Nach der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation des Oberkommandos der Wehrmacht, in Anwesenheit der alliierten Generale, in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 in Berlin- Karlshorst, endete in Europa der Zweite Weltkrieg und die Sowjetunion regierte somit etwa zweidrittel des deutschen Gebietes. 1 Ab dem 11. Mai begann dann der Alliierte Kontrollrat in Berlin mit seiner Arbeit. 2 Hitlers Dritte Reich war somit Geschichte. Doch was sollte jetzt mit dem deutschen Gebiet geschehen? Sollte man Deutschland unter den vier alliierten Besatzungsmächten Frankreich, USA, Großbritannien und der Sowjetunion aufteilen oder das Ziel eines gemeinsam regierten Deutschlands verfolgen? Nach dem Einmarsch der Roten Armee in die sowjetische Besatzungszone wurde die SMAD (sowjetische Militäradministration in Deutschland) gegründet, die dann in der SBZ die politische Gewalt übernahm. Zunächst sah Josef Stalin (Diktator der Sowjetunion von 1927 bis 1953) aber von einer Zerstückelung Deutschlands ab, obwohl Winston Leonard Spencer Churchill (britischer Premierminister vom 1940 bis 1945) und Franklin Delano Roosevelt (32. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von 1933 bis 1945) konkrete Teilungspläne in Jalta vorgelegt hatten. Auf der Potsdamer Konferenz der “Großen Drei” vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 ( Teilnehmer waren Stalin (SU), Churchill, ab 28. Juli Clement Richard Attlee (Premierminister von GB von 1945 bis 1951) und Harry S. Truman (33. Präsident der USA von 1945 bis 1953)) beschloss man Deutschland zu entmilitarisieren, zu entnazifizieren, zu demokratisieren, zu dekartellisieren und nach dem Prinzip der Selbstverwaltung von unten nach oben zu dezentralisieren. Man wollte Deutschland als wirtschaftliche Einheit betrachten. 3 Die Reparationsbestimmungen aber sagten, dass die Sowjetunion Industrieanlagen aus ihrer Besatzungszone und weitere 25 Prozent der Ausrüstungen der Westzonen entnehmen darf. Durch diese Einigung war das Ziel, Wirtschaftseinheit und somit politische Einheit zu erreichen, nicht mehr möglich. 4 War es also vorauszusehen, dass Deutschland eine geteiltes Land werden wird? Auf diese Frage und andere Aspekte werde ich im folgenden Text genauer eingehen und die Entwicklungen, vor allem die politischen, aber auch die wirtschaftlichen Veränderungen genauer darlegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung - Vorraussetzungen
2. Von der sowjetischen Besatzungszone zur Gründung der DDR
2.1. Die Teilung der Welt
2.2. Stationen auf dem Weg zur Zweistaatlichkeit
2.3. Die Transformation des politischen Systems in der SBZ
2.4. Das Primat der Planwirtschaft
2.5. Die Volkskongressbewegung
2.6. Die Verfassung
2.7. Vom Volksrat zur Volkskammer
2.8. Die Staatsgründung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den historischen Prozess der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) im Zeitraum von 1946 bis 1949 und analysiert die Hintergründe, die schließlich zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) führten.
- Die Auswirkungen der internationalen Blockbildung und des beginnenden Kalten Krieges auf Deutschland.
- Wirtschaftliche Transformationsprozesse, insbesondere Bodenreform und Enteignungen.
- Die Inszenierung und Bedeutung der Volkskongressbewegung als Vorbereitung zur Staatsgründung.
- Die verfassungsrechtliche Ausgestaltung des neuen Staates und die Festigung der SED-Herrschaft.
- Der Übergang von der Besatzungsverwaltung zur formalen staatlichen Souveränität unter sowjetischem Einfluss.
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Teilung der Welt
Die Vorraussetzung für ein geteiltes Deutschland war also die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen. Parallel zur Spaltung Deutschlands vollzog sich außerdem die Spaltung Berlins. Das Schicksal Deutschlands wurde also auf internationalem Parkett entschieden. Bereits im Juli 1945 wurden alle Sparkassen und Banken enteignet und die örtlichen Verwaltungen zu Neugründungen ermächtigt. Am 3. September folgte dann zunächst in Sachsen, darauffolgend in der gesamten Zone, eine umfassende Bodenreform, die unter dem Primat “Junkerland in Bauerhand“ stand, wobei etwa 3,3 Millionen Hektar Bodenbesitz an eine halbe Million Kleinbauern, Landarbeiter und Umsiedler verteilt wurden.
Da diese Reform entschädigungslos durchgeführt wurde, war der Gutsbesitz in der SBZ praktisch verschwunden. Und auch die wenigen verbleibenden Großbetriebe wurden sozialisiert oder in staatliche Musterwirtschaften umgewandelt. Am 30. September 1945 erfolgte dann die entschädigungslose Enteignung des Industrie- und Handelspotentials, wobei etwa 25 Prozent des Industriebesitzes in sowjetische Aktiengesellschaften umgewandelt wurden. Aus den übrigen Unternehmen entstanden dann 1947 “Volkseigene Betriebe“. Eine wichtige Vorraussetzung für die spätere Planwirtschaft war somit geschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung - Vorraussetzungen: Das Kapitel skizziert die Ausgangslage nach der Kapitulation 1945 und den Einfluss der Potsdamer Konferenz auf den Weg zur deutschen Teilung.
2. Von der sowjetischen Besatzungszone zur Gründung der DDR: Dieser Hauptteil analysiert die schrittweise Sowjetisierung, wirtschaftliche Umstrukturierung und die politische Formierung unter Führung der SED.
2.1. Die Teilung der Welt: Hier werden die frühen wirtschaftlichen Enteignungen und die zunehmende Blockbildung zwischen den Alliierten als Fundament für die Teilung dargestellt.
2.2. Stationen auf dem Weg zur Zweistaatlichkeit: Die Autorin beschreibt das Scheitern der Viermächte-Kooperation und die forcierten Entwicklungen in den Besatzungszonen ab 1947.
2.3. Die Transformation des politischen Systems in der SBZ: Das Kapitel erläutert die ideologische Ausrichtung der SED und die Instrumentalisierung gesellschaftlicher Massenorganisationen.
2.4. Das Primat der Planwirtschaft: Die Einführung der zentralistischen Planwirtschaft als Reaktion auf den Marshallplan und zur Erfüllung sowjetischer Reparationsforderungen wird hier behandelt.
2.5. Die Volkskongressbewegung: Dieses Kapitel zeigt auf, wie die SED das Volkskongress-Gremium als "von oben" gelenktes Vorparlament für die Staatsgründung nutzte.
2.6. Die Verfassung: Analyse des Verfassungsentwurfs, der zwar demokratisch wirkte, aber durch das Blockprinzip jegliche Opposition ausschloss.
2.7. Vom Volksrat zur Volkskammer: Beschrieben wird der organisierte Prozess der formellen Machtübergabe unter Einheitslisten und sowjetischer Kontrolle.
2.8. Die Staatsgründung: Der finale Akt der Proklamation der DDR am 7. Oktober 1949 und die Übertragung staatlicher Kompetenzen durch die sowjetische Führung.
3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung zur Diktatur des Proletariats und der Unvermeidbarkeit der staatlichen Teilung.
Schlüsselwörter
Sowjetische Besatzungszone, SBZ, DDR, Gründung, SED, Planwirtschaft, Bodenreform, SMAD, Volkskongress, Teilung Deutschlands, Stalinismus, Kalter Krieg, Zweistaatlichkeit, Reparatoren, Blockbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) im Zeitraum zwischen 1946 und 1949, die unmittelbar in die Gründung der DDR mündete.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die wirtschaftliche Transformation (Enteignungen, Planwirtschaft), die politische Formierung unter der SED und der historische Weg der Teilung Deutschlands zwischen den Großmächten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass die Entstehung eines geteilten Deutschlands voraussehbar war und die Gründung der DDR eine direkte politische Antwort auf die Entwicklungen in den Westzonen sowie sowjetische Interessen darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur, Chroniken und historischer Dokumente zur DDR-Geschichte basiert.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Phasen: von den wirtschaftlichen Weichenstellungen 1945 über die Volkskongressbewegung bis hin zur Verabschiedung der Verfassung und dem offiziellen Staatsakt 1949.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Wichtige Begriffe sind SBZ, SED, Planwirtschaft, Sowjetisierung, Volkskongressbewegung und Zweistaatlichkeit.
Wie wurde die SED-Kontrolle innerhalb der DDR-Strukturen implementiert?
Die Kontrolle wurde durch das Verbot von Opposition, die gezielte Steuerung der Blockparteien und die Umformung aller gesellschaftlichen Massenorganisationen (wie FDGB oder FDJ) unter SED-Führung erreicht.
Warum war die Bodenreform für die spätere Planwirtschaft so entscheidend?
Die entschädigungslose Enteignung zerschlug den Gutsbesitz und die ökonomische Machtstruktur der Großbetriebe, wodurch eine staatlich gelenkte Wirtschaft nach sowjetischem Vorbild erst ermöglicht wurde.
Welche Rolle spielte die SMAD bei der Staatsgründung?
Die SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) agierte als steuernde Kraft, welche die administrativen Abläufe kontrollierte und schließlich ihre Kompetenzen an die provisorische Regierung unter Pieck und Grotewohl übergab.
- Quote paper
- Nadja Kloß (Author), 2006, Gründung der DDR unter Berücksichtigung der Wirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54577