Die Hausarbeit untersucht die Fragestellung, inwiefern Christa Wolfs Erzählung Der geteilte Himmel als ein Musterbeispiel für die Literatur des Bitterfelder Weges angesehen werden kann.
Zuerst wird dargelegt, unter welchen entstehungsgeschichtlichen und politischen Rahmenbedingungen die Erzählung entstand. Hierbei werden die Bitterfelder Konferenz und die dort formulierten realsozialistischen Anforderungen an Literatur im Vordergrund stehen, um so einen Ausgangspunkt für die in der Sekundärliteratur häufig auftretende These, Christa Wolfs Erzählung sei ein sehr gutes Beispiel für die Literatur des Bitterfelder Weges, zu schaffen.
Im Anschluß daran wird untersucht, inwiefern dieses kontrovers diskutierte Werk tatsächlich als ein Musterbeispiel für realsozialistische Literatur angesehen werden kann. Zunächst wird dabei eine inhaltlich-thematische Betrachtung des Werkes vorgenommen. Anschließend stehen die Darstellung der beiden Protagonisten Rita und Manfred sowie die Darstellung der zwei Gesellschaftssysteme Sozialismus – Kapitalismus und der Arbeitswelt in der Erzählung zentral, um dann eine Abgrenzung hinsichtlich Erfüllung, Annäherung oder Unterlaufung der literaturpolitischen Vorgaben des Bitterfelder Weges vornehmen zu können. Im weiteren folgt eine kurze allgemeine Darlegung der formalen Ziele sozialistisch-realistischer Literatur, worauf die Umsetzung der von Christa Wolf in ihrer Erzählung Der geteilte Himmel verwendeten formalen Gestaltungsmittel betrachtet wird. Auch dies wird in Hinsicht auf die Anforderungen an die sozialistisch-realistische Literatur des Bitterfelder Weges erörtert.
Die Untersuchung schließt mit einer Gesamtbetrachtung, in der die Ergebnisse der Analyse hinsichtlich der inhaltlichen als auch formalen Aspekte zusammengefaßt und in Bezug zu Christa Wolfs schriftstellerischen Zielen gesetzt werden, um so eine Antwort auf die Fragestellung der Hausarbeit zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehungsgeschichtlicher Hintergrund
3. Konzeption
3.1 Darstellung der Figuren
3.1.1 Rita – persönliches Liebesglück vs. gesellschaftliche Verantwortung
3.1.2 Manfred – der bürgerlich-intellektuelle Antiheld?!
3.2 Darstellung der Gesellschaftssysteme
3.3 Darstellung der Arbeitswelt
4. Form
4.1 Formale Ziele sozialistisch-realistischer Literatur
4.2 Gebrauch formaler Gestaltungsmittel
5. Der geteilte Himmel – ein Musterbeispiel der Literatur des Bitterfelder Weges?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Fragestellung, ob Christa Wolfs Erzählung "Der geteilte Himmel" als exemplarisches Musterbeispiel für die Literatur des sogenannten Bitterfelder Weges innerhalb der DDR-Literatur betrachtet werden kann.
- Analyse der entstehungsgeschichtlichen und politischen Rahmenbedingungen
- Untersuchung der Figurenkonstellation (Rita und Manfred)
- Gegenüberstellung der dargestellten Gesellschaftssysteme und der Arbeitswelt
- Bewertung der formalen Gestaltungsmittel im Kontext sozialistisch-realistischer Ästhetik
- Diskussion der Diskrepanz zwischen literaturpolitischen Vorgaben und individueller Umsetzung
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Manfred – der bürgerlich-intellektuelle Antiheld?!
Manfred hingegen, der sich gegen ein Leben in der DDR entscheidet, wird nicht einzig als feindlicher, pessimistischer Antiheld dargestellt und für seinen Entschluß verurteilt, sondern als ein gemischter Charakter mit eben auch sympathischen Zügen, insbesondere durch Rita und ihre Liebe in ihm wieder zum Vorschein gebracht, gezeichnet. Dies und schon allein die Tatsache, daß eine Figur sich bewußt gegen ein Leben in der DDR entscheidet, entspricht nicht der von sozialistisch-realistischer Literatur gewünschten Darstellung von Figuren, die am Ende ihrer Entwicklung ein sozialistisches Bewußtsein entwickelt haben sollten. Zudem wird seine Entscheidung in ihrer Motivation gründlich und nachvollziehbar dargelegt.
In Manfred, einem zynisch-resignativen, durch eine zwanghafte negative Abhängigkeit von der erlebten faschistischen Vergangenheit geprägten Charakter bürgerlicher Klassenherkunft, wächst die Skepsis gegenüber der sozialistischen Gesellschaftsordnung. Nicht von vorn herein das Leben im Westen als eine Alternative für sich in Betracht ziehend, geht es ihm zunächst vielmehr um das Finden einer richtigen Einstellung zur Gesellschaft der DDR. Anfänglich noch eine Überwindung der Widersprüche und Selbstverwirklichung innerhalb der sozialistischen Gesellschaft anstrebend, trifft er jedoch bald auf scheinbar unüberwindbare Widerstände, die ihn in seiner negativen Entwicklung – ausgehend von den getypten Helden sozialistisch-realistischer Literatur – bestärken. Seine enttäuschenden, desillusionierenden Erfahrungen äußern sich in einem gespaltenen Lebensgefühl der neuen Gesellschaft gegenüber und seiner ohnehin schon skeptischen Ansicht hinsichtlich des Aufbaus eines sozialistischen Staates: „Wir lachten laut, wenn wir die Plakate lasen: Alles wird jetzt anders. Anders? Mit wem denn? Mit diesen selben Leuten?“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsziel, die Erzählung "Der geteilte Himmel" in Bezug auf die Konformität mit dem Bitterfelder Weg zu prüfen.
2. Entstehungsgeschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet die politischen Hintergründe der Bitterfelder Konferenz und das Betriebspraktikum der Autorin als Basis für ihr Werk.
3. Konzeption: Das Hauptkapitel analysiert die Figurenpsychologie, die Darstellung der gegensätzlichen Gesellschaftssysteme sowie den Erfahrungsraum der Arbeitswelt.
4. Form: Hier wird untersucht, wie Christa Wolf moderne Erzähltechniken nutzt und inwiefern diese mit den strengen formalen Vorgaben des sozialistischen Realismus kollidieren.
5. Der geteilte Himmel – ein Musterbeispiel der Literatur des Bitterfelder Weges?: Das Fazit fasst zusammen, dass die Erzählung aufgrund ihrer differenzierten, nicht dogmatischen Darstellung nur bedingt als rein idealtypisches Beispiel für den Bitterfelder Weg gelten kann.
Schlüsselwörter
Christa Wolf, Der geteilte Himmel, DDR-Literatur, Bitterfelder Weg, sozialistischer Realismus, Literaturpolitik, Figurencharakterisierung, Arbeitswelt, Identifikation, Mauerbau, ästhetische Gestaltung, Erzählperspektive, Gesellschaftssysteme, systemimmanente Kritik, Literaturkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit primär?
Die Arbeit untersucht, ob Christa Wolfs Erzählung "Der geteilte Himmel" als Musterbeispiel für die Literatur des Bitterfelder Weges in der DDR eingestuft werden kann.
Welche zentralen Themen werden in dem Werk behandelt?
Zentral sind die Liebesgeschichte zwischen Rita und Manfred, die Entscheidung für oder gegen die DDR, der sozialistische Aufbau sowie die Darstellung der Arbeitswelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Grad der Annäherung, Erfüllung oder Unterlaufung der literaturpolitischen Vorgaben des Bitterfelder Weges durch die Autorin aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert auf einer inhaltlich-thematischen Werkbetrachtung sowie einer Analyse der formalen Gestaltungsmittel im Vergleich zur zeitgenössischen Literaturtheorie.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil besonders im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Charakterzeichnung der Protagonisten, die Schilderung der beiden Gesellschaftssysteme sowie die kritische Reflexion des sozialistischen Arbeitsalltags.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bitterfelder Weg, sozialistischer Realismus, DDR-Identität und literarische Moderne beschreiben.
Wie unterscheidet sich Ritas Entwicklung von dem geforderten Heldenbild der Zeit?
Rita ist kein ungebrochener, rein positiver Held, sondern ein differenzierter Charakter, der durch existentielle Krisen und Selbstzweifel geprägt ist.
Warum spielt der Mauerbau für die Interpretation eine so wichtige Rolle?
Der Mauerbau am 13. August 1961 bildet den historischen und politischen Kontext, der Manfreds Flucht und Ritas Entscheidung für die DDR erst notwendig macht.
- Arbeit zitieren
- Hanka Loos (Autor:in), 2004, "Der geteilte Himmel" von Christa Wolf. Ein Musterbeispiel sozialistisch-realistischer Literatur des Bitterfelder Weges?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54771