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Die Arzt-Patienten-Beziehung bei Parsons und Freidson.

Title: Die Arzt-Patienten-Beziehung bei Parsons und Freidson.

Seminar Paper , 2005 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Maximilian Schröter (Author)

Sociology - Medicine and Health
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In der Medizinsoziologie herrscht über die Rollen, die der Arzt und der Patient in der gemeinsamen Interaktion übernehmen sollen, keineswegs Einigkeit. Das früher dominierende Bild des Arztes als „Halbgott in Weiß“, der in jeder Lage weiß, was das Beste für seinen Patienten ist und dieses sofort umsetzt, mag zwar sich zwar noch nicht völlig aufgelöst haben, erscheint aber oftmals durch die immer stärkere Konzentration auf die Rolle eines aktiven Patienten in einem neuen Licht. Sieht Talcott Parsons es noch als selbstverständlich an, dass sich der Patient den Anordnungen des Arztes zu fügen und dessen Handeln nicht in Frage zu stellen hat weil er es ohnehin nicht verstünde -, so stellt im Gegenzug Eliot Freidson nicht nur ärztliches Handeln, sondern den Aufbau der Arzt-Patienten-Beziehung, wie sie bei Parsons dargestellt wird, an sich in Frage. Einen wichtigen Aspekt stellt dabei die Frage dar, ob bzw. inwieweit die Stellung der medizinischen Experten diesen das Recht gibt, darüber, wie sie mit ihren Patienten - den Laien - verfahren sollen, allein zu entscheiden oder ob man als Patient trotz in der Regel nicht vorhandener Fachkenntnisse einen Teil dieser Entscheidungen selbst treffen kann.
Im vorliegenden Text soll zunächst die Rolle des Arztes und die Beschaffenheit seiner Beziehung zum Patienten aus parsonsianischer Sicht dargelegt werden, wobei auch auf zwei Beispiele aus der Praxis eingegangen werden soll: Ein Interview mit einer Ärztin, das im Rahmen des Forschungsprojektes „Ethik und Organisation“ (Institut für Soziologie der LMU München) durchgeführt wurde sowie die Ergebnisse mehrerer von Allsop und Mulcahy durchgeführter Studien über die Reaktionen von Ärzten auf Beschwerden ihrer Patienten. Danach wird die Arzt-Patienten-Beziehung aus der Sicht Freidsons beleuchtet und es werden dessen Kritik an der Sichtweise Parsons’ sowie einige seiner Verbesserungsvorschläge kurz dargestellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rolle des Arztes bei Parsons

2.1 Universalismus

2.2 Funktionale Spezifität

2.3 Affektive Neutralität

2.4 Kollektivorientierung

3. Die Asymmetrie in der Arzt-Patienten-Beziehung bei Parsons

3.1 Patientenverfügungen

3.2 Patientenbeschwerden

4.1 Freidsons Ziel: Symmetrie zwischen Arzt und Patient

4.2 Ist professionelles Wissen tatsächlich „professionell“?

4.3 Von Freidson vorgeschlagene Maßnahmen

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Arzt-Patienten-Beziehung im Wandel der soziologischen Theorie, indem sie den paternalistischen Ansatz von Talcott Parsons der kritischen Perspektive von Eliot Freidson gegenüberstellt. Das primäre Ziel ist es, die strukturelle Asymmetrie zwischen medizinischen Experten und Laien zu hinterfragen und zu analysieren, inwieweit Patienten heute eine stärkere Mitsprache und Autonomie einfordern können.

  • Die Charakterisierung der Arztrolle nach Parsons' Pattern Variables
  • Die Analyse von Machtstrukturen und dem Konzept des "kleinsten relevanten Kollektivs"
  • Empirische Einblicke durch Patientenbeschwerden und Patientenverfügungen
  • Freidsons Plädoyer für eine Symmetrie zwischen Arzt und Patient
  • Die Rolle professionellen Wissens und Anforderungen an ein neues Gesundheitssystem

Auszug aus dem Buch

3. Die Asymmetrie in der Arzt-Patienten-Beziehung bei Parsons

Die Rolle des Kranken ordnet Parsons in sein Handlungsschema ebenso ein, wie die des Arztes; auch dieser handelt also kollektiv orientiert (vgl. 1951, S. 438). Zwar liegt es in seinem Interesse, dass seine Krankheit möglichst schnell geheilt wird, doch muss er dazu mit dem Arzt zusammenarbeiten. Parsons bezeichnet die Beziehung zwischen Arzt und Patient in diesem Zusammenhang als das „kleinste relevante Kollektiv“ (1968, S. 424), dessen Mitglieder beide auf die Genesung des Patienten hin arbeiten (vgl. ebd.). „Der Faktor (…) der Kollektivorientierung ist (…) beiden Rollen gemeinsam; er definiert die gemeinsame Zugehörigkeit zum selben Kollektiv.“ (ebd., S. 425) Nicht nur der Arzt hat eine aktive Rolle im Genesungsprozess des Kranken zu übernehmen, sondern auch der Patient. Diese Zusammenarbeit des Patienten mit dem Arzt im Zuge des Genesungsprozesses bedeutet allerdings keineswegs, dass in dieser Beziehung aus Parsons’ Sicht beide gleichberechtigt wären. Allein der Arzt hat die Kenntnisse, Fähigkeiten und Hilfsmittel, um den Patienten von seiner Krankheit zu befreien; gerade aus diesem Grund sucht ein Kranker ja einen Arzt auf, weil er eben nicht von allein gesund wird oder sich selbst heilen kann. Dieser Wissens- und Kompetenzvorsprung des Arztes verursacht ein Ungleichgewicht in der Beziehung zum Patienten, das diesen klar benachteiligt: Er ist dem Arzt und dessen Behandlungsmethoden ausgeliefert. Parsons zufolge ist das Arzt-Patienten-Kollektiv auf einer „Basis des gegenseitigen Vertrauens“ gegründet (ebd., S. 424).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik des sich wandelnden Bildes des Arztes und der Fokus auf die Kontroverse zwischen Parsons und Freidson.

2. Die Rolle des Arztes bei Parsons: Detaillierte Betrachtung der vier "Pattern Variables" (Universalismus, funktionale Spezifität, affektive Neutralität, Kollektivorientierung), die das ärztliche Handeln definieren.

3. Die Asymmetrie in der Arzt-Patienten-Beziehung bei Parsons: Untersuchung der hierarchischen Struktur und des paternalistischen Selbstverständnisses unter Einbeziehung praktischer Beispiele.

3.1 Patientenverfügungen: Analyse von Patientenverfügungen als begrenztes Mittel zur Machtausübung des Patienten.

3.2 Patientenbeschwerden: Untersuchung der Reaktion von Ärzten auf Kritik als Schutz der eigenen Autorität.

4.1 Freidsons Ziel: Symmetrie zwischen Arzt und Patient: Vorstellung von Freidsons Kritik an der Expertenherrschaft und seiner Forderung nach einer partnerschaftlichen Beziehung.

4.2 Ist professionelles Wissen tatsächlich „professionell“?: Kritische Hinterfragung des Wissensmonopols der Medizin und der tatsächlichen Kompetenzunterschiede.

4.3 Von Freidson vorgeschlagene Maßnahmen: Skizzierung von Reformvorschlägen für das Gesundheitswesen zur Stärkung der Patientenautonomie.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der gegensätzlichen Ansätze und Plädoyer für eine verbesserte Kommunikation zwischen Arzt und Patient.

Schlüsselwörter

Medizinsoziologie, Arzt-Patienten-Beziehung, Talcott Parsons, Eliot Freidson, Pattern Variables, Paternalismus, Expertenwissen, Patientenautonomie, Mitspracherecht, Asymmetrie, Gesundheitssystem, Kollektivorientierung, funktionale Spezifität, professionelle Dominanz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretischen Konzepte der Arzt-Patienten-Beziehung von Talcott Parsons und Eliot Freidson und beleuchtet den Wandel vom paternalistischen Arztbild hin zu einer stärkeren Patientenorientierung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Machtasymmetrie, die Rolle professionellen Wissens, die Auswirkungen von Patientenbeschwerden und Möglichkeiten der Strukturreform im Gesundheitssystem.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt, ob die medizinische Expertenstellung einseitige Entscheidungsgewalt rechtfertigt oder ob Patienten trotz technischer Inkompetenz ein Recht auf Mitsprache besitzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Klassikern, ergänzt durch Fallbeispiele und empirische Studienergebnisse zur Arzt-Patienten-Interaktion.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des parsonsianischen Modells, dessen Kritik durch Freidson sowie die Diskussion über die praktische Relevanz von Patientenrechten und -beschwerden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Medizinsoziologie, Paternalismus, Expertenherrschaft, Patientenautonomie und das "kleinste relevante Kollektiv".

Wie bewerten die Autoren die Rolle von Patientenbeschwerden?

Die Arbeit zeigt auf, dass Beschwerden oft als Angriff auf die professionelle Autorität wahrgenommen werden, womit das ärztliche Selbstbild und die Machtverteilung im Fokus stehen.

Welchen Lösungsansatz schlägt Freidson vor?

Freidson plädiert für eine Reorganisation des Gesundheitssystems, verstärkte externe Kontrolle sowie eine Förderung der Konkurrenz unter Ärzten, um die Patientenautonomie zu erhöhen.

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Details

Title
Die Arzt-Patienten-Beziehung bei Parsons und Freidson.
College
LMU Munich  (Institut für Soziologie)
Course
Seminar "Einführung in die Medizinsoziologie"
Grade
1,3
Author
Maximilian Schröter (Author)
Publication Year
2005
Pages
15
Catalog Number
V54633
ISBN (eBook)
9783638497909
ISBN (Book)
9783656773078
Language
German
Tags
Arzt-Patienten-Beziehung Parsons Freidson Seminar Einführung Medizinsoziologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maximilian Schröter (Author), 2005, Die Arzt-Patienten-Beziehung bei Parsons und Freidson., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54633
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