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Warum aber sind die Verse immer schlechter als die Musik? Aspekte der Librettistik nach Wagner

Titel: Warum aber sind die Verse immer schlechter als die Musik? Aspekte der Librettistik nach Wagner

Magisterarbeit , 2005 , 118 Seiten , Note: 1,0 / 1,0

Autor:in: Ekkehard Oehler (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Gattungen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Warum aber sind die Verse immer schlechter als die Musik?“ fragt sich der Schauspieler Clairon in Richard Strauss’ letzter Oper Capriccio, einem Werk, in dem der sich Strauss am Ende seines Lebens noch einmal mit Grundfragen der Operndichtung auseinandersetzt. Clairons Frage steht vor dem Hintergrund der Erkenntnis, daß das Finden und Verarbeiten eines geeigneten Stoffes für die Opernbühne von jeher mit vielfältigen Problemen verbunden war. Ein sehr spezielles Problem stellte sich deutschen Komponisten und Textdichtern im letzten Drittel des neunzehnten und zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Dieses Problem bestand in der Dominanz und der Wirkungsmächtigkeit der Musikdramen Richard Wagners, die alle anderen Opern dieser Zeit zu verdrängen drohten.
Die in dieser Arbeit zu untersuchende These lautet daher: Nach Wagner war es nicht möglich, unbefangen Operntexte zu schreiben und zu komponieren, weshalb über einen Zeitraum von nahezu 40 Jahren alle ernstzunehmenden Opern der Zeit nach etwa 1878 sich durch das Bemühen auszeichnen, die wagnersche Stoffwahl und Diktion zu vermeiden. Zwar wurden Wagners Innovationen auf musikalischem Gebiet stark beachtet und von allen namhaften Komponisten auf die eine oder andere Art im eigenen Werk aufgegriffen, was aber die Textbücher angeht, bestand eine große Scheu vor der direkten Nachahmung, auch aufgrund von Wagners neuartigen Qualitätsansprüchen. Bislang haben jedoch die Operntexte dieser Phase lediglich im Hinblick auf ihre Epigonalität Beachtung gefunden; das Vermeiden der Konkurrenzsituation mit Wagner ohne einen Rückschritt zu machen, wurde als künstlerische Eigenleistung, die den Werken einen Eigenwert verleiht, nicht anerkannt.
Anhand einiger exemplarischer Opernlibretti werden verschiedene Vermeidungsstrategien und Aneignungsformen aufzuzeigen sein. Außerdem wird der Versuch von Richard Strauss zu betrachten sein, zur Lösung des Problems einen neuen Weg einzuschlagen, der die Literaturoper begründete und neue Maßstäbe der Zusammenarbeit zwischen Librettist und Komponist setzte.
Vor der Betrachtung einzelner repräsentativer Werke des Zirkumpolaren Kreises wird jedoch zunächst ein kurzer, grundlegender Blick auf die Textform Libretto aus literaturwissenschaftlicher Sicht zu werfen sein, um die Veränderung der Textform durch Wagner nachvollziehen zu können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Libretto als literarische Gattung

2.1 Geschichte und Struktur des Librettos

2.2 Zur Beschäftigung mir Libretti

2.3 Zur Editionslage und Zitierweise

3. Die Reformen Richard Wagners

3.1 Die frühen Werke

3.2 Das Konzept des Musikdramas und seine Umsetzung

4. Stoffwahl im Schatten Wagners

4.1 Komödienstoffe

4.1.1 Hugo Wolf: Der Corregidor

4.1.2 Sonstige Komödien

4.2 Märchen und Verwandtes

4.2.1. Engelbert Humperdincks Märchenopern

4.2.2. Andere Märchenvertonungen

4.3 Volkstümliche Opern

4.4 Verismo

4.4.1 Exkurs: Der italienische Verismo

4.4.2. Eugen d’Albert: Tiefland und Die toten Augen

4.4.3. Max von Schillings: Mona Lisa

4.4.4. Erich Wolfgang Korngold: Violanta

4.5. Eine Literaturvertonung: Notre Dame von Franz Schmidt

4.6 Hans Pfitzners Musikdrama

4.6.1. Der arme Heinrich

4.6.2. Palestrina und die musikalische Einfallsästhetik

4.7. Richard Strauss

4.7.1. Die Frühwerke

4.7.2. Salome. Die Geburt der Literaturoper

4.7.3. Elektra. Die Begegnung mit Hofmannsthal

5. Schlußbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen deutscher Opernkomponisten und Librettisten im Zeitraum zwischen 1870 und 1920, die sich in der Auseinandersetzung mit der Dominanz und dem Erbe der Musikdramen Richard Wagners befanden. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den Strategien dieser Künstler, eine eigene Identität zu finden und eine Epigonalität zu vermeiden, während sie gleichzeitig die musikalischen Neuerungen Wagners in ihre Werke integrierten.

  • Analyse der Wirkungsmächtigkeit von Wagners Musikdramen auf die zeitgenössische Stoffwahl und Diktion.
  • Untersuchung verschiedener "Vermeidungsstrategien" durch Rückzug in komische, märchenhafte oder veristische Sujets.
  • Erforschung der Entwicklung der "Literaturoper" als neuen Weg der Zusammenarbeit zwischen Dichter und Komponist.
  • Betrachtung von Komponisten wie Hugo Wolf, Engelbert Humperdinck, Hans Pfitzner und Richard Strauss im Kontext der Wagner-Rezeption.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die frühen Werke

Kurz zusammengefaßt sind es drei große Errungenschaften neben der Etablierung der Personalunion von Komponist und Librettist, die Wagner zum Vorreiter des Musikdramas machen. Zunächst betreibt er die Auflösung der alten Form der Oper mit einzelnen Nummern zugunsten der pausenlosen Durchkomposition. Damit geht die Verwendung der „Wortmelodie“ einher, in der die gewohnten rhythmischen Modelle aufgehoben sind. Eine weitere Innovation ist das Prinzip der Leitmotivtechnik, das, wie noch zu erläutern ist, Einfluß auf die Textgestaltung nimmt, da es dem Dichter größere Freiheiten ermöglicht. Schließlich treten bei Wagner bisher nicht gekannte Sinnanhäufungen und eine Bedeutungsvielfalt in den Texten auf, die dadurch einen für Libretti völlig neuen Anspruch erhalten.

Die revolutionären Änderungen, die Richard Wagners Musikdramen für die Librettistik mit sich brachten, kamen selbstverständlich nicht aus dem Nichts; die Reformen fußten auf sich sukzessive bei Wagner einstellenden Erkenntnissen von Mängeln in der traditionellen Opernform. Die Formulierung der Idee des „Gesamtkunstwerkes“ und dessen Entwicklung verlief in mehreren Schritten. Es ist hier nicht der Ort, eine Abhandlung über Wagners Leben und Werk zu verfassen, was reichlich redundant wäre. Daher werde ich mich auf einen überblicksartigen Absatz über die Entwicklung des Dichters und Komponisten Wagners auf dem Weg zum Gesamtkunstwerk beschränken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die These, dass nach Wagner eine unbefangene Operndichtung nahezu unmöglich wurde und Komponisten gezwungen waren, eigene Wege der Stoffwahl zu finden.

2. Das Libretto als literarische Gattung: Dieses Kapitel definiert die besonderen strukturellen Anforderungen an ein Libretto im Vergleich zum Sprechdrama, wie z.B. die Kürze und die diskontinuierliche Zeitstruktur.

3. Die Reformen Richard Wagners: Das Kapitel erläutert Wagners entscheidende Innovationen wie die Durchkomposition und Leitmotivtechnik, die den Anspruch an Operntexte grundlegend veränderten.

4. Stoffwahl im Schatten Wagners: Hier werden diverse Strategien zur Abgrenzung von Wagner analysiert, unterteilt in Komödien, Märchenopern, Verismo, Literaturvertonungen und schließlich die Entwicklung zur Literaturoper durch Richard Strauss.

5. Schlußbemerkung: Die Schlußbemerkung resümiert, dass die "zirkumpolaren" Bemühungen zwar viele interessante Werke hervorbrachten, jedoch oft an der erdrückenden Last des wagnerschen Erbes scheiterten, wobei nur Strauss einen wirklichen Ausweg fand.

Schlüsselwörter

Richard Wagner, Musikdrama, Libretto, Operngeschichte, Zirkumpolare Oper, Literaturoper, Verismo, Leitmotivtechnik, Gesamtkunstwerk, Komödien, Märchenoper, Hans Pfitzner, Richard Strauss, Stoffwahl.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie deutsche Opernkomponisten und Librettisten zwischen 1870 und 1920 versucht haben, sich aus dem übermächtigen Einfluss von Richard Wagner zu befreien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Entwicklung des Musiktheaters, die Gattung Libretto an sich, die Auswirkungen der wagnerschen Reformen sowie diverse Ausweichbewegungen hin zu neuen Genres.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Komponisten nach Wagner durch Vermeidungsstrategien und neue ästhetische Konzepte versuchten, ein eigenes künstlerisches Profil zu gewinnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und musikwissenschaftliche Analyse, die exemplarische Opernlibretti sowie theoretische Schriften der Zeit untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Gattung Libretto, die Analyse von Wagners Reformen sowie die detaillierte Betrachtung verschiedener künstlerischer Strömungen im Schatten Wagners.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben Wagner und Musikdrama sind Begriffe wie Zirkumpolare Oper, Literaturoper und Verismo zentral für das Verständnis der Arbeit.

Warum ist das "Schönheitsideal" bei d'Albert als problematisch beschrieben?

Die Arbeit zeigt auf, dass d'Albert versuchte, einen "leichten" Stoff mit einer sehr komplexen, wagnersch inspirierten Musik zu überfrachten, was zu einer für das Genre untypischen Schwere führte.

Inwiefern unterscheidet sich die "Koproduktionsoper" von Strauss von früheren Libretto-Vertonungen?

Im Gegensatz zu früheren Versuchen, bei denen Libretti meist "bestellt" oder bearbeitet wurden, zeichnet sich das Strauss-Hofmannsthal-Modell durch eine gemeinsame, gleichberechtigte Kreation von Dichter und Komponist aus.

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Details

Titel
Warum aber sind die Verse immer schlechter als die Musik? Aspekte der Librettistik nach Wagner
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,0 / 1,0
Autor
Ekkehard Oehler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
118
Katalognummer
V54599
ISBN (eBook)
9783638497626
ISBN (Buch)
9783638709064
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Warum Verse Musik Aspekte Librettistik Wagner Oper Libretto Operntext Musiktheater Strauss Pfitzner
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ekkehard Oehler (Autor:in), 2005, Warum aber sind die Verse immer schlechter als die Musik? Aspekte der Librettistik nach Wagner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54599
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