Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Communication

Liebe als Kommunikationsproblem

Title: Liebe als Kommunikationsproblem

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Maximilian Schröter (Author)

Sociology - Communication
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Das Konzept der Liebe besagt, dass zwei Personen füreinander da sind, wobei dieses „für-einander“ nicht nur den jeweils anderen Liebespartner einschließt, sondern auch alle anderen Menschen ausschließt. Diese exklusive Zuwendung zum jeweiligen Liebespartner ist - so einfach sie auf den ersten Blick erscheinen mag - tatsächlich hochkomplex. Zwischen zwei Liebenden spielen sich ständig Kommunikationsprozesse ab, die für Liebessituationen typisch sind und so nur im Kontext der Liebe stattfinden. Letztendlich dienen sie dem Zweck, sich einander der Liebe, die man füreinander empfindet, zu versichern. Doch was genau wird dabei in der Liebeskommunikation kommuniziert - oder, aus einer etwas anderen Richtung betrachtet: Wie vermittelt man dem Partner dessen Bedeutung für einen selbst? Es geht also darum, wie sich Liebe kommunizieren lässt. Das Problem, auf das man beim Versuch, dem anderen aufrichtig seine Liebe zu ihm bzw. ihr vermitteln zu wollen, unweigerlich stößt, ist das der Inkommunikabilität (vgl. Luhmann 1994, 153ff). Um dabei die „Unmöglichkeit der Aufrichtigkeit“ (ebd., 154) zu umgehen, haben sich in der Liebeskommunikation ganz bestimmte Formen entwickelt, nach denen diese immer wieder abläuft.
Im Folgenden soll - nach einer kurzen, an Peter Fuchs orientierten Darstellung der Funktion, die die Liebe in der modernen Gesellschaft erfüllt - auf die Probleme verwiesen werden, die in der Liebeskommunikation auftreten und dargelegt werden, welche Strategien sich zu ihrer Lösung herausgebildet haben. Dabei wird die Literatur als Quelle von Formvorlagen für im Alltag stattfindende Liebeskommunikationen aufgezeigt und dargestellt, warum gerade die in Romanen beschriebenen Kommunikations- und Verhaltensweisen als Vorbild für reale Liebeskommunikation dienen. Zudem soll kurz die Frage danach behandelt werden, welche weiteren Quellen für Formvorlagen heute neben der Literatur existieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anforderungen der funktional differenzierten Gesellschaft

2.1 Romantische Liebe als Reaktion auf die funktionale Differenzierung

2.2 Die Kommunikation von Einzigartigkeit – Das Problem der Aufrichtigkeit

3. Die Herstellung von Aufrichtigkeit

3.1 Das Gefühl

3.2 Nonverbale Kommunikation

4. Formvorlagen für den Code der Liebe

4.1 Romane vs. Ratgeberliteratur

4.2 Die Strategie der Opakisierung

4.3 Weitere Quellen für Formvorlagen

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Liebe aus einer systemtheoretischen Perspektive als Kommunikationsproblem in einer funktional differenzierten Gesellschaft. Ziel ist es zu analysieren, wie Individuen trotz der strukturellen Schwierigkeiten Aufrichtigkeit in der Liebeskommunikation herstellen und welche Rolle kulturelle Formvorlagen, insbesondere aus der Literatur, dabei spielen.

  • Die funktionale Differenzierung und ihre Auswirkungen auf das Individuum
  • Die Unmöglichkeit der Kommunikation von Einzigartigkeit
  • Mechanismen der Aufrichtigkeitserzeugung: Gefühl und Körpersprache
  • Die Bedeutung von Literatur und Medien als Formvorlagen für Liebeskommunikation
  • Das Paradoxon zwischen Standardisierung und Individualität in der Liebe

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Gefühl

Der einfache Satz „Ich liebe dich.“ gehört wohl zu den risikoreichsten Aussagen, die man einer anderen Person gegenüber machen kann. Unabhängig davon, ob die Liebe, die damit zum Ausdruck gebracht werden soll, erwidert wird oder nicht, muss sichergestellt sein, dass der Adressat die Aussage überhaupt für glaubwürdig hält, also für ihn kein Zweifel an der Aufrichtigkeit des Sprechers besteht. Die Aufgabe der Reduktion von Zweifeln und Unsicherheiten übernimmt dabei das Konzept des Gefühls. Sobald bei der Kommunikation von Liebe davon ausgegangen werden kann, dass diese sich auf Gefühle des Sprechers gründet, ist sichergestellt, dass beide Kommunikationspartner wissen, dass sie ihrem Handeln (bzw. den Kommunikationen, die vom Gegenüber als Handlungen aufgefasst werden) denselben Tatbestand zugrunde legen. Zum einen hilft dies, sich als einheitliches Individuum beschreiben zu können, zum anderen werden Gefühle damit zum einzigen legitimen Erklärungsgrund für Liebe, bei der sie dann immer schon mitgedacht werden müssen: Wer aufrichtig liebt, dem werden Gefühle unterstellt. Umgekehrt kann Liebe nach diesem modernen Verständnis nur auf Gefühlen beruhen.

Luhmann verwendet dafür den Begriff der „Passion“: Dieser „drückt aus, dass man etwas erleidet, woran man nichts ändern und wofür man keine Rechenschaft geben kann“ (Luhmann 1994, 30). Als Leitsymbol des symbolisch generalisierten Kommunikationsmediums Liebe stellt die Passion das Mittel dar, mit dessen Hilfe sichergestellt werden kann, dass Liebe nur dann vorliegt, wenn sie vom Liebenden ohne dessen Einfluss Besitz ergreift, wenn man sie erleidet. So wird ein allgemeingültiger Rahmen geschaffen, in dem die Kommunikation über Liebe abzulaufen hat und in dem alle das gleiche meinen, wenn sie von Liebe sprechen. Gefühle übernehmen damit „auch eine Funktion für die Kommunikation“ (Schwanitz 1993, 102), was durchaus nicht immer der Fall war.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Liebeskommunikation und deren Inkommunikabilität in der modernen Gesellschaft.

2. Anforderungen der funktional differenzierten Gesellschaft: Analyse des gesellschaftlichen Wandels und dessen Folgen für die Identität des Individuums, wodurch die Liebe als Sozialform zur Herstellung von Ganzheit notwendig wird.

3. Die Herstellung von Aufrichtigkeit: Erläuterung der Strategien, insbesondere Gefühl und Körpersprache, zur Überwindung des Problems der Unaufrichtigkeit.

4. Formvorlagen für den Code der Liebe: Untersuchung der Rolle von Literatur, insbesondere Romanen, und anderen Medien als Vorbildgeber für Liebeskommunikation.

5. Resümee: Zusammenfassung der Kernthesen: Liebe als Kommunikationsproblem, das durch tradierte Semantiken und Formvorlagen gelöst wird, wobei die Herausforderung in der Balance zwischen Standardisierung und Individualität liegt.

Schlüsselwörter

Liebeskommunikation, Inkommunikabilität, Aufrichtigkeit, Funktionale Differenzierung, Systemtheorie, Sozialformen, Gefühl, Passion, Körpersprache, Formvorlagen, Roman, Opakisierung, Authentizität, Medien, Semantik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit betrachtet Liebe soziologisch nicht als persönliches Gefühl, sondern primär als Kommunikationsproblem in einer komplexen, funktional differenzierten Gesellschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die systemtheoretische Einordnung von Liebe, die Problematik der Aufrichtigkeitsvermittlung sowie die Bedeutung kultureller Vorbilder wie Romane und Medien für das individuelle Liebesverhalten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Individuen das Kommunikationsproblem der Liebe lösen, um ihrem Partner Aufrichtigkeit und Einzigartigkeit zu vermitteln, ohne an der Unwahrscheinlichkeit dieser Kommunikation zu scheitern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine systemtheoretische Analyse, basierend auf den Theorien von Niklas Luhmann, Peter Fuchs und Dietrich Schwanitz.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie durch das Konzept des „Gefühls“ und „nonverbale Kommunikation“ Aufrichtigkeit hergestellt wird und welche Rolle Literatur und Medien als „Formvorlagen“ für den modernen Liebescode spielen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Liebeskommunikation, Inkommunikabilität, Aufrichtigkeit, Systemtheorie, Formvorlagen und Opakisierung.

Warum ist das "Gefühl" so wichtig für die Liebeskommunikation?

Das Gefühl dient als Mechanismus, um Liebe gegen den Verdacht der Unaufrichtigkeit zu stützen; es macht das Verhalten des Liebenden als nicht-selbst-kontrolliert (Passion) glaubhaft.

Warum funktionieren Romane besser als Ratgeberliteratur als Formvorlage?

Laut der Arbeit nutzen Romane die "Opakisierungstechnik", die es ermöglicht, Liebeskommunikation gleichzeitig opak und durchschaubar zu machen, während Ratgeberliteratur zu direkt agiert und damit das Problem der Künstlichkeit verschärft.

Excerpt out of 16 pages  - scroll top

Details

Title
Liebe als Kommunikationsproblem
College
LMU Munich  (Institut für Soziologie)
Course
Hauptseminar: "Liebe. Zur Kommunikation von Inkommunikabilität."
Grade
1,0
Author
Maximilian Schröter (Author)
Publication Year
2006
Pages
16
Catalog Number
V54631
ISBN (eBook)
9783638497886
ISBN (Book)
9783656785514
Language
German
Tags
Liebe Kommunikationsproblem Hauptseminar Liebe Kommunikation Inkommunikabilität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maximilian Schröter (Author), 2006, Liebe als Kommunikationsproblem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54631
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  16  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint