Über den Nobelpreisträger James Tobin: Zur Person und Tobins Beitrag zu den Wirtschaftswissenschaften


Seminararbeit, 2006
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Gang der Untersuchung

2 James Tobin - Zur Person

3 Die Tobin-Steuer
3.1 Einführung und Darstellung
3.2 Ziele der Tobin-Steuer
3.3 Wirksamkeit der Tobin-Steuer in Systemen mit fixen und freien Wechselkursen.
3.4 Betrachtungen zur Tobin-Steuer

4 Beiträge zur Kapitalmarkt-Theorie
4.1 Das Separationstheorem
4.2 Tobin’s q
4.2.1 Einleitung
4.2.2 Darstellung des q-Ratio
4.2.3 Volkswirtschaftliche Betrachtung
4.3 Fazit

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Gang der Untersuchung

Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 1981, James Tobin. Der Preis wurde ihm für seinen Beitrag zur Analyse der Finanzmärkte und deren Auswirkungen auf Ausgabenbeschlüsse und damit auf Beschäftigung, Produktion und Preisentwicklung verliehen.

Nach einem Einblick in seine Biographie in Kapitel 2 werden einige seiner Ideen und Ansätze vorgestellt. So beschäftigt sich das Kapital 3 mit der von ihm geforderten Transaktionssteuer auf Devisengeschäfte, der sog. Tobin-Tax. Das 4. Kapitel soll einen Ausblick auf James Tobins Beiträge zur Kapitalmarkttheorie geben und greift hier besonders das Separationstheorem und das q-Ratio auf.

In der Schlussbetrachtung in Kapitel 5 wird Tobins Arbeit in einem weiter gefassten Kontext betrachtet und gewürdigt.

2 James Tobin - Zur Person

James Tobin wurde am 5. März 1918 in Champaign, Illionois, USA geboren. Seine Mutter, Margret Edgerton Tobin, war Sozialarbeiterin und unterbrach ihre Arbeit für sechzehn Jahre, um sich um die Familie zu kümmern. Später nahm sie ihre berufliche Tätigkeit wieder auf, um den herrschenden Notstand, ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise, zu lindern. Aus ihren Berichten hatte der junge James Tobin erste Einblicke in das von der Armut und Arbeitslosigkeit verursachte Elend. Sein Vater, Louis Michael Tobin, war Journalist und der Direktor für Öffentlichkeitsarbeit für Sport an der Universität Illionois. James Tobin bezeichnet seinen Vater als einen intelligenten Mann und den am meisten gebildeten und am besten informierten Menschen in seinem gesamten Umfeld . Er war außerdem ein guter Lehrer für seinen Sohn. James Tobin, wie auch sein jüngerer Bruder waren in Familienkreisen dafür bekannt, dass sie ungewöhnliche politische Standpunkte vertraten, diese aber stets gut begründen konnten.

Tobin absolvierte die High School in Urbana, deren Absolventen überdurchschnittlich viele Stipendien gewinnen konnten. So waren auch die späteren Nobelpreisträger Philip Anderson und Hamilton Smith darunter.

Ursprünglich hatte er vor, die örtliche Universität zu besuchen, doch sein Vater veranlasste ihn, an einer Aufnahmeprüfung in Harvard teilzunehmen. Für diese hatte er sich weder besonders vorbereitet, noch besonderes Engagement an den Tag gelegt. Trotzdem erhielt er einen Studienplatz. und erwarb vier Jahre später seinen B.A.1

Die Weltwirtschaftskrise und die daraus entstandene Krise bei den Ökonomen, die dieses Ereignis nicht erklären und auch keine Gegenmaßnahmen empfehlen konnten, veranlasste Tobin, Nationalökonomie zu studieren. Diese stellte für ihn eine Herausforderung und Faszination dar. Nach der Lektüre von Keynes war James Tobin von diesem Fachgebiet begeistert.

Ein ihm gewährtes Auslandsstipendium konnte er aufgrund des ausgebrochenen Krieges nicht annehmen und verbrachte zwei weitere Jahre als graduierter Student in Harvard. Unter seinen Professoren waren Größen wie Joseph Schumpeter und Wassily Leontief. Darüber hinaus waren einige sehr begabte Studenten zugegen, unter anderen auch Paul Samuelson. Im Frühjahr 1941 verließ Tobin Harvard, um eine Stelle in einer Agentur in Washington anzutreten. Seine Aufgabe bestand darin, Quoten festzusetzen und diese den Betroffenen Mitarbeitern zu erklären.

Nach Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg trat Tobin in die Marinereserve ein und ließ sich zum Marineoffizier ausbilden.

Vier Jahre lang tat James Tobin Dienst auf dem Zerstörer „U.S.S. Kearny“, hier als Frontoffizier und Artillerieoffizier, später dann auch als Navigator und leitender Offizier mit stellvertretender Befehlsgewalt. Tobin war u.a. an der Invasion in Nordafrika und am Italien-Feldzug beteiligt. Die Erfahrungen aus dieser Zeit schätzte er sehr, da sie sehr verschieden von den akademischen Arbeiten waren.

Trotz dem er nach Kriegsende zahlreiche Angebote erhielt und auch versucht war, wieder nach Washington zurück zu kehren, entschloss sich James Tobin für eine akademische Zukunft. In den Jahren 1946-1947 arbeitete Tobin an der Erlangung eines Ph.D und schrieb seine Dissertation über Theorie und statistische Erfassung der Konsumfunktion, dieses Thema hat ihn noch weitere Jahre beschäftigt.

1947 wurde Tobin zum Junior Fellow der Society of Fellows gewählt, was ihm drei Jahre freies Studieren, Forschen und Schreiben ermöglichte. Diese Zeit nutzte er, um in den Wirtschaftswissenschaften das aufzuholen, was er während des Krieges versäumt hatte. Außerdem verfasste er zahlreiche Artikel zur Makroökonomie.

Von 1949-1950 hielt sich James Tobin in England auf, wo er am Richard Stones Department of Applied Economics wirkte. 1950 folgte dann eine Tätigkeit in Yale, wo er zum Associate Professor ernannt wurde.

Jeweils von 1955 bis 1961 und von 1964 bis 1965 war James Tobin Leiter der Cowles-Stiftung in Yale. In jener Zeit war es sein Forschungsschwerpunkt „Keynes’ Wirtschaftstheorie auf eine festere Grundlage zu stellen und die Systematik der Makroökonomie und der monetären Theorie zu festigen und besser heraus zu arbeiten“.2

Seine Rede „Geld und Finanzwirtschaft im makroökonomischen Prozess“ stellt eine Art Abschlussbericht dieser Arbeit dar.

1988 emeritierte Professor Tobin, der Mitglied in Präsident Kennedy’s Beraterstab war und zudem Präsident von mehreren Vereinigungen. Hierunter z.B. die Econometric Society, die American Economic Association und die Eastern Economic Association. 1955 wurde James Tobin die John Bates Clark Medal verliehen, die an den besten amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler unter 40 Jahre verliehen wird. Seit 1972 war Professor Tobin, dem insgesamt mehr als 21 Ehren-Doktortitel verliehen wurden, Mitglied der National Academy of Sciences.

Den Höhepunkt der Auszeichnungen stellte der ihm 1981 verliehene Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften dar. Dieser Preis wurde ihm „ Für seine Analyse der Finanzm Ärkte und deren Auswirkungen auf Ausgabenbeschlüsse und damit auf Besch Äftigung, Produktion und Preisentwicklung „ verliehen.

Die Hauptforschungsinteressen von James Tobin lagen in der Makroökonomie, Geldtheorie und Geldpolitik, Steuerpolitik, Arbeitslosigkeit und Inflation, sowie im Bereich Portfolio-Theorie und Ökonometrie.

Tobin, der von sich selbst behauptete, er höre nie auf zu lernen, begann in den 50er Jahren damit, gelegentliche Aufsätze über aktuelle wirtschaftliche Themen zu verfassen. Eine Reihe dieser Artikel wurde 1966 unter dem Titel ‚National Economic Policy’ veröffentlicht. Darüber hinaus wurde Tobin als Sachverständiger von zahlreichen Ausschüssen berufen und hat zudem als Berater in der Politik fungiert.

Während seiner Tätigkeit in dem Beraterstab Präsident Kennedy’s traf er dort auf Robert M. Solow, sowie auf Okun und Arrow. Gemeinsam verfassten sie den ‚Economic Report’ von 1962, der eine Darstellung von Theorie und Praxis der Stabilitäts- und Wachstumspolitik war. Dieser Report wurde von der Presse später als „New Economics“ bezeichnet. Die wichtigsten makroökonomischen Vorschläge dieses Beraterstabes konnten bis Ende 1965 umgesetzt werden. Die erzielten Erfolge wurden jedoch von dem Vietnamkrieg und der Stagnation der 70er Jahre negativ beeinflusst.

Im Laufe seines wissenschaftlichen Wirkens schrieb Professor Tobin 16 Bücher und mehr als 400 Artikel und Aufsätze, die dadurch gekennzeichnet waren, dass sie zum Einen für Fachleute geschrieben waren, zum Anderen aber auch für die breite Masse.3

James Tobin heiratete 1946 Elizabeth Fay Ringo, die eine ehemalige Schülerin von Paul Samuelson gewesen ist. Gemeinsam hatten sie vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne. Am 11. März 2002 verstarb Professor James Tobin.4

3 Die Tobin-Steuer

3.1 Einführung und Darstellung

Die Idee, eine Steuer auf internationale Devisengeschäfte zu erheben, wurde von James Tobin im Jahre 1972 im Rahmen der von ihm gehaltenen Janeway Vorlesungen in Princeton vorgeschlagen. Diese Steuer war eine der Maßnahmen, die er vorgeschlagen hatte, um die Wirksamkeit der makroökonomischen Politik zu erhöhen.5 Sein Vorschlag blieb jedoch in Fachkreisen ungehört. Lediglich Journalisten und Finanzexperten interessierten sich für diese Idee. Besonders in Kreisen der Zentralbanken war diese Steuer als ein Gräuel angesehen. So bezeichnete Ottmar Issing von der Bundesbank z.B. die Tobin-Steuer als Monster von Loch Ness, das wieder mal auftaucht.

Viele Ökonomen, deren überzeugender Sprecher Milton Friedman war, befürworteten freie Wechselkurse in privaten Märkten ohne öffentliche Eingriffe.6

Tobin glaubte, dass das Grundproblem nicht im Wechselkurssystem an sich bestand, sondern in der übermäßigen Mobilität von privaten Finanzmitteln. Er bezeichnete die völlige Austauschbarkeit der Hauptwährungen als „the biggest thing that happened in the world monetary system, since the 1950s“.7

Später entstand ein gewisses Interesse an einer Umsetzung der Tobin-Steuer, da diese ein Einkommen erzielte, welches für eine Vielzahl von Zwecken eingesetzt werden konnte. So schlug z.B. der französische Staatspräsident Francois Mitterand 1994 vor, diese Steuer einzuführen.8

Trotz allem sieht Tobin in freien Wechselkursen eine Verbesserung zu dem System von Bretton Woods. Jedoch ging er davon aus, dass die o.g. Probleme andauern würden, solange nicht besondere Maßnahmen ergriffen würden.9

Die Erzielung von Einnahmen war lediglich als Begleiterscheinung angedacht und nicht als Hauptargument. James Tobin ging es bei dieser Steuer darum, dass hauptsächlich kurzfristige Devisengeschäfte eingeschränkt werden. Rohstoffhandel und langfristige Kapitalinvestitionen sollten nur in geringem Maße davon betroffen sein.

So würde eine Transaktionssteuer von 0,2% auf einen Umtauschvorgang von einer Währung in eine andere Kosten von 48% verursachen, wenn dieser Tauschvorgang täglich erfolgen würde, 10% wenn er wöchentlich erfolgte und nur noch 2,4% wenn ein Umtausch monatlich durchgeführt wird. Bezogen auf den Austausch von Handelsgütern oder auch auf langfristige Investitionen im Ausland wäre der Betrag jedoch belanglos.

James Tobin wollte mit seiner Steuer die hohen Schwankungen der Wechselkurse eindämmen. Bereits seit dem Abkommen von Bretton Woods waren Beschränkungen üblich. Doch noch im Jahr 1996 äußerte die American Economic Association ihre Besorgnis über die hohen Wechselkursschwankungen. Die Tobin-Steuer wurde als ein potentieller Lösungsansatz angesehen.10 Es bleibt zu beachten, dass Wechselkurssysteme bei aller Regulierung immer auch ein gewisses Maß an Flexibilität erlauben müssen. Tobin glaubte nicht daran, dass seine Transaktionssteuer ein kursstützendes System wie Bretton Woods brauchbarer macht. Die Massen der privaten Vermögen können sich zwischen den Währungen bewegen und überragen die den Zentralbanken zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel zur Aufrechterhaltung von Kursrelationen.

Wurde vor 1995 noch von dem geschäftsführenden Direktor des IWF die Idee begrüßt, die Austauschbarkeit der Währungen aller Mitgliedsländer zu verbessern, schien die Wirtschaftskrise von Mexiko die Tatsache zu verdeutlichen, dass es Zeiten gibt in denen beschränkende Maßnahmen wünschenswert zu sein scheinen.

James Tobin war skeptisch, dass Preissignale eine Volkswirtschaft zu einer angemessenen makroökonomischen Strategie führen können. Deshalb hielt er es für notwendig, Sand in das Getriebe zu streuen, was einige sich von der hohen Volatilität der freien Wechselkurse an sich erhofft haben.11

3.2 Ziele der Tobin-Steuer

James Tobin nannte zwei Gründe für seine Transaktionssteuer. Zum einen sollten Devisenkurse verstärkt langfristige Grundlagen widerspiegeln. Dies besonders im Gegensatz zu kurzfristigen Erwartungen und Risiken. Auch wenn die langfristigen Transaktionen mitbesteuert werden, sah Tobin diese Gruppe weniger gehemmt als die kurzfristigen Transaktionen, wie z.B. Spekulationen. Daraus schloss Tobin, dass die regressiven Erwartungen an Gewicht zunehmen, während die extrapolativen Erwartungen an Einfluss verlieren. Die Volatilität würde eingeschränkt werden.

Es lässt sich nachweisen, dass 80% der Devisengeschäfte, in denen eine Währung mehrmals getauscht wird, eine Fristigkeit von sieben Tagen oder weniger haben.12

Der zweite Grund ist die Bewahrung und Förderung der Autonomie der nationalen Makroökonomie und Geldpolitik. Tobin erkannte, dass er einer mächtigen Strömung gegenüberstand.

[...]


1 Homepage: The Nobelprize (04.03.2006)

2 Homepage: The Nobelprize (04.03.2006)

3 Homepage: The Nobelprize (04.03.2006)

4 Homepage: Paul Krugman (06.03.2006)

5 Tobin, J. (1996, S. 9)

6 Tobin, J. (1978, S. 154)

7 Tobin, J. (1978, S. 155)

8 Tobin, J. (1996, S. 10)

9 Tobin, J. (1978, S. 157)

10 Tobin, J. (1996, S.11)

11 Tobin, J. (1978, S.166)

12 Tobin, J. (1996, S.12)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Über den Nobelpreisträger James Tobin: Zur Person und Tobins Beitrag zu den Wirtschaftswissenschaften
Hochschule
Universität Osnabrück  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Außenwirtschaft)
Veranstaltung
Außenwirtschaftliches Seminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V54600
ISBN (eBook)
9783638497633
ISBN (Buch)
9783638751957
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit behandelt die Tobin-Steuer, das Separations-Theorem (Tobin-Separation) und das tobin'sche q. Außerdem nimmt sie Bezug auf die Person James Tobin und enthält eine kurze Würdigung.
Schlagworte
Nobelpreisträger, James, Tobin, Person, Tobins, Beitrag, Wirtschaftswissenschaften, Außenwirtschaftliches, Seminar
Arbeit zitieren
Marco Iezzi (Autor), 2006, Über den Nobelpreisträger James Tobin: Zur Person und Tobins Beitrag zu den Wirtschaftswissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54600

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