Was ist Terror?


Hausarbeit, 2006
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Einordnung des Begriffs „Terror“

2. Historischer Überblick zur Geschichte des Terrors

3. Terror nichtstaatlicher Gruppen: Politik mit anderen Mitteln

4. Terror als Kommunikationsstrategie: Die Macht der Bilder

5. Die Grenzen legitimer Gewalt – Freiheitskampf oder Terror?

6. Terror als hoheitliches Instrument zur Machterhaltung

7. Versuch einer Definition: was Terror ist

8. Quellenverzeichnis

1. Allgemeine Einordnung des Begriffs „Terror“

Seinen Ursprung hat der Begriff „Terror“ in der lateinischen Sprache: Wörtlich übersetzt bedeutet Terror „der Schrecken“.

Auch rund 2000 Jahre nach der Entstehung des Begriffs ist der Schrecken an sich bzw. seine Verbreitung eines der Hauptmerkmale des modernen Terrors: Terroristen verbreiten Schrecken, mittels schrecklicher Taten. Diese – zugegeben – tautologische Definition ist in ihrem Kern zwar richtig, doch wird sie dem breiten Spektrum terroristischer Aktivitäten bei weitem nicht gerecht:

Zahlreich sind die Gründe für Terror, viel zahlreicher noch die Akteure des Terrors: Die Geschichte der Zivilisation ist spätestens seit Beginn unserer Zeitrechnung verbunden mit terroristischen Aktionen. Dabei ging und geht Terror sowohl von Gruppierungen aus, die ihn als Mittel einsetzen, um Macht zu demonstrieren und möglichst mehr Macht zu erhalten, als auch von Staaten bzw. deren Herrschern, denen der Terror gegen die eigene Bevölkerung ein willkommenes Mittel ist, ihre Macht zu erhalten und zu festigen.

Diese beiden Ausprägungen des Terrors – von „oben“ durch die Staatsgewalt und von „unten“ durch Terrorgruppen – bedürfen einer gesonderten Betrachtung. Denn obwohl beide Ausprägungen als politisch motivierte Gewaltanwendung zu bezeichnen sind, unterscheiden sie sich in ihren Zielen und ihren Taten.

Eine weitere Form der politisch motivierten Gewalt ist der Freiheits- bzw. Guerillakampf. Hier gilt es zu untersuchen, worin sich Terror vom Guerillakampf unterscheidet, und wo die Legitimation von Gewaltanwendung endet: Denn obwohl sich Terroristen und Guerillakämpfer oftmals der gleichen Mittel bedienen, haben die Begriffe Guerilla- bzw. Freiheitskampf eine eher positive Konnotation. Auch kann gewaltsamer Widerstand gegen die Herrschenden unter bestimmten Voraussetzungen legitim sein: So berechtigt das Grundgesetz[1] der Bundesrepublik Deutschland ausdrücklich alle Deutschen zum Widerstand gegen jeden, der versucht, die verfassungsmäßige Ordnung zu beseitigen.

2. Historischer Überblick zur Geschichte des Terrors

Die frühesten Formen terroristischer Taten unterscheiden sich zwar in der Wahl der Mittel von heutigen Terroranschlägen. Vergleichbar sind sie dennoch: Eine Form antiken Terrors übt die jüdische nationalistisch-antirömische Sekte der Sikarier[2] aus: Sie beteiligt sich als professionelle Mördertruppe am zelotischen Aufstand gegen die römischen Besatzer (66 – 73 n. Chr.), motiviert von der Erwartung einer nahenden, endzeitlichen Gottesherrschaft. Die Sikarier (lat. sicarii) töten ihre Gegner öffentlichkeitswirksam mit einem Dolch (lat. sica = Dolch). Zu ihren bevorzugten Zielen gehören vor allem jene Juden, die mit den römischen Besatzern zusammenarbeiteten und aus Sicht der nationalistischen Sikarier folglich Kollaborateure[3] sind.

Die bekannteste historische Organisation, die sich terroristischer Mittel in Form politischer Meuchelmorde bediente, ist die Sekte der so genannten Assassinen. Im elften Jahrhundert spaltet sich diese extremistische Gruppe von den schiitischen Ismailiten ab. Unter der Herrschaft Hasan-i Sabahs, auch genannt der „Alte vom Berg“, zieht sich die Sekte auf die Höhenfestung Alamut im heutigen Iran zurück.[4] Die Assassinen verfügen weder über die militärischen Mittel zur Ausweitung ihrer Machtbasis, noch über genügend Kämpfer für eine offene Feldschlacht gegen die immer wieder angreifenden Herrscher der umliegenden Territorien. Um aus dieser Position der Schwäche heraus dennoch seinen Gegnern zu schaden, ersinnt der berühmt-berüchtigte „Alte vom Berg“ eine perfide Taktik: Er verspricht seinen männlichen, von Jugend auf indoktrinierten Anhängern die Einkehr ins Paradies – nach ihrem irdischem Ableben. Dieses „Paradies“ beschreibt Marco Polo[5] als wunderschönen Garten mit willigen Jungfrauen, in den der „Alte vom Berge“ seinen zuvor betäubten Anhänger für kurze Zeit Einlass gewährt. In dieses Paradies könne jedoch nur zurück, wer die Mordaufträge des „Alten“ erfülle, und – sofern er gefasst würde – seinem Leben ein Ende bereite.

Diese neue Art der Kriegführung ist zielführend: Sabahs sprachgelehrte und gut getarnte Meuchelmörder töten seinen größten Gegner, den Wesir Nizam al-Mulk[6], sowie 1192 den Kreuzritter und König von Jerusalem, Konrad von Montferrat[7]. Zwei Versuche, den Sultan von Ägypten und Syrien zu töten, scheitern. Eine weitere Taktik ist, Bedienstete der gegnerischen Herrscher zu bestechen, etwa um ein Messer im Schlafgemach des Selbigen zu platzieren – um darauf vom verunsicherten Herrscher Tribut einzufordern.[8] Die Mordanschläge des „Alten vom Berge“ zielen stets auf das sunnitische Establishment, Prinzen, Wesire, Generäle sowie Gelehrte und Richter gegnerischer Territorien, um so seine Macht zu demonstrieren. Und er ist erfolgreich: Auch nach dem Tod des „Alten vom Berge“ im Jahr 1124 gelingt es erst 1256 den heranstürmenden Mongolen, die Festung Alamut zu erobern. Aber sogar noch im Jahr 1332 wird der französische König Philipp VI. während seiner Überlegungen zu einem Kreuzzug vom deutschen Kleriker Brocardus vor den gefährlichen Assassinen gewarnt.[9] In den folgenden Jahrhunderten bedienen sich viele Geheimorganisationen terroristischer Mittel, etwa um 1200 die indische Raubmörderkaste der Thug.[10] Sie verehren die blutdürstige Göttin Kali und wollen die Obrigkeit stürzen.

Zu einer eigenständigen Bedeutung gelangt der Begriff des Terrors im Zuge der Französischen Revolution: Nachdem König Ludwig XVI. abgesetzt und hingerichtet ist, erlangen die radikalen Republikaner („Jakobiner“) immer mehr Macht. Diese gipfelt schließlich in der als „Terreur“ in die Geschichte eingegangenen Schreckensherrschaft von 1793/94 unter der Führung Maximilian des Robespierre. Die radikalen Jakobiner bekennen sich offiziell zum Terror als zuverlässiges Regierungsmittel – etwa um tatsächliche oder mutmaßliche Feinde der Revolution zu beseitigen. Berechnungen zufolge werden in dieser Zeit rund 17000 Menschen zum Tode verurteilt und insgesamt bis zu 40000 mittels Guillotine ermordet – darunter auch einstige Revolutionshelden und Mitstreiter Robespierres. Ein weiteres Opfer des „Terreurs“ ist die Pressefreiheit: auch bekannte, teilweise kritische Journalisten werden hingerichtet.[11] In einer seiner Konventsreden begründet Robespierre den Terror als Herrschaftsmittel ideologisch. Sinngemäß sagt er: „Wir wollen eine tugendhafte Ordnung der Zukunft. Wir wissen aber, dass die Tugend nur entsteht aus dem Schrecken. Lasst uns erkennen, dass Schrecken und Tugend zwei Seiten einer Sache sind. Lasst uns den Schrecken praktizieren, damit wir die Tugend produzieren.“[12]

Mit einer Begründung ähnlich der Robespierres, sinngemäß zusammenfassbar als „der Zweck heiligt die Mittel“, legitimieren in der Folgezeit immer wieder Terrorgruppen ihr Handeln. Im Zuge der Verbreitung politischer Ideologien in Europa sehen sich vor allem im neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts viele sozialrevolutionär Überzeugte als berechtigt an, im Zuge einer revolutionären Entwicklung vom Obrigkeits- hin zum sozialistischen Staat mittels Terror ihre revolutionären Ziele durchzusetzen, etwa Karl Marx. Er schreibt 1848: „Der Kannibalismus der Konterrevolution wird selbst die Völker überzeugen, dass es nur ein Mittel gibt, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft abzukürzen (...) – den revolutionären Terror.“[13]

Im Unterschied zum gegenwärtigen religiös-fundamentalistischen Terror richtet sich der Terror der sozialrevolutionären Gruppen damals vor allem gegen die Herrschenden und Vertreter der Obrigkeit, und nur in Ausnahmefällen gegen die Zivilbevölkerung.

Bekanntheit erlangte die sozialrevolutionäre Gruppe „Narodnaja Wolja“ (Wille des Volkes) in Russland, deren Mitglieder zuerst zwei Polizeipräsidenten erschießen und 1881 schließlich Zar Alexander II mitsamt seiner Kutsche in die Luft sprengen. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass sich der Wille des Volkes offenbar nicht mit dem der Terrorgruppe deckt: die von „Narodnaja Wolja“ erwartete Revolution der Bevölkerung bleibt aus.[14] Die Gruppe wird zerschlagen, ein von Nacheiferern der Terrorgruppe verübtes Attentat auf Zar Alexander III scheitert. Einer der Täter, Alexander Uljanow, wird zum Tode verurteilt. Sein jüngerer Bruder Wladimir (später genannt Lenin) schwört Rache und wird 1917 zum Anführer der Oktoberrevolution. In seinen „Gesammelten Werken“ schreibt er: „Der Terror ist ein Mittel der Überzeugung.“[15]

[...]


[1] Art. 20 Abs. 4 GG

[2] Der Brockhaus

[3] Vgl. www.meridianmagazine.com/ideas/040607Sicarii.html

[4] Terror in Allahs Namen, S. 55

[5] Nach: Bernhard Lewis, Die Assassinen S. 17 in: Terror in Allahs Namen, S. 49

[6] Terror in Allahs Namen, S. 55

[7] Der Brockhaus

[8] Nach: Bernhard Lewis, Die Assassinen, S. 89 in: Terror in Allahs Namen, S. 57

[9] Nach: Bernhard Lewis, Die Assassinen, S. 15 in: Terror in Allahs Namen, S. 47

[10] Der Brockhaus

[11] Der Brockhaus

[12] Vgl. Dr. J. Kurt Klein in: Der Terrorismus, S. 138

[13] Hans Graf Huyn in : Der Terrorismus, S. 45

[14] Vgl. Uwe Wesel: Mit Bomben und Pistolen. www.zeit.de/2004/26/Essay_Wesel

[15] Hans Graf Huyn in: Der Terrorismus, S. 45

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Was ist Terror?
Hochschule
Hochschule Darmstadt  (Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Moderner Terrorismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V54685
ISBN (eBook)
9783638498241
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit im Rahmen des ergänzenden Fächer-Wahlpflichtkatalogs des Studiengangs Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt (ehemalige Fachhochschule Darmstadt)
Schlagworte
Terror, Seminar, Moderner, Terrorismus
Arbeit zitieren
Martin Kania (Autor), 2006, Was ist Terror?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54685

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