Die Medienkompetenz der Österreicher unter besonderer Berücksichtigung von E-Government und Rundfunk


Diplomarbeit, 2001
183 Seiten, Note: Sehr Gut

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung und Problemstellung [Pötsch]

2 Electronic Government [Pötsch]
2.1 Begriffserklärung
2.2 Gründe für den Einsatz von E-Government
2.3 Vorteile von E-Government
2.3.1 Service- und Kundenorientierung
2.3.2 Prozessoptimierung und Wirtschaftlichkeit
2.3.3 Zusammenarbeit und Communities
2.4 Anwendungsbereiche von E-Government
2.4.1 Government to Citizen (G2C)
2.4.2 Government to Business (G2B)
2.4.3 Government to Government (G2G)
2.5 Konzeptionelle Anforderungen

3 Medien und deren Theorie [Winter]
3.1 Medientheorie
3.2 Begriffsbestimmung Medium
3.3 Neue Medien

4 Begriffsbestimmung Medienkompetenz [Winter]
4.1 Dimensionen der Medienkompetenz
4.2 Medienkompetenz als Kulturtechnik
4.3 Bereiche der Medienkompetenz
4.3.1 Befähigung zur Medienkritik
4.3.2 Medienkunde
4.3.3 Mediennutzung bzw. Medienhandeln
4.3.4 Mediengestaltung

5 Kritik am Medium Rundfunk [Winter]
5.1 Fernsehen als Massenmedium
5.2 Medienwirkungen der Massenmedien
5.2.1 Medienwirkung auf die Individuen
5.2.2 Medienwirkung im alltäglichen Leben
5.2.3 Gesellschaftliche Auswirkungen der Medien
5.3 „Verstärkung“

6 Der Österreichische Rundfunk (ORF) [Pötsch]
6.1 Aufgaben des Österreichischen Rundfunks
6.1.1 Versorgungsauftrag
6.1.2 Programmauftrag
6.2 Organisation des ORF
6.3 Programmangebot
6.4 Finanzierung
6.5 Innovationsziele
6.6 Der ORF als Werbemedium

7 Fernsehmarkt in Österreich
7.1 Medienpolitische Ziele [Pötsch]
7.2 Beschaffenheit des österreichischen Marktes [Pötsch]
7.3 Entwicklung der Heimelektronik [Winter]
7.4 Projektionszahlen der Mikrozensur [Winter]
7.5 In Österreich empfangbare Fernsehsender [Pötsch]
7.5.1 Der Spartenkanal TW
7.5.2 Kabelfernsehen in Österreich
7.6 TV-Nutzungszeit in Gesamtösterreich [Winter]
7.7 TV-Nutzungszeit der Schweiz und Deutschland [Winter]
7.8 Fernsehquoten im Jahr 2000 [Winter]
7.8.1 Meistgesehene Sendungen von Erwachsenen
7.8.2 Meistgesehene Sendungen von Kindern
7.9 Marktanteile der Fernsehsender [Winter]
7.9.1 Marktanteile bei Erwachsenen und Kindern
7.9.2 Marktanteile öffentlich-rechtlicher Sender in Europa
7.10 Pay-TV in Österreich [Winter]
7.11 Digitales Fernsehen in Österreich [Pötsch]
7.12 Fernsehnutzung in Österreich [Winter]

8 Hörfunkmarkt in Österreich [Winter]
8.1 Marktanteile und Reichweiten der Hörfunksender
8.2 Mediadaten der österreichischen Bundesländer
8.3 Tagesreichweite des ORF-Radios

9 Digitale Dienste der klassischen Medienanbieter [Pötsch]
9.1 Technischer Überblick
9.2 Digitales Fernsehen
9.3 T-Commerce
9.3.1 Pay-TV-Abonnement
9.3.2 Pay-per-View/Near-Video-on-Demand
9.3.3 Merchandising
9.3.4 Teleshopping
9.3.5 Telefon-Dienste mit Sonderrufnummern
9.3.6 Video-on-Demand
9.3.7 TV-basierte E-Commerce-Plattformen
9.3.8 Provisionen (aus vermittelten Verkäufen)
9.4 Digital Audio Broadcasting (DAB)

10 Alternative digitale Dienste [Pötsch]
10.1 Webcasting
10.2 Definition des Begriffes Online -Rundfunk
10.3 WebTV, Internet-TV und Cyber-TV
10.4 Personalisierung der Inhalte
10.4.1 Personalisierung mittels intelligenter Agenten
10.4.2 Personalisierung mittels kollaborativer Filter
10.5 Hörfunk im Internet

11 Verhältnis von Internet und klassischen Medien [Pötsch]

12 Empirisch-Analytischer Teil
12.1 Untersuchungsmethode [Pötsch]
12.2 Primärerhebung mittels Fragebogen [Pötsch]
12.3 Statistische Auswertung [Pötsch]
12.4 Ergebnisse der Fragebogenauswertung
12.4.1 Statistischer Teil – Demographische Daten [Pötsch]
12.4.2 Statistischer Teil – Rundfunk [Pötsch]
12.4.3 Statistischer Teil – E-Government [Winter]
12.4.4 Auswertungskorrelationen [Pötsch]

13 Gesamtnutzungszeit aller Medien [Winter

14 Zusammenfassung und Ausblick [Winter]

15 Quellenverzeichnis
15.1 Allgemeines Quellenverzeichnis
15.2 Quellenverzeichnis Online-Literatur

Anhang

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb . 1: Schema von Electronic Government Maßnahmen

Abb . 2: Überblick über Möglichkeiten des E-Government Einsatzes

Abb . 3: Der neue ORF und seine Gremien

Abb . 4: Marktanteile von klassischen Medien im Jahr 2000

Abb. 5: Entwicklung des Fernsehanteils am gesamten Bruttowerbeaufwand

vo n 1992 bis 2000

Abb . 6: Marktanteile öffentlich-rechtlicher Programme in Europa im Jahr 2000

Abb . 7: Zeitlicher Verlauf der Fernsehnutzung von Erwachsenen - Viertelstundenreichweiten im Jahr 2000

Abb . 8: Tagesreichweite der ORF-Programme

Abb . 9: Fernsehempfang der Top-5-EU-Länder im Jahr 2000

Abb . 10: Bereiche des Online-Rundfunks

Abb . 11: Personalisierungspyramide von Online-Inhalten

Abb . 12: Funktionsprinzip von kollaborativen Filtern

Abb . 13: Zeitverlauf der Mediennutzung der Österreicherinnen und Österreicher während eines Tages

Abb . 14: Fernsehnutzung im Tagesverlauf nach Altersgruppen

Abb . 15: Radionutzung im Tagesverlauf nach Altersgruppen

Abb . 16: Mediennutzung in Minuten pro Tag in Deutschland

Abb . 17: Anteile am Medienzeitbudget für Deutschland

TABELLENVERZEICHNIS

Tab . 1: Anteile am Fernsehwerbemarkt in Österreich

Tab . 2: Vergleich der Fernsehbruttowerbeaufwendungen in Österreich,

de r Schweiz und in Deutschland

Tab . 3: Bruttowerbeaufwendungen pro Kopf im Ländervergleich

Tab . 4: Fernsehwerbewert von 1996 bis 2000 im Ländervergleich

Tab . 5: Werbeintensität von 1997 bis 2000 im Ländervergleich

Tab . 6: Entwicklung der Heimelektronik zwischen 1995 und 2000

Tab . 7: Teletest-Projektionszahlen des Jahres 2001

Tab . 8: Empfangbare Fernsehsender in Österreich

Tab . 9: Fernsehnutzungszeit von Erwachsenen in Kabel- und

Satellitenhaushalte n in Gesamtösterreich von 1991 bis 2000 in Minuten

Tab . 10: Vergleich der Fernsehnutzungszeiten in Haushalten

mi t nationalem Empfang

Tab . 11: Die beliebtesten Sendungen von Erwachsenen des Jahres 2000

Tab . 12: Die beliebtesten Sendungen von Kindern des Jahres 2000

Tab . 13: Marktanteile bei Erwachsenen (über 12 Jahre) von 1993 – 2000

Tab . 14: Marktanteile bei Kindern (3 bis 11 Jahre) von 1993 – 2000

Tab . 15: Anzahl der Abonnenten von Premiere World in Österreich

Tab. 16: Tagesreichweite und Marktanteile der Radiosender in Österreich

fü r das Jahr 2000 (im Vergleich zu 1999)81

Tab. 17: Tagesreichweite und Marktanteile der Radiosender in den

österreichische n Bundesländern für das Jahr 2000 (im Vergleich zu 1999)

TABELLENVERZEICHNIS

Tab . 18: Gegenüberstellung von traditionellem Rundfunk un d Online-Rundfunk

Tab . 19: Mediennutzung im Tagesverlauf

Tab . 20: Durchschnittliche Nutzungsdauer von Fernseher und Radio

1 Einleitung und Problemstellung

War es zu Beginn des Rundfunks problematisch, an Informationen voneinander unabhängigen Quellen zu gelangen, läuft man heute mehr denn je Gefahr, dem Irrglauben zu erliegen, alle Informationen zu kennen. Zu verdanken ist dies dem Einsatz modernster Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Man kann in gewisser Weise von einer industriellen Informationsrevolution sprechen, die uns in rasantem Tempo beschert wurde. Es haben sich damit aber auch die Aufgaben der Medien verändert. Die Menschen brauchen mehr als Fakten. Sie wollen von der Authentizität der Informationen überzeugt werden und verlangen Erklärungen, was hinter den Fakten steht. Die Aufgabe der Medien besteht nun darin, dem Bürger in dem täglich neu anfallenden Chaos von Ereignissen eine Ordnung und Orientierung zu verschaffen.

Dem Rundfunk und hier im speziellen dem Fernsehen kommt seit jeher ein besonders großer Glaubwürdigkeitsvorsprung zu Gute, erzeugen die ausgestrahlten Bilder doch die Illusion der Teilnahme an einer anderen Wirklichkeit.

Erst die Entwicklung der auf der Mikroelektronik basierenden Informations- und Kommunikationstechnologie und die kontinuierlichen Fortschritte in diesem Bereich ermöglichen die Schöpfung von neuen multimedialen und telematischen Diensten und Anwendungen, die sowohl Audio, Video als auch Text für jedes Mittel der Kommunikation - Telefon, Telefax, Fernsehen, Radio oder Computer – kombinieren und in komplementärer Weise benutzt werden können. Die Entwicklung dieser neuen Kommunikationsformen repräsentiert ein Element vermehrter Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen und eröffnet neue Perspektiven in der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbeschaffung. Die Verbreitung dieser neuen Technologien auf alle Ebenen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens führt zu einer schrittweisen Transformation unserer Gesellschaft in eine Informationsgesellschaft. [vgl. Euro01b]

Hinter dem Begriff Informationsgesellschaft verbirgt sich die Durchdringung aller Arbeits- und Lebensbereiche mit neuen Formen der Information und Kommunikation. Die Beschleunigung der technologischen Entwicklung in der Telekommunikation erfordert somit eine Reihe von Weichenstellungen – etwa in Richtung Zukunft des Österreichischen Rundfunks oder des terrestrischen Digitalfernsehens in Österreich.

Multimedia und Mehrsprachigkeit in der Informationsgesellschaft werden allen Bürgern neue Formen des Zugangs zu Information und Wissen und neue Wege des Erwerbs von Information und Wissen bringen, wobei die digitalen Inhalte eine entscheidende Rolle spielen.

Vier Millionen Europäer sind derzeit im inhaltsproduzierenden Sektor beschäftigt, Tendenz steigend. Dieser Content-Sektor1 führte in den letzten Jahren zu einem rapiden Anstieg an neu geschaffenen Arbeitsplätzen. Viele Arbeitsplätze konnten vor allem in kleinen, schnell wachsenden und überaus flexiblen Unternehmen geschaffen werden.

All das wird den Zugang und Erwerb von Wissen und Information radikal verändern und ein sehr wichtiger Ausgangspunkt für das zukünftige Wirtschaftswachstum, für neue Unternehmen und für Beschäftigung sein. Dies wird auch die professionelle, soziale und kulturelle Entwicklung der europäischen Einwohner und deren kreative und innovative Kapazität fördern und erweitern. [vgl. Euro01a]

Die Entwicklung hin zur Informationsgesellschaft bringt aber nicht nur neue Chancen, sondern birgt auch viele Gefahren und Risiken in sich. Es wird eine neue Unmittelbarkeit der Kommunikation ermöglicht, da zeitliche und räumliche Schranken des Zugangs fallen; die "Mediengesellschaft" wird interkulturell sein. Soweit die neuen Medien schon für Erstveröffentlichungen genutzt werden, verringert sich der zeitliche Abstand zwischen Entstehung und Zugänglichkeit. Die neuen Medien schaffen Probleme, unter anderem solche

- des technischen Umgangs mit den Endgeräten und der Software, der komplizierten Orientierung in der Vielfalt der Inhalte von Informationen;
- der Überflutung mit (unnötigen) Informationen;
- der erweiterten Möglichkeiten von zunächst unbemerkten Manipulationen;

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]- der Ungleichheit von Nutzungschancen (a) zwischen einzelnen Bürgern in Abhängigkeit von ihrem Lebensalter, ihrer Qualifikation, ihrer Finanzkraft, (b) zwischen Individuen und Gemeinschaften auf der einen und öffentlichen Institutionen auf der anderen Seite; in den USA wird über ein Grundrecht jedes Menschen auf freien Zugang zur Information diskutiert;

- der Passivität (Konsum bis zur Sucht);
- der Wahrung des Rechts am Eigentum;
- der Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen;
- der Struktur und Organisation von Unternehmen und der Beziehungen zwischen ihnen und den Beschäftigten. [vgl. Init01]

Um gerade diese Probleme zu vermeiden oder in richtiger Weise damit umzugehen bedarf es der Medienkompetenz der Bürger einer Informationsgesellschaft, d.h. der Bürger soll in der Lage sein, Informationen aus großen Datenmengen zu selektieren, zu analysieren und schlussendlich diese dann auch interpretieren zu können. Es sollte aber auch nicht verabsäumt werden, diese kritisch zu hinterfragen und sich mit Problemen eingehend auseinanderzusetzen.

Im Rahmen unserer Diplomarbeit wird genau dieses Thema hinsichtlich Rundfunk und Electronic Government bearbeitet und anhand verschiedener Studien aufgearbeitet, die auch den aktuellen Stand und die zukünftigen Entwicklungen aufzeigen.

Die Arbeit gliedert sich in einen theoretisch-deskriptiven Teil und einen empirisch- analytischen Teil. Im theoretischen Teil werden zunächst Begriffe um das Schlagwort Electronic Government erläutert, und im weiteren folgt eine sehr ausführliche Darstellung bezüglich Medien und Medienkompetenz. Nach einer allgemeinen Definition des Begriffes „Medienkompetenz“ und einer Unterteilung der Erfordernis und Verwendung derselben in der Informationsgesellschaft möchten wir eingehend über den aktuellen Stand des Rundfunkmarktes in Österreich berichten.

Aufgrund der aktuellen Situation hinsichtlich Einführung von Privatfernsehen und die damit verbundene Neugestaltung des ORF-Gesetzes werden wir auch darauf näher eingehen. Nach Betrachtung der Marktsituation im Fernseh- und Hörfunkbereich befassen wir uns anschließend mit zukünftigen oder bereits etablierten Angeboten der klassischen Medienanbieter (Rundfunk- und Hörfunksender) an digitaler Information und auch mit alternativen digitalen Diensten, die eine Individualisierung der Programmgestaltung ermöglichen. Unter Verwendung verschiedener deutscher

und österreichischer Studien über die Nutzer, deren Charakteristika, Vorlieben und demographische Struktur wollen wir die Medienkompetenz der Bevölkerung hinsichtlich Fernsehen, Radio und Electronic Government ergründen und verschiedenartige Angebote an digitalen Formaten, die bereits online verfügbar sind, vorstellen und deren Annahme und Nutzung darstellen.

Der empirische Teil stellt die Auswertung und Interpretation eines selbsterstellten

Fragebogens (siehe Anhang), hinsichtlich Rundfunk und Electronic Government, dar.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen repräsentativen Querschnitt der österreichischen Bevölkerung bezüglich Nutzung von Rundfunk und Wissensstand über Electronic Government zu erlangen.

Im konkreten sollen Korrelationen von Nutzungsverhalten und demographischen

Daten im empirischen Teil erarbeitet werden.

An dieser Stelle sei allen 1.114 Personen herzlich gedankt, die sich die Zeit genommen haben, den Fragebogen zu beantworten und damit zur Erstellung des Nutzungsverhaltens und der Medienkompetenz wesentlich beigetragen haben.

Bedanken möchten wir uns auch bei Herrn DDr. Roman Brandtweiner (ao. Univ.- Prof. am Institut für Wirtschaftsinformatik der Wirtschaftsuniversität Wien) und Herrn Dr. Harald Mahrer, die uns bei der Ausarbeitung des Fragebogens unterstützt haben.

2 Electronic Government

In den folgenden Kapiteln wird zuerst der Begriff des Electronic Government (E- Government) näher diskutiert und Gründe für den Aufbau und vermehrten Einsatz von Electronic Government Maßnahmen - die grundlegende Veränderungen in der öffentlichen Verwaltung bringen werden - erläutert. Des weiteren werden Vorteile, die ein solcher Einsatz bei den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen bietet, behandelt.

Electronic Government wird in Zukunft einen festen Bestandteil in unserem Verhältnis zum Staat darstellen. Durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien wird unsere Gesellschaft in immer stärkerem Maße geprägt. Der Bürger muss daher vermehrt über die staatlichen Maßnahmen in diesem Bereich am laufenden gehalten werden und braucht auch gewisse Grundkenntnisse, um mit den neuen Medien richtig umgehen zu können (Medienkompetenz).

2. 1 Begriffserklärung

Der Begriff „Electronic Government“ umfasst die Unterstützung der Beziehungen, Prozesse und der politischen Partizipation innerhalb der staatlichen Stellen auf allen drei Gebietskörperschaftsebenen wie Bund, Land und Gemeinde sowie zwischen den staatlichen Stellen und all ihren Anspruchsgruppen durch die Bereitstellung entsprechender Interaktionsmöglichkeiten mittels elektronischer Medien. [vgl. GiSp00] Ziel ist zum einen eine bessere Befriedigung der Bürgerbedürfnisse, zum anderen die Optimierung der internen Geschäftsprozesse der öffentlichen Verwaltung.

Ein von der österreichischen Bundesregierung ins Leben gerufenes Programm bezüglich Verwaltungsreform orientiert sich konsequent an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger und der heimischen Wirtschaft. Es sollen weitgehend unkomplizierte staatliche Dienstleistungen angeboten werden, mehr Transparenz der öffentlichen Verwaltung und mehr Beteiligung der Betroffenen an den jeweiligen amtlichen Angelegenheiten erreicht werden. Der Bürger soll sich künftig nicht mehr in

der Struktur der öffentlichen Verwaltung auskennen müssen, um Dienstleistungen einfach in Anspruch zu nehmen. Der Umgang mit einer Behörde soll dann genauso einfach und alltäglich sein wie ein Besuch in einem Geschäft oder einer Bank. Angesichts der Komplexität und Vielfalt der behördlichen Dienstleistungen stellt dies jedoch eine enorme Herausforderung für die Verantwortlichen dar.

Für eine leistungsstarke, kostengünstige und vor allem effiziente Verwaltung wird daher die Möglichkeit moderner Informations- und Kommunikationstechnik genutzt.

Der dazu notwendige IKT-Einsatz hat in den vergangenen Jahren einen völlig neuen Charakter erhalten. Als vorrangiges Ziel wird nicht mehr die kurzfristige Steigerung der Effizienz, sondern eine mittel- und langfristige Veränderung der Abläufe und Strukturen im gesamten Verwaltungsapparat angestrebt.

Electronic Government wird demnach zu einem neuen Schub der

Verwaltungsmodernisierung führen. So wie Electronic Commerce Abläufe und Strukturen im Bankwesen, im Handel, in der Versicherungswirtschaft und in vielen anderen Wirtschaftszweigen verändert, so wird Electronic Government nachhaltig strukturverändernd für die öffentliche Verwaltung sein. Die Informationstechnik kann hinreichend starke Impulse geben, um die Verwaltungen vom Gang des Gewohnten abzubringen. Mit Hilfe der Informationstechnik lassen sich aber nicht nur Kosten senken, sondern auch eine Vielzahl von Bearbeitungsprozessen beschleunigen.

Als demokratische Institutionen sind die Parlamente und Regierungen verpflichtet, ihre Entscheidungen transparent zu machen. Mehr Transparenz bedeutet in erster Linie mehr Information. „Informiertheit“ ist eine wesentliche Voraussetzung für die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich politisch zu engagieren. Politische Entscheidungsprozesse werden dadurch transparenter, und Hintergründe können somit besser beleuchtet werden.

Größere Transparenz von politischen und Verwaltungsentscheidungen ist natürlich

kein Patentrezept, um Politikverdrossenheit zu beseitigen. Es ist aber eine wichtige begleitende Maßnahme, um durch bürgerorientierte Politik bürgerschaftliches Engagement zu fördern. Gerade junge Menschen, denen politisches Desinteresse vorgeworfen wird, die aber den intuitiven Umgang mit den modernen Medien beherrschen, ließen sich auf diesem Weg vielleicht eher für die Belange der Politik – und damit auch für eigene Belange – gewinnen. Dies betrifft auch die Möglichkeit, über das Internet politische Wahlen abzuwickeln. [vgl. O.A.01a]

Abbildung 1 stellt die Einflussfaktoren und Ziele von E-Government grafisch dar:

Abb . 1: Schema von Electronic Government Maßnahmen [nach Mohs01]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter dem Oberbegriff des Electronic Government lassen sich verschiedene

Ausprägungen von Informationssystemen subsumieren. [vgl. Elsa00]

Erstens können Informationsangebote an die Bürgerinnen und Bürger gerichtet werden. Behörden erhalten die Möglichkeit, Informationen, wie beispielsweise Formulare zum Download, Öffnungszeiten, Ansprechpartner in den Ämtern, Vorgehensweisen und vieles mehr im Internet bereitzustellen.

Zweitens besteht die Möglichkeit, ein Bürgerservice mit Interaktionsangeboten aufzubauen. Hierbei kann der Kommunikationspartner auf elektronischem Weg flexibler agieren als heute per Papier. Da die öffentliche Verwaltung noch strengeren Anforderungen des Vertrauensschutzes als der private Sektor unterliegt, müssen eindeutig definierte und öffentlich bekannte Datenschutzrichtlinien vorhanden sein. Elektronische Unterschriften sind wichtiger Bestandteil dieser Richtlinien: Sie unterstützen Ämter und Behörden in ihrem Bemühen, ihre Dienstleistungen möglichst bürgernah zu erbringen. Mit der digitalen Unterschrift können Dokumente und Informationen, die über das Internet gesendet werden, geschützt werden, da

sich ihre Nutzer anhand einer verschlüsselten mathematischen Codierung eindeutig identifizieren. Mit diesem digitalen Fingerabdruck müssen zum Beispiel Bestellungen im Online-Handel versehen werden, damit sie Rechtsgültigkeit erlangen. Der digitalen Unterschrift wird außerdem durch Gesetze der gleiche rechtliche Status wie einer Unterschrift auf Papier verliehen.

Darüber hinaus senkt die digitale Signatur Verwaltungskosten, und sie eröffnet zugleich die Chance, über geeignete E-Commerce-Angebote Einnahmen zu generieren. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen hohe Sicherheitsstandards gewährleistet sein. Zur Sicherung der Datenübertragung stehen mittlerweile vor allem im Umfeld des Internet eine Vielzahl von Technologien und Standards zur Verfügung. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang beispielsweise symmetrische und asymmetrische Verschlüsselungsverfahren, digitale Signaturen, Zertifikate und auf Verschlüsselungsverfahren aufbauende Kommunikationsprotokolle, die der gegenseitigen Authentifizierung dienen. Letztere impliziert den Einsatz von SSL (Secure Socket Layer) seitens der Behörde und der elektronischen Signatur seitens des Nutzers der Dienste (Bürger, Unternehmen oder andere Behörden).

Drittens wird die Abwicklung von Geschäftsprozessen im Rahmen der Verwaltung ermöglicht. So können etwa öffentliche Aufträge über Lieferungen, Dienstleistungen und Bauleistungen über das Internet abgewickelt werden. Das spart wiederum Zeit, unnötigen Verwaltungsaufwand und dem Staat Kosten in Millionenhöhe.

Als vierte und wohl auch wichtigste Erscheinungsform kann die Möglichkeit, das

Internet als Medium für Wahlen zu nutzen, angesehen werden.

Die ersten drei zuvor genannten Erscheinungsformen lassen sich treffender durch die Bezeichnung „Electronic Administration“ charakterisieren, da nur in der letzten Ausprägung „Elektronische Wahlen“ das wesentliche Element einer Regierung, nämlich die Bestimmung durch das Volk, repräsentiert wird.

Grundsätzlich kann des weiteren zwischen drei Typen elektronischer Dienste bzw. Möglichkeiten der Kontaktaufnahme unterschieden werden, nämlich [vgl. GiSp01]:

1. Informationsdienste, bei denen thematisch geordnete und klassifizierte Informationen abgerufen werden können (d.h. Abruf von unterschiedlich aufbereiteten Daten wie z.B. Behördenwegweiser, Gesetzesänderungen, Rechtsinformation, Hintergrundinformation bei Entscheidungsprozessen).
2. Kommunikationsdienste für die Interaktion mit Einzelpersonen, Firmen oder Gruppen mit einem gemeinsamen Interesse (z.B. per E-Mail oder in Diskussionsforen).
3. Transaktionsdienste für den Online-Erwerb von Waren oder

Dienstleistungen oder die Übermittlung von Daten (z.B. Einreichung elektronischer Anträge oder Steuererklärungen, Stimmabgabe bei Wahlen und Abstimmungen).

2. 2 Gründe für den Einsatz von E-Government

Ein hohes Einsparungspotential im Verwaltungsapparat ist durch den Einsatz von Electronic Government durchaus realistisch. Zum einen durch einen günstigeren Einkauf. Zum anderen durch den Rationalisierungseffekt im eigenen Haus, der durch verbesserte Prozesse im Rechnungs- und Personalwesen und in der Projektabwicklung entsteht. Genehmigungsverfahren werden ebenso beschleunigt wie Zahlungseingänge. Bei den extrem hohen Volumina in der öffentlichen Verwaltung führen schon geringe prozentuale Verbesserungen zu enormen Einsparungen. Innovationen und Investitionen machen sich also in aller Regel schon im ersten Jahr mehr als bezahlt.

Durch E-Government kann demnach ein sogenannter „schlanker Staat“ geschaffen werden. Als besonders zukunftsträchtiges Prinzip der Gestaltung von elektronischen Verwaltungsdienstleistungen erscheint das One-Stop-Service. Dies ermöglicht es Verwaltungskunden, ein bestimmtes Anliegen, mit dem mehrere Dienststellen und/oder mehrere Verwaltungsebenen und/oder Dienstleister inhaltlich befasst sind, mittels elektronischer Unterstützung an einer Kontaktstelle abzuwickeln. [vgl. AiSc99] Dabei ist das Interesse an Transaktionsmöglichkeiten zur Reduzierung von Behördengängen am größten, denn schließlich sollen nicht die Bürger, sondern die Daten zum Amt laufen.

Die Hauptziele der Implementierung von Electronic Government liegen in der Vermeidung von Medienbrüchen, einer Beschleunigung der Verwaltungsverfahren und eines rund um die Uhr verfügbaren virtuellen Amtes.

Im folgenden sollen noch einmal die Hauptgründe für den Einsatz von E-Government zusammenfassend dargestellt werden. Folgende Ziele können dadurch erreicht werden [vgl. Mohs01]:

- Die Schaffung einer schlanken Verwaltungsstruktur wird unterstützt.
- Die Verkürzung der internen Durchlaufzeiten bei der Bearbeitung von Sachverhalten kann gewährleistet werden.
- Die Möglichkeit, Formulare am Bildschirm auszufüllen und elektronisch zu transferieren, wird angeboten.
- Die interne Kommunikation zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen bzw. Abteilungen kann vereinfacht abgewickelt werden.
- Ein schlanker und sparsamer Staat kann aufgebaut werden, ohne dass mit Einbußen beim Leistungsangebot gerechnet werden muss.
- Mehr Transparenz wird erzeugt. Die "E-Demokratie" kann in der Lage sein, eine durchschaubare Bürokratie zu schaffen und damit für ein einfacheres und besseres Verständnis bei den Einzelnen zu sorgen.
- Die Aktivitäten des Staates können seitens der Bürger besser kontrollierbar und nachvollziehbar werden. Die verschaffte Transparenz sollte die Kontrollierbarkeit der Staatsaktivitäten erhöhen.
- Die Reaktionsschnelligkeit und die Flexibilität der öffentlichen Hand kann erhöht werden.

Für die Erreichung dieser angestrebten Ziele müssen allerdings folgende

Voraussetzungen erfüllt werden [vgl. Mohs01]:

- Ein Paradigmenwechsel ist notwendig. Der Bürger sollte seitens des

Staates nicht mehr nur als der Steuerzahler betrachtet werden.

Vielmehr sollte sich zwischen ihm und dem Staat eine Kunden- Verkäufer-Beziehung entwickeln, wobei die Kundenzufriedenheit als oberstes Gebot gilt. Unter diesen Voraussetzungen kann der Staat dann wieder einen Vertrauenszugewinn bei seinen Bürgern erreichen.

- Bessere und detailliertere Informationen über die Aktivitäten des öffentlichen Sektors sind eine wichtige Voraussetzung für mehr Transparenz.
- Eine vereinfachte Kommunikation zwischen den verschiedenen Abteilungen setzt einen horizontalen Informationsfluss innerhalb der staatlichen Behörden voraus.
- Die Ausstattung der öffentlichen Verwaltung mit modernen Technologien allein garantiert noch keinen Effizienzgewinn (im Sinne von Produktivitätssteigerung oder Kostenersparnissen). Eine unabdingbare Voraussetzung hierfür ist die Fähigkeit, mit der eingesetzten Technologie auch richtig umzugehen. Der wesentliche Erfolgsfaktor ist aber im potentiellen Nutzer zu sehen. Ohne Information und Interesse gibt es auch beim besten Angebot zuwenig Nachfrage.

2. 3 Vorteile von E-Government

Der Einsatz von E-Government bietet der öffentlichen Verwaltung, aber auch den Bürgerinnen und Bürgern eine Vielzahl von Vorteilen und Erleichterungen im Umgang mit den Behörden.

2.3.1 Service- und Kundenorientierung

Im Bereich der Außenbeziehungen der Verwaltung ermöglicht Electronic Government - allgemein gesprochen - eine neue Stufe der Service- und Kundenorientierung. Die öffentliche Verwaltung ist somit für alle Adressaten 24

Stunden an 365 Tagen im Jahr erreichbar. Neben der Erreichbarkeit der Services erhöht E-Government die Schnelligkeit der Bearbeitung. Zudem führen die elektronischen Services zu wesentlich weniger Fehlern bei der Bearbeitung. Daneben wird das Ausfüllen von Formularen einfacher und bequemer, der Weg der

Verwaltung entfällt, und die Wartezeiten in den Bürgerbüros verkürzen sich. Electronic Government eröffnet alle Möglichkeiten eines modernen Customer Relationship Management (CRM)2. Das Serviceangebot gegenüber allen Adressaten der Verwaltungen kann in Kundenzentren gebündelt werden, die eine effiziente Abwicklung der Geschäftsvorfälle in der Kommunikation mit den Bürgern und Unternehmen sicherstellen. Call Center, die den Kunden telefonische Hilfe und Auskünfte bieten und eine systematische Erfassung aller Kontakte zum Bürger ermöglichen, sind dabei ein wichtiger Bestandteil.

2.3.2 Prozessoptimierung und Wirtschaftlichkeit

Verwaltungsintern ermöglicht E-Government eine wesentliche Vereinfachung der Geschäftsprozesse. Kooperative Geschäftsabläufe zwischen Ämtern, Institutionen, Industrie und Bürgern verkürzen bei allen Beteiligten die Bearbeitungszeiten, verringern die Fehleranfälligkeit und ermöglichen eine integrierte Nutzung des jeweiligen Spezialwissens. Es eröffnet sich die Möglichkeit, Fachverfahren in die Geschäftsprozesse zu integrieren und damit Arbeitsschritte und Teilprozesse zu automatisieren. Es ist diese Integration der elektronischen Services mit den Fachanwendungen und den Backofficesystemen in der Verwaltung, die erst wirkliche Qualitätsfortschritte und Effizienzsteigerungen möglich macht.

Die Automatisierung der Prozesse schafft außerdem neue Möglichkeiten für die interne Steuerung. Indikatoren wie Fallzahlen, Durchlaufzeiten, Fehler, Zahl der beteiligten Stellen etc. werden direkt gewonnen. Feedback-Formulare ermöglichen die Abfragen von Qualitätsaussagen seitens der Adressaten.

Die elektronischen Anträge sind leicht in verschiedene Tools und Funktionen zu integrieren und können danach problemlos intern weiterverarbeitet werden. Damit können die unterschiedlichen Bearbeitungsschritte einfach auf die elektronischen Arbeitsplätze der Verwaltungsmitarbeiter verteilt werden. Dies bedeutet somit nicht nur eine Vereinfachung der Steuerung der Arbeitsprozesse, sondern ermöglicht auch eine integrierte Schriftgutverwaltung. [vgl. O.A.01b]

2.3.3 Zusammenarbeit und Communities

Bislang hat sich die Diskussion des E-Government stark auf das Angebot bestimmter elektronischer Services konzentriert. Dabei wird die Rolle der Portale3 oft unterschätzt. Portale ermöglichen die Einbeziehung des gesamten Wissens der Verwaltung und externer Quellen, um Communities aufzubauen und eine wirkliche Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Der Weg in die Electronic Society, die wissensgestützte Gemeinschaft, erfolgt über den Austausch von Informationen und gegenseitiges zur Verfügung stellen von Wissen und Arbeitskraft. Die Verwaltungen stellen ihren Adressaten die wichtigen Informationen und das notwendige Wissen zur Verfügung, damit sie die Services selbständig nutzen können. Dies bedingt neben einer gewissen „Intelligenz“ der Eingabeschnittstelle (heute zumeist Formulare, die jedoch sukzessive durch echte Transaktionen ersetzt werden) auch die Bereitstellung weiterführenden Wissens über Grundlagen, Verfahren und Hintergründe.

Neben dieser konkreten fallbezogenen Kooperation zielt E-Government auf eine völlig neue Kommunikation mit den Bürgern ab. Auf City-Portalen können beispielsweise Foren eingerichtet werden, die Diskussionen im Sinne der Stadtentwicklung als Reaktion auf die Veröffentlichung der neuesten politischen Beschlüsse und Nachrichten ermöglichen.

Die Community-Bildung ermöglicht darüber hinaus neue Formen der Wirtschaftsförderung. Prinzipiell ist die Welt des Internet völlig offen und ohne Grenzen. Dieser grundsätzlich positive Aspekt birgt jedoch das Problem, dass kleinere und mittlere Unternehmen ihre Chancen schwinden sehen, da sie sich keinen entsprechenden Internetauftritt leisten können. Regionale und lokale Portale eröffnen hier Möglichkeiten, kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) eine Plattform zu bieten, um neue Kundenschichten anzusprechen und gleichzeitig das Angebot auf die Anbieter am Ort zu fokussieren. [vgl. O.A.01b]

2. 4 Anwendungsbereiche von E-Government

In der Regel wird E-Government mit einer Betrachtung der Außenbeziehungen der Verwaltungen und deren Veränderungen durch das Internet gleichgesetzt. Wenn man den Anwendungsbereich von Electronic Government aus dieser externen Sicht analysiert, so werden drei Anwendungsschwerpunkte gesehen.

In Anlehnung an das im Unternehmensbereich geprägte Business to Business (B2B)

oder Business to Citizen (B2C) wird hier von der Kommunikation

- Government to Citizen (G2C)
- Government to Business (G2B) und
- Government to Government (G2G) gesprochen. [vgl. O.A.01b]

Der Anwendungsbereich von E-Government betrifft aber ebenso den internen Verwaltungsbereich, also die bereits angesprochenen neu definierten und integrierten Geschäftsprozesse, aber auch Veränderungen, die sich für die Arbeitsplätze im einzelnen durch die Anwendung von Internettechnologie ergeben. Einerseits werden neue Arbeitsplätze etwa in den Bereichen Kundendienst oder virtuelles Bürgerbüro geschaffen. Andererseits betrifft E-Government auch die Ausgestaltung bestehender elektronischer Arbeitsplätze.

Die nachfolgende Abbildung soll einen Überblick über die unterschiedlichen

Anwendungsmöglichkeiten des Einsatzes von E-Government-Lösungen geben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb . 2: Überblick über Möglichkeiten des E-Government Einsatzes [nach Mies00]

2.4. 1 Government to Citizen (G2C)

Der Bereich G2C betrifft in erster Linie die Bereitstellung von elektronischen Bürgerservices. Gegenwärtig sind diese zwar noch formulargestützt, zukünftig sollen sie aber als komplexe Transaktionen oder Interaktionen zu verstehen sein. [vgl. O.A.01b]

Dem Bürger werden hier Formulare angeboten, die so aufbereitet sind, dass sie eine einfache Bearbeitung im Internet-Browser ermöglichen. Gewisse vom Antragsteller auszufüllende Daten werden vorgeschlagen – er muss also weniger Angaben machen, da die Verwaltung viele Informationen ohnehin schon besitzt, etwa aus Meldedatenbanken oder ähnlichen Quellen. Zudem werden bei bestimmten Feldern Werthilfen angeboten, die eine auf den konkreten Einzelfall zugeschnittene Auswahl bieten. Hierzu können verschiedene Fachanwendungen der Verwaltungen angeschlossen werden, die dem Bürger das Ausfüllen der Formulare erleichtern.

Neben dem Angebot, Anträge über elektronische Formulare zu erfassen, ist es auch möglich, dem Bürger jederzeit Einsicht in den Bearbeitungsstatus seiner erfassten Anträge zu bieten. Zusätzlich zu dieser Statusverfolgung werden dem Bürger

Rückmeldungen zugesendet – etwa mittels E-Mail oder SMS -, die ihn darüber informieren, dass Angaben im Antrag fehlen oder ergänzt werden müssen.

Ein weiteres Angebot ist das elektronische Bürgerkonto, das eine integrierte Sicht auf alle finanziellen Transaktionen bietet, die mit den verschiedenen Anträgen verbunden sind. Dies betrifft beispielsweise die Belastung von Gebühren und Abgaben, die Fälligkeiten von Vorauszahlungen oder die Gutschrift von Beihilfen.

Die unterschiedlichen Angebote für den Bürger werden in einem Portal strukturiert zur Verfügung gestellt. Der Einsatz von Portalen bietet den Verwaltungen eine Vielzahl von Vorteilen für die Kommunikation mit dem Bürger. Das Portal gewährleistet eine rollenbasierte Personalisierung und darüber hinaus die Nutzung des Konzepts der Lebenssituationen. Damit wird eine Vielzahl von Services übersichtlich angeboten. Der Bürger erhält in strukturierter Form einen Zugang zu den verschiedenen Services der unterschiedlichen Anbieter, die er in seiner konkreten Situation benötigt.

Daneben bietet die Gliederung nach Lebenssituationen, welche zum Teil

ämterübergreifend sind oder gar verschiedene Staatsebenen betreffen, kontextspezifische Inhalte, d.h. eine Fülle von Informationen zur entsprechenden Problemstellung.

Das Konzept der Lebenssituationen beruht vor allem auf der Annahme, dass die

Kunden der öffentlichen Verwaltung in den seltensten Fällen ausschließlich zum

„Surfen“ das Portal besuchen. In der Regel führt eine konkrete Problemstellung zum

Aufsuchen der öffentlichen Online-Dienste.

Diese Problemstellungen werden als Lebenssituationen bezeichnet. Beispiele für Lebenssituationen sind Heirat, Geburt eines Kindes, Wohnungsumzug, die elektronische Abwicklung und Verarbeitung der Steuererklärung, transparente Information oder die Prüfung der Bezugsberechtigung von Sozialleistungen.

Für diese Lebenssituationen wird dem Bürger nun eine dreistufige Hilfestellung angeboten [vgl. O.A.01b]:

1. Eine Checkliste, in der alles Wissenswerte und alle Tätigkeiten, die bedacht werden müssen, aufgelistet sind.
2. In einem zweiten Schritt werden kritische Tätigkeiten, Anleitungen und hilfreiche weiterführende Informationen angeboten, die die Problemlösung beschleunigen und erleichtern sollen.
3. Schließlich werden zu bestimmten Punkten aus der Checkliste konkrete

elektronische Services angeboten, die der Bürger sofort online am Bildschirm abwickeln kann.

2.4. 2 Government to Business (G2B)

G2B betrifft zunächst das klassische Electronic Procurement, also die Beschaffung über das Internet. Dabei bestellen die Verwaltungen Waren von unterschiedlichen Anbietern aus der ganzen Welt und integrieren gleichzeitig den kompletten Beschaffungsprozess mit ihrer Backoffice-Systemlandschaft. E-Procurement ermöglicht die Einbindung von unterschiedlichen externen Katalogen, nutzt

„Shopping-Card-Funktionen“ und verschiedene Zahlungsmöglichkeiten. Dem Einkauf

vorgeschaltet ist das Ausschreibungsmanagement, das Ausschreibungen im öffentlichen Bereich unterstützt. [vgl. O.A.01b]

Daneben werden auch in G2B-Szenarien elektronische Formulare zum Einsatz kommen, etwa für Gewerbeanmeldungen, für Sondernutzungsrechte oder für die Anzeige von Schlussverkäufen im Handel.

Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist auch die Abwicklung des Steuer- und

Einnahmenmanagements über das Internet. Ausgangspunkt hierbei ist die Meldung des Unternehmens über ein Webformular. Die Daten werden von der Verwaltung gespeichert und entsprechende Forderungen, etwa für Vorauszahlungen im Steuer- und Einnahmenmanagement, verbucht. Schließlich werden über das Internet die Erklärungsformulare ausgefüllt und verschickt. Im Steuer- und Einnahmen- management werden dann die Nachforderungen oder Gutschriften ermittelt und über das Unternehmenskonto analog zum Bürgerkonto abgewickelt.

2.4. 3 Government to Government (G2G)

Auch im Kommunikationsbereich zwischen verschiedenen Behörden ist eine Reihe von elektronischen Services vorstellbar. Zunächst werden verschiedene elektronische Formulare im Bereich der zwischenbehördlichen Kommunikation genutzt. Darüber hinaus muss in zahlreichen Fällen eine Bearbeitung der elektronischen Vorgänge über verschiedene Behörden oder Ämter hinweg gewährleistet werden. Dies betrifft etwa Prozesse, die vom Bürger oder von Unternehmen an dezentraler Stelle initiiert werden, aber eine Weiterverarbeitung und abschließende Beurteilung von zentraler Stelle erfordern. Für bestimmte Prozesse kann auch eine abschließende Entscheidung die Mitwirkung verschiedener Ämter erforderlich machen. [vgl. O.A.01b]

Im Bereich der Beschaffung gibt es verschiedene Anwendungsfälle, in denen sowohl Unternehmen als auch Verwaltungen in Kontrakte einsteigen können, die an anderer Stelle ausgehandelt wurden. Dies betrifft etwa positiv verhandelte Ausschreibungen, die in einen Rahmenvertrag zwischen Verwaltung und Lieferant münden und dann zur freien Teilnahme auf Portalen oder Marktplätzen publiziert werden. Andere Verwaltungen können in diese Verträge eintreten und von den ausgehandelten Konditionen profitieren, ohne langwierige Ausschreibungsverfahren durchführen zu müssen.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten von G2G sind Portale für Fördergelder und

Mittelverteilung, über die Behörden Mittel von zentraler Stelle anfordern können, wenn bestimmte Voraussetzungen der Förderung erfüllt sind.

2. 5 Konzeptionelle Anforderungen

Es wurde bereits erwähnt, dass schon viele Verwaltungen versuchen, ihre Backoffice-Anwendungen zu integrieren und sich darüber hinaus vermehrt mit einem entsprechenden und vor allem ansprechenden Internetauftritt beschäftigen.

Der erste Schritt in Richtung E-Government erfolgt also durch den Aufbau entsprechender Homepages oder Internetmarktplätze, die zunächst lediglich dem Bürger ein erweitertes Informationsangebot bieten sollen.

Auf ausgereifteren Marktplätzen und Portalen finden sich neben den Angeboten der Verwaltung auch zusätzliche Angebote und Services von lokalen Unternehmen, Vereinen, Verbänden und anderen Organisationen.

In einem weiteren Schritt werden den verschiedenen Adressaten der öffentlichen Verwaltung spezielle Services angeboten, die über elektronische Formulare im Internet verfügbar gemacht werden. Die Service-Szenarien umfassen aber mehr als nur ein Formular. Parallel dazu soll eine Optimierung der Geschäftsprozesse im Verwaltungsbereich durchgeführt werden, wodurch die Weiterverarbeitung der Formulare verbessert und die Integration in die Verwaltung sichergestellt wird. An Stelle des Formulareingangs in der Verwaltung wird ein professionelles Customer Relationship Management aufgebaut, das dem Bürger, den Unternehmen und anderen Adressaten einen Service aus einer Hand anbietet und die Weiterverarbeitung erleichtert.

Die Weiterverarbeitung der Formulare kann nun auf unterschiedlichen Wegen geschehen. Die Geschäftsprozesse werden durch den Einsatz elektronischer Arbeitsabläufe unterstützt. Dabei müssen auch vorhandene Fachverfahren integriert werden. Neben der elektronischen Abbildung der Arbeitsprozesse ist auch eine Integration der Dokumentenverwaltung gefordert, was zur elektronischen Verwaltung ganzer Akten führt.

In der Konsequenz führen die Services zu finanziellen Transaktionen, die auf speziellen Konten für den Bürger oder das Unternehmen verbucht werden. Daneben ist die Integration in die Backoffice-Verfahren der Verwaltungen gefordert. In der

Endausbaustufe liegen damit vollständig integrierte Geschäftsprozesse vor, die von der Antragsstellung im Internet ohne Medienbruch automatisiert abgewickelt werden und damit enorme Vorteile für die Verwaltung und ihre Adressaten mit sich bringen.

Um mit diesen neuen Medien aber richtig umgehen zu können, bedarf es einer gewissen Medienkompetenz, die in den nachfolgenden Kapiteln ausführlich behandelt wird.

Es muss eine Akzeptanz bei der Bevölkerung geschaffen werden, damit diese Services auch genutzt werden, es muss die Infrastruktur (Erhöhung der Anzahl der Internetanschlüsse) verbessert werden, und es müssen Marketingmaßnahmen gesetzt werden, um diese neuen vorteilhaften Dienstleistungsangebote auch der breiten Masse bekannt zu machen.

3 Medien und deren Theorie

Mit der wachsenden Bedeutung von Medientechnologien in allen Teilen der Gesellschaft avancierte die Medientheorie in letzter Zeit zu einem ernstzunehmenden Bestandteil der Wissenschaften. Kein Bereich, ob Politik oder Ökonomie, ob Bildung oder Kunst funktioniert noch ohne Kommunikations- bzw. Informationsmedien. Medien bestimmen zunehmend selbst die Art und Weise der Organisation. Im Modus des Digitalen verschmelzen Text, Bild und Ton, so dass von klassischen Einzelmedien immer weniger gesprochen werden kann. Kommunikation, ob privat oder öffentlich, ist multimedial und längst nicht mehr nur Übermittler von kommunizierbaren Inhalten.

3. 1 Medientheorie

Medien sind zum Gegenstand vieler Wissenschaften geworden. In den 70er Jahren standen hauptsächlich politische Fragestellungen und Massenmedien und ihre Wirkungen im Zentrum medientheoretischer Überlegungen. In der Gegenwart ist die Diskussion wesentlich fachwissenschaftlicher ausgerichtet und fast jede Geistes- oder Sozialwissenschaft behandelt das Thema unter ihrer speziellen Perspektive.

Diese Vielzahl fachtheoretischer Ansätze mit einem Bündel von Fragestellungen und Methoden hat zur Unübersichtlichkeit geführt. Die verschiedenen Definitionen stellen entweder die Technik oder die Funktion oder auch die Inhalte in den Vordergrund. Selbst der Begriff „Medium“ wird nicht einheitlich verwendet.

Charakteristisch ist aber, dass Medien nicht als neutrale Träger oder Überträger von Informationen gelten, sondern als Techniken, welche die Möglichkeiten der Kommunizierbarkeit von Informationen konstituieren. Diese Möglichkeiten bedingen zugleich die Information selbst, denn zum einen erhält nur das, was kommuniziert, mitgeteilt und überliefert werden kann, eine Bedeutung, und zum anderen formt die Gestalt der Mitteilung (Handschrift, Buch, technisches Bild) auch ihren Inhalt. Wissen ist demnach in Abhängigkeit von den medialen Formen seiner Speicherung und Übertragung zu sehen. So ergibt sich die These, dass die in einer Epoche

dominierenden Kommunikations- bzw. Informationsmedien mit den Kommunikations- verhältnissen auch das Weltbild und die Wahrnehmungsmuster prägen. Der damit hergestellte Zusammenhang zwischen Medien und Strukturen der Erkenntnis nimmt Kultur als solche in den Blick. Medientheorie in diesem Sinne untersucht Medien als konstitutive Faktoren von Kultur. [vgl. KlSp00]

3. 2 Begriffsbestimmung Medium

Der Begriff Medium kann aus der Medientheorie in zweifacher Weise herausgearbeitet werden:

1. Medium als Vermittler von Kommunikation: Dies umfasst sowohl die Speicherung als auch die Übertragung von Information;
2. Medium als Technik generell und diese im Verhältnis zum menschlichen Körper bzw. als Erweiterung oder Ersatz von Körperteilen und Körperfunktionen.

Beide Sichtweisen sehen in Medien technische Artefakte, die „Wirklichkeit“ auf bestimmte Weise erfahrbar machen. Indem Medien die Strukturen der Weltwahrnehmung präformieren, geben sie auch den Spielraum und die Grenzen einer Kultur vor. [vgl. KlSp00]

3. 3 Neue Medien

Die innovative Verwendung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie in allen Bereichen der Gesellschaft hat den Begriff „Neue Medien“ geprägt. Neue Medien sind demnach alle Medien, die neue Informations- und Kommunikationstechnologien verwenden, die Erschließung eines neuen Nutzer- kreises ermöglichen und Veränderungen in den Kommunikationsstrukturen nach sich ziehen.

Da die klassischen Medien, wie Fernsehen, Radio oder Printmedien, die neuen

Technologien in komplementärer oder substitutiver Weise (digitales Fernsehen und

Radio, World Wide Web4) nutzen, kann man nicht mehr von einer Trennung in klassische und neue Medien sprechen.

4 Begriffsbestimmung Medienkompetenz

Der Begriff „Medienkompetenz“ ist in kurzer Zeit zu einem zentralen Begriff der Debatte über Gegenwart und Zukunft der Medienentwicklung geworden. Noch nicht in Theoriedebatten präzisiert, variiert der Ausdruck „Medienkompetenz“ in allen möglichen Bedeutungsfarben. Nur seine Funktion ist klar, er soll die Fähigkeiten begrifflich bündeln, die das Individuum innerhalb einer Medien- oder Informationsgesellschaft benötigt. Solche geforderten Fähigkeiten reichen von der bloßen Anpassung an die medienökonomischen und technischen Vorgaben, also der Fertigkeit, Medien zu bedienen, bis hin zur kritischen Reflexion und aktiven Gestaltung nicht nur der Medienlandschaft, sondern aller sozialen Umgebungen, die mit dieser vernetzt sind. Tatsächlich ist die Verwendung des Begriffes willkürlich, und seine jeweilige Bedeutung ist meist nur aus dem kontextuellen Inhalt zu klären. [vgl. Scho97]

4. 1 Dimensionen der Medienkompetenz

Medienkompetenz kann man als Kompetenz definieren, die fünf Dimensionen bzw. Ausprägungen beinhaltet. Diese sind:

- eine sachliche und technische Kompetenz, d.h. der Nutzer sollte in der Lage sein, mit der umgebenden Technik zurechtzukommen;
- eine soziale und kommunikative Kompetenz, d.h. der Nutzer sollte die durch die neuen Technologien veränderten Situationen in Bezug auf Austausch und Kooperation beherrschen können;
- eine Kompetenz zur Informationsbewältigung, d.h. die Fähigkeit, mit der
Informationsflut umgehen zu können;
- eine Kompetenz zur individuellen Orientierung, zur Integration der allgegenwärtigen Medien in das persönliche Leben;
- eine Kompetenz zur demokratischen Orientierung, d.h. die Beurteilung und

Nutzung der neuen Technologien im Hinblick auf gesellschaftliche Folgen und demokratische Erfordernisse.

Die Medienkompetenz des Einzelnen zeigt sich danach in einer kritischen Auseinandersetzung mit den Einflüssen und Wirkungen von Medien, in dem Verstehen und Bewerten von Medienbotschaften, beim Auswählen und Nutzen von Medienangeboten, in der eigenen Gestaltung und Verbreitung von Medien und nicht zuletzt bei der Analyse von Medien im gesellschaftlichen Zusammenhang. [vgl. Fisc96]

4. 2 Medienkompetenz als Kulturtechnik

Die angegebenen Fähigkeiten im Umgang mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sind Grundvoraussetzungen dafür, dass eine Informations- und Kommunikationsgesellschaft sich nicht nur durch das Vorhandensein der technologischen Voraussetzungen, sondern auch durch den Umgang mit diesen kennzeichnen lässt. [vgl. GaGe99] Medienkompetenz wird zu einer Schlüsselqualifikation, die jeden Einzelnen in seiner Rolle als Arbeitnehmer, Konsument und Staatsbürger vermehrt herausfordert. Dadurch wird die Fähigkeit, die Medien effektiv zu nutzen, kreativ zu gestalten und kritisch mit ihnen umzugehen, zu einer Kulturtechnik wie das Lesen und Schreiben. [vgl. Klen99]

Auch der Medienpädagoge Dr. Dieter Baacke, Professor an der Universität Bremen,

betont die Wichtigkeit der Medienkompetenz hinsichtlich lebenslangem Lernen:

„Medienkompeten z ist so wichtig wie nie zuvor, nicht zuletzt auf dem Hintergrund des lebenslangen Lernens. Die Bereitschaft zum lebensbegleitenden Lernen ist gerade im Zusammenhang mit der Informationsgesellschaft unverzichtbar. Die Halbwertszeit des Wissens wird immer kürzer. Der technische Fortschritt hat die Anforderungen im Beruf und auch im privaten Alltag erhöht. Das erfordert eine lebenslange Anpassung an neue Entwicklungen, erhöhte Verantwortung für die eigene berufliche Qualifikation und Offenheit gegenüber neuen und vielfältigen Formen des Lernens.“ [Baac00]

4. 3 Bereiche der Medienkompetenz

Medienkompetenz kann in vier Bereiche unterteilt werden, in die Befähigung zur Medienkritik, in die Medienkunde, in die Mediennutzung bzw. Medienhandlung und in die Mediengestaltung. Diese Bereiche werden in den nachfolgenden Kapiteln ansatzweise skizziert.

4.3. 1 Befähigung zur Medienkritik

Der medienkompetente Mensch sollte über Medienkritik verfügen, d.h., er sollte in der Lage sein, zielbewusst auszuwählen, welches Medium für seine auszuübende Tätigkeit den effektivsten Nutzen bringt. Er muss sich bewusst für ein Medium entschließen und sich gegen vorhandene Alternativen entscheiden. Hierzu gehört beispielsweise die Entscheidung darüber, welche Art von Medien dazu benutzt werden sollen, um Informationen zu einem gewissen Thema zu selektieren.

Der Mensch muss entscheiden, ob es in diesem Fall sinnvoll ist, Informationen aus dem Internet, einer Tageszeitung, einem Buch, einer Zeitschrift, dem Fernsehen oder aus weiteren Informationsquellen auszuwählen. Der medienkompetente Mensch sollte in der Lage sein, aus der Vielfalt der möglichen Medien das jeweils für die aktuelle Situation passende selbstverantwortlich zu selektieren. Er muss aber auch die Qualität seiner ausgewählten Information autonom beurteilen können und entscheiden, ob er diese Information braucht oder nicht. [vgl. Baac00]

4.3. 2 Medienkunde

Der Mensch sollte in der Lage sein, möglichst viele Medienarten nutzen und bedienen zu können.

Darunter fällt beispielsweise die Installation und Bedienung von Hard- und Software, der Informationsabruf über das Internet, das Verschicken einer E-Mail, die Bedienung des Videorecorders usw. Aber auch theoretisches Wissen über die neuen Medien gehört zur Medienkunde.

Dazu gehören beispielsweise:

- Wozu kann ein Personal Computer verwendet werden (Anwendungsbereich)?
- Was ist das Internet und welche Möglichkeiten bietet es?
- Was bedeuten die neuen Medien für uns?
- Wie wird der Computer die Zukunft verändern?
- Welche gesellschaftliche Bedeutung haben Internet und Multimedia?

Dieses theoretische Wissen über Medien gehört heutzutage bereits zum Alltagswissen und sollte nicht vernachlässigt werden. Die Nutzer sollen befähigt werden, Veränderungen in der Informations- und Kommunikationskultur zu reflektieren und dies mit eigenen Erfahrungen in Beziehung zu setzen. [vgl. Baac00]

4.3. 3 Mediennutzung bzw. Medienhandeln

Dieser Gesichtspunkt ist für den Medienpädagogen Professor Dr. Dieter Baacke persönlich die Quintessenz der Medienkompetenz. Ziel ist es, mit Hilfe der Medien ein eigenes Medienprodukt, wie es das Radio, das Fernsehen oder das Internet uns täglich liefert, eigenhändig zu produzieren.

Beispiele hierzu sind:

- Radioprogramme und Videofilme unter eigener Regie erstellen;
- Eigene Websites, Zeitungen oder Referate und Berichte im Internet publik zu machen;
- Mit geeigneten Suchmaschinen Daten aus großen Datenmengen zu suchen und danach zu selektieren;
- Gemeinsame Zusammenarbeit mit anderen Institutionen über das Internet, z.B. zwischen verschiedenen internationalen Schulen, die eine gemeinsame Schülerzeitung erstellen. [vgl. Baac00]

4.3. 4 Mediengestaltung

Bei der Mediengestaltung wird vor allem Kreativität und Gestaltungskompetenz verlangt. Beispielsweise werden Bilder digitalisiert, entfremdet oder manipuliert. Bei der Bildbearbeitung werden vorhandene (analoge) Bildvorlagen oder die Wirklichkeit mit einer Videokamera gefilmt, digitalisiert, mit einem Grafikprogramm weiterverarbeitet und dann wieder auf Videoband gespeichert und vorführbar gemacht. Dabei sollten nicht die bisher gewohnten Zeichen- oder Maltechniken nachgeahmt, sondern neue Ausdrucksformen computerunterstützter Bilderzeugung entwickelt werden. [vgl. Baac00]

5 Kritik am Medium Rundfunk

Medien wurden - in genereller Hinsicht - durch verschiedene Geistes- und Humanwissenschaften untersucht. Einige Richtungen, ohne eine vollständige Aufzählung geben zu wollen, die sich entwickelt haben, sind die Medienpsychologie, die Mediensoziologie und die Medienökologie. Aus diesen Bereichen wollen wir im folgenden Kapitel die Kritikpunkte am Massenmedium Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) zusammenfassend darstellen.

5. 1 Fernsehen als Massenmedium

Der im Begriff Massenmedium enthaltene Hinweis auf die Adressaten dieses

Kommunikationstyps hat eine quantitative und qualitative Bedeutung:

- Masse bezieht sich auf die Vielzahl von Personen, an die sich die

Kommunikation richtet.

Der Begriff Masse spielt aber auch auf die Eigenschaften des sozialen Umfeldes der medial vermittelten Kommunikation an:

- Masse bezeichnet ein größeres, wenig strukturiertes Kollektiv, deren Mitglieder nur schwach an traditionelle Normen und Werte gebunden sind, weshalb sie als relativ leicht beeinflussbar gelten.

Die modernen Massenmedien des 20. Jahrhunderts haben somit eine fast unbegrenzte Ausbreitung der Inhalte über alle Bevölkerungsschichten gebracht, dies gilt besonders für die audiovisuellen Medien Film und Fernsehen, die keine hohe Lesekompetenz voraussetzen. [vgl. Hunz96]

Da aber, wie in Kapitel 3.2 bereits dargestellt, die Medien nicht nur auf die Übertragung der Kommunikationsinhalte beschränkt werden können und sie zusätzlich auch die formale und inhaltliche Gestaltung der Aussagen umfassen, lässt das den Schluss zu, dass Medien somit die Aussage prägen und die in einer

Gesellschaft vorherrschenden Medien die Qualität des öffentlichen Diskurses wesentlich beeinflussen.

5. 2 Medienwirkungen der Massenmedien

Man kann die Wirkungen von Massenmedien grob in verschiedene Bereiche einteilen: Wirkungen auf das Individuum, auf die Menschen im Rahmen ihrer alltäglichen Lebenswelt und auf die Gesellschaft, ihre Institutionen und Organisationen.

5.2. 1 Medienwirkung auf die Individuen

Diese umfasst die Veränderungen im Verhalten während des Rezipierens und im Verhalten und Erleben nach dem Aufnehmen, insofern diese Veränderungen aus der Zuwendung des Menschen zu Aussagen der Massenkommunikation resultieren.

Die sozialpsychologische Forschung hat gezeigt, dass die mediale Kommunikation höchstens in der Lage ist, bereits vorhandene Einstellungen zu bekräftigen oder zu verstärken.

Dies gilt aber nur für kurzfristige Effekte, wobei längerfristige Wirkungen, die sich aus dem andauernden Medienkonsum ergeben, vernachlässigt werden, da die Forschung erst in den letzten Jahren begonnen hat, diesem Aspekt mehr Beachtung zu schenken. [vgl. Hunz96]

5.2. 2 Medienwirkung im alltäglichen Leben

Diese besteht darin, dass die Menschen für die Mediennutzung Zeit benötigen, was bedeutet, dass sie weniger Zeit für andere Tätigkeiten zur Verfügung haben und dass sie möglicherweise ihren Tagesablauf nach dem Medienangebot ausrichten.

Gerade beim Fernsehen sind diese Wirkungen offensichtlich, da dessen Programm eine Zuwendung zu fest vorgegebenen Zeiten erfordert. Durch die Mediennutzung

als Element des Tagesablaufes können sich die alltäglichen Verhaltensmuster dauerhaft ändern.

Aber auch die inhaltlichen Aspekte des Fernsehens sind nicht zu ignorieren. Einerseits führt es eine soziale Realität vor, die erheblich von der direkt erlebten Erfahrungswelt abweicht und somit Themen aufgreift, die subjektive Betroffenheit auslöst und zu einer Auseinandersetzung mit eigenen Lebensproblemen anregt, aber auch Vereinfachungen und dramatisierende Überspitzungen darstellt, die von den eigenen Problemen ablenken. [vgl. Hunz96]

5.2. 3 Gesellschaftliche Auswirkungen der Medien

Im gesellschaftlichen sowie im politischen Bereich ergibt sich die Wirkung der Medien aus der Art und Weise ihrer Information der verschiedenen Bevölkerungskreise sowie aus ihrem Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung und damit zur öffentlichen Kontrolle der politischen Entscheidungsinstanzen und Vollzugsorgane.

Neben dem wirtschaftlichen Bereich, wo sie als Darstellung von Angebot und Nachfrage dienen, leisten sie im soziokulturellen Bereich einen nicht immer hinsichtlich ideologischer Ausrichtung unproblematischen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration mittels Transfer von Bildung und Kultur. [vgl. Hunz96]

Nach dem ökologischen Ansatz sind die Medien ein Bestandteil der sozialen Umgebung der Menschen und beeinflussen diese auf verschiedene Art und Weise. Das soziale Handeln der Menschen entfaltet sich in der Auseinandersetzung mit dieser von den Medien mitgestalteten Umwelt. Die Medienökologie weist darauf hin, dass die Medien als Verursacher von Wirkungen selbst das Produkt sozialer Wirkungszusammenhänge sind.

Der Medienökologe Neil Postman, der sich in seinem medientheoretischen Ansatz

„Infotainment“ besonders mit dem Einfluss auf bestimmte Bereiche des sozialen

Lebens beschäftigt hat, kritisiert am Medium Rundfunk, dass nur mehr die nicht-

verbale Information wahrgenommen wird, der Zuseher sozusagen überwältigt wird von der Fülle an Information.

Die Aufmerksamkeit der Zuseher wird nicht mehr wie bei der Schrift auf eine Abfolge logisch, abstrakter, distanzierter und komplexer Gedanken gelenkt, sondern nur mehr auf bildgewordene Ereignisse und Informationen, besonders aber auf konkret anschauliche Personen, die so gezeigt werden, wie sie die Zuschauer sehen wollen. Das Bildmedium Fernsehen provoziert ausschließlich ästhetische Reaktionen, mit den elektronischen Bildern treten anstelle der Vernunft Emotionalität und Oberflächlichkeit.

Bilder sind direkt, konkret, anschaulich und sprechen das Emotionale und Unbewusste der Zuschauer an. Sie sind ausgerichtet auf Schnelligkeit, Einfachheit, Spannung und Abwechslung. Aus dieser Vermeidung von Komplexität, Mangel an tieferer Bedeutung und Folgenlosigkeit größerer Ereignisse entsteht ein konfuses Weltbild - Märchenland ähnlich - ohne Richtlinien für die Einschätzung der Wichtigkeit von Entscheidungen, ohne moralische Maßstäbe, Verantwortung, Sinn und Verstand. Es führt bei Erwachsenen zur Aufgabe der Rationalität und verstärkt das kindliche Bestreben nach direkter Bedürfnisbefriedigung und die kindliche Gleichgültigkeit gegenüber jeglichen Folgen des Handelns.

Postman vertritt die Meinung, Fernsehen produziert eine Kultur, „Infotainment“, die alles, was nicht vergnüglich ist, massiv ignoriert und damit öffentliche Angelegenheiten ins Lächerliche zieht und Diskussionen zum unterschiedslosen Geplapper werden lässt und dies das Ende der Kultur und der Nation bedeutet. [vgl. KlSp00]

5. 3 „Verstärkung“

Zur Kritik und den Wirkungen von Massenmedien kann man unter dem Stichwort

„Verstärkung“ zusammenfassend feststellen, dass Massenmedien

1. eine Verstärkung der Meinungen und Verhaltensdispositionen, welche die einzelnen Mitglieder des Publikums bereits besitzen, bedeuten.
2. in den seltensten Fällen die Änderung von Einstellungen herbeiführen.
3. bestehende Einstellungen im Publikum verändern, und zwar verstärken oder verringern, das aber nicht die Aufgabe oder Umkehr einer Einstellung ermöglicht.
4. sehr wirksam in der Erzeugung von Einstellungen oder Meinungen sind, wenn sich das Publikum vorher noch keine eigene Meinung gebildet hat. [vgl. Hunz96]

6 Der Österreichische Rundfunk (ORF)

Am 1. August 1955 startete der Österreichische Rundfunk sein Fernseh- Versuchsprogramm über vier Sender: Wien-Kahlenberg, Graz-Schöckl, Linz- Freinberg und Salzburg-Gaisberg. Im Jahr 1957 wurde ein regulärer Sendebetrieb an sechs Tagen in der Woche eingerichtet. Der ORF hatte im Jahr 1961 etwa 200.000

Fernsehteilnehmer und 25 Sendeanlagen, welche die großen Ballungsgebiete

versorgten. Im Jahr 1968 gab es bereits eine Million Fernsehbewilligungen und mehr als 120 Sender. Doch erst Anfang der 80er Jahre wurde mit mehr als 800 Sendern an rund 400 Standorten ein akzeptabler Versorgungsgrad erreicht. [vgl. Dada01]

Mit der Einführung von flächendeckendem österreichischen Privatfernsehen im Jahr

2002 ergibt sich die Notwendigkeit der Schaffung adäquater Rahmenbedingungen für einen weiteren Ausbau des dualen Rundfunksystems in Österreich. Dabei soll der öffentlich-rechtliche Auftrag des ORF präzisiert und gestärkt werden, wobei es zugleich gilt, die Aufrechterhaltung der Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens im internationalen Wettbewerbsumfeld abzusichern.

Die Wahrnehmung des öffentlich-rechtlichen Auftrages soll im Rahmen einer Stiftung öffentlichen Rechts erfolgen; ein Stiftungsrat tritt an die Stelle des Kuratoriums5. Der Unternehmensgegenstand sowie der Versorgungs- und Programmauftrag werden im Lichte rechtlicher Vorgaben zur Transparenz konkretisiert.

Während beim öffentlich-rechtlichen Programmauftrag strengere Werbevorschriften gelten, soll es für den ORF darüber hinaus die Möglichkeit geben, in Kooperation mit Dritten gewinnorientiert tätig zu werden, etwa in Form von Spartenprogrammen.

Nach einem parlamentarischen Beschluss des neuen ORF-Gesetzes vom 5. Juli

2001 traten mit 1. August 2001 erste Teile der Rundfunkreform in Kraft. Die Neuformulierung des Programmauftrages und die Werbebeschränkungen haben ab Januar 2002 Gültigkeit. Durch die Reformierung des ORF wird auch die Weiterführung und Aufrechterhaltung eines der größten österreichischen Medienunternehmen mit mehr als 2.600 Angestellten sowie zahlreichen freien Mitarbeitern garantiert.

Zu den wesentlichen Änderungen des Rundfunkgesetzes (RFG) zählen [vgl. BKAM01]:

- Umgestaltung der Rechtsform: Der ORF wird in eine Stiftung nach öffentlichen Recht umgewandelt. Die Stiftung hat keine Eigentümer, begünstigt ist die Allgemeinheit.

- Festlegung des Unternehmensgegenstandes: Veranstaltung von Rundfunk

(Hörfunk und Fernsehen), sowie von Online-Diensten und Teletext, die mit der

Veranstaltung von Rundfunk in Zusammenhang stehen.

- Festlegung eines technischen Versorgungsauftrages (siehe Kapitel 6.1.1).
- Programmveranstaltung mit Dritten: Gesetzliche Grundlage für Programme über den öffentlich-rechtlichen Auftrag hinaus, die der ORF alleine oder in Kooperation mit anderen Unternehmen veranstalten kann. Neue Aktivitäten, vor allem Spartenprogramme, können jedoch nur mit Zustimmung des Stiftungsrates in Angriff genommen werden.
- Digitalisierungsauftrag: Der ORF hat nach Maßgabe technischer Entwicklung und Verfügbarkeit sowie wirtschaftlicher Tragbarkeit, seine gesetzlichen Programme (im Rahmen des technischen Versorgungsauftrages) unter Nutzung digitaler Technologie zu veranstalten.
- Bereitstellung von Sendeanlagen für Rundfunkveranstalter: Mitbenützung von Sendeanlagen durch private Veranstalter im Rahmen der technischen Möglichkeiten gegen angemessenes Entgelt.
- Neugliederung und Neuformulierung der inhaltsbezogenen Regelungen: Sicherstellung und Verbesserung der Programme im Verhältnis zur privaten Konkurrenz.
- Neugestaltung der politischen Unvereinbarkeiten: „Entparteipolitisierung“ der

Organe im Österreichischen Rundfunk.

- Strukturelle Änderungen bei Organen und Vertretern: Stiftungsrat, Geschäftsführung, Publikumsrat, Weisenrat etc.
- Zusätzliche Regelungen über Werbung und Sponsoring: Neue Werbemöglichkeiten für Spartenprogramme; Verbot von Themensponsoring und Product Placement6; Neufassung der Unterbrecherwerbung etc.

6. 1 Aufgaben des Österreichischen Rundfunks

Zu den zwei wesentlichen Aufgaben des Österreichischen Rundfunks zählen einerseits der Versorgungsauftrag und andererseits der Programmauftrag.

6.1. 1 Versorgungsauftrag

Der ORF wird durch das Rundfunkgesetz zur Vollversorgung der Bevölkerung im Sendegebiet verpflichtet. Diese Verpflichtung nimmt der ORF durch den Betrieb eines flächendeckenden terrestrischen Sendernetzes wahr.

- 3. (1) Der Österreichische Rundfunk hat unter Mitwirkung aller Studios

1. für drei österreichweit und neun bundeslandweit empfangbare Programme des Hörfunks und
2. für zwei österreichweit empfangbare Programme des Fernsehens zu sorgen.

Die Programme sind terrestrisch zu verbreiten, d.h. sie müssen über eine herkömmliche Antenne empfangbar sein. Die Ausstrahlung von Programmen über Satellit hat nach Maßgabe der technischen Entwicklung und der wirtschaftlichen Tragbarkeit unter Nutzung digitaler Technologien zu erfolgen (ORF-DIGITAL).

Der Österreichische Rundfunk hat auch dafür zu sorgen, dass in Bezug auf Programm- und Empfangsqualität alle zum Betrieb eines Rundfunkempfangsgerätes (Hörfunk und Fernsehen) berechtigten Bewohner des Bundesgebietes gleichmäßig und ständig mit jeweils einem bundeslandweit und zwei österreichweit empfangbaren Programmen des Hörfunks und zwei österreichweit empfangbaren Programmen des Fernsehens versorgt werden.

Zum Versorgungsauftrag gehört auch die Veranstaltung von mit Rundfunk- programmen in Zusammenhang stehenden Online-Diensten (etwa ORF ON) und Teletext, die der Erfüllung des Programmauftrages dienen. [vgl. ORFG01]

6.1. 2 Programmauftrag

- 4. (1) Der Österreichische Rundfunk hat durch die Gesamtheit seiner gemäß - 3 verbreiteten Programme zu sorgen für:

1. die umfassende Information der Allgemeinheit über alle wichtigen politischen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Fragen;
2. die Förderung des Verständnisses für alle Fragen des demokratischen
Zusammenlebens;
3. die Förderung der österreichischen Identität im Blickwinkel der europäischen
Geschichte und Integration;
4. die Förderung des Verständnisses für die europäische Integration;
5. die Vermittlung und Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft;
6. die Berücksichtigung der österreichischen künstlerischen und kreativen
Produktion;
7. die Vermittlung eines vielfältigen kulturellen Angebotes;
8. die Darbietung von Unterhaltung;
9. die angemessene Berücksichtigung aller Altersgruppen;
10. die angemessene Berücksichtigung der Anliegen behinderter Menschen;
11. die angemessene Berücksichtigung der Anliegen der Familien sowie der
Gleichberechtigung von Frauen und Männern;
12. die angemessene Berücksichtigung der Bedeutung der gesetzlich anerkannten
Kirchen und Religionsgesellschaften;
13. die Verbreitung und Förderung von Volks- und Jugendbildung unter besonderer Beachtung der Schul- und Erwachsenenbildung;
14. die Information über Themen des Umwelt- und Konsumentenschutzes und der
Gesundheit;
15. die Förderung des Interesses der Bevölkerung an aktiver sportlicher
Betätigung;
16. die Information über die Bedeutung, Funktion und Aufgaben des Bundesstaates sowie die Förderung der regionalen Identitäten der Bundesländer;
17. die Förderung des Verständnisses für wirtschaftliche Zusammenhänge;
18. die Förderung des Verständnisses für Fragen der europäischen
Sicherheitspolitik und der umfassenden Landesverteidigung.

[...]


1 Content bezeichnet den von Struktur und Technik unabhängigen informativen Inhalt einer Website.

2 Customer Relationship Management (CRM, Kundenbeziehungs -Management) soll die Beziehungen zum Kunden in allen Phasen optimieren - angefangen bei der Kundenakquisition, dem Verkauf über alle Vertriebswege und der Auftragsabwicklung bis hin zum Kundenservice.

3 Dem Anwender soll über ein sogenanntes „Portal“ der schnelle Zugriff auf all jene Informationen oder Dienste ermöglicht werden, die er im Internet sucht. Damit möchte man dem Wunsch einer Vielzahl von Internet-Usern entgegenkommen, einen „Single Point of Access“, d.h. einen zentralen Zugangspunkt, zu haben, von dem aus alle relevante n Informationen leicht erreicht werden können.

4 Das World Wide Web (WWW) – der populärste Dienst des Internet - besteht aus Webservern, die über Standleitungen oder Glasfaserkabel verbunden sind. Diese stellen Websites im Dokumentenstandard HTML (= Hypertext Markup Language) bereit, die miteinander durch Verweise (sogenannte Hyperlinks) verbunden sind und multimediale Inhalte enthalten können. Der Zugriff darauf erfolgt über einen Browser. Ein wesentliches Kennzeichen des WWW ist das verwendete Übertragungsprotokoll HTTP (= Hypertext Transfer Protocol).

5 Das Kuratorium bestand aus 35 Mitgliedern und wählte den Generalintendanten sowie - auf dessen Vorschlag- die Direktoren, Intendanten und Landesintendanten. Es genehmigte die Programmschemata für Radio und Fernsehen, das Budget, den Personalstellenplan und den Rechnungsabschluss, sowie die Höhe des Programmentgelts und der Werbetarife.

6 Product Placement bezeichnet und umfasst die werbewirksame und zielgerichtete Integration von Markenpro- dukten und Dienstleistungen in den Handlungsablauf von Spielfilmen und Fernsehsendungen. Durch eine starke redaktionelle Integration soll dieser Einsatz zufällig wirken, um so Abwehrreaktionen (Reaktanz) bei den Zuschauern zu unterbinden. [vgl. AhBe01]

Ende der Leseprobe aus 183 Seiten

Details

Titel
Die Medienkompetenz der Österreicher unter besonderer Berücksichtigung von E-Government und Rundfunk
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien  (Wirtschaftsinformatik)
Note
Sehr Gut
Autoren
Jahr
2001
Seiten
183
Katalognummer
V5472
ISBN (eBook)
9783638133357
ISBN (Buch)
9783638696913
Dateigröße
1520 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Messung der Medienkompetenz erfolgte durch eine Umfrage von insgesamt 1200 Personen mittels Fragebogen. Die Ergebnisse wurden mittels SPSS ausgewertet und schriftlich und grafisch dargestellt.
Schlagworte
E-Government, Rundfunk, E-Business, Umfrage
Arbeit zitieren
Mag. Robert Winter (Autor)Harald Pötsch (Autor), 2001, Die Medienkompetenz der Österreicher unter besonderer Berücksichtigung von E-Government und Rundfunk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5472

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