Im folgenden Aufsatz wird es darum gehen, welchen Beitrag die Bibel zum ethischen Problem des Suizids leistet. Ist darin ein Verbot oder sogar eine Erlaubnis zu finden? Um diese Frage zu beantworten, habe ich die in der Bibel genannten Selbstmorde untersucht und eingeordnet, sowie weitere Bibelstellen, die sich auf das Thema beziehen lassen, erläutert. Argumente von bekannten Theologen wie Augustinus, Thomas von Aquin und Dietrich Bonhoeffer, die sich allesamt gegen den Suizid aussprechen, habe ich in meine Überlegungen miteinbezogen, so dass ich schließlich zu einem „Weder- Noch- Ergebnis“ kam.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. SUIZID IN DEUTSCHLAND: FAKTEN
3. SELBSTMORDE IN DER BIBEL
4. ARGUMENTE DER THEOLOGEN
4.1 Augustinus
4.2 Thomas von Aquin
4.3 Dietrich Bonhoeffer
5. WEITERE BIBELSTELLEN
5.1 Selbstmordgedanken
5.2 War Jesus ein Selbstmörder?
5.3 Wer sein Leben verliert...
5.4 Hoffnung
6. FAZIT
7. LITERATUR
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag die Bibel zum ethischen Problem des Suizids leistet und ob sich daraus ein klares Verbot oder eine Erlaubnis ableiten lässt. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie theologische Positionen und biblische Erzählungen im Kontext von Verzweiflung und Lebensende bewertet werden können.
- Analyse der in der Bibel explizit erwähnten Suizide.
- Theologische Auseinandersetzung mit den Positionen von Augustinus, Thomas von Aquin und Dietrich Bonhoeffer.
- Untersuchung biblischer Stellen zu Suizidgedanken und Todessehnsucht.
- Kritische Reflexion der Rolle Jesu als Märtyrer im Vergleich zur Suizidproblematik.
- Herleitung des Konzepts der Hoffnung als christliche Antwort auf Lebenskrisen.
Auszug aus dem Buch
4.3 Dietrich Bonhoeffer
Bonhoeffer widmet sich in seinem Werk „Ethik“, das in den Wirren des zweiten Weltkriegs entstand, auf neun Seiten dem Thema Selbstmord. Er knüpft an das dritte Argument von Thomas an, indem er sagt, dass Gott das alleinige Verfügungsrecht über den Menschen und ein Plan und Ziel für sein Leben hat. Wenn jemand seinem Leben ein Ende setzt, beweist dies, dass er nicht mehr mit dem Eingreifen Gottes rechnet. Er sucht sich selbst einen Ausweg und nutzt die letzte Möglichkeit zur Selbstrechtfertigung, die ihm seine menschliche Freiheit bietet. Damit leugnet er die Gnade Gottes, die ihm Rechtfertigung und Rettung durch den Glauben anbietet. Die Tat ist somit Sünde, da sie aus Unglauben geschieht. Nur der Unglaube macht nach Bonhoeffer den Selbstmord zu etwas Verwerflichem. Vor der Moral kann es keine Verurteilung geben, sondern „Das Recht des Selbstmordes zerbricht allein an dem lebendigen Gott“. Dabei räumt er ein, dass die Bibel den Suizid nicht ausdrücklich verbietet, dass er aber meistens als Folge von begangener Sünde auftritt. Anstelle des Verbotes will die Bibel den Verzweifelten jedoch Gnade und Buße anbieten.
Diesem Prinzip der Gnade folgend, kommt Bonhoeffer zu dem Schluss, dass jeder Selbstmord als Einzelfall betrachtet werden muss und keine absolute Verurteilung geschehen darf. Dafür spricht seiner Meinung nach auch die Unterschiedlichkeit der Motivationen, die es für Selbsttötung gibt. Inwieweit kann ein Mensch, der sich zum Schutz vor einen Freund wirft, um an seiner Stelle einen Gewehrschuss abzufangen, für seine Tat verurteilt werden? Bonhoeffer unterscheidet an dieser Stelle zwischen Selbsttötung als Opfer zu einem guten Ziel, wozu jeder Mensch das Recht und die Freiheit haben soll, und Selbstmord aus egoistischen Gründen wie Verzweiflung oder Strafe, der nicht sein darf, weil er nicht sein muss. Anders als Augustinus will er aber einem Selbstmörder, der vor der Tat die Gnade durch den Glauben an Jesus Christus empfangen hatte, seine Errettung nicht absprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Fragestellung, ob die Bibel den Suizid verbietet oder erlaubt, unter Einbeziehung theologischer Argumente.
2. SUIZID IN DEUTSCHLAND: FAKTEN: Überblick über die aktuelle gesellschaftliche und rechtliche Lage sowie die Relevanz des Begriffs Suizid im Kontext von Sozialarbeit und Ethik.
3. SELBSTMORDE IN DER BIBEL: Untersuchung der sechs in der Bibel erwähnten Selbstmorde (u.a. Simson, Judas Iskariot) auf eine mögliche Bewertung durch die biblischen Texte.
4. ARGUMENTE DER THEOLOGEN: Darstellung und kritische Prüfung der Argumentationen von Augustinus, Thomas von Aquin und Dietrich Bonhoeffer gegen den Suizid.
5. WEITERE BIBELSTELLEN: Analyse von Bibelstellen zu Suizidgedanken und der Frage, ob Jesu Tod oder biblische Aufforderungen zum „Verlieren des Lebens“ als Suizid zu interpretieren sind.
6. FAZIT: Zusammenfassende Schlussfolgerung, dass die Bibel kein explizites Verbot enthält, sondern das Evangelium als Antwort der Hoffnung anbietet.
7. LITERATUR: Auflistung der verwendeten theologischen und fachwissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Suizid, Bibel, Ethik, Augustinus, Thomas von Aquin, Dietrich Bonhoeffer, Hoffnung, Selbstopfer, Todessehnsucht, Glaube, Gnade, Sünde, Sozialarbeit, Märtyrertod, Verzweiflung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Bewertung von Suizid aus biblischer und theologischer Sicht.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen biblische Berichte über Selbsttötungen, historische theologische Argumente gegen den Suizid sowie die Frage, wie mit Lebenskrisen und Verzweiflung im christlichen Glauben umgegangen wird.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage ist, ob die Bibel den Suizid ausdrücklich verbietet oder erlaubt, und wie eine christlich-ethische Haltung dazu aussehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, indem sie relevante Bibelstellen untersucht und diese mit den ethischen Positionen bedeutender Theologen der Kirchengeschichte in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Analyse biblischer Erzählungen, eine Diskussion über die Argumente der Theologen Augustinus, Thomas von Aquin und Bonhoeffer sowie eine Betrachtung weiterführender Bibelstellen zum Thema Hoffnung.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Suizid, Bibel, Theologie, Hoffnung, Ethik und der Umgang mit ausweglosen Lebenssituationen.
Warum spielt die Person Judas Iskariot in der Untersuchung eine Rolle?
Judas ist der bekannteste Selbstmörder des Neuen Testaments; die Untersuchung fragt, ob sein Tod als Verurteilung der Tat oder der vorherigen Ungerechtigkeit des Verrats zu verstehen ist.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Selbstmord und einem „Symbolischen Selbstmord“?
Die Autorin grenzt die egoistische Selbsttötung von der biblischen Aufforderung ab, das „alte Leben“ zu verlassen und sich im Glauben neu auf göttliche Werte auszurichten.
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- Sandra Kretschmer (Author), 2005, Selbstmord in der Bibel - Verboten oder gewollt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54556