Kurz vor Beginn des neuen Jahrtausends sind die Blicke nach vorn gerichtet. Neugierig, auch etwas angespannt blicken wir in die Zukunft. ,,Was wird sein?" heißt es, ,,Wie werden wir uns ernähren?", ,,Besser?", ,,Gesünder?". Wer heute etwas über die Zukunft zu sagen hat, hat Konjunktur.
Glaubt man vielen Trendforschern, so steht unsere Ernährung vor einer Zeit des dynamischen Umbruchs. Wo immer wir uns ,,Zwischen Öko-Kost und Designer Food" verorten mögen, eine gesündere, eine funktionalere Ernährung scheint greifbar nahe.
Wir möchten uns hier mit der ,,Öko-Kost" beschäftigen. Dieser Begriff steht für uns nicht allein für spezielle Produkte, mögen diese auch noch so hochwertig sein. ,,Öko-Kost" steht zudem für eine andere Art des Essens, für eine andere Lebensweise. ,,Öko-Kost" zu essen, bedeutet dann Essen als Teil eines umfassenderen Geschehens zu verstehen. Das aber hat wahrlich Geschichte und geht weit hinaus über Ökobilanzen und Ernährungsökologie.
Schon im 19. Jahrhundert fanden Lebensreformer Erfüllung nicht nur im Essen bestimmter Produkte, sondern vielmehr in ihrer bewussten Askese gegenüber mehrheitlich akzeptierten Lebensmitteln. Das andere Essen sollte zeigen, wie anders man selbst war, wie anders das Leben sein könnte. Der nicht notwendige Verzicht war (und ist) Stein des Anstoßes. Die irritierte und herausgeforderte Mehrheit reagiert regelmäßig mit Hohn und Spott.
Eine andere Lebensweise hat andere Bewertungskriterien, die sich nicht nur in alternativen Qualitätsdefinitionen manifestieren, sondern in alternativen Gesellschaftsentwürfen. Utopien dieser Art schaffen immer wieder immer neue Gestaltungsräume. Sie wollen verändern, wollen in gewisser Weise missionieren. Das geht über Wissen, das geht aber auch durch den Appell ans Gemüt und Mitgefühl. Die Lebensreform mag Außenseiter und Aussteiger hervorgerufen haben, doch ihre soziale Basis bildeten stets vorrangig bürgerliche und akademische Gruppen. [...]
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. ökologischer und integrierter Anbau
1.1. ökologischer Anbau
1.1.1. Was sind ökologische Lebensmittel?
1.1.2. Was darf sich „Öko“ nennen?
1.1.3. Gibt es Kontrollen?
1.1.4. Kennzeichnung
1.2. Ökoverordnung
1.2.1. ökologischer Pflanzenbau
1.2.2. Verordnung zur artgerechten Tierhaltung
1.2.3. Verbandsrichtlinien zur artgerechten Tierhaltung
1.2.4. artgerechtes Futter für das Bio-Vieh
1.3. integrierter Pflanzenbau
1.3.1. Definition
1.3.2. Durch neue Methoden zur gläsernen Produktion
2. BSE und Co
2.1. BSE und Reaktionen
2.1.1. Was ist BSE?
2.1.2. Erste Fälle und Reaktionen darauf
2.1.3. Großbritannien und Europa
2.1.4. Der erste positive Test
2.1.5. BSE-Fälle nach Bundesländer
2.2. MKS und Reaktionen
2.2.1. Was ist MKS?
2.2.2. Verbreitung auf der Erde
2.2.3. Gegenmaßnahmen
2.2.4. Erneuter Ausbruch
2.2.5. Reaktionen
2.3. Andere Lebensmittelskandale
3. Wende als Folge der Skandale?
3.1. Neues Ministerium
3.2. Zehn Empfehlungen des Aktionsbündnis Ökolandbau:
3.2.1. Programm für den ökologischen Landbau mit klaren Zielvorgaben auflegen
3.2.2. den Dialog unter den Akteuren fördern
3.2.3. Verbraucherinformation und Kennzeichnung verbessern
3.2.4. Organisationen des ökologischen Landbaus unterstützen
3.2.5. den ökologischen Landbau im Rahmen der neuen Politik zur Entwicklung der ländlichen Räume fördern
3.2.6. Agrarumweltprogramme: Anreize schaffen für Ökolandbau
3.2.7. Einzelbetriebliche Investitionsförderung an die ökologische Wirtschaftsweise koppeln
3.2.8. Einzelbetriebliche Investitionsförderung an die ökologische Wirtschaftsweise koppeln
3.2.9. Ausbildung, Beratung und Forschung verbessern
3.2.10. Inspektion und Zertifizierung optimieren
3.3. Gesetzesänderungen des BMVEL
4. Marktchancen
4.1. Handel
4.2. Ökolandbau weltweit
4.3. Handelsaufschwung
4.4. Rentiert sich Ökolandbau für den Bauern?
4.4.1. Faktorenausstattung
4.4.2. Produktionsstruktur
4.4.3. Erträge, Leistungen, Preise
4.4.4. Bilanz
4.4.5. Gewinn- und Verlustrechnung
4.4.6. Gewinn
4.5. Änderung des Konsumverhaltens infolge von Lebensmittelskandalen
4.6. Die Chancen des neuen Öko-Prüfzeichens
5. Zusatzstoffe und Aromen
5.1. Zusatzstoffe
5.1.1. Vorgaben
5.1.2. Keine Zusatzstoffe?
5.1.3. Grundbedingungen
5.1.4. Herstellung von Zusatzstoffen
5.1.5. Rechtlich klar geregelt
5.1.6. E-Nummern und ihre Bedeutung
5.1.7. Zusatzstoffe: Sicher und notwendig, der „ADI-Wert“.
5.2. Aromen
5.2.1. Definition: Aromen
5.2.2. Aromenverordnung
5.2.3. Warum aromatisieren?
5.2.4. Einschränkungen
5.2.5. Dosierung
6. Produkte aus dem ökologischen Landbau im Vergleich
6.1. Kriterien und Methoden
6.1.1. Qualität
6.1.2. Verkostung
6.1.3. chemisch-analytische Untersuchungsmethoden
6.1.4. die Biophotonen-Messungen
6.1.5. der elektrochemische Screening-Test
6.2. Vergleichsstudien
6.2.1. Vergleich von biologischen und konventionellen Produkten
6.2.2. nicht besser, aber schmackhafter?
6.2.3. Rückstandsproblematik
6.2.4. Öko-Äpfel schmecken besser
7. Ergebnis/Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die verschiedenen landwirtschaftlichen Anbaumethoden – insbesondere den ökologischen Landbau und den integrierten Anbau – zu vergleichen und eine Prognose für die nähere Zukunft der Branche zu erstellen. Dabei werden die Auswirkungen aktueller Lebensmittelskandale auf das Verbraucherverhalten, die Marktchancen für Öko-Produkte sowie wissenschaftliche Ansätze zur Qualitätsmessung von Lebensmitteln analysiert.
- Vergleich zwischen ökologischem Landbau und integriertem Pflanzenbau
- Analyse der Folgen von Lebensmittelskandalen wie BSE und MKS
- Untersuchung von Marktanteilen und Rentabilität der ökologischen Bewirtschaftung
- Bewertung moderner Methoden zur Qualitätsbestimmung von Nahrungsmitteln
- Rolle von Zusatzstoffen und Aromen in der Lebensmittelproduktion
Auszug aus dem Buch
1.3.2. Durch neue Methoden zur gläsernen Produktion
Das Institut für Agrartechnik in Bornim (ATB) erprobte jüngst in einem Praxistest ihre neusten Entwicklungen für eine „gläserne Landwirtschaft“. Sie wollen mit neuen landwirtschaftlichen Geräten und modernster Computertechnik erreichen, dass bis hin zum Endverbraucher alle produktrelevanten Informationen, wie z.B. Art und Menge der Behandlung bei Pflanzen, oder auch genaue Angaben über Art und Weise der Fütterung von Tieren, gegeben werden.
Ein detaillierter „Lebenslauf“ landwirtschaftlicher Produkte erleichtert den Verkauf, da der Konsument dann weiß was er auf seinem Teller bekommt.
Landbau
Ein sog. „Unkrautdetektor“ ermittelt mit Hilfe von Rot- und Infrarotlicht die Unkrautdichte in den Fahrgassen, so dass eine Behandlung zielgerichtet erfolgt. Dabei berechnet ein Bord Computer die Mengen des Unkrautvernichtungsmittels die zum Spritzen benötigt werden. Eine Erkennung von z.B. Pilzbefall auf den Pflanzen ist auf diesem Weg nicht möglich, deshalb fanden die Forscher um Jürgen Zaske (Chef beim ATB) hier eine andere Lösung. Ein Pendel, welches hinten am Traktor angebracht ist, ermittelt die Pflanzendichte. Je näher die Pflanzen nebeneinander stehen, umso mehr wird das Pendel ausgelenkt. Anhand dieser Werte errechnet der Computer wiederum die Menge des Behandlungsmittels. Der Pendelsensor und der „Traktor-Computer“ wird ebenso zur Berechnung der benötigten Düngermenge eingesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel der Ernährungsgewohnheiten und das wachsende Interesse an Öko-Lebensmitteln als Ausdruck eines gesellschaftlichen Anspruchs.
1. ökologischer und integrierter Anbau: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen ökologischer Anbaumethoden, die zugehörigen EU-Verordnungen sowie den technischen Ansatz des integrierten Pflanzenbaus.
2. BSE und Co: Hier wird der Hintergrund prominenter Lebensmittelskandale wie BSE und MKS beleuchtet sowie deren Einfluss auf die Verbraucherverunsicherung und das politische Handeln dargestellt.
3. Wende als Folge der Skandale?: Das Kapitel untersucht die politische Neuausrichtung durch das neue Verbraucherschutzministerium und die konkreten Forderungen des Aktionsbündnis Ökolandbau.
4. Marktchancen: Hier werden die ökonomischen Potenziale ökologischer Produkte, deren Handelssituation sowie die Rentabilität für landwirtschaftliche Betriebe kritisch analysiert.
5. Zusatzstoffe und Aromen: Ein technischer Exkurs in die Welt der Lebensmittelzusatzstoffe, ihre regulatorischen Zulassungsverfahren sowie die Bedeutung von Aromen in der modernen Nahrungsmittelindustrie.
6. Produkte aus dem ökologischen Landbau im Vergleich: Dieses Kapitel widmet sich den wissenschaftlichen Methoden zur Qualitätsmessung und stellt Vergleichsstudien zwischen konventionell und biologisch erzeugten Lebensmitteln gegenüber.
7. Ergebnis/Zusammenfassung: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf die zukünftige Marktentwicklung sowie die Chancen für die biologische Landwirtschaft.
Schlüsselwörter
Ökologischer Landbau, Integrierter Anbau, BSE, MKS, Verbraucherschutz, Lebensmittelskandale, Agrarwende, Marktchancen, Zusatzstoffe, Aromen, Qualitätsmessung, Nachhaltigkeit, Zertifizierung, Biophotonen, EU-Bio-Verordnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Status quo und die Perspektiven des ökologischen Landbaus im Kontext von Lebensmittelskandalen und vergleicht diesen mit konventionellen Anbaumethoden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Anbaumethoden, den politischen Reaktionen auf Seuchenkrisen wie BSE, den Marktchancen von Bioprodukten sowie einer wissenschaftlichen Qualitätsanalyse von Lebensmitteln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Unterschied zwischen biologischer und konventioneller Erzeugung herauszuarbeiten und zu prognostizieren, wie sich der ökologische Landbau als Marktteilnehmer weiterentwickeln kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Neben der Auswertung von Wirtschaftserhebungen werden neuere Qualitätsbestimmungsmethoden wie Biophotonen-Messungen und elektrochemische Screening-Tests zur Beurteilung von Lebensmitteln vorgestellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert detailliert die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Auswirkungen der Skandale auf das Konsumverhalten sowie die ökonomische Bilanzierung von Bio-Betrieben im Vergleich zu konventionellen Vergleichsgruppen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Ökolandbau, Agrarwende, Lebensmittelsicherheit, Marktanalyse und Qualitätskriterien.
Wie stehen die Autoren zum neuen Öko-Prüfzeichen?
Die Arbeit bewertet das Öko-Prüfzeichen kritisch: Sie sieht darin eine freiwillige Maßnahme, die eher die Zeichenvielfalt erhöht, anstatt als alleiniger Weg aus dem „Zeichendschungel“ zu dienen.
Hat der Ökolandbau eine Chance gegen die industrielle Landwirtschaft?
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der Erfolg davon abhängt, ob die Biosektor-Akteure vereint agieren und eine klare, glaubwürdige Profilierung ihrer Produkte vornehmen können.
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- Steffen Langner (Author), 2001, Gegenwärtige und künftige Bedeutung von Lebensmitteln aus ökologischer Produktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5465