5.1.3 Periphere Räume
5.2 Ausbildung eines Süd-Nord-Gefälles
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit skizziert die verschiedenen Phasen der industriellen Entwicklung in Westdeutschland zwischen 1950 und 1990 und analysiert die damit verbundenen räumlichen sowie sektoralen Veränderungsprozesse. Ziel ist es, die strukturellen Ursachen für den schnellen Wiederaufbau, die Krisen der 70er und 80er Jahre sowie die Herausbildung regionaler Disparitäten, wie des Süd-Nord-Gefälles, herauszuarbeiten.
- Phasen der industriellen Entwicklung (Wiederaufbau, Vollbeschäftigung, strukturelle Probleme)
- Sektoraler Strukturwandel und Tertiärisierung
- Differenzierung der Branchenentwicklung (prosperierende vs. schrumpfende Sektoren)
- Räumliche Aspekte (Industriesuburbanisierung, Altindustrieräume, periphere Räume)
- Ursachen und Auswirkungen des Süd-Nord-Gefälles
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Verdichtungsräume
Wie bereits erwähnt, erfuhr der tertiäre Sektor im untersuchten Zeitraum einen deutlichen Bedeutungsgewinn. Die Ausdehnung des Dienstleistungssektors vor allem im City-Bereich bzw. die verschärfte Standortkonkurrenz zwischen Industrie und Dienstleistungsbetrieben verursachte ein Ansteigen der Bodenpreise und eine Flächenverknappung. Dies veranlasste viele Industriebetriebe zur Verlagerung der Produktion außerhalb bzw. an die Ränder der Verdichtungsräume.
Bei der so genannten Industriesuburbanisierung findet ein intraregionaler Dekonzentrationsprozess, bezogen auf Bevölkerung, Beschäftigte oder auch auf Flächennutzungskategorien, statt. Durch die Ansiedlung von Industrie im suburbanen Raum kommt es zu einer enormen Ausweitung von Flächennutzung und Bebauung. Während die City nach wie vor den Standort der Verwaltung darstellt, erfahren die Kernbereiche der Agglomerationen durch die Verlagerung der Produktion einen industriellen Bedeutungsverlust.
Aus Unternehmersicht sind hoher Flächenbedarf, Produktionsumstrukturierungen, Umweltauflagen oder auch ungünstige Verkehrsverbindungen Hauptgründe für die Verlagerung. Das Phänomen der Industriesuburbanisierung lässt sich in allen westdeutschen Städten beobachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die wirtschaftliche Entwicklung Westdeutschlands von 1950 bis 1990 und definiert die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2. Phasen der Industrieentwicklung zwischen 1950 und 1990: In diesem Kapitel wird die Industrieentwicklung anhand der Arbeitslosenquote in drei Phasen unterteilt: Wiederaufbau, Vollbeschäftigung und die von strukturellen Krisen geprägte Phase bis 1990.
3. Sektoraler Strukturwandel: Dieses Kapitel behandelt die Verschiebung der Beschäftigtenanteile zwischen den Wirtschaftssektoren, insbesondere den Rückgang des sekundären Sektors zugunsten des tertiären Sektors (Tertiärisierung).
4. Entwicklung verschiedener Branchen: Hier wird differenziert zwischen wachsenden Branchen, wie der Investitionsgüterindustrie, und schrumpfenden Industriezweigen, beispielsweise dem Bergbau oder der Textilindustrie.
5. Räumliche Aspekte der Industrieentwicklung: Dieses Kapitel analysiert die regionalen Unterschiede der industriellen Entwicklung, unterteilt in verschiedene Raumstrukturtypen, und erklärt die Entstehung des Süd-Nord-Gefälles.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen, insbesondere die Verlagerung industrieller Schwerpunkte nach Süden und die Auswirkungen technischer sowie wirtschaftlicher Transformationsprozesse.
Schlüsselwörter
Industrieentwicklung, Westdeutschland, Wirtschaftswunder, Strukturwandel, Tertiärisierung, Süd-Nord-Gefälle, Industriesuburbanisierung, Montanindustrie, Ölkrise, Arbeitslosigkeit, Wachstumsbranchen, Standortfaktoren, Deindustrialisierung, Produktionsverlagerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Phasen und regionalen Strukturen der westdeutschen Industrieentwicklung im Zeitraum zwischen 1950 und 1990.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die phasenweise wirtschaftliche Entwicklung, der sektorale Strukturwandel, die branchenspezifischen Veränderungen sowie die räumlichen Disparitäten im Bundesgebiet.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für den schnellen Wiederaufbau, die strukturellen Krisen ab den 1970er Jahren und die regional unterschiedliche Entwicklung der Industrielandschaft aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer industriegeographischen Analyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur, Statistiken zur Arbeitslosigkeit und Beschäftigtenanteilen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die zeitliche Phasenbetrachtung, die sektoralen Veränderungen, eine differenzierte Branchenanalyse sowie eine Untersuchung der räumlichen Aspekte, wie Industriesuburbanisierung und das Süd-Nord-Gefälle.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Industrieentwicklung, Strukturwandel, Tertiärisierung, Süd-Nord-Gefälle, Industriesuburbanisierung und Montanindustrie.
Welche Rolle spielte die Ölkrise von 1973 für die Industrieentwicklung?
Die Ölkrise markierte den Beginn einer schweren Wirtschaftskrise, die durch steigende Produktionskosten, sinkenden Absatz und eine zunehmende Notwendigkeit zur Umstrukturierung gekennzeichnet war.
Warum bildete sich in Westdeutschland ein Süd-Nord-Gefälle heraus?
Das Gefälle entstand unter anderem durch den Niedergang traditioneller Industrien im Norden, die politisch-administrative Trennung des Nordens und die Ansiedlung neuer Wachstumsindustrien sowie Firmenhauptsitze im Süden.
Was versteht man im Kontext der Arbeit unter "Industriesuburbanisierung"?
Dabei handelt es sich um einen intraregionalen Dekonzentrationsprozess, bei dem Industriebetriebe aufgrund von Flächenknappheit und hoher Standortkosten aus den Kernstädten an deren Ränder verlagert werden.
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- Eric Petermann (Author), 2006, Phasen und regionale Strukturen der Industrieentwicklung in Westdeutschland zwischen 1950 und 1990, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54511