Interaktion und Interaktionsanalyse in Erziehung und Unterricht


Referat (Handout), 2002

19 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Was ist Interaktion?
1.1 Begriffsbestimmung von Interaktion in Abgrenzung zu Kommunikation
1.2 Unterschiedliche Betrachtungsweisen von Interaktion
1.3 Prozess der Interaktion und Kommunikation
1.4 Gesetzmäßigkeiten menschlichen Interaktionsverhaltens
1.5 Nonverbale Kommunikation
1.6 Regeln der Interaktion und der Kommunikation

2 Interaktion und Kommunikation im Unterricht
2.1 Sichtweisen schulischer Kommunikation:
2.2 Interaktionsforschung als Anwendung sozialpsychologischer Terminologie auf die Unterrichts-situation
2.3 Interaktionsforschung als Bereitstellung von Instrumenten zur Unterrichtsanalyse
2.4 Interaktionsforschung als Theorien – Anwendung

3 Die Interaktionsanalyse: Ein Beobachtungsverfahren zur Untersuchung kleiner Gruppen von Robert F. Bales, Harvard University
3.1 Der Beobachtungsraum
3.2 Die Beobachtungskategorien
3.3 Die Eintragungen auf den Beobachtungsbogen
3.4 Die Beobachtungseinheit
3.5 Arten der Beobachtungsanalyse
3.6 Die Anwendbarkeit der Methode

4 Soziale Interaktion im Unterricht- Das Interaktionsanalyse-System von N. A. FLANDERS
4.1 Einführung
4.2 Grundlagen und Beschreibung der Kategorien
4.3 Vorgehensweise bei der Klassifizierung der Lehrer-Schüler-Interaktion
4.4 Anwendung und Interpretation der Interaktionsanalyse
4.5 Bestimmung allgemeiner Aspekte der Klasseninteraktion (AUSWERTUNG)
4.6 Interpretation der Matrix

5 Literatur: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Was ist Interaktion?

1.1 Begriffsbestimmung von Interaktion in Abgrenzung zu Kommunikation

Unter sozialer Interaktion ist nach Bergius folgendes zu verstehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die gegenseitige Beeinflussung von Individuen innerhalb von und zwischen Gruppen und die dadurch entstehenden Änderungen des Verhaltens oder der Einstellungen, Meinungen etc...(Thomas,1991, Band 2, 54)“

Als wichtiges Kennzeichen der sozialen Interaktion ist die Interdependenz zu nennen. Das bedeutet, dass sich die Interaktionspartner wechselseitig beeinflussen, wodurch man nicht mehr klar zwischen Ursache und Wirkung trennen kann.

Beispiel: Wenn ein Lehrer seine Bestrafung gegenüber einem Schüler damit erklärt, dass der Schüler sich aggressiv verhalten habe, so kann dies aus der Sicht des Schülers genau umgekehrt sein. Vielleicht sieht dieser seine Aggressivität als Folge der häufigen Bestrafung durch den Lehrer.

Unter Kommunikation versteht man im allgemeinen den Austausch jeglicher Mitteilungen zwischen Individuen.

In Abgrenzung zur Interaktion, wird die Kommunikation häufig als spezifische Form der Interaktion bezeichnet.

- von Interaktion und Kommunikation ist im allgemeinen immer dann die Rede, wenn nicht eine einseitig gerichtete Handlung vorliegt, sondern eine Wechselwirkung (=Interdependenz) zwischen den beteiligten Personen.

1.2 Unterschiedliche Betrachtungsweisen von Interaktion

Es gibt zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen von Interaktion und Kommunikation:

- Interaktion und Kommunikation als wechselseitige Steuerung und Kontrolle

Bei dieser Sichtweise versteht man unter Interaktion ein dialektisches Verhältnis, in dem Menschen einander dadurch steuern und kontrollieren, dass sie einander „belohnen“ oder „bestrafen“. Diese Art der Betrachtung beruht auf der Überlegung, dass Menschen in gewisser Weise immer aufeinander angewiesen sind, und daher auch in der Lage sind dem anderen Befriedigung zu gewähren oder auch zu verweigern. Auf Grund dieser Tatsache sind sie also in der Lage, den anderen zu steuern und zu kontrollieren, was im Extremfall bis hin zur sozialen Manipulation gehen kann.

In dieser Betrachtungsweise kommt der Begriff der sozialen Interaktion dem soziologischen Begriff der sozialen Kontrolle sehr nahe.

- Interaktion und Kommunikation als wechselseitiger Austausch materieller und immaterieller Güter

Vertreter dieser Sichtweise verstehen Interaktion als Austauschprozess, in dem gewünschtes Verhalten durch das Anbieten materieller und immaterieller „Güter“ bewirkt wird.

Ein wesentlicher Vertreter der Austauschtheorie ist Homans, der von der Annahme ausgeht, dass Menschen sich gegenseitig zu Aktivitäten anregen, indem sie soziale Anerkennung, Sympathie, Freundschaft... zum Tausch anbieten.

1.3 Prozess der Interaktion und Kommunikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Shannon und Weaver (1949), in: Thomas, 1991, Band 2, 59

Wie in der Abbildung gezeigt, enkodiert der Sender eine Botschaft , z.B. in sprachliche Signale. Diese wird dann über einen Kommunikationskanal (z.B. über den akustischen Kanal) an den Empfänger weitergeleitet, der die Botschaft schließlich decodiert, d.h. entschlüsselt. Hierbei ist zu beachten, dass die Qualität der Entschlüsselung von Störquellen beeinflusst wird. Ist es zum Beispiel sehr laut im Umfeld von Empfänger und/oder Sender, oder rauscht das Telefon beim Gespräch, können die vom Sender ausgehenden Signale in verzerrter Form beim Empfänger ankommen, was zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führen kann.

Nach Empfang und Interpretation der vom Sender ausgehenden Signale, wird der Empfänger schließlich dem Sender Rückmeldung irgendeiner Art geben.

1.4 Gesetzmäßigkeiten menschlichen Interaktionsverhaltens

Beim Ablauf der eben genannten Prozesse zwischen Sender und Empfänger, sind einige Gesetzmäßigkeiten erkennbar, die Scherer 1977 folgendermaßen herausgestellt hat:

- Koorientierung der Kooperationspartner

Kommunikationspartner müssen aufeinander aufmerksam werden, und diese Aufmerksamkeit während des Interaktionsprozesses aufrecht erhalten.

Des weiteren erfordert Koorientierung den Austausch der Sprecherrollen, da es sonst zu einem Monolog werden würde, in dem einer der Kommunikationspartner die Aufmerksamkeit nicht mehr aufrecht erhalten wird.

- Wechselseitige Kontingenz des Verhaltens der Interaktionspartner

Jeder Teilnehmer am Interaktionsprozess ist von der vorausgehenden Reaktion des Interaktionspartners abhängig, d.h. bleibt eine Empfangsbestätigung seitens des Empfängers aus, wird der Kommunikationsfluss unterbrochen.

- Interpersonale Kommunikation besteht aus zielgerichtetem Verhalten der beteiligten Partner

- Kommunikation als Übermittlung von Information

In einem kommunikativen Vorgang werden eine Fülle von Informationen vermittelt, die den Interaktionspartnern erlauben, ihren Grad an Unwissenheit zu reduzieren.

- Die verfügbaren Sinnesorgane als Übertragungskanäle oder – modalitäten zur Informationsvermittlung

Entsprechend den dem Menschen zur Verfügung stehenden Sinnesorganen, lassen sich auditive, visuelle, olfaktorische, taktile, termale und gustatorische Mitteilungen unterscheiden.

Innerhalb eines Interaktionsprozesses werden meist mehrere Übertragungskanäle benutzt, wobei darauf hinzuweisen ist, das nonvokale Zeichen (d.h. Gestik und Mimik), sowie vokale Zeichen (Pausen, Sprachmelodie, Betonung...) die adäquate Informationsaufnahme auf Seiten des Empfängers unterstützen.

- Die Bedeutung nonverbaler Informationen für die Attribution von Mitteilungen

Der Empfänger versucht meist an Hand von nonverbalen Zeichen die Ursache für die Mitteilung einer bestimmten Botschaft des Senders herauszufinden.

1.5 Nonverbale Kommunikation

Wie bereits mehrfach genannt spielen nonverbale Zeichen eine nicht unwesentliche Rolle bei Interaktions – und Kommunikationsprozessen der Menschen.

Man unterscheidet dabei folgende Forman nonverbaler Kommunikation:

- Kommunikation durch Blickverhalten (Blickkontakt)
- Kommunikation durch Gesichtsausdruck (Mimik)
- Kommunikation durch Körperhaltung und - bewegung (Gestik)
- Kommunikation durch Berührung (Taktilität)
- Kommunikation durch räumliche Distanz zum anderen (personaler Raum)
- Kommunikation durch nonverbale vokale Signale, die sprachlich vermittelte Informationen begleiten (z.B. Betonungen, stimmliche Merkmale)

Diese unterschiedlichen Formen nonverbaler Interaktion nehmen im Interaktionsprozess unterschiedliche Funktionen ein, die an dieser Stelle nur beispielhaft genannt werden sollen. Während der Blickkontakt vorrangig die Funktion der Regulierung des Gesprächsablaufs hat, kommt der Gestik eine unterstreichende Funktion bestimmter sprachlicher Mitteilungen zu. Gestik ersetzt jedoch in manchen Fällen auch bestimmte sprachliche Mitteilungen.

1.6 Regeln der Interaktion und der Kommunikation

Watzlawik und seine Mitarbeiter haben im Jahre 1967/68 folgende Kommunikationsregeln aufgestellt, die einen großen Bekanntheitsgrad erreicht haben:

- Man kann nicht „nicht-kommunizieren“

Da jedes Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation Mitteilungscharakter für den anderen hat, ist es unmöglich nicht zu kommunizieren.

- Kommunikation hat einen Inhalts – und einen Beziehungsaspekt

Jede Mitteilung enthält neben ihrem Inhalt noch einen Hinweis vom Sender für den Empfänger, wie die Mitteilung zu verstehen ist. Dieser Hinweis erklärt, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger versteht.

- Kommunikationsabläufe werden unterschiedlich strukturiert

Die am Kommunikationsablauf beteiligten Personen stellen Beziehungsstrukturen zwischen sich her, deren Gleichartigkeit keine Selbstverständlichkeit, sondern Ergebnis erfolgreicher Metakommunikation ist.

- Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Medien

Digitale Kommunikation meint Darstellung durch Wörter und Symbole, während analoge Kommunikation die Darstellung durch Entsprechungen, wie zum Beispiel einem Zeichen oder bestimmten Ausdrucksverhalten entspräche.

- Der Inhaltsaspekt der Kommunikation wird meist digital, der Beziehungsaspekt analog ausgedrückt.

- Kommunikation verläuft entweder symmetrisch oder komplementär

Ein komplementäres Kommunikationsmuster liegt vor, wenn es ein Über – und Unterordnungsverhältnis gibt.

In der symmetrischen Kommunikation dagegen werden beide Partner als gleichwertig erachtet.

2 Interaktion und Kommunikation im Unterricht

Der Prozess des Lehrens und Lernens vollzieht sich im Unterricht in der Form von sozialen Interaktionsweisen verbaler, non – verbaler und schriftlicher Art zwischen Lehrern und Schülern.

2.1 Sichtweisen schulischer Kommunikation:

Biermann betrachtet Unterricht als interaktive Kommunikation unter drei Aspekten:[1]

1. Inhaltsaspekt: Es werden Themen und Gegenstände des Unterrichts fokussiert.
Um den Inhaltsaspekt isoliert zu betrachten, sind dazu die Lernziele des Unterrichts zu analysieren.
2. Beziehungsaspekt: Es wird die interpersonale Beziehung zwischen Lehrer und Schüler betrachtet.
3. Vermittlungsaspekt: Hier werden die Eigenheiten einer auf pädagogische Ziele ausgerichteten Kommunikation berücksichtigt. Hierzu werden Unterrichtsformen untersucht.

In der psychologisch orientierten Erforschung des Interaktionsgeschehens im Unterricht ist eine ziemlich einseitige Ausrichtung auf Fragestellung des Beziehungsaspektes erfolgt.

[...]


[1] Diese Perspektivendifferenzierung führte zu einer Verselbständigung der Aspekte als autonome Forschungsgebiete mit teilweise unterschiedlicher Disziplineinordnung.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Interaktion und Interaktionsanalyse in Erziehung und Unterricht
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Seminar zur Sozialpsychologie der Erziehung
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
19
Katalognummer
V5452
ISBN (eBook)
9783638133197
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr dichte Referatsvorlage, einzeiliger Zeilenabstand. Eine Abbildung fehlt, kann aber über die Literaturangabe nachvollzogen werden. 436 KB
Schlagworte
Interaktion, Interaktionsanalyse, Erziehung, Unterricht, Seminar, Sozialpsychologie
Arbeit zitieren
M.A. Simone Nuß (Autor), 2002, Interaktion und Interaktionsanalyse in Erziehung und Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5452

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