Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsabgrenzung: qualitative Inhaltsanalyse
2.1 Inhaltsanalyse
2.2 Gegenüberstellung von quantitativer und qualitativer Inhaltsanalyse
2.3 Aufgaben der qualitativen Analyse

3. Einordnung der qualitativen Inhaltsanalyse in den Gesamtzusammenhang der qualitativen Forschung
3.1 Untersuchungspläne qualitativer Forschung
3.2 Verfahren qualitativer Analyse

4. Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse
4.1 Grundsätze aller Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse
4.2 Grundsätzliches Vorgehen bei der qualitativen Inhaltsanalyse
4.3 Zusammenfassende Inhaltsanalyse
4.4 Explizierende Inhaltsanalyse
4.5 Strukturierende Inhaltsanalyse

5. Gütekriterien der qualitativen Forschung
5.1 Klassische Gütekriterien
5.2 Spezifisch inhaltsanalytische Gütekriterien

6. Schlussbetrachtung

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten haben sich zahlreiche Forschungsmethoden in den Sozial- und Humanwissenschaften etabliert und bedeutende Veränderungen mit sich gebracht. Insbesondere ist der Trend zu qualitativen Erkenntnismethoden zu beobachten, bei dem Forderungen nach mehr Subjektbezogenheit der Forschung und nach interpretativen Methoden erhoben werden. Das rein quantitative Denken reicht somit nicht mehr aus, doch auch eine Darstellung von quantitativen und qualitativen Vorgehensweisen als Gegensätze scheint nicht sinnvoll. Vielmehr geht es bei allen Forschungsmethoden um eine sinnvolle Kombination quantitativer und qualitativer Schritte, was an der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring deutlich wird. Die qualitative Inhaltsanalyse wurde als sozialwissenschaftliche Textanalysemethode seit den 1980er Jahren von Philipp Mayring entwickelt, um damit eine systematische Anleitung zur Auswertung und Interpretation von komplexem sprachlichem Material zu schaffen, die es bis dahin nicht in dieser umfassenden Form gab (vgl. Mayring (2003), S. 9 - 10). Diese Arbeit über die Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse orientiert sich somit stark an den Veröffentlichungen von Philipp Mayring, dem Begründer der qualitativen Inhaltsanalyse. Zunächst werden der Begriff und die Aufgaben der qualitativen Inhaltsanalyse erläutert und eine sinnvolle Verbindung zwischen qualitativen und quantitativen Forschungsansätzen aufgezeigt. Anschließend wird die qualitative Inhaltsanalyse in den Gesamtzusammenhang der qualitativen Forschung eingeordnet und damit in einen übergeordneten Untersuchungsplan, der die Rahmenbedingungen für die qualitative Untersuchung festlegt, wobei der qualitativen Inhaltsanalyse als Auswertungstechnik verschiedene Datenerhebungs- und Datenaufbereitungstechniken vorgeschaltet werden. Dann werden die Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse, also die Zusammenfassung, die Explikation und die Strukturierung, vorgestellt und anhand ihrer Ablaufmodelle erläutert. Abschließend werden allgemeine und spezielle Gütekriterien beschrieben, die die Forschungsergebnisse erfüllen müssen, damit die qualitative Inhaltsanalyse als sozialwissenschaftliche Forschungsmethode anerkannt wird und es werden die Chancen und die Risiken der qualitativen Forschung aufgezeigt.

2. Begriffsabgrenzung: qualitative Inhaltsanalyse

2.1 Inhaltsanalyse

Die Inhaltsanalyse kann als eine standardisierte Methode aus der empirischen Sozialwissenschaft aufgefasst werden, die sich mit der Analyse der Inhalte von Kommunikation beschäftigt, die als Texte, öffentlich zugänglichen Reden oder als archivierte Korrespondenz vorliegen (vgl. Wikipedia Enzyklopädie, http://de.wikipedia.org/wiki/Inhaltsanalyse). Diese Definition ist durchaus nicht unumstritten, und u. a. Philipp Mayring merkt hier an, dass sich die Inhaltsanalyse nicht nur mit dem Inhalt der Kommunikation beschäftigt, sondern auch formale Aspekte der Kommunikation einbezieht (vgl. Mayring (2003), S. 11). Nach Lasswell und Holsti versucht die Inhaltsanalyse die folgende Frage zu beantworten: „Wer sagt was zu wem warum, wie und mit welchem Effekt?“ (Wikipedia Enzyklopädie, http://de.wikipedia.org/wiki /Inhaltsanalyse). Lasswell und Lazarsfeld gelten ferner als die Begründer der quantitativ orientierten Inhaltsanalyse von Massenmedien („content analysis“) in den 20er Jahren in den USA, die entscheidend die Entwicklung der Inhaltsanalyse beeinflusst hat (vgl. Stangl (1997), http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/FORSCHUNGSMETHODEN/ Inhaltsanalyse.shtml). Eine Übereinstimmung bei den vielen existierenden Definitionen liegt nach Mayring darin, dass die Inhaltsanalyse generell die Analyse von Material zum Ziel hat, „das aus irgendeiner Art von Kommunikation stammt“, wobei es sich sowohl um Sprache, als auch um Musik und Bilder handeln kann, die jeweils in protokollierter Form als fixierte Kommunikation vorliegen (vgl. Mayring (2003), S. 12). In der heutigen Zeit der multimedialen Entwicklung lässt sich diese Analyse damit auch auf filmisches Material ausweiten, was im Rahmen der neueren Methoden wie der Videografie von Bedeutung ist.

2.2 Gegenüberstellung von quantitativer und qualitativer Inhaltsanalyse

Die Abgrenzung zwischen qualitativer und quantitativer Analyse kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen (vgl. Mayring (2003), S. 16 - 20). Das einfachste Unterscheidungskriterium liegt in der Begriffsform, denn man spricht von quantitativer Analyse, sobald „Zahlbegriffe und deren In-Beziehung-Setzen durch mathematische Operationen bei der Erhebung oder Auswertung verwendet werden“ (Mayring (2003), S. 16), und damit von qualitativer Analyse in allen anderen Fällen. Im Hinblick auf das Skalenniveau gelten die Analysen mit nominal-skalierten zugrunde liegenden Messungen als qualitative Analysen, und solche mit ordinal-, Intervall- oder ratio-skalierten Messungen als quantitative Analysen. Ferner wird die qualitative Analyse als ein verstehender Ansatz betrachtet, der am Individuellen ansetzt und sich in die Zusammenhänge hinein zu versetzen versucht, während die quantitativ-erklärende Analyse an den allgemeinen Prinzipien und Gesetzen ansetzt und darauf abzielt, die Zusammenhänge und Prozesse zu analysieren. Die qualitative Analyse ist zudem besser in der Lage, die volle Komplexität der Untersuchungsgegenstände zu erfassen, ohne das Material auf quantifizierbare Aussagen zu reduzieren, wohingegen die quantitative Analyse den Gegenstand in einzelne isolierte Variablen zerlegt und ihm dadurch oft seine eigentliche Bedeutung nimmt. Außerdem liegt bei der qualitativen Analyse eine Einzelfallorientierung vor, während die quantitative Analyse die Formulierung des Allgemeinen anstrebt und die mangelnde Verallgemeinbarkeit quantitativer Forschung kritisiert.

Doch gleichzeitig führt Mayring an, dass heutzutage qualitative und quantitative Ansätze durchaus keine Gegensätze darstellen, sondern sich zu einem sinnvollen Forschungsprozess ergänzen. Die qualitative Analyse steht normalerweise am Anfang jedes wissenschaftlichen Vorgehens, da der zu untersuchende Gegenstand benannt und abgegrenzt werden muss. Im weiteren Verlauf der Untersuchung können quantitative Schritte folgen, deren Ergebnisse dann aber wieder in qualitativen Schritten interpretiert und auf die vorausgehende Fragestellung bezogen werden müssen, denn „Zahlen sprechen niemals für sich selbst. Sie müssen immer interpretiert werden“ (Andersson (1974), S. 29; Übersetzung nach Mayring in Mayring (2003), S. 19). In seinem Aufsatz „Kombination und Integration qualitativer und quantitativer Analyse“ (2001, Februar, Forum Qualitative Sozialforschung, www.qualitative-research.net/fqs-texte/1-01/1-01mayring-d.htm) legt Mayring zusätzlich dar, mit welchen konkreten Modellen die beiden Analysearten sinnvoll integriert werden können und zwar auf technischer Ebene, Daten-, Personen-, Designebene und auf Ebene der Forschungslogik.

Nach Flick kann die Kombination qualitativer und quantitativer Forschung zum einen darin bestehen, dass qualitative Daten in quantitative Daten überführt werden, durch Analyse von Häufigkeiten, mit denen bestimmte Kategorien besetzt sind, aber auch in einer Überführung quantitativer in qualitative Daten, die sich aber weitaus schwieriger gestaltet (Flick (2000), S. 282 - 283).

2.3 Aufgaben der qualitativen Analyse

Als bedeutendste Anwendungsbereiche der qualitativen Analyse lassen sich verschiedene Aufgabenfelder ableiten (vgl. Mayring (2003), S. 20 - 23). Dazu gehören die Hypothesenfindung und Theoriebildung, die die Aufdeckung von für die Analyse relevanten Einzelfaktoren und die Aufstellung von möglichen Zusammenhängen zwischen diesen beinhalten. Das Aufgabenfeld der Pilotstudien zu Hauptuntersuchungen umfasst die offene Erkundung des Gegenstandsbereiches und die Konstruktion und Überarbeitung von Kategorien und Instrumenten für Erhebung und Auswertung. Und mit der Vertiefung ermöglicht die qualitative Analyse, bereits abgeschlossene Studien weiterzuführen, auf Plausibilität zu überprüfen, zu ergänzen, zu interpretieren, Typologien zu erstellen und so induktiv gefundene statistische Zusammenhänge zu erhärten. Durch ihre offene, eher deskriptive und interpretative Methodik eignet sich die qualitative Analyse besonders gut für Einzelfallstudien und für Prozessanalysen. Zudem ermöglicht sie die Klassifizierung, also „die Ordnung eines Datenmaterials nach bestimmten, empirisch und theoretisch sinnvoll erscheinenden Ordnungsgesichtspunkten, um so eine strukturiertere Beschreibung des erhobenen Materials zu ermöglichen“ (Mayring (2003), S. 22), die wiederum die Basis für quantitative Analysen bilden kann. Schließlich können qualitative Analysen die Theorie- und Hypothesenprüfung unterstützen und eine Einschränkung oder Umformulierung der Theorie bzw. Hypothese bewirken.

3. Einordnung der qualitativen Inhaltsanalyse in den Gesamtzusammenhang der qualitativen Forschung

Bei der qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich um eine spezifische qualitative Auswertungstechnik und damit eine konkrete Untersuchungsmethode im Rahmen qualitativer Forschung. Deswegen ist es von enormer Bedeutung, die qualitative Inhaltsanalyse in einen Gesamtzusammenhang und damit in einen übergeordneten Untersuchungsplan einzuordnen und sie mit Datenerhebungs- und Datenaufbereitungstechniken zu kombinieren, damit die qualitative Inhaltsanalyse ihre Stärken gänzlich entfalten kann (vgl. Mayring (2003), S. 116).

[...]

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Details

Titel
Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Dienstleistungsmanagement
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V54650
ISBN (eBook)
9783638498012
ISBN (Buch)
9783640333257
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Methoden, Inhaltsanalyse, Dienstleistungsmanagement
Arbeit zitieren
Paulina Gugenheimer (Autor), 2005, Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54650

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