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Pax Britannica in Indien: Legende und Wirklichkeit kolonialer Penetration

Title: Pax Britannica  in Indien: Legende und Wirklichkeit kolonialer Penetration

Thesis (M.A.) , 2004 , 83 Pages , Grade: 1,8

Autor:in: M.A. Jürgen Krämer (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Summary Excerpt Details

Auf der Suche nach Legende und Wirklichkeit der Pax Britannica in Indien taucht zuerst das Problem auf, daß es eine systematische Untersuchung zum Begriff der Pax Britannica unter globalhistorischen Gesichtspunkten nicht gibt. Der Begriff wird jedoch mit einer Selbstverständlichkeit verwendet, als ob er ebenso geklärt wäre wie jener der Pax Romana. In dieser unreflektierten Form ist Pax Britannica gängige Münze auch in der historischen Zunft geworden und so wird der Begriff gleichfalls in Deutschland unzulänglich eingesetzt. Den Ungereimtheiten ist nur zu entgehen, wenn Pax Britannica nicht als Umschreibung eines konkreten historischen Zustands begriffen wird, sondern als ideologisches Konstrukt zum Zweck der Rechtfertigung britischer Vorherrschaft in der Welt. Die Wirklichkeit kolonialer Penetration spielte sich freilich auf materieller Ebene ab, das Bild aber wurde politisch-philosophisch, ideologisch, imaginativ als Fiktion verhandelt. Nachdem auf begriffskritischem und historiografischem Weg grundlegenden Voraussetzungen der "Errichtung einer Pax Britannica in Indien" die beanspruchte objektive Gültigkeit bestritten wurde, soll ein Blick aus der britisch-indischen Perspektive die weitere Entwicklung des kolonialen Penetrationsprozesses durch die East India Company bis zu deren Subordination unter die imperiale Staatsräson Londons gegen Ende des 18.Jahrhunderts verfolgen. Entlang der realhistorischen Sequenz "Finanzbedarf - territoriale Expansion - politisch-militärische Konsolidation - Einnahmensicherung und neuerliche Expansion" wird hier die allmähliche Herausbildung einer immer komplexeren Legitimationsproduktion in ihrer ideologischen Konstruiertheit, ihrer tagespolitischen Abhängigkeit, ihrer verwickelten Dynamik und ihrer politischen Öffentlichkeit demonstriert. Voranschreitend ins 19.Jahrhundert, werden ökonomische und v.a. intellektuelle Aspekte stärker berücksichtigt. Insgesamt erscheint Pax Britannica in Indien so offensichtlich als koloniale Ausbeutungs- und Herrschaftslegitimation, daß gefragt werden muß, wieso und wodurch das Ideologem im Kontext binneneuropäischer Außenpolitik überhaupt derart breit in Geltung kommen konnte. Es wird sich zeigen, daß aus der indischen Pax-Britannica-Vorlage 2 Varianten hervorgehen: eine für die politische Öffentlichkeit der weißen Imperialkonkurrenz, die andere für den kolonialen Beherrschungs-Komplex - und beide im Gespann eine zukunfts- und globalisierungsfähige Version von Pax Occidentalis bildeten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I.) Allgemeines zum Verständnis von Pax Britannica, Begriffsklärungen, Grundlagen

A) BEGRIFFSKRITIK, GENERELL

-1- Programm, Realität oder Rechtfertigung britischer Außenpolitik?

-2- Pax Britannica für Indien?

-3- Pax Britannica als ideologisches Konstrukt

B) HISTORIOGRAFIEKRITIK AM BEISPIEL

-1- Orientaldespotie als Ausgangspunkt

-2- Indisch-Indien im 18.Jahrhundert: Forschungsstand

-3- Warrior States und andere blutige Reste

-4- Offene Fragen, blinde Flecken

II.) Koloniale Penetration und legitimatorische Begleitmusik

A) JOHN COMPANY UND DIE UNSCHULD DES KAUFMANNS

-1- Britisch-Indien im Anfang

-2- Orientalischer Bilderbogen von Bernier bis Orme

-3- Die 1750er Jahre: unbefleckte Expansion

B) EAST INDIAN CHAOS: FINANZKRISEN, LÖSUNGSVERSUCHE, FRIEDENSRHETORIK

-1- System Clive: Pax Britannica als experimentelle Kolonialpolitik

-2- Ära Hastings: mehr Systematik und doch ungenügend

-3- Impeachment als imperialer Take-Over

-4- Zwischenergebnis mit Cornwallis: Consolidated

C) 1780 - 1820: LAYING OUT ORDERING PRINCIPLES

-1- Geschichte wird gemacht: Orientalismus und Herrschaftswissen

-2- Wissen als Macht: die geistige Aufrüstung der EIC

-3- Protector Wellesley: Indirect Rule und Expansionismus, zukunftsfähig

-4- Pax Britannica zwischen parasitärer Symbiose und Freihandelsimperialismus

-5- Ungebrochen legitim durch’s 19.Jahrhundert: ein Ausblick

III.) Legende und Wirklichkeit

-1- Zusammengefaßt: der eigentliche Inhalt von Pax Britannica

-2- Indiens subalterne Wirklichkeit unter der Pax Britannica

-3- Britische Dominanz und mentale Dekolonisation

-4- Weiße Hegemonie: Pax Britannica, Pax Americana, Pax Democratica

-5- Weltherrschaftslegitimation im 20. und 21.Jahrhundert

Schluß

Zielsetzung und Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den Begriff der „Pax Britannica“ als ein ideologisches Konstrukt zu demaskieren, das zur Rechtfertigung britischer Vorherrschaft in Indien und weltweit diente, anstatt als bloße Umschreibung eines historisch-friedlichen Zustands verstanden zu werden. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie die Diskrepanz zwischen realer kolonialer Penetration und der idealisierten Legendenbildung von Frieden und Ordnung politisch-philosophisch und materiell verknüpft wurde.

  • Kritische Analyse des Begriffs Pax Britannica als herrschaftslegitimierendes Ideologem.
  • Untersuchung der Rolle des Mogulreichs und dessen Zerrbildes als „Orientalische Despotie“.
  • Analyse der Transformation der East India Company vom Handelsunternehmen zur imperialen Verwaltungsinstanz.
  • Dezentrierung der eurozentrischen Geschichtsschreibung durch Einbezug subalterner Perspektiven.
  • Reflektion der Kontinuität imperialer Legitimationsmuster vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Auszug aus dem Buch

1. Programm, Realität oder Rechtfertigung britischer Außenpolitik?

Wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Pax Britannica „britischer Friede“. In Anlehnung an die historisch gut dokumentierte und breit erforschte Pax Romana meint Pax Britannica eine politische Friedensordnung auf imperialer Basis. Die Vagheit der Formulierung trägt dabei der Tatsache Rechnung, daß mehr als eine Anlehnung (etwa: signifikante Parallelen, inhaltliche Analogie) auch nicht vorliegt. Die Pax in der von Kaiser Augustus im Jahr 10 v.u.Z. eingeführten kultischen Form symbolisierte weniger etwaige Friedensordnungsprozesse außenpolitischer Art als vielmehr die glückliche Überwindung der römischen Bürgerkriege. Erst später `expandierte´ der vereinheitlichende inner-römische Kulturbegriff (kurz umrissen mit v.a. leges, iura, fides, iustitia, aequitas und securitas) zum sozusagen imperialen Kampfbegriff in die Peripherie, etwa mit der Eroberung Britanniens 43-54 oder dem Sieg über die Juden 75. Nun wurde die vollzogene Unterwerfung des barbarischen Gegners zum Symbolgehalt jener Göttin, deren Fackel einen Haufen abgelegter Waffen anzündet. Nicht mehr Concordia, sondern Ianus inspirierte die nachfolgende Friedensordnung – und zwar im Sinne einer imperialen Politik bspw. der omnipotenten Gültigkeit römischen Rechts durch administrative und militärische Präsenz zum Schutz jedes Römers auch im entlegensten Winkel des Reichs oder der ausgefeilten Herrschaftstechnik des divida et impera in einverleibten Gebieten.

Es liegt auf der Hand, daß diese Konfiguration für die britische Variante so nicht zutrifft, es sei denn, die amerikanische und v.a. französische Herausforderung des späten 18. und frühen 19.Jahrhunderts würde als Bürgerkrieg unter Weißen interpretiert, was recht eigentlich zumindest keine langweilige Hypothese wäre. Das Konzept des Concert of Europe stünde aber auch dann deutlich quer zu den Leitlinien römischer Omnipotenz und Teile-Herrsche-Strategie. Eine kritisch-systematische Gesamtuntersuchung zum Begriff der Pax Britannica und seiner Problematik existiert jedenfalls nicht.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung thematisiert das Fehlen einer systematischen, globalhistorischen Untersuchung zur Pax Britannica und stellt den ideologiekritischen Ansatz der Arbeit vor, der Pax Britannica als Rechtfertigung britischer Vorherrschaft dekonstruiert.

I.) Allgemeines zum Verständnis von Pax Britannica, Begriffsklärungen, Grundlagen: Dieses Kapitel hinterfragt den Begriff Pax Britannica kritisch, vergleicht ihn mit dem römischen Vorbild und analysiert die Verankerung dieser Vorstellung in der abendländischen Geschichtsschreibung.

II.) Koloniale Penetration und legitimatorische Begleitmusik: Der Hauptteil verfolgt die Entwicklung der East India Company von einem Handelsunternehmen hin zu einer imperialen Verwaltungsinstanz, wobei die Verflechtung von finanziellen Krisen, militärischer Gewalt und ideologischer Rechtfertigung demonstriert wird.

III.) Legende und Wirklichkeit: Das abschließende Kapitel führt die verschiedenen Themenstränge zusammen, um das Pax-Konzept als Herrschaftsinstrument zu bewerten und die Kontinuität dieser Muster über das 19. und 20. Jahrhundert hinweg zu beleuchten.

Schlüsselwörter

Pax Britannica, Kolonialismus, East India Company, Imperialismus, Orientalische Despotie, Herrschaftslegitimation, Ideologiekritik, Britisch-Indien, Geschichte, Wissensproduktion, Hegemonie, Indirect Rule, Historiografie, Eurozentrismus, Weltordnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das ideologische Konstrukt der „Pax Britannica“ als ein Instrument zur Legitimierung britischer imperialer Herrschaft in Indien während des 18. und 19. Jahrhunderts.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Dekonstruktion historiografischer Mythen, der Entwicklung kolonialer Herrschaftstechniken durch die East India Company und der Analyse der ideologischen Begleitmusik dieser Expansion.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, die Pax Britannica nicht als bloßen Friedensbegriff, sondern als wirkmächtiges Legitimationsmuster zu entlarven, das dazu diente, reale gewaltförmige Prozesse der kolonialen Penetration als zivilisatorischen Fortschritt darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Publikation verwendet?

Der Autor wählt einen ideologiekritischen Ansatz, der die historische Realität des Mogulreichs und der EIC mit der darauffolgenden Bilderproduktion (Diskurs) kontrastiert und eurozentrische Perspektiven hinterfragt.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Sequenz von Finanzbedarf, territorialer Expansion und politischer Konsolidation, beleuchtet zentrale Inszenierungen wie das Hastings-Impeachment und betrachtet das Ausbildungswesen der EIC.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Orientaldespotie, koloniale Penetration, parasitäre Symbiose, Good Government und Imperiale Staatsräson sind zentral für das Verständnis des vom Autor gewählten argumentativen Rahmens.

Wie unterscheidet sich diese Arbeit von gängigen Darstellungen zur britischen Indienpolitik?

Im Gegensatz zu vielen traditionellen Interpretationen, die von einer unabsichtlichen oder rein reformorientierten Entwicklung ausgehen, betont diese Arbeit die aktive, gewaltbasierte Konstruktion kolonialer Legitimationsmuster durch die EIC selbst.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Pax Britannica im indischen Kontext?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Pax Britannica ein ideologisches Konstrukt war, das eine auf Gewalt basierende Herrschaft in ein ethisch vertretbares Gewand kleidete, um sowohl in Indien als auch in der politischen Öffentlichkeit Großbritanniens Akzeptanz zu finden.

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Details

Title
Pax Britannica in Indien: Legende und Wirklichkeit kolonialer Penetration
College
University of Hagen
Grade
1,8
Author
M.A. Jürgen Krämer (Author)
Publication Year
2004
Pages
83
Catalog Number
V54714
ISBN (eBook)
9783638498432
ISBN (Book)
9783638727006
Language
German
Tags
pax Britannica Indien Legende Wirklichkeit kolonial Penetration Begriffskritik Historiegrafiekritik Ideologiekritik Dominanz Hegemonie Eurozentrismus Fremdwahrnehmung Imperialismus Kolonialismus Macht Legitimation East India Company Indirect Rule Orient Orientalismus Orientaldespotie Postkolonialismus Subalterne historische Grundlagen Zerrbildproduktion Weiße Hatings Clive Cornwallis Wellesley indisch britisch warlords warrior states
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Jürgen Krämer (Author), 2004, Pax Britannica in Indien: Legende und Wirklichkeit kolonialer Penetration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54714
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